Salon

Der Salon – Ergebnisse – Bericht von Susanne Haun

Gestern fand der erste Salon bei mir im Galerieraum statt.

Dienstag, den 25.2. - Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke
Dienstag, den 25.2. – Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Als erstes stellten wir fest, dass viele der Gäste – natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel – aus der Blogger Welt kamen.

Wir fragten uns, ob die Bloggerwelt die Salonwelt des 21. Jahrhunderts ist.
Was meint ihr?

Anna von AugenZeugeKunst bereitete einen kleinen Vortrag zum Thema Salon vor. So erfuhren wir, dass Salon aus dem italienischen von salone kommt und im Gesellschaftszimmer, Empfangszimmer oder Saal eines repräsentativen Hauses stattfand und seit dem 17.Jahrhundert üblich ist.

Anna erzählte uns weiter zum Berliner Salon (Auszug):
(Hier auch der Link zu ihrem Beitrag dazu).

Die Salons, die am Ende des 18. Jahrhunderts in Berlin entstehen werden von Frauen initiert. Jedoch sind die Salons primär nicht politisch engagiert, sondern auf künstlerischem oder literarischem Gebiet. Sie sind darüber hinaus Begegnungsstätten von Adel, Großbürgertum, Intellektuellen und vor allem auch jüdischen Bürgern.
Voraussetzungen für einen Salon: die räumlichen Gegebenheiten mussten vorhanden sein oder ein großes Haus wie es damals höchstens beim Adel in den Stadtpalästen. Weiterhin bedurfte es einer „einladenden“ Person. Da die Männer meistens mit ihren Geschäften im bürgerlich-wirtschaftlichen Sinne oder im Hof- und diplomatischen Dienst beschäftigt waren fiel diese Rolle den Frauen zu. Eine Frau, die einen Salon eröffnen wollte, bedurfte also des wirtschaftlichen Rückhalts ihres Mannes, der ihr ein Leben mit viel Freizeit ermöglichte. Diese Frauen gaben mit ihren Salons ihren Männern einen Gewinn an Ansehen. Für die Frau war eine umfassende Bildung unabdingbare Voraussetzung.
Die Salons sind nicht denkbar ohne Moses Mendelssohn (1729–1786).
Er war als Dreizehnjähriger nach Berlin eingewandert und hatte nach einiger Zeit eine Stellung in der Textilfabrik Bernhard erhalten.
Er bildete sich selbst aus und wurde zu einem der bekanntesten Philosophen, der internationales Ansehen genoss. Selbst dieses Ansehen verhalf ihm nicht zu einer Audienz beim König und sogar die Aufnahme in die Königlich-preußische Akademie der Wissenschaften wurde ihm trotz einstimmiger Zuwahl vom König verweigert.

