Susanne Haun

Der Augenzeuge in der Geschichte – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Geschichte, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 24. November 2014

Geschichte ist nicht so einfach, wie wir uns das vorstellen!

Meine Vorstellung von Reinhart Kosselleck (c) Zeichnung von Susanne Haun

Meine Vorstellung von Reinhart Kosselleck (c) Zeichnung von Susanne Haun

So denken wir doch, ein Augenzeuge ist jemand, der genau weis, was passiert ist.

So ist es jedoch nicht, denn der Augenzeuge sieht nur seinen kleinen subjektiven Teil des großen Ganzen!
Ein gutes Bild der Geschehnisse erhalten wir jedoch mit mehr zeitlichem Abstand und dem Überblick über die Gesamtsituation.

Ein weiterer Filter zur Betrachtung der Geschichte ist die Frage, die der Leser sich an die Quellen stellt. Die Frage bestimmt die Sichtweise auf die Quelle.

Im laufenden Semester lesen wir Texte von Reinhart Koselleck, einem der bekanntesten deutschen Historiker des 20. Jahrhunderts. Ich finde sein Model von den Schichten der Zeit sehr interessant. Die Zeit innerhalb der einzelnen Schichten läuft verschieden schnell. Wir haben dazu auch einen Artikel von Koselleck in der Sütdeutschen Zeitung gelesen.

Meine Sichtweise hat sich geändert. Ich beginne, Sekundärliteratur kritischer zu betrachten und habe begonnen, auch immer auf die Biografie des Autors der Texte, die ich lese, zu schauen. Erst jetzt verstehe ich die Anmerkung eines Dozenten im 1. Semester zu einem Referat von mir, der mich darauf aufmerksam machte, das Sekundärliteratur die Dinge nicht immer korrekt beleuchtet.

Ich frage mich dann, was als Quelle übrig bleibt und wie wir eine Quelle definieren.
Diese Frage beschäftigt mich nun schon etwas länger.

Engel ohne Flügel und Zöpfe aber mit Begleitzettel – von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Engel, Foto, Kunstgeschichte, Projekt “douple bind”, Zeichnung by Susanne Haun on 1. Dezember 2012

Ich bekomme viele kitschige Engelfiguren geschenkt, jedoch mag ich eigentlich keine Engelfigürchen.

Zum einen habe ich wirklich keinen Platz, sie aufzustellen und zum anderen sind sie zum Teil so total kitschig, dass es mir den Magen zusammen zieht. Schaue ich mir zum Beispiel die Engelskulpturen des Florenzer Doms an und vergleiche sie dann mit dem Nippes, der mir angeschleppt wird, dann sind Welten dazwischen.

1 Bearbeitung von Jürgens Engel Version 3 (c) Susanne Haun

1 Bearbeitung von Jürgens Engel Version 3 (c) Susanne Haun

Aber ehrlich gesagt, als ich heute meine Weihnachtskisten aus dem Keller holte und mir den geballten Engelkitsch anschaute, fand ich sie wieder in ihrer Vielfalt klasse. Manche sind so scheußlich, dass es schon wieder gut ist.

Besonders gefährdet sind bei mir Engelköpfe und Flügel, da mir diese kleinen Figuren auch öfter herunterfallen. Meistens hebe ich sie dann auch noch in allen Einzelteilen auf.

Mit Jürgen Küster habe schon öfter über Engel gesprochen bzw. wegen der Entfernung gemailt. Er ist am Anfang fassungslos gewesen, dass ich immer wieder hartnäckig Engel zeichne. Aber schaue ich zurück in die Vergangenheit finde ich in zwei der ältesten Quellen der Welt, die Bibel und die Apokryphen, so viele Geschichten über die Engel, dass ich einfach fasziniert bin.

6 Engel Gloria mit Gabriel 30 x 20 cm Tushe auf Bütten (c) Zeich

6 Engel Gloria mit Gabriel 30 x 20 cm Tushe auf Bütten (c) Zeich

Jürgen stellt gerne Fragen und ich finde es immer spannend, unter einem anderen Gesichtspunkt als den eigenen, Themen zu betrachten.
Da morgen der erste Advent ist, habe ich mir als erstes diese Frage aus Jürgens Fragentopf gezogen.

Wie findet die religiöse Moral ihren Ausdruck in den Engelsdarstellungen?

Zuerst einmal frage ich mich, was denn eine religiöse Moral ist. Unser moralisches Wertesystem basiert auch heute noch auf die christliche Lehre. Es ist nicht richtig von einer Engeldarstellung zu sprechen. Es gibt eine so große Anzahl an Engel und so unterschiedliche Darstellungen. Die Engel haben Namen und Funktionen.

Interessant finde ich den Engel Gabriel, der Maria Jesus Geburt ankündigte. Es gibt unzählige Darstellungen von Maria Verkündung.

Ich bin nicht übermäßig gläubig und ich bin auch keine Esoterikerin. Mich interessieren die Engel vom künstlerischen Ausdruck und wegen der Geschichte.

„Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt Galiläas, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne aus dem Hause David, namens Joseph, und der Name der Jungfrau war Maria.“²

9 Bearbeitung von Bearbeitung von Jürgens Engel Version 4 (c) Susanne Haun (2)

9 Bearbeitung von Bearbeitung von Jürgens Engel Version 4 (c) Susanne Haun (2)

Letze Woche habe ich von Jürgen zwei Fotos von einer Engelfigur mit gebrochenem Flügel gesendet bekommen und habe ihm im Gegenzug ein Foto eines meiner zerbrochenen Engel gesendet.

Jürgens zwei Fotos habe ich heute unter dem Blickwinkel „Erzengel Gabriel“ und „Maria Verkündung“ betrachtet. Eigentlich trägt der Engel auf seinem Banner „Gloria“ für Ruhm. Gloria in excelsis Deo („Ehre sei Gott in der Höhe“).

Ich stülpe den Gabriel darüber, weil wir bisher immer nur von Engel geredet haben, egal welcher dargestellt wird. In diesem Sinne stülpe ich dem Gloria Engel den Gabriel über. So sind wir alle sensibilisiert für die Unterschiedlichkeit der Engel!

3 Start Engel Foto (c)von Susanne Haun Version 2

3 Start Engel Foto (c)von Susanne Haun Version 2

For my English-speaking readers:
I get a lot of kitschy angels, but I actually like no angel figurines. First, I have really no place to establish it and to the other part they are so totally cheesy that I’m had stomach contracts by viewing. I look at, for example, to the angel scultures at the Florence cathedral and then compare it with the trinkets that will be dragged me, then worlds in between. But honestly, when I got my Christmas present boxes from the basement and I beheld the Angel, I found it great again in their diversity. Some are so horrible that it’s good again.

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²Kürzinger, Josef, Dr. Übersetzung des Neuen Testaments, Das Evangelium nach Lukas, 1,26, Augsburg 1999

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