Susanne Haun

Der Koch – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Kunst und Politik, Zeichnung by Susanne Haun on 26. August 2010

Ich habe gerade die letzte Seite vom Buch „Der Koch“ von Martin Suter gelesen.

1985, gerade 20 Jahre alt, reiste ich nach Sri Lanka. Ich hatte im Fernsehen einen Reisebericht über die Schönheit des Landes gesehen und spontan wie ich bin, ging ich ins Reisebüro und buchte eine Reise dort hin. Niemand klärte mich darüber auf, was mich dort politisch und menschlich erwartete und so brannten sich die Bilder, die ich sah, in meinen Kopf ein und ich stellte eine Beziehung zu speziell diesem Land, ja zu allen Entwicklungsländern in ähnlicher Situation her.

Sri Lanka 1985 - Foto von Susanne Haun

Sri Lanka 1985 - Foto von Susanne Haun

In dem Buch erzählt Sutter – das Urteilen überläst er dem Leser. Es wird erzählt, das die westliche Welt nichts von den Unruhen und Grausamkeiten in den Bürgerkriegen der 3. Welt Länder berichtet. Das stimmt – ich sehe aus meiner Erinnerung Colombo – niemand auf den Straßen, überall Militär, verbrannte Autos an den Straßenrändern auf dem Weg in den Norden, zwei verbrannte Menschen, Ausgangssperre, Schlösser vor dem Hotel, die Warnung in der Anlage zu bleiben, weil es draußen nicht sicher ist. Die Menschen, das Leid, die Sorge, die Kinder und für mich unbegreiflich und schlimm die Touristen in ihrem Ressort, Volleyball spielend lachend ….. Manche Touristen wie wir, die trotz der Warnungen aus den Hotels gehen.

Sri Lanka 1985 - Foto von Susanne Haun

Sri Lanka 1985 - Foto von Susanne Haun

Ich glaube, die Einwohner Sri Lankas, Tamilen wie Singhalesen verachteten uns und das mit recht! Oder brauchen sie das Geld der Touristen und schirmen diese deshalb ab?

Die westliche Welt verdient an den Waffenlieferungen, ich frage mich, ob die Waffen mit dem Geld der Touristen bezahlt werden? Im Juni diesen Jahres schloss das UN Büro in Colombo, nachdem die jetzige Regierung die Un-Mitglieder in Geiselhaft nehmen wollte. Die UN wollte über die Belange der Kriegsverbrechen beraten.

Ich bin überfordert, wenn ich das alles zeichnen will, also habe ich mir aus diesem Universum den kleinsten Teil herausgegriffen – die Schönheit der Landschaft Skri Lankas. Ich zeichnete eine Orchidee und scannte drei Fotos aus meinem Papierfotoalbum von 1985 ein.

Orchidee - Zeichnung von Susanne Haun - 17 x 22 cm - Tusche und Aquarell auf Hahnemühle Selection Blatt 1

Orchidee - Zeichnung von Susanne Haun - 17 x 22 cm - Tusche und Aquarell auf Hahnemühle Selection Blatt 1


Warum ich meine Gesichter nicht reduziere – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Ausstellung, Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 17. August 2010

Gestern war Angela Mahmout vom Treffpunkt Kunst aus Heidelberg im Atelier und suchte die Bilder für die Ausstellung im September aus.

„Warum reduzierst du deine Portraits nicht so wie deine Blumen?“ fragte sie mich.

Es schien ihr, als ob ich mich nicht traue. Solche Diskussionen sind mir immer eine große Freude und während ich heute hier sitze und eigentlich einen Koch aus Sri Lanka zeichnen möchte und dabei „Der Koch“ von Martin Suter hören will, gleiten meine Gedanken immer wieder zu Angelas und meinen Sätzen ab.

Der Koch entsteht auf dem Papier, meine Hände führen die Feder. Jede Linie erzählt von dem Leid, was er erfahren hat und was er mit jedem Satz, der der Lautsprecher meines iPods mir vorliest, erfährt. Mir scheint, lasse ich eine Linie weg, dann würdige ich sein Leid nicht!

Der Koch - Zeichnung von Susanne Haun - 24 x 40 cm - Tusche auf Bütten

Der Koch - Zeichnung von Susanne Haun - 24 x 40 cm - Tusche auf Bütten

Bei Blumen und Akten und auch Landschaften kann ich gut Linien weglassen – ich möchte die Schönheit und Einfachheit der Formen zeigen. Ich mag diese Reduzierung in diesen Fällen sehr und es geht bis zum Abstrakten hin.

Aber bei Menschen? Lösche ich nicht ihre Geschichte mit dem Weglassen der Linien aus? Neben meinem ersten Koch entsteht noch ein Koch – ich lasse Linien weg – ich brauche sofort Text stattdessen – andere Linien …..

Das war heute morgen – den ganzen Tag schauen mich die beiden Köche an. Sie gefallen mir beide sehr gut. Ich bin glücklich, ich muss keine Entscheidung treffen, der eine steht wie der andere im BLatt und jeder hat seine Berechtigung. Ich mag meine Köche!

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