Dienstag, den 25.2. - Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke
Dienstag, den 25.2. – Salon bei Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Salon der Rahel Levins (1723-1790)
Rahel Levins erster Salon existiert von 1790 bis 1806. Von den Voraussetzungen der Salonbildung waren erfüllt: der wohlhabende Bürgerstatus, wenn nicht Großbürgerstatus, ein genügend großes Haus, um Gäste zu empfangen und eine Frau – nämlich Rahel – als Salonière. Rahel benötigt auch die notwendige Bildung, die sie als Autodidaktin erwirbt durch Lesen von Rousseau, Lessing, Shakespeare, Dante, Diderot.
Die als Tochter des jüdischen Kaufmanns Markus Levin (1723-1790) geborene Schriftstellerin und frühe Frauenrechtlerin Rahel Varnhagen von Ense (1771-1833) war eine bedeutende Persönlichkeit der deutschen Romantik. Obwohl Varnhagen gegen die Benachteiligungen sowohl aufgrund ihres Geschlechts als auch ihrer Religionszugehörigkeit zu kämpfen hatte, wurde sie weithin bekannt für ihre Berliner Salons. Sie hielt um die Jahrhundertwende in Berlin trotz bescheidener Verhältnisse einen Salon, der Mittelpunkt eines Kreises Intellektueller wurde. Man bewunderte ihre geistige Originalität, kritische Urteilsfähigkeit, leidenschaftliche Aufrichtigkeit, die sich auch in ihrem umfangreichen Briefwechsel manifestiert. Die Salons trugen zur gesellschaftlichen Stärkung ihrer weiblichen Gäste bei, indem sie ihnen eine einzigartige Gelegenheit boten, sich mit den herausragendsten Autoren, Denkern und Musikern der damaligen Zeit auszutauschen, darunter Friedrich Schlegel, Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich Hegel, Heinrich Heine, Ludwig von Tieck und Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Varnhagens erster Salon (geschlossen 1806) war ein wichtiger Treffpunkt für die mit der Berliner Romantik in Verbindung stehenden Autoren; ihr zweiter Salon (eröffnet 1819 mit ihrem Ehemann, Karl August Varnhagen von Ense) wurde zu einem zentralen Forum für das „Junge Deutschland“, einer in der Restaurationszeit tätigen literarischen Oppositionsbewegung. Ihr ausgedehnter Briefwechsel und ihre literarischen Schriften (z.B. Über Goethe, 1812) stellen äußerst bedeutende Beiträge zur Kulturgeschichte dar. Weder schön noch reich, dazu Frau und Jüdin, fühlte sich Rahel gesellschaftlich benachteiligt. Trotzdem war sie eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit. Rahel Varnhagens wichtigstes Ziel war, mit sich selbst identisch zu sein, d.h. Einheit von Denken und Fühlen herzustellen. Vielen war sie deswegen auch unbequem.
Die intensiven Briefwechsel geben uns Aufschluss über das Leben der Rahel. Nicht nur über ihre Lebensdaten, sondern über ihr Denken und ihre Nöte, über die Stellung der Jüdin in der Gesellschaft, über ihr Leiden an der „infamen Geburt“. Aber auch über ihre Empfindungen und die Verarbeitung ihrer Erlebnisse.
Rahels Salon ist sicher als eine Form der Geselligkeit anzusehen. Es ist eine spezielle Form, die sich unter den oben erwähnten Bedingungen bilden konnte. Diese Form der Geselligkeit ist selbst schon eine Kunst. Das Arrangement von Menschen verschiedenen Standes, verschiedener Religion, verschiedenen Charakters besitzt wohl eine gewisse Einmaligkeit. Eines allerdings verband diese Menschen über alle Grenzen: ihre Kreativität. Fast alle betätigten sich irgendwie, sie warenr literarisch produktiv entweder im Briefe schreiben, im Romane schreiben oder im Journalismus. Verbindendes Fluidum des Salons war das Gespräch.
Das Gespräch selbst ist die Kunst des Salons, die Kunst der Geselligkeit.

Wir kamen über den Vortrag ins Gespräch und haben abschliessend beschlossen auch gleich ein zweites Treffen vereinbard.

Der zweite Salon mit dem Arbeitstitel „Das Ich“ findet am Dienstag, den 13. Mai um 18 Uhr statt. Er wird von Katja und Laura bestritten, die schon zum Thema „Ich und Ich-Konstruktionen“ in Ihrem Blog berichteten.

Da der Platz um meinen zugegebener Maßen schon sehr großen Tisch begrenzt ist, bitte ich ausnahmsweise Mal unter Anmeldung unter info@susannehaun.de.

36 Kommentare zu „Der Salon – Ergebnisse – Bericht von Susanne Haun

  1. Sehr interessant. Sicherlich dient das Internet der schnellen Kommunikation, wird aber derartige „Salons“ nicht ersetzen können, meiner Meinung nach. Der Austausch ist doch ein anderer. LG Anja 🙂

    1. Da hast du recht, Anja, obwohl die Themen im Internet genauso wie im realen Salon sind. Das finde ich spannend. Aber bei einer realen Diskussion ist das Vertrauen untereinander größer, vor allem sieht man auch die Gesichtsaudrücke der anderen und kann so die Stimmung besser einschätzen…. lg Susanne

  2. den salon mit dem thema „salon“ zu eröffnen ist eine gute idee…..danke für die informationen…..ich kenne salons aus filmen der 20er jahre , mit langen damenzigaretten und knallrotem lippenstift 🙂 …vormerken susanne fürs nächstemal 🙂
    ein bisschen casinoflair….;-)
    und in der ecke ein hübscher pianist…..

