Henry Miller – Collage und Zeichnung von Susanne Haun
Die Eindringlichkeit, Außergewöhnlicket und Einsamkeit in den Hörbüchern von Henry Miller springt mich an.
Ich empfinde das Hörbuch hören so oder so intensiver als das Lesen. Mit den Kopfhörern und meinem iPod schliesse ich mich von der Welt aus und begebe mich in einen ganz eigenen Kosmos.
Begonnen habe ich “Mit Henry Miller nach New York”, dabei entstanden Collagen, darunter auch die Collage “Henry Miller”. Die CD dauert nur 55 Minuten und der Text wird von Jazz Stücken unterbrochen. Das hat mir Zeit zum Nachdenken gegeben.
Ich mag New York sehr, aber ich kenne es nicht. Als Tourist und auch als Ausstellende meiner Werke in der German House Gallery werde ich mit den Sorgen, Nöten und Problemen der Stadt nicht konfrontiert. Ich sehe nur das Glitzern und die schönen Seiten der Stadt. Ich suhle mich in den Hochhäusern und Brücken, im fremden Essen, den Geschäften und den Central Park. Aber kenne ich New York? Nein.
Habe ich eine Vorstellung von Henry Miller nach dem Hören des Buches? Nein.
So ist die Collage sehr gut zu verstehen, die ich nach dem großen Autor benannte. Ich bin zufrieden mit ihr.
Dann hörte ich weiter. Ich hörte “Stille Tage in Clichy”. Ohne Vorwarnung begann ich im Berufsverkehr in der S-Bahn mit dem Buch. Ich hoffe, meine Kopfhörer sind so isoliert, dass die Mitreisenden nicht hörten, was vorgelesen wurde. Ich war auf dem Weg zum Aktmalen, so passte es. Was ich vom Text halte? Ich weiss es noch nicht, ich muss darüber nachdenken. Aber ich höre noch weiter.
Und natürlich habe ich das Netz nach Miller durchsucht! Sehr schön finde ich Henry Millers Punkte für die “Every Day Writer”, welche nahtlos auf die “Every Day Drawer” zu übertragen sind (siehe hier).
Es entstand mit dem wenigen “mehr an Wissen” mein Sinnbild von Miller.
Wer sind wir? – Portrait Zeichnung von Susanne Haun
Am letzen Samstag stand dazu ein sehr gelungener Artikel von Adelheid Müller-Lissner im Berliner Tagesspiegel. Laut Frau M.-L. befinden wir uns in der “vierten Welle” des Feminismus und diese beinhaltet, dass die Lebensentwürfe anderer Frauen zu respektieren sind.
Das gefällt mir sehr, denn mein Lebensentwurf wurde in der Vergangenheit mehr von Frauen als von Männern kritisiert.

Blatt 1 – Mein Sinnbild von Alice Schwarzer – Tusche auf Bütten – 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun
Ich arbeite gerade an meinem Sinnbild von Alice Schwarzer für den Kalender “Die wilden 13″ für 2014 mit dem Thema “Starke Frauen” und so hat es mich zum Thema Emanzipation verschlagen.
Beim ersten Sinnbild von Alice Schwarzer dachte ich nicht nach und wählte ein Querformat. Als ich mich zufrieden, noch die Feder in der Hand, zurücklehnte, wurde mir klar, das Kalender mit Portraits Hochkant gestaltet werden.
Aber aller guten Dinge sind zwei und so hörte ich mir das Interview von Alice Schwarzer in der Mediathek von Phoenix an und zeichnete Sinnbild Nr. 2.

Blatt 2 – Mein Sinnbild von Alice Schwarzer – Tusche auf Bütten – 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun
For my English-speaking readers:
Emancipation? What is it today?
Last Saturday I read a very successful report by Adelheid Müller-Lissner in the newspaper “Berliner Tagesspiegel”. According to Ms. M.-L. we are in the “fourth wave” of feminism and this implies that the ways of life of other women are to be respected.I really like it, because my life has been criticized in the past more by women than by men.
Kunst = Kunst Teil 5 = Marina Abramovic – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun
Der Film “Marina Abramovic: The Artist Is Present (OmU)” ist sehr beeindruckend.
Mir fallen bei meiner Beschreibung zuerst die unwichtigen Dinge ein, weil die wichtigen Sequenzen kaum zu beschreiben sind, sie sind nur erlebbar.
