Susanne Haun

Ausstellungstip: EL SIGLO DE ORO – Susanne Haun

Posted in Ausstellungstip, Berlin, Kunstgeschichte by Susanne Haun on 21. Juli 2016

 

Die Ausstellung  EL SIGLO DE ORO (siehe hier)  birgt mit ihrem gut durchdachten Konzept eine Menge Überraschungen.

 

Blick aus dem Kulturforum zum Potsdamer Platz (c) Foto von Susanne Haun

Blick aus dem Kulturforum zum Potsdamer Platz (c) Foto von Susanne Haun

 

Anhand der Farbe der Wände kann der Besucher unterscheiden aus welchem Landstrich des großen spanischen Imperiums des 17. Jahrhunderts. Gleich am Beginn der Ausstellung wird eine entsprechend farbige Weltkarte gezeigt.

„El Siglo de Oro – das Goldene Zeitalter der spanischen Kunst – zählt zu den bedeutendsten wie populärsten Kapiteln der europäischen Kulturgeschichte. Erstmals kann in diesem Sommer in Berlin die faszinierende Vielfalt der Malerei und Skulptur des 17. Jahrhunderts auch außerhalb Spaniens umfassend erlebt werden – mit über 130 Meisterwerken von Velázquez, El Greco, Francisco de Zurbarán und Bartolomé E. Murillo sowie bislang kaum bekannten Künstlern wie Alonso Cano und Gregorio Fernández. „² ist sowohl auf der Internetseite der Ausstellung als auch auf den Ausstellungsflyer zu sehen.

Mir gefällt schon im Foyer die große durchscheinene Lichtwand, die wechselnd Bilder der Ausstellung im gelben Kreis zeigt. Ich mag die Veränderung, die die Gemälde durch den sich schliessenden Kreis erfahren.

In der Ausstellung fand ich den Raum mit Zeichnungen der goldenen Ära eindrucksvoll, vielleicht sollte ich mir überlegen, eine der Zeichnugnen von Jusepe de Ribera in meiner Masterarbeit zu besprechen? Ich fand besonders die Portraits in ihren einfachen Linien ausdrucksstark.

Einen sehr guten Bericht mit Fotos zur Ausstellung (innen ist es verboten, zu fotografieren) ist auf der Seite des Tagesspiegel zu finden (siehe hier). Hier kann auch El Grecos „Immaculata Oballe“ aus dem Jahr 1613, das Mariä Empfängnis zeigt zu sehen. Als Einstieg in die Ausstellung ist dieses Bild ein wahres Spektakel an Farben, Form und Komposition.

 

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²El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2016, http://www.el-siglo-de-oro.de/home.html, 21.7.2016, 7:09 Uhr

 

Die Einsamkeit des Künstlers – Bericht von Susanne Haun

Posted in Ausstellungstip, Berlin by Susanne Haun on 21. November 2015

Vorgestern war ich bei der Ausstellungseröffnung „Double Vision“ im Berliner Kupferstichkabinett im Kulturforum. 

Es werden graphische Arbeiten von Albrecht Dürer (1471-1528) und William Kentridge (geb. 1955 in Johannesburg) präsentiert.

Es ist eine sehr beeindruckende Ausstellung, die ich jedem nur empfehlen kann. Ich werde die nächsten Freitage in der Ausstellung verbringen, eine der beiden Kuratorinnen, Elke Anna Werner, ist Dozentin an der FU und „scheinlos glücklich“ werde ich mein drittes Seminar, dieses mal zum Thema Ausstellungsdisplay, bei ihr absolvieren. Die lezten beiden Seminare handelten von den Arbeiten Kentridge (2013) und von den Meisterstichen Dürers (2013/14) (siehe hier mein Bericht).

 

Ich freue mich über den Katalog (c) Foto von M.Fanke

Ich freue mich über den Katalog (c) Foto von M.Fanke

Ich war das erste mal bei einer musealen Ausstellungseröffnung. Inklusive des Künstlers kamen sechs Redner zu Wort. Besonders die Reden der beiden Kuratorinnen, Elke Anna Werner und Andreas Schalhorn sowie die abschliessenden Worte des Künstlers gefielen mir. Frau Werner redete bis auf wenige Sätze deutsch und Herr Schalhorn englisch, so war sowohl das Publikum als auch William Kentride einbezogen. Frau Werner überreichte Kentridge eine Tafel Schokolade, zu der ich später zurückkomme.

Kentridge selber ist ein sehr guter, charismatischer Redner. Sein Deutsch sei schlecht, sagte der Künstler,  aber trotzdem zitierte er rednerisch brilliant Worte in Deutsch. Ich muß Frau Werner noch fragen, was genau er zitierte. Ich bewunderte Kentridge, dass er nach den vielen Reden, von denen er die meisten Worte nicht verstand, noch soviel Elan auf die Bühne brachte.

