Susanne Haun

Menschenmengen – Zeichnung von Susanne Haun

Ich habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht, wie ich eine Menschenmenge zeichne, ich habe einfach gezeichnet.

Bei vielen Projekten habe ich „HIER“ geschrien und springe folglich auch beim Denken von einem Projekt zum anderen. Ich arbeite sozusagen eine Warteschleife von Gedanken, die es zu denken gilt, ab.

Version 4 Lassalle als Redner (c) Zeichnung von Susanne Haun

Version 4 Lassalle als Redner (c) Zeichnung von Susanne Haun

So verwundert es auch nicht, dass ich erst vorige Woche begonnen habe, das Buch
„thinking aloud“ von William Kentridge, dass ich von der documenta.13 mitbrachte, zu lesen begann.

Mir gefällt die Art, wie Kentridge darüber nachdenkt, wie er eine Menschenmenge dynamisch in Bewegung als Zeichnung darstellt.

Ich habe eine formale Lösung zur Darstellung der Menschenmenge gewählt. Eine sehr typische, der Natur entnommene Lösung.

Kentridge gab in seiner Laufbahn das Zeichnen für einige Zeit auf und einer der Gründe dafür war, dass er sich die Frage nicht beantworten konnte, wie er mit Menschenmengen umgeht.
Nach der „Zeichenpause“ wählt er als Darstellung die Form eines Fächers (Link zur Zeichnung in der Tate Gallery) und eines Kreises(Link zur Zeichnung auf dem Kunstportal BW). Kentridge hat sich Goya Bilder und Bertoluccis Filme angeschaut, um seine eigene Lösung zu finden.

Die gesamte Herangehensweise gefällt mir und ich lerne beim Lesen des Buchs „thinking aloud“ neue, andere, spannende Sichtweisen kennen.

Für meine Menschenmenge, bestehend aus den Arbeitern, zu denen Lassalle spricht, ist eine Überlegung, sie anders darzustellen, zu spät. „Das Andere“ meiner Arbeit ist das Material, die Rolle.

Ich habe nicht nur die Menschenmenge sondern auch die Übergänge zu den letzten Lebensausschnitten Lassalles gezeichnet. Bei einigen Übergängen habe ich mich für Textfragmente entschieden, die aus dem Buch „Lassalle“, rororo Verlag aus der Serie „bild mono graphien“ sind. Ich habe seine eigenen Texte für die Fragmente gewählt.

Mit diesen Zeichnungen schließe ich die Illustration für das Buch „Ich habe getan was ich konnte. Ferdinand Lassalle“ von B.Claus DeFuyard ab. Ein Treffen von Autor, Verlegerin, Galerist und mir ist festgelegt und ich freue mich darauf, dass alle Gedanken zum Thema zusammengeführt werden.

For my englisch speaking reader:
I’ve learned to look for ideas for my drawings in the past of art history.
I finished the illustration of the life of Lassalle on my role and I drawed the crossings of the detailed scenes.

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Kentridge, William. Breitenbach, Angela. thinking aloud. Köln 2005.
v.Uexküll, Gösta. Lassalle. Reinbeck bei Hamburg 1974.
²DeFuyard, B.Claus. Ich habe getan was ich konnte. Ferdinand Lassalle.

Alle Menschen sind Kinder ihrer Zeit – Helene von Dönniges – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Den Kopf ausgestülpt, Ferdinand Lassalle, Portraitmalerei, Rolle, Zeichnung by Susanne Haun on 2. Juli 2013

Helene von Dönniges wird vorgeworfen, den Duell-Tod Ferdinand Lassalles verschuldet zu haben.

Ihr Vater war gegen eine Ehe Lassalles mit Helene und forderte Lassalle zum Duell. Stellvertretend für ihn wurde der Ex-Verlobte der Dönniges zum Duell entsandt, der dann auch Lassalle in den Bauch schoß.

Entstehung Helene von Dönniges mit Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung Helene von Dönniges mit Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Weil das Leben der Helene so interessant klang, habe ich mir auch noch das Buch „Die Todesparzenschönheit“ gekauft und bin beim Lesen sogleich auch zu den Kapiteln, die von ihrem Verhältnis zu Lassalle handeln gesprungen.