Ich sah den Film vor einer Woche und habe mir für meinen Bericht fast eine Woche Zeit gelassen. Zeit, um über den Film nachzudenken und ihn nachwirken zu lassen.
Marina Abramov würde gerne beschreiben, was für ein administrativer Aufwand es ist, Kunst zu machen und wie viele emails sie schreiben, wie viel Telefonate sie führen und zu wie vielen Veranstaltungen sie gehen muss.
Ich werde nach dem Film nie wieder sagen, dass meine Wohnung oder mein Atelier klein sind.
Marina Abromovic lebte mit ihrem damaligen Lebens- und Künstlergefährten Ulay 5 Jahre lang in einem Wohnmobil bzw. umgebauten Laster.
Sie beschloss ein Manifest zu schreiben, um das wichtigste ihrer Kunst in Worten festzuhalten. Sie las es zuerst in Florenz vor, ich habe es bei youtube gefunden.
“Künstler müssen Krieger sein. Sie müssen diese Bestimmung und das Durchhaltevermögen haben, um kämpfen zu können.” sagt sie u.a. in ihrem Manifest.
Die ersten Jahre ärgert sie sich, dass alle fragen, ob das (die Performance) Kunst ist. Und jetzt nachdem sie keiner mehr fragt, vermisst sie die Frage.
Der Film war so inhaltsschwer, ich wollte mich in dem Film fallen lassen und keine Notizen für einen Artikel machen und so bin ich sehr froh, einiges von Marina Abromovic auf youtube gefunden zu haben.
Im Spiegel vom 29.11.2012 schreibt Daniel Sander: “Der Film ist keine übermäßig kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Abramovic und der Performance-Kunst an sich geworden (…) Sie allein ist schon ein Kunstwerk.”
Ich habe lange überlegt, wie ich zeichnerisch diesen Film verarbeiten kann. Mit Farbe, war mein erster Gedanken. Und natürlich rot, denn bei Marina Abromovic denke ich an rot. Danach habe ich sie mit wenigen Linien dargestellt, um Raum für Gedanken zu geben.
UPDATE: 5.1.2013: Schaut dazu auch bei der Mützenfalterin, die einige Artikel zum Thema schrieb.
For my English-speaking readers:
The film “Marina Abramovic: The Artist Is Present (OV)” is very impressive.
I notice at first the description of unimportant things, because the important sequences are hard to describe, they just experienced.
She decided to write a manifesto to retain the most important words of her art. She read it first in Florence, I found it on youtube.
“Artists have to be warriors. You must have the determination and perseverance to fight for you.” Is one point of her manifest.
- Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun
________________________________
Marina Abramovic SCAD deFINE ART 2011 Keynote Lecture Pt. 1
Oehmke, Philipp, DER SPIEGEL 23/2010, Die 721-Stunden-Frau,
Sander, Daniel. Der Spiegel, Diese Frau kriegt alle rum.
Cranach und Luthers Portrait – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun
Es ist erstaunlich, wie viele Informationen aus einem kleinen Buch kommen können, wenn man nur weiß, wie man es lesen muß.
Für Cranach habe ich mich besonders intensiv Mitte des Jahres 2010 interessiert. Mit diesem Link seht ihr eine Übersicht meiner Artikel über Cranach und Luther mit meinem Wissenstand von 2012. In diesem Zusammenhang zeichnete ich auch meine Sinnbilder von Cranach und Luther.
Nach der Lektüre und Diskussion des Buches “Cranachs Luther” von Martin Warnke sehe ich vieles des damals gedachten intensiver und auch anders. Ich frage mich, wie meine Sinnbilder sich ob des Wissens, dass ich nun besitze, ändern werden?
Cranach hat eine große Anzahl an Porträtdrucken im Laufe Luthers Leben gefertigt. Warnke fragte sich, wie sich die Portraits mit der Zeit änderten und welche Funktion sie hatten. Er vergleicht die Funktion der Abbilder mit denen der weiteren im 15. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert was das Portrait den Fürsten vorbehalten oder Ehebilder wurden angefertigt, wenn die Eheleute sich vor der Hochzeit nicht kannten.
