Ein Buch mit Charme oder Dorian Gray hat mich gefunden – Zeichnung von Susanne Haun
Gestern habe ich ein Buch mit Charme und Seele in einem Antiquariat entdeckt.
Es ist mit einem Stück bemalter, sehr guter Leinwand eingeschlagen und hat von der selben Leinwand ein Lesezeichen zwischen den Seiten. Die Widmung ist vom 21.10.1981, “Zur Erinnerung an einen ehemaligen Schüler” heißt es gleich vorne.
Wie viele Geschichten könnte der geneigte Autor oder Zeichner aus diesem Satz entwickeln!
Das Buch ist der Klassiker “Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde.
In der Vorrede schreibt Wilde hintereinander Sätze zur Kunst. Der Roman ist von 1891 und ich finde es ausgesprochen interessant, wie sich unsere Definition von Kunst geändert hat.
Da gibt es zum Beispiel den Satz
“Kunst offenbaren und den Künstler verbergen ist das Ziel der Kunst.”
Ich glaube, keiner widerspricht mir, wenn ich sage, das dieser Satz heute nicht mehr der Wahrheit entspricht.
Auch sehr interessant fand ich das Gespräch zwischen dem Künstler Basil und Lord Henry Wotton über die Idee an sich.
Die Idee wird nicht der Kunst zugeordnet sondern auf Politik, Soziologie und Metaphysik bezogen!
Dabei sprachen wir erst gestern (siehe hier), dass die Idee das Wichtigste in der Kunst ist!
Fotos gab es zur Zeit Wildes nur wenige und die wenigen die es von Wilde gabe sind von den Künstlern der Welt immer wieder und wieder neu dargestellt worden.
Und trotzdem hatte ich das Bedürfniss, Wilde festzuhalten und ihn mit Linien zu erforschen.
So entstand heute mein Sinnbild von Oscar Wilde.
Ich habe bei den drei hier abgebildeten Fotos immer wieder überlegt, wann ich aufhöre, wann das Portrait fertig ist. Ich habe mich entschlossen, dass das mit dem roten Hintergrund das Fertige ist.
- Buch Das Bildnis des Dorian Gray (c) Foto von Susanne Haun
- Wer schrieb wohl diese Widmung (c) Foto von Susanne Haun
- Interessante Zitate (c) Foto von Susanne Haun
- Oscar Wilde (c) Susanne Haun
- Oscar Wilde (c) Susanne Haun (2)
- Oscar Wilde 34 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Susanne Haun
Ein Buch mit Charme oder Oskar Wildes Dorian Gray hat mich gefunden – Zeichnung von Susanne Haun
Viele Gerberas und die Idee – Zeichnungen von Susanne Haun
Die Gerbera wurde vor 1737 afrikanische Aster genannt.
1737 wurde sie in Holland beschrieben und mit dem Namen Gerbera versehen. Ich denke, dass die Gerbera unendlich oft seit ihre Entdeckung dargestellt worden ist und viele Künstler sich mit den Linien und Strukturen der Blume beschäftigt haben.
Ich lese gerade das Kunstforum 173 zum Thema “Kunst im Licht von Konkurrenz, Neid und Rivalität”.
Ihr fragt euch, was eine Gerberea damit zu tun hat? Walter Holzer schreibt im Artikel “Art and its double” über Original und Kopie.
“Es gibt immer nur ein “Original”, eine “Originalidee”. Ein Akt steigt als Idee nur einmal die Treppe hinab (auch wenn er nie unten anlangt). Danach wird der Abstieg Wiederholung, Kopie, Doppelgänger, Aneignung.” Walter Holzer
Die Idee ist also das Wichtigste, und doch auch das am schwersten fassbare. Wie schützt der Künstler seine Idee? Mit seiner Unterschrift? Mit dem (c) ?
Der Artikel geht über 16 Seiten und ist auch sehr philosophisch. Ich kann euch nur empfehlen, ihn zu lesen; ich habe “ebay sei Dank”, einige Kunstforum Hefte ersteigert und schätze die Texte in den Heften sehr; sie eröffnen mir neue Sichtweisen und ich bekomme in jedem Artikel sehr viel Nachdenkenswertes!
Wenn ich ein Objektes wie die Gerbera zeichnen will, dann schaue ich sie erst einmal lange an. Die heutige Gerbera steht seit Sonntag auf meinem Schreibtisch und von Sonntag bis heute überlegte ich, wie ich die Gerbera als “meine Gerbera” darstellen kann. Einen Vorteil habe ich dabei, ich habe meine ureigene Linie, die aus meiner Feder fließt, meine persönliche Art der Zeichnung.
Eine Gerbera ist, von meinem Verständnis her, deshalb schwer zu zeichnen, weil sie die Blume ist, die jedes Kind als Blume zeichnet: Kreis und Blütenblätter ‘drum herum. Wie also hole ich die Gerbera aus diesem “Kinderklischee” heraus? Wie stelle ich sie dar, ohne dabei kitschig zu werden?
Ich kann sie in der Hand halten und dabei kommt es mir auf die Schatten an. Ich kann sie anschneiden, das bringt Spannung und dich kann sie abstrahieren und doch sichtbar lassen. Ich kann sie ganz auf die Farbe reduzieren.
Wird die Idee meiner Gerbera erst mit meiner Serie sichtbar? Schütze ich mein Werk durch diesen Blog? Obwohl doch für jeden sichtbar und in der Einfachheit der Zeichnung wiederholbar? Holzer schreibt, dass das Werk im Kopf kein Urheberrecht besitzt. Zum Schutz der Idee muss diese dingfest gemacht werden, in Form von Gemälden, Fotos oder Skizzen.
Die Folgerung kann dann aber nur sein, dass die Idee die Menschheit ausmacht.
Hat noch jemand von euch den Artikel gelesen? Wie seht ihr das?
- Gerbera I (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gerbera II (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gerbera III (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gerbera IV (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gerbera V (c) Zeichnung von Susanne Haun
- Gerbera VI (c) Zeichnung von Susanne Haun – Kopie
























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