Susanne Haun

Vorstellung der Künstlerin Doreen Trittel – herocra, Atelier für Erinnerung und Veränderung

Posted in Atelier, Ausstellung by Susanne Haun on 5. Februar 2018

 

Ich habe Doreen im Netz durch ihren Blog wortmeer kennengelernt. Damals agierte sie noch anonym und so freute ich mich besonders, Doreen bei meinem ersten Kunstsalon zu begrüßen. Hier könnt ihr sie in trauter Runde sehen (Klick). Wenn es in ihren Terminkalender passt, ist Doreen auch zu den folgenden Salons Gast gewesen.

Selbstporträt 2015 von (c) Doreen Trittel

Selbstporträt 2015 von (c) Doreen Trittel

 

Inzwischen agiert Doreen unter ihrem Namen auf ihrem Blog hehocra, Atelier für Erinnerung und Veränderung (siehe hier) im Netz. Auf ihrer Internetpräsenz erfahrt ihr auf intensiver Weise mehr über Doreen.

Doreen verarbeitet ihre Erinnerungen und Veränderungen in Collagen und Installationen. So ist es nicht verwunderlich, dass unser gemeinsames Salon- und Ausstellungsthema der künstlerische Umgang mit Erinnerungen ist. Der Salon bzw. die Ausstellungseröffnung findet am 20. März 2018 um 18 Uhr in meinem Atelier in Berlin Wedding, in der Groninger Str. 22 statt. Hier könnt ihr die Einladung inklusive Programm im pdf Format herunterladen.

Unsere ersten Gespräche führten Doreen und ich unter dem Motto, wie wir aufwuchsen, Doreen in Ost-Berlin, ich in West-Berlin. Zu unserem großen Erstaunen waren die Unterschiede längst nicht so groß, wie wir uns das vorstellten. Wie wir künstlerisch mit unseren Erinnerungen umgehen, davon könnt ihr mehr im Salon am 20. März erfahren. Doreen und ich treffen uns seit einem halben Jahr regelmäßig einmal im Monat Freitag früh im kleinen Glück (ein Weddinger Café) auf ein bis zwei Stündchen und bereiten Salon und Ausstellung vor. Im Dezember brachte mir Doreen einen Kalender mit Collagen von sich mir.

 

Doreen Trittel und Susanne Haun beim Vorbereitungstreffen im kleinen Glück für den Salon (c) Foto von Doreen Trittel

Doreen Trittel und Susanne Haun beim Vorbereitungstreffen im kleinen Glück für den Salon (c) Foto von Doreen Trittel

 

Insgesamt ist der Kalender sehr weiblich geprägt, kein Mann bevölkert die Landkarten, die Doreen als Untergrund für ihre Collagen benutzte.

Auf dem Februar Kalenderblatt stehen die Britischen Inseln auf Doreen Trittels Collage „Fisch unterm Arm“ Kopf. Dadurch werden die Linien, die die Insel umschreiben uneindeutig und sind durch bloßes Hinschauen nicht mehr sofort erkennbar. Der Betrachter*in muss nachdenken, die auf dem Kopf stehenden Ortsbezeichnungen lesen, um das United Kingdom zu identifizieren. Sie/er fährt die Collage nach erkennbaren Orten mit den Augen ab, begibt sich auf Reisen, vielleicht werden Erinnerungen an Orte wach, die man schon besucht hat. Die auf den Kopf gestellte Karte wird von Frauen und Fischen bevölkert. England – das Land des Fish and Chips – liegt damit sprichwörtlich in der Hand von Frauen, denken wir hier an Victoria, Thatcher und May? Die dunkel gekleidete Frau im Vordergrund trägt einen der Fische und verstärkt diesen Eindruck. Zwei andere Damen sind nur als Beine dargestellt. Durchwandern sie England? Geben sie ein Hinweis auf die landschaftliche Schönheit der Insel. Erst beim genauen Hinschauen entdeckt der Betrachter*in die Regenwolke, die im gleichen Ton wie das Meer der Landkarte am rechten oberen Rand der Collage geklebt ist und leise vor sich hinnieselt. Was könnte England eindeutiger beschreiben als das Wetter?

 

Fisch unterm Arm (c) Collage von Doreen Trittel

Fisch unterm Arm (c) Collage von Doreen Trittel

 

Wenn ihr lesen möchtet, was Doreen auf ihrem Blog zu den Kalender-Collagen sagt, könnt ihr hier und hierher verzweigen.