Warnke geht im historischen Kontext vor. Er betrachtet die Zeit, in der die Arbeiten entstanden sind. Ich höre oft in Diskussionen um Bildbeschreibungen mit anderen Künstlern, dass der Künstler sich nie all das Gedacht hat, was über seine Bilder geschrieben werden.
Vieles, was wir heute gerade bei historischen Bildern beschreiben und uns erarbeiten müssen, wissen die Künstler der jeweiligen Zeit, weil es in ihrer Zeit verankert liegt.
So hat Cranach in den späteren Abbildungen Luther mit Attribute ausgestatte, die dieser gar nicht besaß.
Der erste Druck, den er im Auftrag des Wittenbergischen Hofes erstellte, wird Luthers tatsächlichem Antlitz am nächsten kommen. Dieser Druck wurde allerdings vom Wittenbergischen Hof vertreten von Spalatin (heute würden wir zu Spalatin “Pressesprecher” sagen) abgelehnt.
So wurden die weiteren Abbildungen Cranachs von Luther mit Attributen der antiken Physiognomik des Pseudo-Aristoteles ausgestattet. Luther bekam wulstigen Augenbrauen (“primitive Stirnhöcker“²), die als Zeichen für Tatmenschen standen. So ist auch der Mund- und Kieferbereich sowie die Haarlocke dem Löwen angepasst worden, weil der Löwe als das edelste und tapferste aller Tiere galt. Die Nase wurde adlergleich gestaltet, das galt großherzig.
Was Pseudo-Aristoteles bedeutet? Das sind Schriften, die im Mittelalter Aristoteles zugeschrieben wurden, die sich aber in der späteren Forschung als unecht erwiesen.
Ihr fragt euch, was Luther selber zu den Veränderungen seines Antlitzes gesagt hat? Luther fand sein Äußeres unwichtig, ihm ging es um seine Seele und seine Lehre. Unter dem Kupferstick von 1521 von Cranach steht folgende Inschrift: “Des Lucas Werk ist dies Bild der sterblichen Gestalt Luthers, das ewige Bild seines Geistes prägt er selbst.”².
Es wird gesagt, dass die Reformation ohne die neuen Drucktechniken nicht funktioniert hätte.
Ich als Künstlerin von heute möchte natürlich am liebsten die Seele Luthers zeigen. Sein Antlitz kann ich nur aus den Drucken Cranachs vermuten. Aber wie zeige ich die Seele eines Menschen, dessen Lehre ich nur in Ansätzen kenne und den ich nie persönlich kennen gelernt habe?.
Viele Künstler, unter anderem Baldung, Altdorf, Hopfer haben nach Cranachs Arbeit Luther dargestellt.
For my English-speaking readers:
Cranach has made a large number of printing portrait during Luther’s life.
Warnke, an arthistorien ask how the portraits changed over time and what function they had.
He compares the function of the images with those of the other in the 15th Century. In the 15th Century what the portrait subject to the prince or marriage pictures were taken when the couple is not provided before wedding.
Cranach drawed Luther with attributes of ancient physiognomy of Pseudeo-Aristotle. You wonder what Luther himself said to the changes of his face?
Luther found his appearance unimportant, it was about his soul and his teachings. Under the stick of copper in 1521 by Cranach is the following inscription:
“In business, this is Lucas image of mortal form Luther, the eternal image of his mind, he characterizes himself” ².
- 1 Mein Sinnbild von Cranach 2010 (c) Zeichnung von Susanne Haun
- 2 Mein Sinnbild von Luther 2010 (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Mein Sinnbild Luthers heute (c) Zeichnung von Susanne
_______________________________________
²Warnke, Martin. Cranachs Luther. Frankfurt am Main, April 1984.
Was macht der Nikolaus im Hamburger Bahnhof? – Zeichnung von Susanne Haun
Jedes Jahr zum Nikolaustag haben wir im vollständigen Klassenverband im Religionsunterricht die Geschichte des Nikolaus besprochen.
Letzten Freitag war ich in der Ausstellung “Kinderkreuzzug” mit Werken von Martin Honert im Hamburger Bahnhof.
Meine Lieblingsarbeit der Ausstellung heißt “Klassenfoto” und ist ein Loop auf Blu-Ray und wird auf einem 46 Zoll LCD Display gezeigt. Honert ergründet in der Arbeit die klassische Fotografie und setzt sie in eine Videoaufnahme um. 2008 filmte er für drei Minuten ein Klassenfoto, die Schüler mussten absolut still stehen. Diese drei Minuten setzt er im Loop aneinander.
