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Mein Sinnbild von Tilda Swinton – Zeichnung von Susanne Haun

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019
Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

Vor kurzem ist mir aufgefallen, wie wenig Frauen ich bisher in meinen Portraits gezeichnet habe.

Ich empfinde es auch als schwieriger Frauen als Männer darzustellen. Ich denke, es liegt am herschenden Schönheitsideal. Eine Linie bei einer Frau kann in den Augen der Betrachter das Alter bedeuten, während es bei einem Mann als Weisheit ausgelegt wird.

Immernoch gilt das Alter bei Frauen als Makel. Es ist nicht einfach, sich gegen dieses herschende Schönheitsideal zu lehnen. Es bessert sich langsam. In der Werbung werden immer mehr ältere Menschen gezeigt. Aber liegt das nicht vielleicht daran, dass in der älteren Generation eine Zielgruppe gesehen wird, die sich durch die neue Medizin vergrößert.

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019
Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

Die Schauspielerin Tilda Swinton erschien mir immer als androgynes perfektes Wesen. 1960 geboren nähert sie sich inzwischen den 60 Jahren. 1986 spielt sie die Prostituierte Lena im Film Caravaggio. Sie ist erst 26 Jahre alt und ihre Schauspielkunst und ihre Schönheit sind überwältigend. Die Handlung des Films ist ein raffiniertes Konstrukt aus durch Quellen gesicherten Ereignissen, biografischen Fakten, Mutmaßungen, Legenden und reiner Fiktion. Der englische Regisseur Derek Jarman verknüpft diese Elemente zu einer atmosphärisch dichten und plausiblen Geschichte ohne Anspruch auf historische Wahrheit (Quelle Wikipedia).

Tilda Swinton trägt ihr Alter mit Stolz. Aktuell spielt sie in Jim Jarmuschs Zombie Parodie eine Rolle. Auf dem roten Teppich in Cannes hat sie, die bis auf Lippenstift völlig ungeschminckt den roten Teppich betritt, nichts von ihrer Faszination verloren (siehe hier).

Die beiden Portraits in der Größe 30 x 30 cm sind aus Skizzen, die während des Films Caravaggio entstanden, gezeichnet. Zuerst aber setzte ich in 30 x 40 cm das Profilbild der jungen Tilda ihrem älteren Portraitbild entgegen.

 

Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019
Mein Sinnbild von Tilda Swinton, 30 x 40 cm, Tusche auf Aquarellkarton, Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2019

 

16 Kommentare zu „Mein Sinnbild von Tilda Swinton – Zeichnung von Susanne Haun

  1. Wie gut sie dir gelungen ist! Ja, die alte Frau….das ist bereits in Jungs Archetypen nachzulesen: die alte Frau ist eine Hexe, der alte Mann aber Senex – der Weise.

  2. Liebe Susanne, ich freue mich, dass du dieses Thema hier ansprichst. Wie du ja bei mir gelesen hast, es beschäftigt mich sehr, das Bild der „älteren“ Frau in unserer Gesellschaft. Kennst du den tollen Bildband von Nicole Andries und Felix Broede zu diesem Thema? Ein schönes Wochenende und liebe Grüße, Theres

    1. Nein, Theres, den Bildband kenne ich nicht, aber ich werde sehen, dass ich ihn in einer Berliner Bücherei finde und anschauen kann. Es ist ein spannendes Thema, dass der Veränderung (zum besseren) unterworfen ist. Dir auch ein schönes Wochendende, liebe Grüße von Susanne

  3. Genau so ist es, liebe Susanne.
    Bezüglich unserer gemeinsamen Portraitausstellung tauschten wir unsere Gedanken ja schon ausführlicher zu diesem interessanten Thema aus. Denn auch meine Portraits sind hauptsächlich männlich.
    Ja, wenn ich so darüber nachdenke, empfinde ich es ebenfalls „einfacher“, männliche Gesichter zu zeichnen.
    Oder eben Bildnisse von Kindern.
    Sonnige Grüße aus dem Bergischen Land….
    von Rosie

    1. Bildnisse von Kindern finde ich auch schwer, Rosie, ich muss mich immer wieder in die andere Physignomie einarbeiten.
      Euch ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen von Susanne

  4. Liebe Susanne,

    was für ein interessanter Beitrag. Er hat mich nachdenklich gemacht. Grundsätzlich denke ich, dass die Gesellschaft sich schon in eine Richtung wandelt, wo (vor allem Frauen) in der Werbung immer „normaler“ aussehen und nicht das Idealmodelbild darstellen. Diese Art von Diversität sieht man auch auf den Runways. Andererseits spiegeln Instagram & Co. eine andere Seite der Realität wider, die von der obigen abweicht.

    Mir gefällt vor allem die Zeichnung von Tilda mit den wunderbaren Fältchen, rund um ihre Augen. Sie erzählen Geschichten und genau dies ist es, was es ausmacht. Ob männlich oder weiblich, ist mir persönlich egal. Was sexy, attraktiv, hübsch, etc. ist, sollte jeder für sich unabhängig von dem kollektiven Gedanken definieren.

    Herzliche Grüße
    Serap

    1. Liebe Serap,

      Ja,in der Werbung sind wir Frauen mittleren Alters und unsere Mütter angekommen. Naja, die wollen uns ja auch was verkaufen 😜
      Wenn ich aber neben Instagram und Co. an Germanys Next Topmodell denke, dann bin ich der Meinung, wir haben einen großen Rückschritt gemacht.
      Kein einfaches Thema. Ich denke, dass Charisma und Selbstbewusstsein viel ausmachen. Und was ist schon schön und was hässlich?

      Viele Grüße von Susanne

  5. Tilda Swindon ist mir zum ersten Mal in „Female Perversions“ aufgefallen, wo sie den weiblichen Wunsch nach Perfektion perfekt verkörpert, aber auch den Preis, den Frau dafür zahlt. Und dann vor 10 Jahren in „The Man From London“ als verhärmte Arbeiterfrau in Schwarz-Weiß. War schon ein Schock. Du bist mit ihr in deinen Bildern freundlicher als sie selbst.

    1. Ich habe mir beide Filme auf meine Liste gesetzt, Rolf. „The Man from London“ stand so oder so schon darauf. Ich bin gespannt.
      Ich denke, dass man selber immer strenger mit sich ins Gericht geht, als die Außenwelt. Das kenne ich von meinen Selbstportraits auch.

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