Venizianische Engel und die Seele – Überlegungen und Zeichnungen von Susanne Haun

Heute Morgen habe ich meine Fotografien aus Venedig betrachtet und mir vorgestellt, wie es wäre, wenn die Engel aus den Fotos flögen.

Holen Engel die Seelen der Menschen, wenn sie sterben? Warum fühlt sich der Mensch geborgen, wenn er an Engel denkt?

Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Unter einem der Kupferstiche mit einem Portrait Luthers von 1521 von Lucas Cranach steht folgende Inschrift:
“Des Lucas Werk ist dies Bild der sterblichen Gestalt Luthers, das ewige Bild seines Geistes prägt er selbst.”².
Ich berichtete hier.

In den Kommentaren des Beitrags diskutieren wir über die Seele des Menschen und was ist die Seele überhaupt?

Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Klausbernd hat sehr lesenswert über die Seele aus dem Symbollexikon zitiert. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Kommentar.

„Literatur: In der Literatur wird die Seele meistens als der Träger psychischer Vorgänge angesehen. So schrieb der Freud-Biograf Irving Stone einen Roman über S. Freud mit dem Titel „Der Seele dunkle Pfade“. Auch Graham Greene benutzte in dieser Weise den Begriff „Seele“ im Titel seines Romans „Zwiespalt der Seele“ und selbst der postmoderne amerikanische Romancier Douglas Adams fühlt sich vom Begriff der Seele angezogen, so dass er einen seiner ironischen Romane „Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele“ nennt. Paul Valéry und Umberto Eco setzen die Seele einer Person mit ihrem Gedächtnis gleich. Auch Augustinus sieht in seinen Bekenntnissen die Seele als Gedächtnis an: „Eine große Kraft ist das Gedächtnis […] und das ist meine Seele, das bin ich selbst.“
Pascal Mercier, Schweizer Autor und Philosophieprofessor in Berlin, schreibt: “Wir haben die Seele erfunden, um einen Gesprächsgegenstand zu haben, etwas, über das wir reden können, wenn wir uns begegnen.“ (aus „Nachtzug nach Lissabon“).“

Ich habe  aus dem Zitat den Teil herausgenommen,  den ich persönlich treffend finde; ich habe eine subjektive Auswahl getroffen.

Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Natürlich ist die Seele immer wieder Gesprächsgegenstand, wie wir gerade merken.

Aber sind wir nicht ohne Gedächtnis seelenlos? Ohne Gedächtnis sind wir nicht mehr wir selber. Verlieren wir einen Teil unseres Gedächtnis, ist es, als ob ein Teil unserer Selbst verloren gegangen ist; schlimmer als ein physikalisch einfach zu fassendes Körperteil.  Wir verlieren ein Teil dessen, was uns ausmacht!

Eines der großen Geheimnisse auf der Welt ist unser Gehirn. Da unser Gehirn in vielen Dingen so unbegreiflich ist, sucht sich der Mensch ein fremdes Wesen wie einen Engel zur Erklärung. Ich finde die Vorstellung von etwas, was ALLES erklären kann schön, glaube aber nicht daran.

Ende 2008 las ich das Buch „Der Griff nach dem Gehirn“ von Friedhelm Schwarz und aus der Buchhandlung vom Hamburger Bahnhof kaufte ich von Michael O’Shea „Das Gehirn“.

Wer mag, kann auf der Seite Gehirn und Geist einiges über den Stand der Forschung und des Glaubens lesen.

Wie ich mit den Bildern zu meinem Gehirn umgehe und wie ich es für meine Kunst entdecke werde ich euch in den nächsten Tagen berichten!

Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Tanz der venezianischen Engel 18 x 13 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
This morning I looked at my photos from Venice and imagined how it would be if the angels fly away from the photos. Get Angel’s souls when they die? Why people feel safe, when he thinks of angels? I don’t think so, I think our soul is in brain!


_______________________________________
²Warnke, Martin. Cranachs Luther. Frankfurt am Main, April 1984.

17 comments

  1. Liebe Susanne, du schreibst unter anderem <>
    Würde das stimmen müsste man jeden Alzheimerpatienten als seelnlos bezeichnen…..
    Das Gedächtnis ist ein Teil unseres Egos, Seele ist viel mehr als das…..

    Ich wünsch dir auch eine schöne Weihnachtszeit und schick dir herzliche Grüße
    Anna

      1. Liebe Anna,
        es ist nicht einfach das zu schreiben aber aus Erfahrung weis ich,
        in der Zeit, in der man im Koma ohne Gehirnaktivität liegt, ist nichts.
        Kein Tunnel, kein Licht, es ist gar nichts.
        Es bleibt diese quälende Gefühl, es hätte etwas da sein müssen. Die Enttäuschung darüber!
        Und die Gedächtnis-Teile, die das Gehirn einmal durch Krankheit verloren hat, die sind einfach weg, Anna.
        Du kannst vieles neu lernen, das Gehirn ist ein Wunder, aber wenn es zerstört wird, bleiben schwarze Löcher und wieder das Gefühl, du müßtest etwas wissen und du weißt es aber nicht. Ein wirklich unangenehmes Gefühl.
        Deshalb denke ich wirklich, dass du ohne Gedächtnis, ohne Erinnerung wie die Alzheimer Patienten nicht mehr da bist. Nenne es Seelenlos. Es ist nur eine leere Hülle da und die reine Körperfunktion. Und das ist nicht das, was uns ausmacht.
        Ich werde morgen noch einmal vom Gehirn und von der Seele bloggen.
        Liebe Grüße sendet dir Susanne

  2. huhu,vielleicht kann man koma nicht unbedingt mit alzheimer vergleichen? weil die alzheimerpatienen erleben ja den moment und haben gefühl…das was sie ausgemacht hat ist natürlich weg…dafür sind sie jemand anders, mit einer seele für den moment? mein opi hatte alzheimer und war mit der krankheit eine andere persönlickeit geworden, aber mit viel gefühl für sein leben, immer nur für den moment..
    gruß coco

    .

    1. Danke, Coco, ja ich habe einfach zu wenig Erfahrungen mit Alzheimer, um so hart zu urteilen, wie ich es tat! Meine Patentante hatte Alzheimer aber das ist bestimmt 30 Jahre her und meine Eltern schirmten mich ab, ich habe sie krank nie gesehen.
      Ich mag den Begriff, Seele für einen Moment….

  3. Hallo Susanne,
    ,,,,da macht man sich so seine Gedanken, so ich das denken kann, ist es doch mein gut funktionierendes Gehirn, mein Motor, meine Festplatte. Ist dies vielleicht nicht mehr der Fall, durch Krankheit…Alzheimer, ist die Seele (=ich bin) für mich verloren gegangen. Ich denke = ich bin. Wenn ich nicht mehr so denken kann, bin ich nicht mehr.
    LG
    Isis

Schreibe eine Antwort zu juergenkuester Antwort abbrechen