Susanne Haun

Kind und Beruf – speziell Kunst – Susanne Haun

Posted in Was es sonst so gibt!, Zeichnung by Susanne Haun on 4. August 2016

 

Das Interview mit Marina Abromovic vom 24. Juli 2016 im Tagesspiegel (siehe hier) hat viel Aufmerksamkeit erregt, es fand einige Erwähnungen in den Sozialen Medien.

 

Übermalen der letzten Arbeiten im Mai (c) Foto von Susanne Haun

Übermalen der letzten Arbeiten im Mai (c) Foto von Susanne Haun

 

Susanne Kippenberger  fragte Marina Abromovic unter anderem:
„Wollten Sie nie Kinder haben?
Nein. Nie. Ich habe drei Mal abgetrieben, weil ich überzeugt war, dass es ein Desaster für meine Arbeit wäre. Man hat nur so und so viel Energie in seinem Körper, und die hätte ich teilen müssen. Das ist meiner Ansicht nach der Grund, warum Frauen in der Kunstwelt nicht so erfolgreich sind wie Männer. Es gibt jede Menge talentierter Frauen. Warum übernehmen die Männer die wichtigen Positionen? Ganz einfach: Liebe, Familie, Kinder – all das will eine Frau nicht opfern.“²

Die Entscheidung für oder gegen Kinder müssen Paare meistens treffen, wenn ihnen die Dimension der Entscheidung noch nicht klar ist. Um Kinder mit Liebe und auch der nötigen Erziehung aufzuziehen, wird von Seiten der Eltern viel Zeit und Geduld benötigt. Es ist klar, dass diese Zeit, die in die Kinder fliesst, für andere Dinge wie z.B. den Beruf, nicht mehr zur Verfüng stehen. In der Welt vom 28.7.2016 können wir lesen, doss jeder fünfte seine Entscheidung für ein Kind bereut (siehe hier).

Mit Kindern ist es zum Beispiel für Künstlerinnen und Künstler schwierig, Stipendien oder Residenzen im In- und Ausland wahrzunehmen oder Abends von Vernissage zu Vernissage zu ziehen, um zu kontakten. Die Präsentationsarbeit der Künstlerinnen und Künstler beginnt dann, wenn alle anderen Feierabend und Freizeit haben.

 

Mutter und Kind (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mutter und Kind (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Ich finde es schade, dass die beiden Lebenspositionen für oder gegen Kinder immer so krachend aufeinander stoßen. Ich fände es schön, wenn die Vertreterinnen und Vertreter der Positionen sich respektieren könnten. Es ist für mich Emanzipation und Fortschritt, dass ich die Entscheidung für oder gegen Kinder selber treffen konnte und dass heute auch viele Männer diese Entscheidung treffen müssen. Zumindestens in Deutschlands Städten teilen Eltern oft Berufs- und Kinderzeit gerecht untereinander auf, so dass beide Zeit für Beruf und Kind haben.

Man kann natürlich als Eltern auch Zeit kaufen, in dem man eine Assistentin oder einen Assistent für die selbstständige Arbeit oder ein Kindermädchen einstellt.

Ich habe mich durch Marina Abromovics Beantwortung der Frage nicht abgewertet gefühlt. Wenige Frauen handeln wie sie. Ein weiteres Beispiel ist Simone de Beauvoir. In ihren Memoiren berichtet sie ausführlich über ihre Motivation zur Kinderlosigkeit. Heute gibt es immer mehr Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden.

Doreen Trittel schreibt in ihrem Blog (siehe hier) ebenfalls Worte zum Artikel.  „Die Gesellschaft verändert sich und es wird Zeit. Auch der Kunstmarkt kann sich davor nicht verschließen. Es wird Zeit, dass wir neue Wege beschreiten, dass alte Denkmuster aufgelöst werden. Das zeigen z.B. Sally Mann oder Annegret Soltau… Marina Abramovic bedient mit ihrer Aussage die alten Klischees und Schubladen, die es gilt mehr und mehr aufzubrechen.

Ich denke aufgrund Doreens Anregung darüber nach, ob sich die Gesellschaft wirklich ändert? Ich glaube jedoch, ein Mädchen aus Albanien oder dem Kosovo (beide stellvertretend für Jugoslawien) hat heute fast weniger Chancen, eine weltberühmte Künstlerin zu werden als zur Zeit Marina Abramovics.

