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Berlin Wedding – meine Heimat – Betrachtungen von Susanne Haun

Was bedeutet Heimat?

Ich habe mir diese Frage bis vor kurzem nicht gestellt, denn die Antwort ist spontan in meinem Kopf: Berlin Wedding. Ich bin Urberlinerin. Meine Eltern sind schon im Wedding geboren und auch ich bin dort geboren und habe 30 Jahre erst im Wedding gelebt und lebe nun seit 20 Jahren im Bezirk Reinickendorf.

Auf dem Friedhof Liesenstraße
Auf dem Friedhof Liesenstraße

Da viele Menschen sich als heimatlos bezeichnen, habe ich begonnen, über Heimat nachzudenken. Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat sind auch Erinnerungen. Ein Gegenstand kann Erinnerung und Heimat sein. Generell mag ich Gegenstände mit Geschichte.

Das Älteste, was ich besitze ist ein Reiseschachspiel aus Holz, das schon meinen Großvater gehörte. Ich habe ihn nie kennengelernt, aber mein Vater gab es mir weiter.
Meinen ersten Aquarellkasten bekam ich von meiner Oma zum 18. Geburtstag. Auch dieser Kasten steht noch bei mir im Schrank. Eine Vase, die mein Vater mir von einer Geschäftsreise mitbrachte, ich muss um die 20 Jahre alt gewesen sein.

Französischer Friedhof (c) Zeichnung von Susanne Haun
Französischer Friedhof (c) Zeichnung von Susanne Haun

Oder ist Heimat der Ort, wo man zur letzten Ruhe gelegt werden möchte?

Was ist für euch Heimat?

Gestern war ich auf dem Weddinger Friedhof in der Liesenstraße. Beim Mauerbau wurde der Friedhof in der Mitte geteilt. Versteckt findet man dort noch Teile der Mauer. Auch das ist meine Heimat. Die Mauer und die Änderungen, die gerade auch Berlin betreffen.

SofaSofia beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema Heimat hier auf dem pixartix Blog a>

For my english speaking readers:

Today I asked my self the meaning of homeland.
I was born in Berlin and lived there for 48 years. My Parents was born in Berlin, too, they lived there for 78 years. We are real Berlin peoble.
But I think a subject maybe „homeland“, too. I subject you owned for many years and you can talk stories about them.
What do you think?

40 Kommentare zu „Berlin Wedding – meine Heimat – Betrachtungen von Susanne Haun

  1. Ich halte es mit Udo Lindenberg.
    In eigenen Worten: Teils trage ich die Heimat in mir herum: Erinnerungen, die aber nicht alle an Orte gebunden sind. Dann ist es für mich sehr stark auf die Gegenwart bezogen: Da, wo ich lebe.. Was brauche ich für ein gutes Leben? Wohltuende Umgebung, Freunde in der Nähe, kurzum Lebensqualität.
    Friedhof kommt, wenn ich tot bin, davon habe ich nichts.

    1. Guten Morgen, Jörg,
      das ist wahr, die Heimat sind auch Erinnerungen. Deshalb mag ich natürlich den Wedding in Berlin auch so sehr. In den ersten 30 Lebensjahren passiert so viel und das Leben ändert sich ständig.
      Für ein gutes Leben brauche ich Familie, Freunde, Fröhlichkeit, Wissen, Inspiration und meine Zeichenstifte. Und eine beruhigende Gegend um mich herum – eben Berlin 🙂 🙂 🙂
      Der Friedhof ist für mich persönlich wichtig.
      Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

  2. Hallo Susanne!
    Da machst Du aber ein großes Fass auf: Heimat?
    Hier ein paar Fetzen, Gedankenfetzen, die sogleich in meinem Kopf waren: Prägung, Namen, Menschen, Erlebnisse, Raum, Sprache, Verbundenheit.
    Viel Spass bei der „Suche“,
    LG Juergen

    1. Hallo Jürgen,
      ja, ein großes Fass….
      Die Sprache ist auch wichtig, da gebe ich dir recht.. das berlinischere erkenne ich auch in der Fremde.
      Ich muss meine Heimat nicht suchen, sie ist Berlin.
      Meine Familie und Freunde leben hier.
      LG Susanne

    1. Das ist auch Heimat, Andriken, ich kann zu meinen Eltern kommen, wann ich möchte.
      Und mein Sohn ist natürlich bei mir auch immer willkommen.
      Meine Mutter sagte einmal, erst als meine Oma starb ist sie wirklich erwachsen geworden!