Lassalle soll folgendes an die Gräfin Hatzfeldt über Helene geschrieben haben:
„Es ist ein schönes WEib, mit ihrer Individualität nach das einzige Weib, das sich für mich passt und eignet; … nun die alte Kraft ist noch da, das alte Glück auch noch, ich werde alles zum glänzendsten Ziele führen.“³

Das glänzende Ziel hat er nicht erreicht. Aber Geschichte hat er mit diesem privaten Teil seiner Biographie geschrieben. Deshalb habe ich seine Totenmaske wie ein Tatoo auf den Rücken der Gräfin gezeichnet.

For my english speaking reader:
Helene von Dönniges was an interesting woman of her time. She was very young as Lassalle began to interest in her. He was very chraismatic and she fell in love to him. He was more than twice older as she and the parants of her didn’t want the connection with him. So Lassalle lost his life for her.

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²DeFuyard, B.Claus. “Ich habe getan was ich konnte. Ferdinand Lassalle”
³Hirner, Andrea. „Die Todesparzenschönheit“. München 2011.

Disegno – das künstlerisches Schaffen und der Tod – Susanne Haun

Wann wurde aus dem „Handwerk Kunst“ die Kunst?

Am Freitag berichtete ich schon von der Geschichte des Begriffs Disegno (siehe hier). Inzwischen habe ich mich weiter mit dem Begriff auseinandergesetzt und gelesen, dass Cellini vom „Disegno primo, der im Bereich der Phantasie gestaltend wirkt und vom disegno secondo, der die Erfüllung des ersteren in der Gestaltung von Linien bedeutet“².

Unter meinem Arbeitsplatz (c) Rolle von Susanne Haun

Unter meinem Arbeitsplatz (c) Rolle von Susanne Haun

Im 20. Jahrhundert beschäftigte sich Panofsky, einer der bedeutesten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts, mit dem Begriff disegno. Er formuliert, dass die Legitimation des künstlerischen Schaffens und seine Intellektualisierung eine vom Künstler selbst vorgenommene Aufwertung seiner gesellschaftlichen Position ist. Es ist die Loslösung vom alten Zunft- und Handwerksdenken.

Ich frage mich dabei, welche gesellschaftliche Postion hat der Künstler heute in unserer Zeit?

Gerne möchte ich die Frage mit euch diskutieren, denn ich finde sie nicht einfach zu beantworten.

Bildlich zeige ich euch meine neusten Ergebnisse der Illustration von Ferdinand Lassalle. Lassalle starb bei einem Duell um Helene von Dönniges.
Ich zeichne selten (nie) das gesamte Universum und so griff ich mir die tödliche Hand und den Tod in Form eines Skeletts heraus, um diese Szene darzustellen. Da fast jeder Betrachter eine Vorstellung von einem Duell hat, möchte ich hier mit den einzelnen Teilen der Szene
die Fantasie der Betrachter aktivieren.

Der Tod greift nach Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Der Tod greift nach Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Auch der Tod fand einen Platz auf meiner 10 Meter langen Büttenrolle. Ich zeichne sie zuhause an meinem Arbeitsplatz und die Enden hängen an beiden Seiten herunter.

For my english reader:
I ask me which social occassion has the artist? Do you meanwhile think about it? I want to discuss this question with you.

Frauen – Zeichnung von Susanne Haun auf der Rolle

Posted in Aus der Vergangenheit, Den Kopf ausgestülpt, Portraitmalerei, Rolle, Zeichnung by Susanne Haun on 14. Juni 2013

Zum gestrigen Frauenheld Lassalle gehören selbstverständlich mehr als eine Frau.

Ludmilla Affing und Hedwig Dohm gehören auch zu den Geliebtinnen von Lassalle. Ebenso wie Sophie Gräfin von Hatzfeldt, deren Sinnbild gerade auf meiner Rolle entsteht. Das Format der Rolle eignet sich gut, um eine Kette aus Köpfen zu bilden.