 

Bericht vom 2. KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun – Thema: Ichfindung und Identitätsbildung

Posted in Salon by Susanne Haun on 14. Mai 2014

Gestern fand mein 2. KunstSalon am Dienstag zum Thema „Ichfindung und Identitätsbildung – Das Ich im Laufe der Moderne und Postmoderne“ statt.

Katja und Laura vom Blog aboutsomething führten uns durch das Thema. Herzlichen Dank an beide für ihre sehr guten Ausführungen, die uns zur Diskussion anregten.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Katja stellte die Grundfragen der Identität und Individualisierung aus Sicht der Soziologie vor:

Ihre Quelle war dabei:
Heinz Abels, Identität – Lehrbuch, 2. üb. erw. Aufl. 2010, Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

„Grundfragen der Soziologie im Hinblick auf das Individuum im Verhältnis zu sich:

• Wie ist die Vorstellung des Menschen, ein Individuum zu sein, entstanden?
• Welcher Anspruch hat sich aus dieser Vorstellung ergeben?
• Wie sehen die gesellschaftlichen Bedingungen in der fortgeschrittenen Moderne aus?
• Was ist Identität? – Wie bin ich geworden, was ich bin (Entwicklung des Selbst)? Wer will ich sein (Ich – Es)? Was tue ich (Handlungen)?
Wie sehen mich die Anderen (Ich –  Gesellschaft, der Spiegel)?“

Identität – Individualität – Das Ich – Das Selbst

Wir haben viel diskutiert und ich möchte euch einige „Schlagwörter“ aus der Diskussion benennen.

Inszenieren wir unser Ich? Lassen wir die unliebsamen Elemente unseres Ich weg?
Stellen wir uns die Fragen in Bezug auf unsere Blogs, ist uns allen wichtig, authentisch in unseren Berichten zu sein. Je nach Thema fliesst dort unser ich mehr oder weniger ein. Aber alle lassen wir im Blog teile unseres Lebens außen vor. Wir gewähren dem Leser oder Rezipienten immer nur Einblick auf einen Teil unseres Ichs.

Je nachdem, in welchen Kreisen wir uns befinden, sind wir eine andere Persönlichkeit, angemessen an unseren Gegenüber.
Ist das Ehrlichkeit? Was ist Ehrlichkeit in Bezug auf unserem Blog auf unserem Leben? Ist Weglassen schon Lüge?
Gibt es ein Ich? Als wieviel empfindet man sich von dem, wie andere in einen selber sehen? Wer bin ich in der Gesellschaft? Gibt es noch die Klassen-Gesellschaft?

Wir haben überlegt, ob es zum Mensch sein dazu gehört, sich darzustellen, ob das das ist, was wir Kommunikation nennen! Ist die Identität ein Aspekt der Sprache? Wie können wir eine Identität zeigen, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen? Kommen wir dann zur Performance?

Und gibt es das Andersartige? Ist das Andersartige nicht im Normalen zu finden?

In wie weit gehört die Erinnerung zu unserem ich und in wie weit ist unsere Erinnerung stimmig oder ändert sich im laufe der Zeit. Hier spielt auch die Wahrnehmung eine Rolle. Jeder nimmt uns anders wahr und wir nehmen uns auch nicht immer so wahr, wie die anderen uns sehen. Auf dem Markt wird Biografiearbeit angeboten, hier erfährt der „Kunde“, in wie weit seine Erinnerungen real sind.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Laura hat uns im zweiten Teil des Abends Künstler-Selbstportraits gezeigt: Dürer, Munch, Shermann, Ulrichs …
In Zusammenhang mit Banksy sprachen für über den Künstlermythos. Bansky inszeniert seine eigene Identität. Wer ist Cindy Sherman, sie löst sich in ihren dargestellten Rollen auf!

Sind die Selbstbildnisse der Künstler Ausdruck ihres Ichs oder ihrer Ich – Findung bzw. Suche? Ist es nur das preiswerte Modell, was uns Künstler dazu bewegt, Selbstbildnisse zu gestalten? Ich werde in einem gesonderten Beitrag auf diese Fragen eingehen.