  3. Home is, in my eyes, where you have your heart
    bring your heart with you and you can feel home more than one place… 😉

    Lovely photo of the sweet artist at Friedhof Liesenstraße – she looks like feel home… 🙂 😉

  4. Für mich war Heimat immer sehr stark mit zwei Personen verbunden. Mein Vater und meine Großmutter, beide leben leider seit ein paar Jahren nicht mehr. Nun würde ich mich eher zu den Heimatlosen zählen.
    Das ist mir aber erst aufgefallen als ich deinen Beitrag las und darüber nachgedacht habe.
    Liebe Grüße Bine

    1. Liebe Bine,
      was ist mit den Plätzen, an denen du mit deinem Vater und deiner Großmutter warst? Ist dort nicht ein Stück deiner Heimat zu finden?
      Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass du heimatlos bist….
      Liebe Grüße von Susanne

  5. Liebe Susanne, ein schönes und auch schwieriges Thema……Heimat ist für mich auch die Sprache, genau genommen mein österreichischer Dialekt. Es macht mich froh, wenn ich mich über Paradeiser, Ribisel und Karfiol unterhalten kann. Es ist der österreichische Humor, der mir Heimatgefühl gibt und das langsamere Tempo…….das Wiener Kaffeehaus. Und doch ist meine Heimat auch da wo ich bin, nicht unbedingt an einen bestimmten Platz gebunden. Liebe Grüße, Theres

    1. Liebe Theres,
      ich kann mir gut vorstellen, das du in den Wiener Kaffeehäusern deine Heimat siehst, sie sind so speziel wie die Berliner Currywurstbude, die ich aber gar nicht mag. Wenn du an solch einer Bude stehst, riechst du innerhalb von 30 Sekunden wie eine Currywurst und kannst deine gesamte Kleidung, die du anhast nur noch in die Wäsche schmeißen. Aber vielleicht sind auch diese etwas negativen Gefühle Heimat.
      Bestimmte Gerüche….
      „The way of life“ eines Landes…
      Einen schönen Tag und liebe Grüße von Susanne

  6. Liebe Susanne, Heimat ist ein großes und tief gehendes Thema. Für mich ist Heimat die Verbindung zwischen Mensch und Raum. Und Jürgen´s Gedankenfetzen wie z.B. Sprache wie auch Verbundenheit, Gefühl u.a. zählen für mich auch dazu. Nicht zu vergessen: Deine Zeichnungen sind wieder sehr schön.
    Liebe Grüße von Stefan

  7. Liebe Susanne

    Heimat ist für mich nicht dort wo ich aufgewachsen bin, sondern dort, wo ich mich wohl fühle, wo ich zur Ruhe komme und weiss, hier stimmt’s für mich – es ist auch ein Kraftort. Wenn ich eine Stadt nennen müsste, mit der ich mich heimatlich verbunden fühle, dann ist es für mich Zürich.

    Wenn du Wedding als englisches Wort betrachtest, dann ist das schon fast so, als wärst du mit deinem Berlin verheiratet 😉

    LG buechermaniac

    1. Liebe buechermaniac,
      das stimmt… der Wedding ist sprichwörtlich meine Heimat.
      Ich bin in Reinickendorf nie angekommen, obwohl ich mich hier wohl fühle und das Grün sehr schön ist.
      Aber der Bezirk verströhmt eine andere Atmosphäre als Wedding. Es ist schon verrückt, Berlin und seine Kieze!

      Bist du auch in Zürich geboren, buechermaniac?

      LG Susanne

      1. In Zürich geboren, aber nicht aufgewachsen. Trotzdem habe ich mich natürlich schon als Kind, wenn ich mit Vater und/oder Mutter unterwegs war, in den Strassen von Zürich bewegt. Ich bin in der Agglo aufgewachsen. Wenn ich sage, dass ich in die Stadt gehe, dann meine ich Zürich. Wenn ich mich im Wohnort bewege, sage ich, ich gehe ins Dorf, obwohl dieses längst eine Stadt geworden ist, aber für mich nur noch ätzend ist – leider.

        LG buechermaniac

        1. Es ist erstaunlich, wie sich Heimat auch verändern kann. Gerade in und um Städte ist eine ständige bauliche Bewegung. Ich finde das spannend, weiss aber von einer Frau, die sich mit Berlin Mitte, ihrem Geburtsort, nicht mehr identifizieren kann, weil sich Berlin gerade dort enorm verändert hat: vom Wohnbezirk in einen Szenebezirk… das sind riesige Änderungen….
          Es tut mir leid, dass du dein Dorf nicht mehr als harmonisch und schön empfindest. Hast du vor umzuziehen?
          LG Susanne

  8. Mmmm, das ist ja ein interessantes Thema…. Ich habe die ersten zehn Jahre im Kohlenpott gelebt. Ich habe dort sehr viel und schön spielen können. Das war und ist auch irgendwie meine Heimat. Wenn ich auf Reisen bin, spüre ich häufig an den Orten nach, ob ich dort leben könnte. Manchmal kommt ein ja und dann wieder empfinde ich nichts weiter für den Ort. Obwohl der Ort vielleicht auch schön, angenehm und nette Leute hat. Ich glaube, mit dem Alter verlegt sich das Gefühl mehr nach innen, als dass es sich an äußeren Umständen festmachen ließe. Zumindest empfinde ich es für mich so. Vielleicht läßt das Gefühl Heimat ja viel Freiheit, so wie mit der Liebe. Jeder sucht etwas Anderes dabei… Auf jeden Fall, herzliche Grüsse nach Berlin. Ich beneide euch immer um die ganzen schönen Ausstellungen die ihr dort habt. Kölle könnte da wieder besser werden.-…Grüsse, Roswitha