Zum heutigen Tag passt die Arbeit “Nikolaus” von Honert. Als Vorlage dienten Honert die eigenen Kinderzeichnungen, die er in eine neue dreidimensionale Form übersetzte. Als ich mit meiner Freundin die Sammlung besuchte war eine Klasse im Ausstellungsraum und schaute sich den Nikolaus an. Der Nikolaus besteht aus Polyester, Polystrol, Holz und ist bemalt.
Ich habe im prometheus-Bildarchiv nach den Nikoläusen der Vergangenheit recherchiert und mir zwei Bilder herausgesucht, die ich euch in unterschiedlichster Form nahe bringen möchte.
Ein klassischer Nikolaus, so wie ich ihn mir vorstelle, sieht der Betrachter in der ehemalige Klosterkirche Maria Himmelfahrt in Aldersbach, Kreis Passau in Form einer Tafelmalerei und entstand 1720/1770. Hier ist ein Link zum Nikolaus.
Die Nikolaus Geschichte ist auf der Wandmalerei im Konstanzer Münster “Unserer Lieben Frau” in der oberen Nikolauskapelle, Südwand dargestellt. Die Wandmalerei entstand 1401/1425. Auch hier einen Link zum Bild.
So haben die Besucher der Kapelle, die nicht lesen konnten, bildnerisch die Nikolausgeschichte erfahren.
Ich habe beide Bilder als Inspirationsquelle für eine eigene Darstellung des Nikolaus genutzt.
Der Weihnachtsmann auf der kleinen Postkarte entstand für die Firma Hahnemühle und ihren Newsletter, (hier der Link dazu).
Da ich euch meinen Lesern nicht allen ein Weihnachtsgeschenk zusenden kann, habe ich entschieden, eine meiner Rosenzeichnungen zu verlosen. Wer sie gerne gewinnen möchte, schreibt einfach einen Kommentar zum heutigen Beitrag. Am 24. Dezember 2012 um 12 Uhr verlose ich unter den Kommentatoren die Zeichnung.
For my English-speaking readers:
Every year on St. Nicholas Day, we discussed in religious education, the history of St. Nicholas.
Last Friday I was at the exhibition “Children’s Crusade” with works by Martin Honert in Hamburg Bahnhof. Today fits the work, “Nicholas” by Honert. Honert served as a template for his children drawings, which he translated into a new three-dimensional shape.
Because I can’t send all my readers a Christmas gift, I have decided to make a christmas lottery with one of my rose drawings. Who would like to win it, writes me a comment to today’s post.
On 24 December 2012 by 12 clock I will pick a winner among commentators drawing.
- 1 Besinnliche Stille im Hamburger Bahnhof (c) Foto von Susanne Haun
- 2 Empfehlenswerte Ausstellung im Hamburger Bahnhof (c) Foto von Susanne Haun
- 3 Der Nikolaus im Hamburger Bahnhof (c) Foto von Susanne
- 4 Der Weihnachtsmann 15 x 10 cm Tusche auf Hahnemühle (c) Zeichnung von Susanne Haun
- 5 Nikolaus 22 x 17 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne
- 6 Rose blau Vers. 2 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
________________________________
Honert, Martin. Kinderkreuzzug in der Nationalgalerie im Hanburger Bahnhof. Ausstellungskatalog. Berlin 2012
Schlingensiefs Autobiografie “Ich weiß, ich war’s” – mein Eindruck und Sinnbild – Susanne Haun
Die Autobiographie “Ich weiß, ich war’s” von Christoph Schlingensief habe ich als Hörbuch gekauft.
Es ist das beeindruckteste Buch, was ich dieses Jahr gelesen bzw. gehört habe.
Einen kleinen Eindruck erhaltet ihr in der zdf Mediathek in einem Beitrag der Sendung Aspekte vom 5. Oktober 2012.
Mir gefällt auch die Ressezion von Mara Giese, die ihr hier in ihrem Blog “buzzaldrins Bücher” lesen könnt.
Schlingensiefs Kritik an die Regierung, dem Gesundheitswesen, dem Kunstbetrieb und vielem mehr, trifft immer genau dort, wo des Übels Kern ist! Und Schlingensief ist dabei sehr humorvoll, sich selbst nicht ernst nehmend und immer mit vollem Einsatz dabei.