Es fiel mir auf, wie einsam Kentridge durch die Ausstellung lief, er schien sich an der Tafel Schokolade festzuhalten. Gut, dass er sie hatte! Die vielen Leute unterhielten sich über sein Werk und schauten sich mit großen Augen um, aber mit ihm selber sprach kaum einer. Cris,  mit der ich zur gleichen Zeit das Studium begann und ich kauften uns den Katalog der Ausstellung, suchten Kentridge und ließen uns die Kataloge signieren. Ich fragte ihn mit meinem vor Aufregung noch schlechteren Englisch, ob er wirklich alle seine Radierungen selber drucke, also selbst die wirklich großen Platten, die mit Farbe einzuschmieren und auszuwischen eine große Anstrengung bedeuten! Er antwortete, dass er das tue – aber nicht alle! (Yes, I do, but not all!)

Ich freue mich über den signierten Katalog (c) Foto von M.Fanke

Ich freue mich über den signierten Katalog (c) Foto von M.Fanke

Cris fragte ihn, ob er sich alleine fühle, weil er doch so alleine durch die Gemäldegalerie strich. Aber er antwortete, dass das gut so sei. Er sah müde aus und als ich ihm einen schönen Feierabend wünschte, erfuhren wir, dass ihn noch ein weiteres Programm am Abend erwartete.

Nein – ich habe keine Fotos gemacht. Nicht mit der Kamera und auch nicht mit dem Handy. Ich habe beides in einem der Schließfächer des Museums eingeschlossen und mit meinen Augen beobachtet und nun schreibe ich die Beobachtungen nieder.

Ob ich mit Kamera die selben Beobachtungen gemacht hätte, wie ohne? Ist unser Auge nicht ohne Technik geschärfter?

Eine sehr gute Dokumentation der Ausstellung liefert der Blog „Double Vision Berlin“ (siehe hier) oder die Informationsseite der FU Berlin „Evidenz ausstellen“ (siehe hier).
Auf der Seite des Deutschlandradios Kultur erhält der Interessierte weitere Informationen im Artikel:
„“Double Vision“ im Berliner KupferstichkabinettUnterhaltung mit den Bildern im Kopf“ von Jochen Stöckmann (siehe hier)

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Double Vision: Albrecht Dürer & William Kentridge

20. November 2015 bis 6. März 2016
Öffnungszeiten

Di. – Fr.: 10:00 – 18:00 Uhr
Do.: 10:00 – 20:00 Uhr
Sa. – So.: 11:00 – 18:00 Uhr

Kupferstichkabinett
Kulturforum
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Eintritt Ausstellung: 8 € / 4 €
Bereichskarte Kulturforum: 16 € / 8 €

U-Bahn U2 (Potsdamer Platz)
S-Bahn S1, S2, S25 (Potsdamer Platz)
Bus M29 (Potsdamer Brücke); M41 (Potsdamer Platz Bhf / Voßstraße)
M48, M85 (Kulturforum); 200 (Philharmonie)

Blauer Himmel über dem Kulturforum – Bericht von Susanne Haun

Posted in Architektur, Ausstellung, Berlin, Betrachtungen zur Kunst, Kunstgeschichte, Zeichnung by Susanne Haun on 1. Januar 2013

Fast hätte ich die Schinkel Ausstellung im Kupferstichkabinett verpasst.

Schon am 6.1.13 ist der letzte Ausstellungstag. Durch den Hinweis: „Schinkels Werke Online“ im Berliner Tagesspiegel habe ich gerade noch rechtzeitig einen Fingerzeig erhalten!

Schinkel im Kulturforum (c) Foto von Susanne Haun

Schinkel im Kulturforum (c) Foto von Susanne Haun

Wer noch Zeit bis zum 6.1.13 findet und in Berlin weilt, dem kann ich diese Ausstellung nur ans Herz legen. Wer nicht in Berlin weilt hat die Möglichkeit unter diesem Link www.smb.museum/schinkel die Werke Schinkels im Online Katalog zu betrachten. Ich bin sehr begeistert vom Online Katalog, denn nun kann ich nach dem Betrachten der Originale auch noch digital die Zeichnungen zoomen, um auch den letzten Strich aufzunehmen.

Das die Ausstellung voll war und das es für den Eintritt Zeitfenster gibt, das muss ich sicher nicht erwähnen.
Ich interessierte mich am meisten für „Die Zeichnung – Labor der Kunst, Labor der Wissenschaft„. Diese Sektion der Ausstellung ist im eigentlichen Kupferstichkabinett, dem Raum 3. Ich war schon sehr früh im Museum (um 10 Uhr öffnet die Ausstellung) und habe dann auch mit Raum 3 begonnen und konnte so diesen Raum wirklich genießen, da die Massen alle bei Raum 1 begannen.