Wir stellen fest, dass wir die Identität leider nicht aus biologischer Sicht beleuchtet haben, wir haben uns geisteswissenschaftlich mit dem Ich auseinandergesetzt.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Laura

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Laura

Als Abschluss diskutierten wir gemeinsam einen Ausschnitt aus dem Film „Being John Malkovich“ und fragten uns, in welchen Filmen noch die Identität ein Thema ist.

Die Frage der Menschheit nach dem Selbst ist eine der großen Fragen, die auf der gesamten Welt diskutiert wird.

So habe ich euch in Kürze einen Abriß unseres gestrigen Abends gegeben und möchte mit einem Zitat, dass uns Katja aus dem Buch von Heinz Abels herausgesucht hat, schliessen:

„Individualität meint einerseits das Bewusstsein des Menschen von seiner Besonderheit und das Bedürfnis, diese Einzigartigkeit auch zum Ausdruck zu bringen, und andererseits die von ihm selbst und den Anderen objektiv festgestellte Besonderheit und Einzigartigkeit.“

Hier auf diesen Link findet ihr alle Artikel zum Thema „KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun“.
Der Abend findet in lockerer Atmosphäre statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 16 Leute begrenzt. Gerne sende ich euch Einladungen zu den Abenden zu. Sendet mir einfach auf info@susannehaun.de eine Mail mit Betreff „Salon“.

Der nächste Salon findet am 2. September statt. Geplant ist das Thema „Kränkung“.

Der Salon – Ergebnisse – Bericht von Susanne Haun

Posted in Salon by Susanne Haun on 26. Februar 2014

Gestern fand der erste Salon bei mir im Galerieraum statt.

Dienstag, den 25.2. - Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Dienstag, den 25.2. – Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Als erstes stellten wir fest, dass viele der Gäste – natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel – aus der Blogger Welt kamen.

Wir fragten uns, ob die Bloggerwelt die Salonwelt des 21. Jahrhunderts ist.
Was meint ihr?

Anna von AugenZeugeKunst bereitete einen kleinen Vortrag zum Thema Salon vor. So erfuhren wir, dass Salon aus dem italienischen von salone kommt und im Gesellschaftszimmer, Empfangszimmer oder Saal eines repräsentativen Hauses stattfand und seit dem 17.Jahrhundert üblich ist.

Anna erzählte uns weiter zum Berliner Salon (Auszug):
(Hier auch der Link zu ihrem Beitrag dazu).

Die Salons, die am Ende des 18. Jahrhunderts in Berlin entstehen werden von Frauen initiert. Jedoch sind die Salons primär nicht politisch engagiert, sondern auf künstlerischem oder literarischem Gebiet. Sie sind darüber hinaus Begegnungsstätten von Adel, Großbürgertum, Intellektuellen und vor allem auch jüdischen Bürgern.
Voraussetzungen für einen Salon: die räumlichen Gegebenheiten mussten vorhanden sein oder ein großes Haus wie es damals höchstens beim Adel in den Stadtpalästen. Weiterhin bedurfte es einer „einladenden“ Person. Da die Männer meistens mit ihren Geschäften im bürgerlich-wirtschaftlichen Sinne oder im Hof- und diplomatischen Dienst beschäftigt waren fiel diese Rolle den Frauen zu. Eine Frau, die einen Salon eröffnen wollte, bedurfte also des wirtschaftlichen Rückhalts ihres Mannes, der ihr ein Leben mit viel Freizeit ermöglichte. Diese Frauen gaben mit ihren Salons ihren Männern einen Gewinn an Ansehen. Für die Frau war eine umfassende Bildung unabdingbare Voraussetzung.
Die Salons sind nicht denkbar ohne Moses Mendelssohn (1729–1786).
Er war als Dreizehnjähriger nach Berlin eingewandert und hatte nach einiger Zeit eine Stellung in der Textilfabrik Bernhard erhalten.
Er bildete sich selbst aus und wurde zu einem der bekanntesten Philosophen, der internationales Ansehen genoss. Selbst dieses Ansehen verhalf ihm nicht zu einer Audienz beim König und sogar die Aufnahme in die Königlich-preußische Akademie der Wissenschaften wurde ihm trotz einstimmiger Zuwahl vom König verweigert.

