Susanne Haun

Ich bin Künstlerin, also ist das, was ich mache Kunst! – Susanne Haun

Posted in Ausstellungstip, Künstlergespräch, Zeichnung by Susanne Haun on 28. April 2015

Manchmal überschlagen sich die Ereignisse und mir wichtige Dialoge und Zeichnungen finden keinen Weg in meinen Blog.

So ist es auch mit Jürgen, Micha und meinen Besuch im Kolumba in Köln geschehen. Und da mir gerade dieser Besuch sehr wichtig ist, hole ich jetzt den Bericht nach. So kann ich mich auch in ein paar Jahren noch daran erinnern.

 

Kolumba (c) Zeichnung von Susanne Haun

Kolumba (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Das Kolumba ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Ich finde besonders gelungen, dass dort alte und neue Sammlungsgegenstände des Erzbistums durch die Jahrhunderte gezeigt werden. Ich finde es erstaunlich, wie die Zeiten miteinander sprechen.

Wir drei kamen in einen Raum mit einem riesigen Gemälde, das uns erstmal ratlos machte. Vor dem Bild stand eine Bank und auf der Bank saß eine Frau. Wir drei setzten uns neben die Frau und schauten das Bild an.
„Susanne,“ fragte mich Jürgen „ist dass denn jetzt Kunst?“
Ich antwortete getreu des unten von mir schon so oft zitierten Textes von Bruce Naumann², dass es auf jeden Fall Kunst sei, wenn es in einem Atelier entstanden ist. Denn alles, was ein Künstler im Atelier macht, ist Kunst.
Die Frau neben uns sah uns böse an, sprang auf und ging!
„Ach was!“ dachte ich!

Als nächstes fragte mich Jürgen, ob denn, wenn ich Ende des Jahres meinen „Bachelor of Arts“ erhalte, meine Zeichnungen nachträglich zu Kunst werden? Jürgen ist schon ein Provokateur!
Meine Zeichnungen sind Kunst; sie brauchen dazu nicht den B.A.
Wir hatten aber unheimlichen Spaß in dem Ausstellungsraum beim Reden und Jürgen meinte, ich solle mal aufschreiben, dass alles, was ich gemacht habe nach meinem B.A. nachträglich zur Kunst deklariert wird. Dann sollte ich unterschreiben und er unterschrieb auch als Zeuge.
Wir haben so gelacht!
Jürgen hat den entscheidenden Moment im Hipstamatic-Modus bildlich festgehalten:
Ich mit dem Dokument auf der Bank:

Susanne Haun im Kolumba (c) Foto von Jürgen Küster

Susanne Haun im Kolumba (c) Foto von Jürgen Küster

 

Ach ja … eigentlich darf der Zeichner im Kolumba nicht zeichnen. Jedenfalls nicht mit Füller. Ich wurde am Ende unseres Besuchs darauf aufmerksam gemacht. Einen Bleistift hätte ich benutzen dürfen. Das war mir „völlig neu“, aber ich zeichne so gerne mit dem Füller. Es ist in Museen verboten, weil der Füller auslaufen und eines der Werke beschädigen könnte. Bleistift fließt nicht so gut wie Füller und ist deshalb für mich keine Alternative.

Micha fand unsere Diskussion für sich selber nicht fruchtbar und machte lieber Fotos:

Licht (c) Foto von M.Fanke

Licht (c) Foto von M.Fanke

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²Naumann beschreibt seine Situation, nachdem er frisch von der Universität vom Kunststudium, kam wie folgt:
“Im Atelier war ich auf mich selbst gestellt. Das warf dann die grundlegende Frage auf, was ein Künstler tut, wenn er im Atelier ganz auf sich selbst gestellt ist. Ich folgerte also, dass ich ein Künstler in einem Atelier war und dass demnach alles, was ich dort tat, Kunst sein musste. Was tatsächlich ablief, war, dass ich Kaffee trank und hin- und herging. Die Frage kam dann auf, wie ich diese Aktivitäten strukturieren konnte, so dass sie Kunst werden oder eine andere Art von geschlossener Einheit, die anderen Menschen zugänglich gemacht werden könnte. An diesem Punkt rückte die Kunst als Tätigkeit gegenüber der Kunst als Produkt in den Vordergrund.”
Lüthy, Michael. Auf der Schwelle. Paderborn 2006. Seite 61.

 

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