Susanne Haun

Authentizität und Schattenübermalung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Entscheidung, Konzeptkunst, Zeichnung by Susanne Haun on 22. August 2011

Bei der Hängung der Ausstellung „Querbeet“ bei Angelika Blaeser lernte ich Friederike Vahlbruch kennen; sie lieferte auch gerade ihre Bilder für die Ausstellung ein.

Schon bei Angelika entstand eine interessante Diskussion, die wir per Mail fortsetzten und setzen. Wer mehr zu Friederike wissen möchte, kann auch hier das Interview lesen.

Per Mail  stellte sie mir folgende Frage:

Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einer künstlerischen Haltung und einem bloßen Markenzeichen durch immer wiederkehrende Motive? Das ist etwas, das oft von einem Künstler verlangt wird: Branding statt Nachdenken über Kunst und das Wechselspiel zwischen Ihr und der Zeit in der man lebt.

Ist das nicht ein gute Frage, die Friederike da aufwirft?

Selbst als Fragerin oder Entscheiderin - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Selbst als Fragerin oder Entscheiderin - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Eine Frage, mit der sich die Künstler der Jahrhundertwende noch nicht „herumschlagen“ mußten. Ist der Begriff Markenzeichen nicht schon stark von unserer Zeit geprägt?

Wie können wir Gauguin einordnen,  die meisten Betrachter sehen nur seine Südseebilder vor sich  und nicht die Bilder aus der Bretagne, die für sein Werk genauso wichtig sind. Vielleicht sogar noch wichtiger, markieren sie doch den Beginn seiner Schaffenskraft.

Vor einiger Zeit las ich von Martin Suter „Der letzte Weynfeldt“, es wurde unter anderem ein Künstler beschrieben, der seine Handschrift noch nicht gefunden hatte und suchte. Ich empfand eine ungehöre Erleichterung, dass ich nicht auf der Suche nach einer Handschrift bin sondern dass, was ich zeigen möchte frei von den Überlegungen schaffen kann, welches Material oder welche Art der Malerei ich wähle.

Hellblauer Farbkörper (Chromosom) - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Hellblauer Farbkörper (Chromosom) - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Die nächste Frage ist, ob ich das, was mich bewegt immer in meinen Bildern zu finden ist. Mich bewegt unter anderem, dass ein kleiner Teil der Hilfe für Griechenland den Hunger in Afrika lindern könnte, mich bewegt, dass der Unternehmer Hermann Bühlbecker (hier ein Interview mit ihm) afghanischen Jugendlichen das Bäckerhandwerk lehrt, damit sie ihrem Land helfen können.
Ich wünsche mir, dass sich alle Unternehmer sich ihrer soziale Verantwortung bewußt werden, auch ihrern eigenen Mitarbeitern gegenüber.

Ich arbeite im Moment an einem Konzept mit dem Titel „Entscheidung“, es geht um Fragen, die eine Entscheidung aufwerfen und wie die jeweiligen Antworten gefunden werden.
Und ich arbeite an großen floralen, botanischen Zeichnungen.

Hängung der ersten 12 Zeichnungen der Installation "Entscheidung" von Susanne Haun

Hängung der ersten 12 Zeichnungen der Installation "Entscheidung" von Susanne Haun

Es scheint, dass das Florale und die Entscheidung zusammenhanglos sind. Es scheint! Meine Inspiration zu meinem Konzept Entscheidung habe ich mir auch aus der Pflanzenwelt geholt. Siehe hier meinen Artikel zur Pfingsrose.

Die Entscheidung, die jeder Mensch auf eine Frage trifft, ist immer sehr persönlich und individuell

Meine Antwort auf eine Frage muss nicht deine sein!

Um diesen Sachverhalt konzeptionell darzustellen, habe ich 25 einzelne Zeichnen der Größe 20 x 20 cm erstellt, die zusammen in der Hängung ein Bild der Größe 170 x 170 cm ergeben.

Warum ich meine Gesichter nicht reduziere – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Ausstellung, Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 17. August 2010

Gestern war Angela Mahmout vom Treffpunkt Kunst aus Heidelberg im Atelier und suchte die Bilder für die Ausstellung im September aus.

„Warum reduzierst du deine Portraits nicht so wie deine Blumen?“ fragte sie mich.

Es schien ihr, als ob ich mich nicht traue. Solche Diskussionen sind mir immer eine große Freude und während ich heute hier sitze und eigentlich einen Koch aus Sri Lanka zeichnen möchte und dabei „Der Koch“ von Martin Suter hören will, gleiten meine Gedanken immer wieder zu Angelas und meinen Sätzen ab.

Der Koch entsteht auf dem Papier, meine Hände führen die Feder. Jede Linie erzählt von dem Leid, was er erfahren hat und was er mit jedem Satz, der der Lautsprecher meines iPods mir vorliest, erfährt. Mir scheint, lasse ich eine Linie weg, dann würdige ich sein Leid nicht!

Der Koch - Zeichnung von Susanne Haun - 24 x 40 cm - Tusche auf Bütten

Der Koch - Zeichnung von Susanne Haun - 24 x 40 cm - Tusche auf Bütten

Bei Blumen und Akten und auch Landschaften kann ich gut Linien weglassen – ich möchte die Schönheit und Einfachheit der Formen zeigen. Ich mag diese Reduzierung in diesen Fällen sehr und es geht bis zum Abstrakten hin.

Aber bei Menschen? Lösche ich nicht ihre Geschichte mit dem Weglassen der Linien aus? Neben meinem ersten Koch entsteht noch ein Koch – ich lasse Linien weg – ich brauche sofort Text stattdessen – andere Linien …..

Das war heute morgen – den ganzen Tag schauen mich die beiden Köche an. Sie gefallen mir beide sehr gut. Ich bin glücklich, ich muss keine Entscheidung treffen, der eine steht wie der andere im BLatt und jeder hat seine Berechtigung. Ich mag meine Köche!

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