Der Kummer und die Fassungslosigkeit zur Diagnose, dass sein Leben bald zu Ende sein wird, seine unsagbare Wut springen mich durch die Zeilen an.
“100% schwerbeschädigt”, sagte er im Schauspielhaus Bochum am 24.11.2009, er dürfe sogar umsonst BVG fahren.
Das hört sich doch klasse an, oder? Ist es auch und sehr sozial, da kann niemand meckern.
Aber welch ein Schmerz und welch eine Erkenntnis in diesen Worten liegen, kann nur ein ebenso Schwerbeschädigter ermessen, der nach neuem Gesetz nicht nur BVG sondern in ganz Deutschland alle Regionalverkehrsmittel umsonst benutzen kann.
Könnt ihr ermessen, wie erledigt und wie müde ein 70 – 100% Schwerbeschädigter ist? Wie schwer es da ist, nur die Treppe zu den Gleisen hoch oder runter zu laufen? Es sind sicher auch diese kleinen Dinge, die die Ohnmacht, die er nach der Diagnose hatte, symbolisieren.
„Wenn dein Leben sich in eine Tragödie verwandelt, versuche, sie als Zuschauer zu betrachten.“ diese Worte von Schlingensief stammen aus dem SZ Magazin Heft 38/2008
Ich selber habe mich hier in meinem Blog im Sommer kurz mit ihm beschäftigt. Aber nach der Lektüre der Autobiografie, die ich sicher in Ausschnitten nochmals hören werde, kommen mir viel mehr Gedanken.
Während des ganzen Buchs war ich so unsagbar traurig, dass er tatsächlich tot ist, das er keine Aktionen und keine Kunst mehr gestalten kann.
Den Hasen auf dem Titelbild des Buches habe ich als Zitat auf Beuys “Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt” verstanden.
Viele seiner Aktionen erscheinen mir persönlich als Soziale Plastik, dokumentiert durch seine Filme.
Obwohl es mir ein leichtes als Berlinerin gewesen wäre, ihn life bei einer Veranstaltung zu sehen, habe ich ihn nie gesehen. Wie kann ich ihn also zeichnen?
Es ist ein Sinnbild entstanden. Ich habe eine Jesusfigur neben ihm gesetzt. Es hat mich beeindruckt, dass er sich als Trost einen kleinen “Plastik-Jesus” gekauft hat.
For my English-speaking readers:
I bought the audio book “I know I did,” by Christoph Schlingensief.
It is the most impressive book I’ve read or heard this year.
Schlingensief’s criticism of the government, health care, the art world, and much more makes, exactly where the rotting core! Schlingensief is very humorous, taking themselves not seriously and are fully committed to it.
The grief and bewilderment for the diagnosis that his life will soon be over, his unspeakable rage jump at me through the lines.
Although it would have been easy as Berliner life to see him at an event, I have never seen him. So how can I draw?
I was created a symbol. I have put a Jesus figure beside him. I was impressed that he bought as a small consolation “Plastic Jesus”.
- 1 Der Blick in Zukunft (c) Zeichnung von Susanne Haun
- 2 Entstehung Sinnbild Schlingensief – Verbindung mit Jesus suchen (c) Susanne Haun
- 3 Mein Sinnbild von Schlingensief (c) Zeichnung von Susanne Haun
____________________________________________________________
Ich weiß, ich war`s von Aino Laberenz, Christoph Schlingensief und Martin Wuttke (4. Oktober 2012) – Audiobook
Zeit = Bewegung –> Punkt + Bewegung = Linie –> Zeichnung von Susanne Haun
Ich berichtete euch gestern von der Universitätsbibliothek der FU Berlin. Ich könnte Stunden in ihr versinken.
Gestern habe ich willkürlich einen Ausstellungskatalog von der Kunstsammlung Chemnitz von 2005 zu den Arbeiten von Carlfriedrich Claus aus dem Regal genommen, dazu bin ich von den Architektur Reihen in die Reihen der Ausstellungkataloge übergegangen.
Der Katalog hat den Namen “Schrift.Zeichen.Geste. – Carlfriedrich Claus im Kontext von Klee bis Pollock” und enthält 543 Seiten mit Texten, Bilder, Erläuterungen und Zitate, so wie es sich für einen großen Bildband gehört.