    1. Liebe Roswitha,
      das Nachspüren, ob man sich an fremden Orten heimisch fühlen könnte, das mache ich auch oft.
      In der Fremde habe ich mich bisher nur noch in der USA ein wenig heimisch gefühlt. Ich mag N.Y. und die Atmosphäre dort.
      Aber will ich da leben? Das sind immer die Fragen. Bei N.Y. stelle ich sie mir jedenfalls.
      Eine Insel wie Mallorca oder Asien reizen mich ganz und gar nicht. Dort stelle ich mir die Frage, ob ich dort leben wollte, gar nicht.
      Heimat und Liebe ist auch ein schönes Wortpaar. Das kann ich auch gut nachvollziehen.
      Ich war jetzt lange nicht mehr in Köln, Roswitha, umso mehr freue ich mich auf den August….
      Liebe Grüße von Susanne

  9. Wo ich (mit meinem Herzen) bin, da bin ich zuhause. Die Orte meiner Vorfahren haben eine Bedeutung und es gab eine Zeit in der ich diese Orte besuchte und erfahren habe.

    1. Ich finde es auch wichtig, den eigenen Ursprung zu kennen, komoranflug.
      Es ist sowieso erstaunlich, wieviel wir vererbt, durch unsere Gene mitbekommen
      und wie verhältnismäßig wenig doch die Erziehung für Auswirkungen hat.

  10. schön, dass du das thema heute, zum beginn unserer heimatlos-serie auf pixartix aufgegriffen hast. ich habe dich schon mal verlinkt und werde nächstens auch drüber schreiben. eingehender als heute.
    bin gespannt über die kreise, die dein stein, den du angeschubst hast, ziehen wird.
    herzlich, soso

    1. Danke fürs Verlinken, soso.
      Ich finde schon hier in den Kommentaren viele Interssante Ansatzpunkte.
      Es gibt soviel zur Heimat zu schreiben und zu berichten.
      Grüße von Susanne

  11. Ich war gestern in der Heimat meines Vaters, in der Prignitz. Auf dem Friedhof habe ich ein altes Grab unserer Famiie gesehen, von dem ich denke, es wäre eine gute Ruhestätte für meine Eltern. Aus Ost und West kommend, wie Feuer und Wasser miteinander umgehend, möchte jede(r) auf seinem Heimatfriedhof begraben sein. Ich habe diesen Zwiespalt zweier Familienbestandteile in mir gehabt und jahrzehntelang die DDR-Herkunft abgelehnt. Jetzt fühle ich mich dort wohl und geborgen und habe Freunde.

    1. Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, Uta, die eigene Heimat respektieren und annehmen als ein Stücke seiner selbst.
      Der Wedding ist auch ein Brennpunkt Bezirk Berlins.
      Viele würde dort für 100er von Euro nicht hingehen oder hinziehen und verstehen mich in der Hinsicht nicht.

  12. Liebe, Susanne, das ist eine sehr philosophische Frage. Fuer mich ist Heimat kein spezieller Ort. Ich habe an vielen verschiedenen Orten gelebt und mich fast ueberall wohl gefuehlt. Heimat sind fuer mich meine Familie und meine Freunde. Liebe Gruesse, Peggy

    1. Liebe Peggy,
      ich denke auch, dass es eine philosophische Frage ist, die die Menschen schon sehr, sehr lange beschäftigt.
      Familie und Freunde gehören zur Heimat dazu. Orte, wo man immer hingehen kann, egal wie spät es ist und wie es einem gerade geht.
      LG von Susanne

  13. ich gehöre eher zu den wandervögeln, zu meinem geburtsort habe ich keine verbindung mehr und wenn ich ihn dann und wann einmal besucht habe, sprach er nicht mehr zu mir, wenn es einen ort gibt, den ich heimat nenne, dann ist es berlin, und das widerum hat viel mehr mit den menschen dort zu tun, als mit der stadt selbst-

    heimat finde ich auch in gerüchen, die ich als anheimelnd empfinde, die mich erinnern, und wenn ich nur das wort kohlenpott lese, dann wohnt dort auch heimat-

    als frau mit einem zugvogelgen war es für mich absolut wichtig mich in mir selbst zu verwurzeln und seitdem ist der ort nicht mehr ganz so wichtig –

    schön, dass du den faden von pixartix aufnimmst …
    herzliche grüße
    frau blau

    1. Liebe Uli,

      ich mag deine Formulierung, sich in sich selbst zu verwurzeln.
      Das klingt wirklich sehr schön und hat auch eine große Bedeutung.
      Und vor allem, es ist nicht heimatlos!

      Ich dir einen schönen Tag, Grüße aus dem sonnigen Berlin,
      Susanne

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