Susanne Haun

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Novalis

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 4. November 2018

 

Dante - Jede Kreatur beugt sich der Ordnung - 50 x 20 cm - Tusche und Aquarell auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Dante – Jede Kreatur beugt sich der Ordnung – 50 x 20 cm – Tusche und Aquarell auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis

 

Novalis: Schriften (Historisch-kritische Ausgabe), Bd. 1: Das dichterische Werk, herausgegeben von Paul Kluckhohn und Richard H. Samuel. Kohlhammer, Stuttgart, 2., nach den Handschriften ergänzte, erweiterte und verbesserte Aufl. 1960, S. 344.

 

Novalis spricht in den ersten beiden Zeilen seines Gedichts von der Absage der von der mathematischen Analyse der Welt während laut Dante sich jede Kreatur der Ordnung beugt. 500 Jahre Weltgeschichte liegen zwischen Novalis und Dantes. Geschichten, die die Welt langsam veränderten.

Kunst = Kunst – Teil 3 und eine weggeworfene Vergangenheit – Zeichnung von Susanne Haun

Heute gehe ich mit euch und der Kunst ins späte 19. und frühe 20. Jahrhundert.

Ich finde es sehr spannend, wie sich der Kunstbegriff über die Jahrzehnte ändert und ich werde versuchen, die Kunst, die ich mir anschaue, auch im Hinblick auf den zur Zeit der Herstellung gültigen Kunstbegriff anzuschauen.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts suchten die Künstler nach einer Legitimation für ihre Arbeit. Sie standen unter dem Druck, etwas Besonderes, Revulutionäres schaffen zu müssen, dass dem hohen Anspruch, den die Gesellschaft an die Kunst hatte, genügen mußte. So taten sich viele Künstler aller Gattungen wie bildende Künstler, Dichter und Interlektuelle zusammen und verfaßten Manifeste, in denen sie ihre Vorstellung von Kunst darlegten, wie zum Beispiel die Futuristen oder die Brücke.

Ungeliebte Vergangenheit - Die Beobachterin - 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

Ungeliebte Vergangenheit – Die Beobachterin – 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

Es wurde begonnen, dem Kunstmarkt vorzuwerfen, durch eine Auratisierung Geld mit der Kunst verdienen zu wollen. Der Definition Kunstbegriff wurde vorgeworfen, für eine Entfremdung zwischen Kunst und Volk zu sorgen.

In Frankreich gründete sich die L’art pour l’art Bewegung, „die Kunst entsprechend als elitäre „Insel“ oder Paradies definiert, fern von sozialer Verantwortung, allein dem Schönen verpflichtet, was nicht selten Eskapismus-Vorwürfe provozierte.“²

Nun sind wir schon fast in unserer Zeit angekommen, aber noch nicht ganz … ich lasse uns wieder Zeit zum Denken.

Weggeworfene Vergangenheit (c) Foto von Susanne Haun

Weggeworfene Vergangenheit (c) Foto von Susanne Haun

Vor ein paar Tagen habe ich meine alten Zeitungen zum Papiermüll gebracht und sah gleich oben auf im Container zwei alte weggeworfene Fotoalben.  Mein Herz zog sich zusammen; eine weggeworfene Vergangenheit. Warum? Ist jemand gestorben und die Erben wollte sich mit den Fotos nicht belasten? Oder wollte jemand seine Jugend und seine Erinnerungen nicht mehr besitzen? War die Erinnerung an das, was einmal war, zu schmerzhaft? Eine sehr schöne Frau ist auf den Fotos abgebildet.

Habe ich das Recht, diese Fotos zu zeigen? Auch wenn sie entsorgt wurden? Es ist mir zu privat, die Fotos klar und deutlich zu zeigen. Was ist der Unterschied zu den alten Fotos, die ich auf dem Flohmarkt kaufe?

Ich nehme mir einen 25 x 25 cm Aquarellblock und beschliessen, alle Bätter dieses Blogs mit Collagen von den Fotoalben zu verarbeiten. Heute beginne ich mit dem ersten, der ungeliebten Vergangenheit, ich nenne es „die Beobachterin“.