Morgen kann ich über die Verbindung zwischen den Köpfen nachdenken.

Meine Sinnbilder von Ludmilla Affing  und Hedwig Dohm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Meine Sinnbilder von Ludmilla Affing und Hedwig Dohm (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my english speaking reader:
A Womanizer has more than one woman and so I draw today some more woman-protraits on my role.

Der Frauenheld – Zeichnung auf der Rolle von Susanne Haun

Posted in Aus der Vergangenheit, Den Kopf ausgestülpt, Portraitmalerei, Rolle, Zeichnung by Susanne Haun on 13. Juni 2013

Wie stellt man einen Frauenheld der Vergangenheit dar?

Einer, der im Duell um eine Frau sein Leben ließ. Einer, der wirklich lebte, von dem zwei bis drei Fotos vorhanden sind und von dem es eine Vorstellung vom Aussehen gibt.

Mir gefiel dabei zum einen die Vorstellung, seinen Kopf genau unter dem Busen einer Frau zu setzen. Ist es nicht sehr gedankenbestimmend, wenn man so viele Frauen im Kopf (im Bett) hat?

Mein Sinnbild von Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Mein Sinnbild von Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Die Schleife um den Hals – wie ein Geschenkpaket – ist für mich auch ein Zeichen für einen Menschen, der den schönen Dingen des Lebens zuspricht.

Lassalle, den Frauenheld und Politiker, zeichnete ich auf meiner aktuellen Rolle. Mit ihm bin ich am Ende des zweiten Meters angelangt. Hier seht ihr die Zeichnungen, die vor Lassalle auf der Rolle entstanden sind.

For my english speaking readers:
How to draw a womanizer? I draw over his head a bosom. Can he think with them on his head (or brain)? I don’t know this. I think a ribbon on his neck is a symbol for a man who knows to life well.

Übergänge auf der Rolle – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Aktmalerei, Den Kopf ausgestülpt, Rolle, Zeichnung by Susanne Haun on 5. Juni 2013

Das Schwierigste sind die Übergänge von einem Gedanken zum nächsten.

Ich zeichne auf der 10 Meter langen Rolle die Gedanken des Tages. Als letztes habe ich mich selbst als Wellenhexe auf dem Papier gebannt; heute habe ich mich mit Ferdinand Lassalle beschäftigt.

Der Politiker gilt als einer der Gründerväter der SPD, die 26 Jahre nach seinem Tod aus der SDAP hervorging. Lassalle war den Frauen gegenüber nicht abgeneigt und starb beim Duell um Helene von Dönniges, die er heiraten wollte, schon mit 39 Jahren.

Es ist gut, eine Haltungszeichnung in klein zu besitzen - 20 x 30 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Es ist gut, eine Haltungszeichnung in klein zu besitzen – 20 x 30 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Helene von Dönniges Leben war sehr bunt und von vielen Männern belebt. Es endete in ihren Selbstmord aufgrund ihres finanziellen Ruins.

Von den beiden schillernden Persönlichkeiten gibt es kaum Abbildungen. Mir gefällt ein Foto von Helene von Dönniges besonders; es ist aus dem Jahre 1865 und sie liest ein Buch. Mir gefällt an dem Foto besonders die Haltung und so habe ich die Haltung zum Anlass genommen, eine unbekleidete Frau auf die Rolle zu setzen.

Die Übergänge von der Wellenhexe zur in sich gekehrten Frau habe ich auf der Rolle in Form von Wellen und Schlangen dargestellt.

Ausschnitt entspannter Akt  (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ausschnitt entspannter Akt (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wie ich zu den Schlangen gekommen bin? Wasser und Frau ist bei mir eng mit der Blechtrommel, dem Pferdekopf und die Aale verbunden.

Ausschnitt Wellenhexe  (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ausschnitt Wellenhexe (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my english speaking reader:
It’s very difficult to draw the crossover from one to another theme on by role. But I want to draw my thoughts of the day and they are not unique day by day.
Yesterday I drawed the wavewitch and today I drawed under them a nude woman. I joined them with waves and snakes because that are my first thinkings about water and woman on reason of the book „Die Blechtrommel“.

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