Sofort regt sich bei mir das Gefühl: “Dieses Buch will und muss ich haben!!!!”, leider ist es billigstens nur für 60 Euro zu kaufen.
Auf Seite 31 lese ich die Überschrift “Seh-Wege”, die mich animiert genau an der Seite mit der Lektüre zu beginnen und zu lesen:
“Der Beginn des frühen Textes “Das Wesen der Zeit und die bildende Kunst” (von Claus) schließt direkt an Paul Klees Gedanken über den Zeitvollzug im Herstellen und im Rezipieren eines Kunstwerkes an, wie dieser sie 1918/20 in der “Schöpferischen Konfession” ausgedrückt hat.
Wie kann es möglich sein, dass ein einziger Satz soviel potential zum Nachdenken und weiter Forschen enthält?
Ich versuche meine Gedanken dazu in Formeln zu fassen:
Zeit = Bewegung
Punkt + Bewegung = Linie
Literatur = Text = graphisch = Bild
Doch welche Linie bewegt sich schneller? Ist die SChnelligkeit in direkter Abhängigkeit vom Material, wie Ölkreide, Bleistift oder Tusche?
Claus erstellt Sprachblätter, er setzt aus Buchstaben Bilder, am Anfang sehen sie eher aus wie Gedichte am Ende wie Zeichnungen. Ich will erfahren was in antreibt und zeichne die Lampe meines Arbeitsplatzes in der Bücherei. Ich nehme mir sein Portrait vor und stelle umfahre es mit Buchstaben: interessant.
Aber ich muss ihn, Carlfriedrich Claus, auf meine Art erfahren, als Sinnbild von dem, was ich wahrnehme. Als Linie. Mit einem Kugelschreiber. In meiner Schnelligkeit und Bewegung.
For my english reader:
Yesterday I’ll reported from the University Library of the FU Berlin. I could spend hours in her sink. I found an exhibition catalog of the art collection of Chemnitz from 2005 from the work of Carl Friedrich Claus. Again I grabbed the book at random, but I changed the rows of architecture in the ranks of the exhibition catalogs.
- Gedanken zur Lektüre von Carlfriedrich Weiß (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gedanken zur Lektüre von Carlfriedrich Weiß (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gedanken zur Lektüre von Carlfriedrich Weiß (c) Zeichnung von Susanne Haun
- In einer Linie – Gedanken zur Lektüre von Carlfriedrich Weiß (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Wie ist es mit Buchstaben zu Carlfriedrich Weiss (c) Zeichnung von Susanne Haun
- In einer Linie – Gedanken zur Lektüre von Carlfriedrich Weiß (c) Zeichnung von Susanne Haun
_____________________________________________________________________________________________________________________________________
Quelle
Schrift.Zeichen.Geste. – Carlfriedrich Claus im Kontext von Klee bis Pollock, Wienand Verlag, Kunstsammlung Chemnitz, 2005, ISBN 3-87909-867-0
Ein einfacher Schnitt – Gordon Matta-Clark und die Präsentation von Kunst – Bericht von Susanne Haun
„Ein einfacher Schnitt oder eine Serie von Schnitten fungieren als kraftvolle Zeichnung und redefinieren räumliche Situationen und strukturelle Einheiten.“ Gordon Matta-Clark
Das erste Mal hörte ich von Matta-Clark im Seminar …. an der FU. Der Dozent zeigte uns einen Film zur Entstehung des Werkes Splitting von Matta-Clark. Seine Arbeit beruht zum größten Teil einzig auf das bleibende Filmmaterial. Bei Splitting verblieben auch noch abgesägte Hauskanten, die Matta-Clark in der Galerie zeigen konnte.
Matta-Clark schloss sein Architekturstudium erfolgreich ab und trat damit in den Fußstapfen seines chilenischen Vaters Roberto S. A. Matta Enchaurren, der durch seine surrealistischen Gemälde bekannt wurde.
Er arbeitete als Assistent von Robert Smithson (siehe hier meinen Beitrag zu Smithson), Dennis Oppenheim und Jan Dibbets.
Nach seinem Umzug nach New York, SoHo nahm er den Mädchennamen seiner Mutter, Anna Clark, in seinen Namen auf.