Was darf ich zeigen (c) Foto von Susanne Haun

Was darf ich zeigen (c) Foto von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
A few days ago I brought my old newspapers to the waste paper and saw at the top of the container two old discarded photo albums. My heart contracted, a discarded past, . Why? If someone died and the inherits did not want them? Or did someone don’t want to have his youth and his memories? Was the memory too painful? A very beautiful woman is pictured in the photos.
Have I the right to show these photos? Even if they were drop away? It’s too private to show the photos clearly. What is the difference to the old photos that I often bought at the flea market?
I take a lot of 25 x 25 cm watercolor papers and decide to process all sheets of them with collages of the photo albums. Today I begin with the first, the unloved past, I call it „the observer“.

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Pfisterer, Ulrich (HG), Metzlers Lexikon Kunstwissenschaft, Stuttgart 2003, 2011²

Kunst = Kunst – Teil 2 und ein Besuch in Magdeburg – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Kunstgeschichte, Skulptur, Zeichnung by Susanne Haun on 18. November 2012

Wir befinden uns in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Was ist Kunst zu dieser Zeit?

Der Kunst wurde nun eine Therapeutische Wirkung zugetraut, sie sollte den Rezipienten seine eigenen, individuellen Defizite klar machen und diesen Defiziten Abhilfe verschaffen.

Magdeburger Figuren (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Magdeburger Figuren (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Die Kunst sollte erst im Auge des Rezipienten zur Entfaltung kommen. Philosophisch gesehen war es zu dieser Zeit unüblich, zeitgenössische Kunst als solche zu betrachten, weil sie den hohen Erwartungen, die in sie gesetzt wurden nicht entsprechen konnte. Man sah das Ideal der Kunst in der Antike.

„In Vorwegnahme des marxistischen Endziels der Geschichte wurde vielmehr sogar die ersatzlose Abschaffung der Institutionen des Staates imaginiert, an deren Stelle ein ewiges und glückliches Reich der Kunst treten sollte.“²

Ich denke, an dieser Stelle ist wieder eine Pause zum Verinnerlichen des Gelesenen richtig.
Nach der Ablösung der Religion durch die Kunst sollte sie nun auch den Staat ersetzen.

Es ist auch einfach zu sagen, dass die Kunst nicht in der Gegenwart zu finden ist, damit werden Diskussionen mit Künstlern gleich im Keim erstickt.

Im Kreuzgang im Kloster unser lieben Frauen (c) Foto von Susanne Haun

Im Kreuzgang im Kloster unser lieben Frauen (c) Foto von Susanne Haun

Ich dagegen schaue mir gerne aktuelle Kunst an. So habe ich gestern Conny Niehoffs neues Atelier besucht. Es ist von beeindruckender Größe und Conny fühlt den Raum mit ihrer Arbeit souverän. Bevor sie dort einzog, war ein Sparladen in der Halle, sie hat dezent noch einige Relikte aus der Zeit stehen gelassen: ein halb übermalter Spar Schriftzug an der Wand und ein Schild für Kartoffeln. Nach Anmeldung könnt ihr euch Connys Arbeiten im neuen Atelier anschauen.

Das Hundertwasserhaus am 17.11.2012 (c) Foto von Susanne Haun

Das Hundertwasserhaus am 17.11.2012 (c) Foto von Susanne Haun

Conny und ich kennen uns seit September 2004, wir haben uns im Netz kennen gelernt und ich war seither oft in Magdeburg und konnte so einige Städtebaulichen Veränderungen miterleben. Gestern waren wir am Hundertwasserhaus, von dem ich noch Fotos im Bau befindlich von 2005 gefunden habe. Wir waren auch vor der Renovierung im Kloster unser lieben Frauen, leider habe ich diese Fotos nicht mehr gefunden. Das Kloster wurde im Hochmittelalter so um  1063 angefangen zu bauen. Ich mag die Stimmung im Kloster, die ich mit meiner kleinen CANON IXUS eingefangen habe. Kein einfaches Unterfangen, weil es begann schon zu dämmern! So habe ich aus den vielen Figurengruppen, die ich gestern sah, einzelne herausgenommen und gezeichnet.

Conny Niehoff und ich 2012 (c) Foto von A Haun

Conny Niehoff und ich 2012 (c) Foto von A Haun

For my English-speaking readers:
I gladly look present art. I visited yesterday Conny Niehoffs new studio. It feels an impressive size and Conny fills the space confidently with their work. The hall was a food store before she moved there, she discreetly few relics from the time left: half overpainted saving writing on the wall and a plate of potatoes.


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Pfisterer, Ulrich (HG), Metzlers Lexikon Kunstwissenschaft, Stuttgart 2003, 2011²

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