Eingang Kurlturforum (c) Foto von Susanne Haun

Eingang Kurlturforum (c) Foto von Susanne Haun

In Raum 3 wird auf Schinkels Arbeitsmittel eingegangen und wie er Neuerungen ausprobiert hat. Er zeichnete zuerst mit Rohrfeder und Federkiel. Von seiner Italienreise brachte er die in Deutschland noch unbekannte Stahlfeder mit und nutze sie auch gleich. Interessant sind auch die Ausführungen zum Papier, das Schinkel benutze. Es wurde in einer Papiermühle in Eberswalde hergestellt. Für seine Architekturzeichnungen war es vom Nachteil, das Büttens Sieb auf dem Papier zu sehen. So war das glatte Papier für ihn eine geniale Neuerung. Gerne hat Schinkel auch das handgeschöpftes Papier (vergé) blau verwendet. Die Zeichnungen auf diesem Papier mag ich besonders.

Die Mühle in Eberswalde gibt es nicht mehr. In der Hahnemühle in Dassel wird heute noch traditionell das Papier in Manufaktur hergestellt. Seht hier dazu meinen Artikel.

Die Ausstellung ist auch in Sonderräumen (c) Foto von Susanne Haun

Die Ausstellung ist auch in Sonderräumen (c) Foto von Susanne Haun

Schon 1981 wurde Schinkel anlässlich seines 200 Geburtstag in der damals noch geteilten Stadt geehrt.Es ist interessant, wie unterschiedlich die Fragestellung der Präsentation und des Werkes ist und so habe ich in dem Katalog von damals nicht das gefunden, was ich mir erhofft habe. Seine Zeichnungen werden kaum gezeigt, der Schwerpunkt liegt auf die Architektur.²

Potsdamer Platz Berlin (c) Foto von Susanne Haun

Potsdamer Platz Berlin (c) Foto von Susanne Haun

Nichtsdestotrotz habe ich viel Interessantes im Kapitel „Karl Friedrich Schinkel – Gedanken zur Kunst“ gefunden. Unter dem Stichwort „Schönheit und Moral“ findet sich folgendes Schinkel Zitat²:

„Die bildende, die schöne Kunst hat die Aufgabe, den Abdruck des Zustandes einer Seele, das Bild des Zustandes einer schönen Seele darzustellen. Geschieht dies in Tönen, so können Bewegungen, Leidenschaften, Beschwichtigungen, das ruhige Wohlbehagen, Beängstigungen, Erschütterungen des Gemüts in reiner Folge dieser Seelenzustände erscheinen; es ist dann Musik die Kunst im allgemeinsten Sinne, die Kunst, die in allen übrigen Kunstformen wieder enthalten und ihren Hauptbestandteil ausmachen muss.“³

Interessant, nicht wahr? Schinkel stellt die Musik über die bildende Kunst! Erinnert ihr euch? Ich berichtete über Da Vince und die Paragone. Da Vince verglich in einem Traktat die Musik mit der Malerei. Da Vince aber führt in seinem Traktat aus, dass die bildende Kunst der Musik weit überlegen ist!

Als ich von der S-Bahn Potsdamer Platz zum Kulturforum bei schönsten blauem Himmel lief, habe ich mich wieder sehr gefreut, Berlinerin zu sein!
Die Fotografien der Architektur des für mich immer noch neu gestalteten Postdamer Platzes finde ich sehr passend im Kontrast zu Schinkels Architektur.

Das Wetter schenkt mir eine Skyline vom Potsdamer Platz (c) Foto von Susanne Haun

Das Wetter schenkt mir eine Skyline vom Potsdamer Platz (c) Foto von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
I almost missed the Schinkel exhibition at the Kupferstichkabinett, Berlin.
The last show day is already on 06/01/13. By the statement: “Schinkel’s works online” in the newspaper “Tagesspiegel” I was just in time to make my visit.
If anyone have time to find 6.1.13 and is in Berlin, I can put this issue only to the heart. Who is not in Berlin http://www.smb.museum the opportunity at this link / schinkel Schinkel’s works in the online catalog viewing. I am very excited about this catalog, because now I can after viewing the originals even see digital drawings to include also the last stroke.

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²Börsch-Supan, Helmut. Griesebach, Lusius. Hrsg. Karl Friedrich Schinkel – Architektur Malerei Kunstgewerbe. Berlin 1981.
³Freiherr von Wolzogen, Alfred. Aus Schinkels Nachlass, Bd. 1, Berlin 1862.

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