Susanne Haun

Mein Sinnbild von Tilda Swinton – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Caravaggio, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 31. Mai 2019

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

Vor kurzem ist mir aufgefallen, wie wenig Frauen ich bisher in meinen Portraits gezeichnet habe.

Ich empfinde es auch als schwieriger Frauen als Männer darzustellen. Ich denke, es liegt am herschenden Schönheitsideal. Eine Linie bei einer Frau kann in den Augen der Betrachter das Alter bedeuten, während es bei einem Mann als Weisheit ausgelegt wird.

Immernoch gilt das Alter bei Frauen als Makel. Es ist nicht einfach, sich gegen dieses herschende Schönheitsideal zu lehnen. Es bessert sich langsam. In der Werbung werden immer mehr ältere Menschen gezeigt. Aber liegt das nicht vielleicht daran, dass in der älteren Generation eine Zielgruppe gesehen wird, die sich durch die neue Medizin vergrößert.

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

Die Schauspielerin Tilda Swinton erschien mir immer als androgynes perfektes Wesen. 1960 geboren nähert sie sich inzwischen den 60 Jahren. 1986 spielt sie die Prostituierte Lena im Film Caravaggio. Sie ist erst 26 Jahre alt und ihre Schauspielkunst und ihre Schönheit sind überwältigend. Die Handlung des Films ist ein raffiniertes Konstrukt aus durch Quellen gesicherten Ereignissen, biografischen Fakten, Mutmaßungen, Legenden und reiner Fiktion. Der englische Regisseur Derek Jarman verknüpft diese Elemente zu einer atmosphärisch dichten und plausiblen Geschichte ohne Anspruch auf historische Wahrheit (Quelle Wikipedia).

Tilda Swinton trägt ihr Alter mit Stolz. Aktuell spielt sie in Jim Jarmuschs Zombie Parodie eine Rolle. Auf dem roten Teppich in Cannes hat sie, die bis auf Lippenstift völlig ungeschminckt den roten Teppich betritt, nichts von ihrer Faszination verloren (siehe hier).

Die beiden Portraits in der Größe 30 x 30 cm sind aus Skizzen, die während des Films Caravaggio entstanden, gezeichnet. Zuerst aber setzte ich in 30 x 40 cm das Profilbild der jungen Tilda ihrem älteren Portraitbild entgegen.

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

Verzaubert vom Totenkopf – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Caravaggio, Kunstgeschichte, Stillleben, Zeichnung by Susanne Haun on 18. Februar 2013

Caravaggio revolutionierte das Stilleben mit der Darstellung des Hässlichen. Sein Fruchtkorb enthielt wurmstichige Äpfel und faule Trauben.

Beginnend mit Caravaggio wurden von Künstlern Vanitas-Stilleben dargestellt.

Laut dem PONS Lateinlexikon besitzt Vanitas drei Bedeutungen:
1. Nichtigkeit, Schein, eitles Wesen
2. Misserfolg, Vergeblichkeit, Nutzlosigkeit
3. Lügenhaftigkeit, eitles Gerede, Prahlerei

Ich denke aber am besten beschreibt das Wort Vergänglichkeit die Bedeutung von Vanitas.

Stilleben mit Totenkopf (c) Foto von Susanne Haun

Stilleben mit Totenkopf (c) Foto von Susanne Haun

Ich mag die morbide Schönheit des Totenkopfs und habe mir deshalb einen „Vollplastik“ Totenschädel gekauft. Da er mich immer so nett anlächelt habe ich ihn oder dann natürlich besser SIE Ruthi getauft. Meine Ruthi stand schon in vielen Stillebenarrangements. Ich kombiniere sie gerne mit Blüten und Zweigen.

Nach Caravaggio betrachtete Cezanne, der auch der Urvater der Moderne genannt wird, die Stilleben von einer neuen Seite. Ich persönlich habe bei Cezannes Stilleben immer die „Schädelpyramide“ um 1901 in meinem Kopf. Auch Cezanne benutze keine „echten Totenschädel“, seine sind aus Elfenbein geschnitzt.

Matisse sagte von seinem Kollegen Cezanne: „Eine Art lieber Gott der Malerei.“, während Zola nach 30jähriger Freundschaft von Cezanne enttäuscht war, es kam nach der Erscheinung von Zolas Buch „Das Werk“ zum Bruch der beiden.
Zolas Worte: „Paul mag das Genie eines großen Malers haben, wird aber nie das Genie besitzen, tatsächlich einer zu werden.“
Wie sehr sich Zola irrte!