Und schließlich ist es auch immernoch eine Frage, wie jeder Erfolg in seinem Leben definiert! Dementsprechend kann sie, er handeln.

 

Sie ist schwanger - Zeichnung von Susanne Haun

Sie ist schwanger – Zeichnung von Susanne Haun

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Abramovic, Marina. Mit 70 muss man den Bullshit reduzieren, in: Der Tagesspiegel, Nr. 22.827, Berlin 2016, S. S1.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/interview-mit-marina-abramovic-ich-kann-keine-gemaelde-schicken-darum-schicke-ich-mich-selbst/13913260-2.html , 3.8.2016, 9:12 Uhr

 

Kunst = Kunst Teil 5 = Marina Abramovic – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Betrachtungen zur Kunst, Kunstgeschichte, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 29. Dezember 2012

Der Film „Marina Abramovic: The Artist Is Present (OmU)“ ist sehr beeindruckend.

Mir fallen bei meiner Beschreibung zuerst die unwichtigen Dinge ein, weil die wichtigen Sequenzen kaum zu beschreiben sind, sie sind nur erlebbar.
Ich sah den Film vor einer Woche und habe mir für meinen Bericht fast eine Woche Zeit gelassen. Zeit, um über den Film nachzudenken und ihn nachwirken zu lassen.

Marina Abramov würde gerne beschreiben, was für ein administrativer Aufwand es ist, Kunst zu machen und wie viele emails sie schreiben, wie viel Telefonate sie führen und zu wie vielen Veranstaltungen sie gehen muss.

Ich werde nach dem Film nie wieder sagen, dass meine Wohnung oder mein Atelier klein sind.
Marina Abromovic lebte mit ihrem damaligen Lebens- und Künstlergefährten Ulay 5 Jahre lang in einem Wohnmobil bzw. umgebauten Laster.

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

Sie beschloss ein Manifest zu schreiben, um das wichtigste ihrer Kunst in Worten festzuhalten. Sie las es zuerst in Florenz vor, ich habe es bei youtube gefunden.

„Künstler müssen Krieger sein. Sie müssen diese Bestimmung und das Durchhaltevermögen haben, um kämpfen zu können.“ sagt sie u.a. in ihrem Manifest.

Die ersten Jahre ärgert sie sich, dass alle fragen, ob das (die Performance) Kunst ist. Und jetzt nachdem sie keiner mehr fragt, vermisst sie die Frage.

Der Film war so inhaltsschwer, ich wollte mich in dem Film fallen lassen und keine Notizen für einen Artikel machen und so bin ich sehr froh, einiges von Marina Abromovic auf youtube gefunden zu haben.

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

Im Spiegel vom 29.11.2012 schreibt Daniel Sander: „Der Film ist keine übermäßig kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Abramovic und der Performance-Kunst an sich geworden (…) Sie allein ist schon ein Kunstwerk.“

Ich habe lange überlegt, wie ich zeichnerisch diesen Film verarbeiten kann. Mit Farbe, war mein erster Gedanken. Und natürlich rot, denn bei Marina Abromovic denke ich an rot. Danach habe ich sie mit wenigen Linien dargestellt, um Raum für Gedanken zu geben.

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mein Sinnbild von M.Abromovic (c) Zeichnung von Susanne Haun

UPDATE: 5.1.2013: Schaut dazu auch bei der Mützenfalterin, die einige Artikel zum Thema schrieb.

For my English-speaking readers:
The film „Marina Abramovic: The Artist Is Present (OV)“ is very impressive.
I notice at first the description of unimportant things, because the important sequences are hard to describe, they just experienced.
She decided to write a manifesto to retain the most important words of her art. She read it first in Florence, I found it on youtube.
„Artists have to be warriors. You must have the determination and perseverance to fight for you.“ Is one point of her manifest.

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Marina Abramovic SCAD deFINE ART 2011 Keynote Lecture Pt. 1
Oehmke, Philipp, DER SPIEGEL 23/2010, Die 721-Stunden-Frau,
Sander, Daniel. Der Spiegel, Diese Frau kriegt alle rum.

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