Keine Interessierten bei der Suppenküche – Susanne Haun

 

Impressionen von der Suppenküche Ausstellung Querbrüche Obdachlos (c) Foto von Susanne Haun
Impressionen von der Suppenküche Ausstellung Querbrüche Obdachlos (c) Foto von Susanne Haun

 

Vorgestern haben Gabriele und ich im Rahmen unserer Ausstellung Querbrüche Obdachlos vor dem Café Simit Evi am Leopoldplatz, Berlin Wedding, unsere von uns vor Ort gekochte Suppe angeboten.

Leider ist das Angebot nicht angenommen worden. Ein Interessierter kam, der wollte aber lieber 3,50 Euro statt Suppe. Ich sage es immer wieder, Hilfe muss auch angenommen werden, unsere Suppe ist nicht angenommen worden.

Gabriele, die viel Mühe und Liebe schon beim Besorgen der Zutaten und  Vorbereiten gesteckt hatte, war enttäuscht. Gut ist, dass ich mir schon vor langer Zeit abgewöhnt habe, zu große Erwartungen aufzubauen. Das hilft eine Enttäuschung zu vermeiden.

Geholfen habe ich Gabriele mit dem Schälen eines Sacks Kartoffeln und Paprika und Ingwer schneiden. Nach dem Schneiden der Zutaten in Gabrieles Küche haben wir alles in Rollkoffer und Fahrrad zum Kochen zum Simit Evi transportiert. Gabriele hatte nicht nur an die Kochutensilien sondern auch an Servietten und Holzlöffel gedacht. Das Kochen im Freien hat uns Spaß gemacht. Ich habe fleißig gerührt. 🙂

Wir standen von ca. 12 Uhr bis 16 Uhr mit der Suppe, die keiner wollte, draußen auf dem Rathausplatz. Zum Glück schien wenigstens die Sonne.

Viele sprachen uns an und fanden, wir hätten ein gutes Herz. Einer kam und wollte von uns 3,50 Euro aber er wollte keine Suppe. Wir boten die Suppe allen an, aber viele antworteten, sie können sich ihre Suppe auch selber kaufen. Vielleicht hätten wir sie verkaufen und dann das eingenommene Geld spenden sollen. Nun ist dieser Gedanke zu spät.

Dirk Jericho von der Berliner Woche kam zu uns, um uns und die Obdachlosen, die Suppe essen, zu interviewen. Auch er war erstaunt, dass keine Obdachlosen oder Hilfesuchenden da waren. Er interviewte uns beide und ich bin gespannt, was wir am Mittwoch in der Berliner Woche lesen.

Hier (Klick) könnt ihr Dirks Artikel in der Berliner Woche auch online lesen.

Die Suppe haben wir mit Hilfe von Ralph, den wir von der Händlergemeinschaft kennen, letztendlich in die Sozialeinrichtung Unter Druck e.V. gefahren. Dort wird sie heute verteilt. Da die Einrichtung sehr bekannt und angenommen ist, werden dort auch genügend Abnehmer kommen.

 

 

43 comments

  1. Ja, schade! Aber wieder was gelernt. Auch Menschenn auf der Straße sind neuen Sachen gegenüber skeptisch. Aber sei getröstet: Ich habe vor zwei Tagen Kürbissuppe gekocht, um meine Tochter zu durchzufüttern und sie hat keinen Löffel davon genommen. 😉

  2. Schon verwunderlich, dass niemand die Suppe wollte … ich staune. Gut, dass sie einen Ort gefunden hat, wo sie auch gegessen wird!
    herzliche Grüße, Ulli

  3. Ja, verkaufen wäre eine gute Idee gewesen. Aber nun. Kamen jedenfalls genug Leute vorbei und sahen die Ausstellung?
    Über die Schwierigkeiten, mit Obdachlosen zu arbeiten, habe ich dir kürzlich einen llnk eingestellt, da geht es um einen jungen Mann, der, berührt von dem Schicksal der Obdachlosen, anfängt, provisorische Häuschen zu zimmern. Und wie er an diesem Helfenwollen fast zerbricht.

    1. Ich bin noch nicht dazu gekommen, den Film zu schauen, ich habe mir den Link gespeichert.
      Die Ausstellung war bisher gut besucht. Gestern bei der Führung waren immerhin 7 Personen dabei.