Während Cezanne mit der Schädelpyramide ein tragisches Todesbewusstsein reflektiert, möchte ich mit meinem Totenschädel Ruthi eine Harmonie zwischen Leben und Tod schaffen. So wie das Leben gehört auch der Tod zu unserem Dasein und ihn zu verleugnen macht ihn für uns zu einer unbekannten Größe.

Vanitas, Totenkopf mit Mandarine und Zweig, 40 x 30 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Vanitas, Totenkopf mit Mandarine und Zweig, 40 x 30 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:

Caravaggio revolutionized the still life with the presentation of ugliness. His fruit basket contained wormy apples and rotten grapes.

Artist presents still life in this way starting with Caravaggio.

I like the morbid beauty of the skull and therefore I bought a „full plastic“ skull. Because she always smiles at me so nicely, I named her Ruthi. My Ruthi was already in many still lifes from me. I like to combine them with flowers and branches.

After looking at Caravaggio there was Cezanne, who is called the father of the modern, revolutionized the still life. I personally like Cezannes still life „The scull pyramide“ around 1901. Cezanne also do not use „real skull“, his were carved out of ivory.

While Cezanne with the skull pyramid reflects a tragic awareness of death, I want to show with my skull Ruthi harmony between life and death. Just life and death are parts of our existence and to deny it makes it for us to an unknown size.

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Adriani, Götz. Cezanne Gemälde. Köln 1993.

Caravaggios irdischer Amor – Bildbeschreibung von Susanne Haun

Posted in Amor, Betrachtungen zur Kunst, Caravaggio, Kunstgeschichte, Zeichnung by Susanne Haun on 26. Januar 2013

In der Gemäldegalerie in Berlin hängt das Bild „Der irdische Armor“ von Caravaggio.

Den Anstoß, mir dieses Gemälde genauer anzuschauen bekam ich in einem Seminar der FU. Es begeistert mich, wie ich mich durch die Literatur hangele und immer mehr über das Bild, Caravaggio und das Barock erfahre.

Wer von euch würde sich selbst zur heutigen Zeit trauen, ein Kind so darzustellen?

In der Gemäldegalerie vor dem Amor (c) Foto von Susanne Haun

In der Gemäldegalerie vor dem Amor (c) Foto von Susanne Haun

Heute fange ich mit einer einfachen Bildbeschreibung an. Erinnert ihr euch, ich sprach vom Kunsthistoriker Panofsky (siehe meinen Artikel hier), ich befinde mich mit der heutigen Beschreibung des Amors in der von ihm beschriebenen Stufe 1, der Vor-Ikonographische Beschreibung. Sie beruht auf praktische Erfahrung.

Ich beschreibe das Bild „Amor als Sieger“, es ist 156 x 113 cm groß und wurde 1602 von Caravaggio gemalt.

Auf dem Bild ist ein lebensgroßer Junge um die 12 Jahre alt zu sehen. Er besitzt Adlerflügel, die Spitze des rechten Flügels zeigt auf das Geschlecht des Jungen. Die rechten Adlerfedern sind in dunklem braun, die linken in hellem braun sowie grau bis weiß, so wie Adlerflügel auch in der Natur sind, gefärbt.

Der Junge winkelt das rechte Bein an und präsentiert so lachenden, frechen Gesichtes sein Geschlecht. Die Beine stehen in der Haltung eines umgekehrten Vs. Die Last des Köpers ruht auf dem linken Bein. Vom rechten Bein ist nur der Oberschenkel zu sehen. Er sitzt auf einer von Stoff umhüllten Brüstung. Der Betrachter kann den Ansatz der Gesäßbacken sehen.

Der Kopf neigt sich nach rechts und der Junge schaut und lacht den Betrachter direkt an und stellt so eine Beziehung zum Betrachter her. Sein Haar ist braun ein Kontrast zu seiner vorwiegend sehr hell dargestellten Haut, die nur an Bauch und Knien und wenig an den Schultern der rechten Seite dunkler bis rosig dargestellt ist.

In der linken Hand hält er zwei Pfeile. Der eine Pfeil hat einen roten Schaft, der andere einen schwarzen. Nach Ovid ist der rote Pfeil ein Symbol für Liebesglück und der schwarze für Liebesleid. Die Hand, die Pfeile hält, ist angehoben, so dass der trainierte Arm des Jungen unterstrichen wird. Die Hand ist dabei wie zu einer Faust geformt, eine Geste des Kampfes und Widerstandes. Die Faust ist eine provokante, herausfordernde Geste, die zum Kampf auffordert. Die rechte Hand ist verborgen und macht den Betrachter neugierig auf das, was die Hand hinter dem Rücken hält oder tut. Es besteht die Möglichkeit, dass die rechte Hand den linken Fuß festhält.