    http://www.ksta.de/image/view/2010/4/18/12220456,11934396,dmData,Casino1%2B%2525281273787627182%252529.jpg

    dann kommt die coco auch 🙂

    1. Über das Thema Zigaretten haben wir auch gesprochen, wir fanden auch, es passt zum Salon…. aber trotzdem werde ich nicht beginnen zu rauchen 🙂
      Obwohl das natürlich klasse aussieht :_)
      Einen hübschen Pianist kann man sicher organisieren,,,, aber das Piano … da denke ich gleich an Loriot und den Spot „Ein Klavier ein Klavier, wir danken dir!“

      Bei vier Stockwerken käme das bei mir auch sehr gut …..

  3. Die Geschichte des Salons ist interessant! Das sieht richtig nett aus, da kommt eine gute Stimmung rüber, Susanne. Ob Bloggen einen Salon in dieser Art ersetzen kann? Ich glaube’s nicht. Bloggen funktioniert anders, aber der Kontakt und den Austausch wirkt auch inspirierend.
    Ich wollte zu dir via einen Kommentar von dir. Wenn ich auf deinen Namen klicke, komme ich auf deinen neue (?) Präsentation. Egal wie ich dort vorgehe; alles geht auf, nur den Blog nicht.
    Liebe Grüße zu dir aus dem karnevalistischen Rheinland
    Hanne

    1. Liebe Hanne,
      Mein Gravatar ist mit meiner Homepage verknüpft, ich wollte es schon einmal ändern aber es bleibt hartnäckig …..
      Die Themen sind dieselben aber die Art der Diskussion ist eine andere.
      Ich wünsche dir viel Spaß beim Karneval,
      Liebe Grüße von Susanne

  4. Das sieht klasse aus um euren großen Tisch. Es wäre wirklich schön, wenn aus der Blogger – Szene ein „Berliner Salon“ herauswachsen würde. Schade, dass Berlin für uns soweit entfernt ist. Höchstwahrscheinlich kommen Martin und ich an dem Wochenende um den 25. April nach Berlin. Aber das ist ja dann leider zu früh.
    Eine wundervolle Idee! Auch ich suche nach Filmszenen aus der vergangenen Zeit. Herzliche Grüsse, Roswitha

    1. Ja, das ist wirklich schade, Roswitha. Aber vielleicht schafft ihr es ja irgendwann auch zum Salon nach Berlin.
      Ich würde mich freuen, wenn wir uns an diesem 25. April Wochenende sehen würden. Möchtet ihr zum Kaffee kommen?
      Viele Grüße sendet dir Susanne

  5. Ich bin froh, dass wir über ein Google-Übersetzer! Es gibt mir die Möglichkeit, Ihre Blogs zu lesen. Jeder Beitrag und Kommentar gibt mir mehr Einblick in die Welt des Künstlers. Es ist eine Freude, einen Blog zu folgen. Ein interessanter Gedanke auf Salons. Haben Sie ein wunderbares Wochenende. Alles Gute.

  6. Meiner Meinung nach, kann ein Blog , keinen Salon ersetzen- schließe mich den dazu geäußerten Meinungen an.Anderseits, denke ich, fällt es Manchen leichter, sich anoym u. kontrolliert äußern zu können,dadurch baut der Schreibende, u.Umständen ein von Ihm gewünschtes Selbstbild auf.Bei „Spontan_Diskussionen“ fällt dies schwerer.

    1. Hallo Doris, das Thema des „eigene gemachte Selbstbilds“ gefällt mir gut. Es unterscheidet sich ja in hohem Maße von dem Bild, was die Umgebung von dem Selbstbilder hat. Meistens jedenfalls. Sehr passend zu unserem nächsten Salonthema des Ichs. Bist du am 13. Mai zufällig in Berlin 🙂 🙂 🙂 An dem Tag diskutieren wir über das Thema….
      LG Susanne

  7. ich danke dir, liebe Susanne, für die Geschichte der Salons, der Begriff „Saloniere“ gefällt mir besonders! zu gegebener Zeit hoffe ich auch einmal mit euch am großen Tisch zu sitzen …

    herzliche Grüße vom Rhein an die Spree
    Ulli

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