Mohn Knospe, Aus dem Skizzenbuch von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Anspruchsvoll – Ein Wort mit Stresspotential – Susanne Haun

Anspruchsvoll, Foto von Susanne Haun(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Anspruchsvoll, Foto von Susanne Haun(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Stress

Es ist nicht zu ergründen, wann ich das erste Mal Streß empfunden habe, zu schreiben. War es in der Oberstufe, als wir Erörterungen in Deutschklausuren schreiben mussten oder war es während des B.A. Studiums bei der ersten Hausarbeit?

Ich besuchte ein Schreibseminar und diskutierte ausführlich mit meiner Kommilitonin und Freundin Cristina Wiedebusch das für und wider eines solchen Seminars. Cris war der Meinung, sie brauche diese Seminare nicht. Unsere Abschlussarbeiten sind im Stil so unterschiedlich wie Tag und Nacht.

Mein größter Anspruch an meinen Texten liegt bei der Verständlichkeit. Ich möchte, dass die Texte von meinen Malschülerinnen in den praktischen Workshops genauso verstanden werden wie von den Künstlerinnen, die meine verschiedenen Seminare zur Präsentation im Netzwerk und meinen Professorinnen und Kommilitoninnen, die meinen Vorträgen zu meiner Dissertation lauschen.

Mohn Knospe, Aus dem Skizzenbuch von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Mohn Knospe, Aus dem Skizzenbuch von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Geheimvokabular

Während ich Fachbegriffe, die ich verwende, versuche, elegant im Text zu erläutern, benutzt Cris am liebsten viele Fachwörter, um zu zeigen was sie kann und was sie gelesen hat. Ihre Texte klingen akademisch, aber manchmal sind sie auch für mich als Künstlerin und Kunsthistorikerin schwer verständlich. Die langen Sätze, gespickt mit Fachwörtern muss ich mehrere Male lesen, um zu begreifen, was mir die Autorin sagen will und da Cris in einem anderen Bereich der Kunstgeschichte tätig ist, muss ich die Fachwörter zum Teil nachschlagen.


Cris hat ihr Studium mit der Abschlussnote 1,1 beendet. Hier nochmals herzlichen Glückwunsch dazu.

Schon in meinen ersten Hausarbeiten haben ich in den Beurteilungen zu hören bekommen, dass „ich zu deskriptiv sei“, so auch in meiner Masterarbeit. Ich bin stur, manchmal nehme ich einen Ratschlag nicht an. Wenn ich von etwas überzeugt bin, lasse ich mich schwer umstimmen. Das ist nicht immer gut.

Ich habe mein Studium mit der Note 1,5 abgeschlossen und bin sehr zufrieden mit meinem Abschluss.

Die Kunst des professionellen Schreibens

Irgendjemand empfahl mir das Buch „Die Kunst des professionellen Schreibens“ von Howard S. Becker. Becker diskutiert im zweiten Kapitel „Selbstpräsentation und Autorität“ mit einer Studentin, die Cris Standort einnimmt. Die Studentin möchte sich durch das sog. Geheimvokabular den Weg in die Akademiker Elite erschließen. Becker deutet diese in der akademischen Welt weit verbreitete Schreibweise als den Wunsch als eine bestimmte Person wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Quelle: Becker, Howard S., Die Kunst des professionellen Schreibens, Frankfurt am Main, 2000, S. 46 – 53.

Aus dem Gedächtnis, Aus dem Skizzenbuch von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Aus dem Gedächtnis, Aus dem Skizzenbuch von Susanne Haun (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Übersprung Handlung

Nun sitze ich vor meinem ersten Kapitel der Dissertation und überlege, wie ich einen interessanten Erzählstil für die wissenschaftlichen Fakten finden kann. Auf 26 Seiten lege ich zur Zeit meine Argumente dar. Ich möchte kürzen und eigenes besser zum Ausdruck bringen und ich möchte verständlich bleiben.