Dienstag, den 25.2. - Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Dienstag, den 25.2. – Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Salon der Rahel Levins (1723-1790)
Rahel Levins erster Salon existiert von 1790 bis 1806. Von den Voraussetzungen der Salonbildung waren erfüllt: der wohlhabende Bürgerstatus, wenn nicht Großbürgerstatus, ein genügend großes Haus, um Gäste zu empfangen und eine Frau – nämlich Rahel – als Salonière. Rahel benötigt auch die notwendige Bildung, die sie als Autodidaktin erwirbt durch Lesen von Rousseau, Lessing, Shakespeare, Dante, Diderot.
Die als Tochter des jüdischen Kaufmanns Markus Levin (1723-1790) geborene Schriftstellerin und frühe Frauenrechtlerin Rahel Varnhagen von Ense (1771-1833) war eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Romantik. Obwohl Varnhagen gegen die Benachteiligungen sowohl aufgrund ihres Geschlechts als auch ihrer Religionszugehörigkeit zu kämpfen hatte, wurde sie weithin bekannt für ihre Berliner Salons. Sie hielt um die Jahrhundertwende in Berlin trotz bescheidener Verhältnisse einen Salon, der Mittelpunkt eines Kreises Intellektueller wurde. Man bewunderte ihre geistige Originalität, kritische Urteilsfähigkeit, leidenschaftliche Aufrichtigkeit, die sich auch in ihrem umfangreichen Briefwechsel manifestiert. Die Salons trugen zur gesellschaftlichen Stärkung ihrer weiblichen Gäste bei, indem sie ihnen eine einzigartige Gelegenheit boten, sich mit den herausragendsten Autoren, Denkern und Musikern der damaligen Zeit auszutauschen, darunter Friedrich Schlegel, Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich Hegel, Heinrich Heine, Ludwig von Tieck und Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Varnhagens erster Salon (geschlossen 1806) war ein wichtiger Treffpunkt für die mit der Berliner Romantik in Verbindung stehenden Autoren; ihr zweiter Salon (eröffnet 1819 mit ihrem Ehemann, Karl August Varnhagen von Ense) wurde zu einem zentralen Forum für das „Junge Deutschland“, einer in der Restaurationszeit tätigen literarischen Oppositionsbewegung. Ihr ausgedehnter Briefwechsel und ihre literarischen Schriften (z.B. Über Goethe, 1812) stellen äußerst bedeutende Beiträge zur Kulturgeschichte dar. Weder schön noch reich, dazu Frau und Jüdin, fühlte sich Rahel gesellschaftlich benachteiligt. Trotzdem war sie eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit. Rahel Varnhagens wichtigstes Ziel war, mit sich selbst identisch zu sein, d.h. Einheit von Denken und Fühlen herzustellen. Vielen war sie deswegen auch unbequem.
Die intensiven Briefwechsel geben uns Aufschluss über das Leben der Rahel. Nicht nur über ihre Lebensdaten, sondern über ihr Denken und ihre Nöte, über die Stellung der Jüdin in der Gesellschaft, über ihr Leiden an der „infamen Geburt“. Aber auch über ihre Empfindungen und die Verarbeitung ihrer Erlebnisse.
Rahels Salon ist sicher als eine Form der Geselligkeit anzusehen. Es ist eine spezielle Form, die sich unter den oben erwähnten Bedingungen bilden konnte. Diese Form der Geselligkeit ist selbst schon eine Kunst. Das Arrangement von Menschen verschiedenen Standes, verschiedener Religion, verschiedenen Charakters besitzt wohl eine gewisse Einmaligkeit. Eines allerdings verband diese Menschen über alle Grenzen: ihre Kreativität. Fast alle betätigten sich irgendwie, sie warenr literarisch produktiv entweder im Briefe schreiben, im Romane schreiben oder im Journalismus. Verbindendes Fluidum des Salons war das Gespräch.
Das Gespräch selbst ist die Kunst des Salons, die Kunst der Geselligkeit.

Wir kamen über den Vortrag ins Gespräch und haben abschliessend beschlossen auch gleich ein zweites Treffen vereinbard.

Der zweite Salon mit dem Arbeitstitel „Das Ich“ findet am Dienstag, den 13. Mai um 18 Uhr statt. Er wird von Katja und Laura bestritten, die schon zum Thema „Ich und Ich-Konstruktionen“ in Ihrem Blog berichteten.

Da der Platz um meinen zugegebener Maßen schon sehr großen Tisch begrenzt ist, bitte ich ausnahmsweise Mal unter Anmeldung unter info@susannehaun.de.

%d Bloggern gefällt das: