Von Gesche, weißer Keramik und vielen einzelnen Blüten – Zeichnungen von Susanne Haun
Ich bin immer wieder erstaunt, wie ein paar kleine virtuelle Zeilen im Facebook einen realen Samstag gestalten können.
Eveline Armenat schrieb mir, sie mag meine Bilder und ob ich sie nicht in ihrer Töpferwerkstatt im Herzen Berlins, Charlottenburgs zeigen möchte. Auf Evelins Homepage steht
“Bei ArmenatKeramik finden Sie handgefertigte Gebrauchskeramik mit individuellen Formen, Designs und Glasuren.”
Dieser Satz sprach mich an und so wollte ich mir Evelins Laden anschauen und war von den dünnen zarten weißen Keramiken auch sofort begeistert. Eveline arbeitet viel mit “Lochmustern” – ich weiss nicht, wie ich es anders beschreiben soll, im Licht werfen diese Löcher interessante Schatten.
So wurden wir uns schnell einig, dass ich eine Auswahl an Zeichnungen nächsten Samstag bei ArmenatKeramik, Witzlebenstr. 39, 14057 Berlin hänge und wir am 18.12.2011 zwischen 12 und 18 Uhr Kaffee, Kuchen & Prosecco anbieten und unsere Arbeiten präsentieren.
Bis Mitte Februar werden die Zeichnungen weiterhin in Charlottenburg zu sehen sein.
Auf dem Rückweg entdeckte ich in einem der zahlreichen Charlottenburger Antiquariaten das Buch “Ach , Liebste, flieg mir nicht weg” Briefe an Gesche Tietjens von Horst Janssens.
Das Buch beginnt mit einem Zitat von Martin Opitz “… es schadet das Verweilen / Uns beiderseit.”
Gesche schreibt in dem Buch: “wir redeten einfach da weiter, wo wir noch gar nicht angefangen hatten.”
Zu seinen Texten schrieb Gesche
“Ungeduldig pickte er sich aus dem Angebot, die ihm kurios oder glänzend erscheinenden Partikel heraus, um sie zu annektieren. (…)”Eines bestürzenden Tages” (von Günter Eich) adaptierte er, und es kommt, variiert, in mehreren seinen Texten vor.”
So ging also Janssen mit seinen Texten um, ich finde es sehr interessant und gut und es paßt zu meinem Beitrag Schrift im Bild gestern (siehe hier).
Wer nochmehr zu Schriften hören möchte, kann in typisch Deutsch auf youtube das Interview mit Erik Spiekermann hier schauen. Erik Spikermann ist Designer und Typograph .
- Amaryllis 1 – Zeichnung von Susanne Haun – 7,5 x 10,5 cm – Tusche auf Bütten
- Amaryllis 2 – Zeichnung von Susanne Haun – 7,5 x 10,5 cm – Tusche auf Bütten
- Orchidee – Zeichnung von Susanne Haun – 7,5 x 10,5 cm – Tusche auf Bütten
- Zweig – Zeichnung von Susanne Haun – 7,5 x 10,5 cm – Tusche auf Bütten
- Einladung ArmenatKeramik
Herr Hildesheimer sieht Janssen und was sehe ich? – Skizzen von Susanne Haun
“Die psychoanalytisch orientierte Suche nach Wahrheit und Authentizität macht den einzigartigen Rang der Kunstbetrachtungen von Wolfgang Hildesheimer aus.” steht es im Klappentext des Buches “Schule des Sehens” von Wolfgang Hildesheimer.
Das ist kein einfacher Satz und ich habe ihn inszwischen schon mehrmals gelesen und mir gefällt er immer besser. Das Buch kaufte ich im Antiquariat (siehe Artikel vom 4.2.2011)
Es ist kein Buch, was ich durchgehend lese, was aber auf meinem Nachtisch liegt und was mich immer wieder zum Denken anregt. So las ich gestern Abend Hildesheimers Worte über Janssen:
“So wirkt seine Kunst auf uns als … Erschütterung. Sein Werk scheint persönliche Botschaft zu sein, unmittelbare beredte Mitteilung. Janssen zeichnet seine Gegenwartsbewältigung auf.”
Der kurze Ausschnitt aus dem Kapitel “Janssen und wir” von Hildesheimer hat mich sehr beeindruckt. Ich sehe neben den brillianten Zeichner Janssen auch eine getriebene Seele, eine Seele die sich zum Glück ein Ventil im Schreiben und Zeichnen geschaffen hat. Aber ich kann nur spekulieren, denn ich habe nie mit Janssen gesprochen. Aber sagen nicht die Zeichnungen und Texte genug aus? Wie wäre Janssen wohl mit der heutigen Zeit, der “Generation Facebook” umgegangen? Bestimmt hätten wir ihn oft im Netz getroffen, den Herrn Janssen.
Ich habe mir heute die unvollendete Pepperoni – Engel – Zeichnung der Größe 200 x 40 cm (seht hier) vorgenommen und die Flamingos aus dem Berliner Zoo in sie integriert.
- Die Ausgangssituation – Foto von Susanne Haun
- Ich zeichne den Flamingo zwischen den Pepperoni – Zeichnung von Susanne Haun
- Ich arbeite am Gesicht und Ausschnitt des Engels – Zeichnung von Susanne Haun
- Zwischenstand Zeichnung von Susanne Haun
- Geordnetes Chaos aus Pepperoni, Flamingo und Engelshand – Zeichnung von Susanne Haun
- Ich möchte zwei Flamingos auf den Engelskopf setzen – Zeichnung von Susanne Haun
- Es macht mir Freude, die Flamingo Beine zu zeichnen … Susanne Haun
- So erwartet mich der Engel morgen …. Susanne Haun
- Entstehung Pepperoni-Flamingo Engel – Zeichnung von Susanne Haun – 200 x 40 cm
Erdmännchen – Zeichnung von Susanne Haun
Heute habe ich nach langer Zeit wieder einmal Schrift in meine Zeichnung eingefügt.
Um 2004 herum habe ich das bei fast jeder Zeichnung gemacht – einfach die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, nicht nur bildnerisch sondern auch mit Wörten festzuhalten. Ich machte und mache mir dabei keine Gedanken um Inhalt oder Rechtschreibung sondern die aktuelle “Kopfgedankenzeile” landet auf dem Papier.
Horst Janssen schrieb 1986:
Ich bin nur Zeichner [...] und ich habe rechtzeitig Sorge getragen, dass nichts, [...] auf meine kleinen Papiere kleickert oder mir in die Linien rutscht, was da nicht hingehört: “Weltverbesserungsideen” zum Beispiel. [...] Was nicht zu zeichnen ist, das lade ich ab in meine Wörterkisten. Und DAS wiederum nicht, um Literatur zu exempeln, sondern, wie gesagt: um mein Zeichnen frei zu halten von Gedanken-Wörter-Haufen – solche, aus denen ich allerdings wieder gerne Gold mache.”
Ich sehe meine Zeilen als DADAismus, die den Betrachter bestenfalls so wie die Zeichnung selber zu eigenen Gedanken animieren. Ich sehe die Wörter als Linie selber, die mit der Zeichnung kommuniziert.
Kunst und Politik – passt das zusammen? Zeichnungen von Susanne Haun
Muss meine politische Meinung in meine Zeichnungen einfliessen?
Ich habe mich entschieden, meine Zeichnungen von meiner politischen Meinung und meinen Ideen frei zu halten. Um es platt auszudrücken, ich mag keine Panzer und Soldaten mit Waffen zeichnen, um die Menschen vor dem Krieg zu warnen. Diese Warnung möchte ich mit Worten ausdrücken.
Horst Janssen hat in seinem Buch “An und für mich” geschrieben, “Was nicht zu zeichnen ist, das lade ich ab in meine Wörterkiste.” Ich habe mich sehr gefreut, diese wenigen Wörter zu lesen, denn es beschreibt mein Gefühl zu meinen Texten und Zeichnungen sehr gut.
Gut zu diesem Beitrag passen auch die beiden Schweinehirten Friuch und Rucht, die sich in Gestalt von zwei Hirschen bekämpfen.
- Kämpfende Hirsche Friuch und Rucht I – Zeichnung von Susanne Haun – 17 x 20 cm – Tusche und Aquarell auf Bütten
- Kämpfende Hirsche Friuch und Rucht II – Zeichnung von Susanne Haun – 17 x 20 cm – Tusche und Aquarell auf Bütten





























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