Mit einem Wort: ich bin schreib-gestresst.

Blumen Zeichnen

Als Ablenkung zeichne ich Blumen, ich zeichne, was ich sehe.

Wie durch Zauberhand

Kann ich nicht auch schreiben, was ich im Kopf habe, frei runter? Ich habe begonnen, meine Gedanken in Word zu diktieren. Das macht mich frei, ich quatsche, was ich denke und wie durch Zauberhand erscheinen die Buchstaben und Wörter in meinem Dokument.

Unfertig!

Aber als Basis fantastisch.

19 comments

    1. Danke, liebe Gabi,
      an meiner Diss bin ich am Arbeiten, es macht mir Spaß. Dafür muss ich leider andere Aktivitäten einschränken, wie auch meinen Blog, der nicht mehr jeden Tag gefüllt wird.
      Liebe Grüße sendet dir Susanne

  1. Liebe Susanne,
    ja, unfertig sind und bleiben wir, und damit ja auch offen, auf dass, was kommt.
    „Sie sind auf einem gutem Weg“, sagte der Prof. zu mir damals.
    Dies bist Du gleichfalls.
    Herzliche Wünsche und Grüße
    Bernd

    1. Danke, Bernd, ich bin gerade dabei, das erste Kapitel meiner Dissertation neu zu formulieren. Lieber gleich als später alle Kapitel zu überarbeiten, dachte ich mir.
      Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

  2. Was das Schreiben betrifft, liebe Susanne, gehe ich da mit Dir! Ich würde auch nicht nur für eine kleine Elite schteiben wollen, sondern zudem auch von einem breiteren Kreis verstanden werden wollen. Und zudem – warum soll nicht auch die Fachleserschaft Freude beim Lesen haben anstatt sich durch meine schwierigen Texte zu quälen.
    Verständlich und dennoch wissenschaftlich klar und präzise zu schreiben – wahrlich anspruchsvoll. Aber ich bin mir sicher, Du findest den Faden, an dem Du gut und geschmeidig wirst spinnen können.
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Danke, liebe Ines.
      Nachdem wir gerade 3 Wochen in den Bergen und am Gardasee verbracht haben, komme ich gestärkt zurück und bin voller Tatendrang.
      Liebe Grüße von Susanne

  3. Diktieren ist eine gute Idee, da verhaspelt man sich nicht so sehr bei einzelnen Formulierungen, sozusagen erst Mal ins Unreine, damit es fließt.
    Ansonsten: Ich halte gar nichts von aufgemotzter Pseudo-Akademiker-Sprache. Das ist, scheint mir, so auch ein deutsches Phänomen. Im angelsächsischen Bereich hat man gefälligst verständlich zu scheiben, in Frankreich liebt man die elegante Sprache mit originellen Wendungen, in Deutschland verwechselt man vor allem in bestimmten Fächern (in Geschichte viel weniger als Kunstgeschichte) leider allzu oft komplizierten, schlechten Stil mit Anspruch – da gehen leider schon Professoren&Dozenten mit schlechtem Beispiel voran.
    Aber Du wirst sehen, wenn Deine Arbeit dann außerhalb des akademischen Milieus veröffentlicht werden solte, dann ist es plötzlich umgekehrt: Dann wird die Lesbarkeit gelobt ….
    Frohes Schaffen!
    Martin