            1. Ich habe schon eine Vorstellung. Auch ich habe schwer gelernt, Hilfe anzunehmen. Es ist nicht einfach und man gibt ein Stück Selbstständigkeit ab und steht in der Schuld von Jemanden. Kein schönes Gefühl? Läuft der Film darauf hinaus?

            1. Dann kann ich jetzt schon berichten, denn ich habe iden Film gerade angesehen. Brühwarm mein Eindruck: berührend und auch sehr bedrückend habe ich das empfunden. Bedrückend, wie sehr Sven unter und an diesem Projekt leidet. Da ist keine Leichtigkeit, weder Unbeschwertheit noch Freude zu sehen oder hören. Winzigste Freudefunken tauchen zum Schluss auf, als ein Obdachloser einen Job angeboten bekam.
              Jede der mannigfachen Enttäuschungen schmerzen Sven sehr und ziehen ihn runter, seine Beziehung zerbricht, er vereinsamt.

              Ich glaube nicht, dass es für ihn gut ist, dieses Projekt fortzuführen. Solange er niemanden findet, der bereit ist, sich mit Verantwortung und finanziell in dieses Projekt einzubringen, sehe ich schwarz.

              Der Film gibt einen sehr guten Einblick in seine Arbeit, sein Projekt. Mich hat es „runtergezogen“ und mit einem „da läuft aber gravierend etwas aus der Spur“ zurück gelassen.

              1. Guten Morgen, liebe Vera, ich bin immernoch nicht dazu gekommen, den Film zu sehen. Heute trage ich im Coloquium an der Uni eine knappe Zusammenfassung meiner Masterarbeit vor und wir diskutieren darüber. So bin ich ganz beschäftigt.
                Ja, ich weiss wie schwer es ist, sich als Helfer abzugrenzen und die Probleme nicht bis mit nach Hause zu nehmen. Ich habe mit Hilfe von meiner Neurologin gelernt, mich abzugrenzen, denn nur so kannst du sinnvoll helfen, ohne dass du selber leidest oder ein schlechtes Gewissen hast, weil du zu wenig hilfst.
                Alles nicht so einfach. 🙂 Eigentlich müssten ehrenamtliche Helfer (gerade auch in der Flüchtlingshilfe) viel besser geschult werden.

  4. Hach, so schade, dass euer tolles Suppenengagement nicht auf hungrige Mägen stieß und toll , wie gelassen du das nimmst, liebe Susanne!
    Ja, Hilfe muss auch angenommen werden wollen.

    Prima, dass sich noch Abnehmer für die sicher leckere Suppe fanden.
    Liebe Nachmittagsgrüße von Vera

    1. Ich selber weiß, wie schwer es ist, Hilfe anzunehmen, besonders, wenn man immer sehr selbstständig war. Wir unterhielten uns, glaube ich, schon mal drüber!
      Liebe Grüße von Susanne

  5. Vielleicht ist man manchmal einfach zur richtigen Zeit am falschen Ort, usw. Die Suppe hat ja noch dankbare Esser gefunden, also war eure Müh nicht umsonst. Hab eine gute Zeit und Grüsse nach Berlin. Ernst

  6. Schade, liebe Susanne, das Euer Angebot nicht angenommen wurde und keine Resonanz fand. Das Eure Suppe dann doch noch Verwendung fand, tröstet ein wenig.
    Über die Gründe läßt sich sicherlich trefflich rätseln und spekulieren.
    Ich hoffe, dass es Dich nicht entmutigt für Zukünftiges, dass ähnlich schwierig angelegt ist.
    Liebe Grüße
    Juergen

  7. Manchmal wissen die Leute einfach nicht, wo es etwas Gutes gibt, wenn es sich herumgesprochen hat, klappt es oft besser. Gut, dass Euer überaus lecker aussehendes Süppchennoch dahin gefunden hat, wo es geschätzt wird!

    1. Ja, das war mein Plan B, ich dachte zwar nicht, das keiner kommt, aber ich dachte, das wenigstens einige Abnehmer kommen. Dass wir 3 x 15 Liter loswerden, das konnte ich mir schwer vorstellen….

  8. Ich hätte sie genommen, die Suppe. Nein, ich hätte sie nicht genommen, weil ich das Gefühl gehabt hätte, als nicht Bedürftiger wirklich Bedürftigen etwas wegzunehmen. So wäre ich auch vorbei gegangen.
    Schönen Abend! Martin

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