Wettbewerb zwischen Caravaggio und Baglione (c) Foto von Susanne Haun

Wettbewerb zwischen Caravaggio und Baglione (c) Foto von Susanne Haun

Links zu seinem Fuß liegen Geige und Laute. Die Geige ist über die Laute gelegt. Die beiden Instrumente sind ineinander geschlungen. Unter der Geige liegt ein aufgeschlagenes, vierzeiliges Notenheft. Die linke Seite des Heftes ist unter die rechte geschoben. In der ersten Zeile des Notenhefts ist ein großes V geschrieben. Instrumente und Notenheft symbolisieren die Musik. Vor dem Notenheft liegt ein Winkelmaß gekreuzt darüber ein Zirkel. Das Winkelmaß ist nach oben offen und sieht wie ein V aus. Winkelmaß und Zirkel symbolisieren die Architektur.

Die Wiederholung des V kann für Victory, dem Sieg, stehen.

Links zu seinem Fuß liegen Teile einer Rüstung: Brust-, Rückenpanzer und Schenkelschutz. Die Rüstung symbolisiert den Kampf. Hinter der Rüstung liegt ein aufgeschlagenes Buch mit Federkiel darüber. Die Schrift ist nicht zu lesen. Beides symbolisiert die Dichtkunst. Über Buch und Federkiel liegt ein Lorbeerzweig, Symbol für den Sieg.

Der Junge hat einen astronomischen Globus, der zum Teil von einem weißen Tuch bedeckt ist, unter sich. Der Globus ist blau und auf ihm sind goldene Sterne gemalt. Eine Tuchfalte unter das Geschlecht des Jungen ist wie die weibliche Scham gemalt. Der Junge hat mit dem Sternenglobus die Welt, die er gering schätzt. Der Globus an dieser Position unterstreicht den Siegeszug des dargestellten Jungen.

Rechts über dem Oberschenkel liegen eine goldene Krone und ein Stab oder Zepter, die Symbole der Macht und der Königs- oder Kaiserwürde.

Der Hintergrund ist undefiniert, es werden keine Gegenstände dargestellt. Es gibt keine Horizontlinie. Links vom Jungen ist der Hintergrund dunkelbraun, rechts an den dunkelgrauen Adlerflügeln hinter Krone und Zepter ist er etwas heller. Dem Betrachter wird das Gefühl von einem sehr großen Raum vermittelt.

Die Hauptfarben des Bildes sind Brauntöne. Rot ist nur im Mund und an dem einen Pfeil vorhanden. Reines Blau mit Gelb sieht der Betrachter nur auf dem Globus. Grün ist einzig der Lorbeerzweig.

Das Bild ist eine Provokation und Aufforderung zum Geschlechtsakt. Der Junge stellt, wie der Titel schon vermittelt, Amor dar. Amor fordert den Betrachter zum Geschlechtsakt heraus. Er ist anzüglich und als schlechter Amor dargestellt.

Er triumphiert über Kultur und Macht was durch die symbolischen Requisiten am Boden liegend, ausgedrückt wird. Der dargestellte Amor besiegt alle, auch der Betrachter ist besiegt.

Das Modell ist ein Kind seiner Zeit und folgt der Natur und wird realistisch und nicht idealisiert dargestellt. Auf dem Bild wird nichts beschönigt. Der Amor ist eine Herausforderung an die Moral. Auch seine Adlerflügel sind der Natur entsprechend gemalt und nicht wie die goldenen Flügel des Eros. Die Art der Darstellung von Kind und Flügeln lasse es dämonisch wirken.

Andere Bilder, die zur selben Zeit entstanden und auf denen auch das Amor Motiv abgebildet ist, zeigen Amor idealisiert von artifizieller Grazie mit dem Verstand gemalt.

Das Bild strahlt eine Homoerotik aus, die durch die überlieferten Charakterzüge des Malers Caravaggio bestätigt scheint. Caravaggio galt als narzisstisch, aggressiv, liebesbedürftig und hatte einen Beherrschungsanspruch.

„Der Sieg des Malers über die Körper erhebt seine Kunst über die Natur und macht sich Körper und Seelen untertan. Die Malerei nimmt den Platz des alles besiegenden Amor ein.“1 Herwarth Röttgen

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Röttgen, Herwarth. Caravaggio: der irdische Amor oder der Sieg der fleischlichen Liebe. Frankfurt am Main. 1992
Brauchitisch, Boris von. Caravaggio Leben Werk Wirkung. Frankfurt am Main 2007.
Reclam, Phillip jun. Hrsg. Kunst-Epochen Barock. Stuttgart 2008 [2003]².
Rosen, Valeska von. Caravaggio und die Grenzen des Darstellbaren : Ambiguität, Ironie und Performativität in der Malerei um 1600. Berlin 2011.

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