    1. Danke, Martin, wir waren die letzten drei Wochen in den Alpen und am Gardasee unterwegs und so komme ich erst jetzt dazu, deinen Kommentar zu beantworten.
      Das mit dem Diktieren ist ja heute auch total leicht gemacht, denn ich kann entweder gleich in Word dikitieren oder in den Notizen von meinem iPad. Ich mache beides. Inzwischen hat mein Handy sich schon gut an meine Sprache gewöhnt.
      Ich glaube auch, dass beim Schreiben im Fach Kunstgeschichte kompliziert oft mit Anspruch verwechselt wird. Ich finde es auch immer scheußlich, wenn ich in einem Satz drei bis unendlich viele unterschiedlich Sprachen vorfinde.
      Heute muss ich erstmal für meine nächste Ausstellung rahmen, da bleibt wenig Zeit für die Diss, jedoch kann ich beim Rahmen gut Vorträge aus Konferenzen hören, die kunstgeschichtelichen Institute haben aufgrund von Corona viele Online Konferenzen veranstaltet und die Vorträge mitunter aufgenommen.
      Oft sehr interessant!
      Liebe Grüße von Susanne

      1. Liebe Susanne, hoffentlich war es schön in den Alpen und am schönen Gardasee. War wahrscheinlich jetzt nicht so überlaufen da ….
        Eine schöne Woche!
        Martin

        1. Ja, lieber Martin, das war sehr schön, vor allem, das relativ wenige Touristen da waren. Auf der Fähre von Saló nach Malcesini war kein einziges Auto und auf dem Sonnendeck waren fast alle Plätze frei!
          Liebe Grüße von Susanne

  4. Liebe Susanne,
    „meine Gedanken in Word zu diktieren“: das habe ich schon seit Langem vorgehabt, weil das so viel schneller geht als Tippen, und ich dazu noch – selbst wenn ich gelegentlich korrigieren muss – viel schneller bin. Das wuerde mir bei meiner Bloggerei enorm helfen. Gelegentlich habe ich es schon probiert, aber es kommt mir immer noch komisch vor, mit einem technischen Geraet zu „reden“, und bisher scheine ich auch so meine Gedanken beim Tippen besser auf den Bildschirm bringen zu koennen. Ist aber Alles wohl Gewohnheitssache. Ich werde dran bleiben.
    Was meinen Stil angeht: meine Saetze sind (sehr) oft zu lang und zu verschachtelt – faellt mir immer wieder selber auf. Parenthesen in Parenthesen in Parenthesen kommen immer wieder vor. Ich mag sie eben zu gerne, bzw. sie spiegeln meine Gedankengaenge wieder: waehrend ich das Eine schreibe, faellt mir dazu das Andere ein, und das will ich dan eben auch noch in ein und demselben Satz unterbringen. Am deutlichsten wird dieser Stil immer dann, wenn Google Translate damit Probleme bekommt. Aber mittlerweile scheint Google dieses Programm ganz erheblich verbessert zu haben. Ich nutze es der Zeiterparnis wegen so gut wie immer fuer meine Bloggerei und brauche nur noch sehr wenig nachzubessern.
    Liebe Gruesse, mach’s gut, und bleib‘ gesund,
    Pit

    1. Lieber Pit,
      ich kann dir als Übersetzungprogramm http://www.deepl.com empfehlen. Die Übersetzungen sind viel genauer als von google.
      Ich spreche meistens in mein Handy (iPhone). So lernt das Handy meine Sprache und es ist angenehmer, mit einem Telefon zu reden als mit dem Rechner. Obwohl ich das auch gerne mache….
      Liebe Grüße von Susanne

      1. Danke fuer den Link, liebe Susanne. Werde ich mal ausprobieren.
        Mein Handy versteht mein Englisch sehr gut. Deutsch geht auch, habe ich aber noch nicht richtig ausprobiert. Was mir fehlt ist eine Diktiermoeglichkeit am „grossen_ Computer. Der Bildschirm dazu hat naemlich weder Lautsprecher noch Mikrofon. Und auf diesem Computer habe ich auch nur Windows 8.1 ohne die Moeglichkeit, direkt in WORD zu diktieren. Aber mal sehen: vielleicht schaffe ich dafuer doch noch ein Diktierprogramm an und schliesse vorhandene Kopfhoerer mit Mikrofon an.
        Liebe Gruesse,
        Pit

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