Susanne Haun

Besondere Orte zu Bestattung unserer Toten – Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Kunst der Grabgestaltung, Kunstgeschichte, Zeichnung by Susanne Haun on 28. Oktober 2016

 

Der Tod wird in unserem Land aus dem Alltag vorwiegend ausgeklammert und Gespräche über unseren Totenkult sind selten. Es scheint mir wie ein Tabu (neudeutsch No-Go)  über die Dinge, die der Tod eines geliebten Menschen mit sich bringt, zu reden.

 

 Eibenzweig (c) Foto von Susanne Haun

Eibenzweig (c) Foto von Susanne Haun

 

Dabei werden von den Anfängen der Menschheit bis auch heute im Zeitalter des Computers unsere verstorbenen an besondere Orte beerdigt. Seit dem 8. Jahrhandert werden unsere Toden in der Nähe des Altars, in der Kirche oder auf dem angrenzdenden Friedhof beerdigt. Nach der Reformation erfolgte eine Verlegung der Friedhöfe aus hygienischen Gründen vor den Stadtmauern.²

Heute werden städtische Friedhöfe auch als Parks mit Erholungsfunktion gesehen, schreibt Brigitte Kleinod, Diplom-Biologin und Sachbuchautorin, in ihrem Buch Grabgestaltung.² Ob dem Wirklich so ist, wage ich zu bezweifeln. Sicher, es gehen immer ein paar wenige Interessierte über den Friedhöfen spazieren. Aber als Park mit Erholungsfaktor würde ich den Friedhof deshalb nicht begreifen.

Die Wahlgrabstätte meiner Mutter lässt uns einen großen Spielraum in der Gestaltung. Nicht mehr viele Menschen können sich den Luxus einer solchen Grabstätte leisten. Mit Grabstein, Bestattungsunternehmen, Beisetzung und Blumen werden werden wir wohl knapp 10.000 Euro benötigen. Es sind keine Posten dabei, die ich übertrieben teuer finde, jedoch kommen viele einzelne Positionen zusammen. Sicher sind diese hohen Kosten ein Grund, warum viele unserer Friedhöfe wie leergefegt wirken. Selbst auf dem Domfriedhof gibt es viele freie Stellen.

 

Eiben Blüte Zweig (c) Zeichnung von Susanne Haun

Eiben Blüte Zweig (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Wo bleiben unsere Toten? Nimmt sich keiner mehr Zeit für den Totenkult, der Pflege unserer Gräber? Wird diese Aufgabe als Last empfunden, die uns zusätzlich im Alltag belastet? Ich bin traurig, diese Fragen überhaupt zu stellen, denn was hat eine Gesellschaft für eine Zukunft, wenn sie respektlos mit den Toten umgeht? Habt ihr euch dazu einmal Gedanken gemacht?

Die Wahl des Friedhofs hat Mama neben anderen Kriterien auch nach dem Aspekt der Erreichbarkeit getroffen. Ich laufe 15 Minuten zum Friedhof, meine Nichte wohnt zwei Straßen weiter und mein Bruder und meine Schwägerin sind mit dem Auto in 5 Minuten von der Arbeit da.  Mein Papa hat es am längsten, aber einer (oder wir alle) finden uns immer, ihn zum Friedhof zu fahren.

Letzte Woche haben wir um unsere Grabschale Eibenzweige aus dem Garten meiner Eltern platziert und die Blumenvase mit Rosen und Gerbera befüllt.

 

 

 

 

 

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² Kleinod, Brigitte, Grabgestaltung, Stuttgart 2008.

Die Kunst der Grabgestaltung – Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Kunst der Grabgestaltung, Vergänglichkeit, Zeichnung by Susanne Haun on 20. Oktober 2016

Ich spaziere schon immer gerne über Friedhöfe und schaue mir dabei die Gräber und Steine interessiert an.

Das hat sich bis heute nicht geändert, ich spaziere immer noch gerne über Friedhöfe, habe aber einen ganz anderen Bezug dazu. Meine Mutter liegt auf dem Domfriedhof 2, ein sehr schöner, gepflegter und zum Teil auch sonniger Friedhof. Mein Vater hat dort eine Doppelgrabstelle gekauft. Auf dem Domfriedhof ist eine Doppelgrabstelle 240 x 240  cm groß und es gibt einen Sack voll Friedhofregeln, die alle bei der Gestaltung des Grabs beachtet werden müssen. Darüber werde ich mir in der nächsten Zeit Gedanken machen.

Es gibt 2 1/2 Jahre alte Zeichnungen von mir vom Domfriedhof 2. Damals wusste ich noch nicht, dass Mama sich diesen Friedhof für ihr Grab aussuchen würde.

 

 

Nach der Beerdigung muß sich ein Grab erst setzen. Nach vier Monaten können die Angehörigen mit dem Gestalten des Grabs beginnen. Da bleibt uns noch viel Zeit. Wir haben ersteinmal für den Übergang eine bepflanzte Schale auf Mamas Grab gestellt. Laut Friedhofsordnung darf eine Schale nicht größer als 34 cm im Durchmesser sein. Bei einem Rundgang über den Friedhof habe ich jedoch bemerkt, dass diese Vorschrift nicht ganz genau genommen wird. Trotzdem haben wir uns schon aus Transportgründen für eine kleine Schale mit einer Rose, 2 Buchsbäumchen und Gräsern entschieden. Mein Bruder hat die Gräser ausgesucht, sie stehen stellvertretend für Büsum, wo meine Eltern viele schöne Urlaube verbracht haben. Rosen waren meine Mamas Lieblingsblumen und die Buchsbäume werden wir für die Gestaltung des Grabes in vier Monate verwenden.

 

 

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