In New York nahm er regelmäßig mit anderen Künstlern an Diskussionen und Gesprächen teil, die lose verbundenen Künstler stellten 1974 in einer Gruppenausstellung in einen der neuen Ausstellunglofts aus.
Solche Ausstellungslofts finde ich sehr interessant, sie haben den jungen Künstlern neue Möglichkeiten der Öffentlichkeit geschaffen. In Berlin gibt es sehr viele Galerien, meistens in alten Berliner Läden, die von meinem Verständnis dieselbe Funktion übernehmen.
Matta-Clark interessierten die Veränderungen von im Alltag vorgefundenen Dingen, die Veränderungen hielt er in Filmen und Fotos fest und legte dabei Projektbücher an. Er wurde auch in meiner Heimatstadt Berlin aktiv. 1976 bemalte er im Rahmen der Berliner Festwochen von der Akademie der Künste organisiert die westliche Berliner Mauer mit Graffiti Zeichen.
1976 war ich 11 Jahre alt und wußte noch nicht viel von der Welt der Kunst. Ich zeichnete Häuser, Bäume und Märchenschlösser mit Bleistift, die noch heute an den Wänden meines Elternhauses hängen. Schade, ich hätte so gerne Matta-Clark kennen gelernt!
Ich habe gerade die Seite mit den Filmen von Matta-Clark entdeckt und mich über den Berliner Mauer Film amüsiert, er bemalte die Mauer am Checkpoint Charly und dieser Film ist für mich auch historisch sehr interessant, ich hatte mir aus dem Lexikon Eintrag die Aktion etwas anders vorgestellt, als ich dann Film zusehen bekommen habe. Aber als Urberlinerin, die in dieser Zeit gelebt hat, habe ich den Film sehr gerne gesehen. Meine Eltern hätten mir natürlich den Besuch dieser Aktion strikt verboten!
Matta-Clarks Arbeit “Conical Inersect” (Hier ein Entstehungsfilm auf vimeo zum Werk) ist ein kreisrunder Schnitt in einem Haus in Paris. Hier ein Foto auf der Seite des Bunds Deutscher Architekten von Conical Inersect.
Die Architektur hat sich durch die neuen Baumittel, z.B. kann Glas heute ganz anders eingesetzt werden als früher, verändert. Sie ist nicht mehr so massiv und undurchsichtig wie sie zu Matta-Clarks Zeiten noch war.
In Hamburg habe ich mir den Alterstal-”Einkaufbunker” im Bezirk Poppenbüttel, 5 Minuten von der Galerie Faszination Art entfernt, angeschaut. Was Matta-Clark mit seiner Kettensäge an Schnitten in den Gebäuden trieb wird heute oft mit Glas schon von den Architekten eingeplant und so vielen mir die vielen Glasschnitte im Alstertal Einkaufszentrum auch sofort auf.
Es war ein sonniger Tag und so habe ich im Zentrum auch gut fotografieren können. Besonders die durch die Sonne entstandenen Schatten gefallen mir. So ist es auch kein Wunder, dass ich blau, lila und schwarz für mein Sinnbild von Matta wählte.
For my english reader:
“A simple cut, or a series of cuts are so powerful as drawings and redefine room situations and structural units.” said Gordon Matta-Clark.
In hamburg I was in a the Alster shoppingmall. It was a sunny day and through the windows shined the sun and so I have photograph well by best light in the mall. Particularly the shadows by the sun I liked. So it is no surprise that I chose blue, purple and black for my symbol drawing of Matta-clark.
- Ein kreisrunder Einschnitt in der Decke des Einkaufszentrums (c) Foto von Susanne Haun
- Die Sicht in das Loch hinein (c) Foto von Susanne Haun
- Kreisrunder Einschnitt in der Decke (c) Foto von Susanne Haun
- Silhouette Schnitt meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Entstehung meines Sinnbildes von Matta-Clark (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Mein Sinnbild von Matta-Clark 24 x 32 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
_______________________________________________________________________________________________________________________________
Quelle
Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Weltbild Verlag GmbH München, 1999
















































































8 Kommentare