Susanne Haun

Ich will nichts im Schlaf können – Zeichnung und Bericht von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Leinwand, Zeichnung by Susanne Haun on 23. August 2012

„Ich will sie nicht im Schlaf können!“ sagte Lüpertz in der Reportage „Deutschland, deine Künstler“.

Er meinte damit seine Bilder. Und er hat mir aus der Seele gesprochen. Ich mag den täglichen Kampf mit meiner Arbeit. Die Herausforderung das immer wieder ausprobieren des Neuen, Altes im Hinterkopf haben, benutzen ohne darüber nachzudenken.

Frank Koebsch wies auf Twitter auf die Dokumentation hin und ich habe mich sehr gefreut, sie noch in der ARD Mediathek zu entdecken. 7 Tag also bis zum 29. August 2012 steht die Sendung dort noch zum Abruf zur Verfügung.

In den Raum hängen (c) Atelier und Arbeiten von Susanne Haun

In den Raum hängen (c) Atelier und Arbeiten von Susanne Haun

Wenn ich solch eine Dokumentation sehe, habe ich immer Notizzettel auf meinem Schreibtisch zu liegen und schreibe die Sätze, die meine Seele zum Klingen bringen sofort auf. Nach 12 Minuten mußte ich Herrn Lüpertz auf Pause stellen, um zu verdauen. Meine Güte, dass ist ja wirklich erstaunlich und Malerfürst ist die richtige Bezeichnung für ihn. Sein Charisma zieht den Zuschauer selbst über den Bildschirm hinweg in Bann. Auch wenn ihm die Bezeichnung nicht gefällt, ich finde sie treffend.

Ein Chamäleon scheint er auch zu sein, er wechselt alleine sein Outfit innerhalb kürzeste Zeit, es scheint mir, er benutzt seinen Körper und die Kleidung genauso als Medium für seine Kunst wie die Materialien für seine Bilder und Skulpturen.

„Künstler sein heißt, dass man lebt!“ Markus Lüpertz.

Gut, dass er das gleich am Anfang nochmal erwähnte. Ja! Egal ob auf kleinsten Raum oder in großer Größe … ich lebe und das ist wichtig.

In den Raum hängen (c) Atelier und Arbeiten von Susanne Haun

In den Raum hängen (c) Atelier und Arbeiten von Susanne Haun

Schon seit meinem Artikel „Die Verlängerung der Gedanken“ vom 7.7.12 (siehe hier) nehme ich mir vor, Leinwände für große Zeichnungen aus meinem Lager-Keller zu holen und darauf zu zeichnen – heute fand ich war der perfekte Tag dazu.

Stunden später.
Ich war in meinem Lagerkeller und habe gewühlt. Es ist schön, in älteren Arbeiten zu stöbern, zu schauen und zu überlegen, was man anders – besser machen würde. Ich nahm einen Schwung 2005er Arbeiten aus meinem Keller mit ins Atelier, um sie noch einmal genau zu betrachten. Ich habe mit Übermalungen begonnen, um auf den Arbeiten zeichnen zu können. Alle übermale ich nicht, manche kommen wieder ins Lager.

Mal schauen, was ich nach dem Trocknen daraus mache (c) Susanne Haun

Mal schauen, was ich nach dem Trocknen daraus mache (c) Susanne Haun

Es ist und wird viel Arbeit sein, mich mit den Werken von 2005 zu beschäftigen und sie in mein 2012 der Zeichnung zu holen.
Ich freue mich darauf sehr.

For my english reader:
I don’t want to do it during sleeping said Markus Lüperts. It’s a daily fight with the paintings.
Hearing this words I went in my stock cellar and looked about my older works and hag them up in my Studio thought what is today with them. It is good to paint over them with white colour and drawing over the new white surface with my ink. We will be see.

Ich will nichts im Schlaf können – Zeichnung und Bericht von Susanne Haun

Von der Strichätzung und Markus Lüpertz – Radierung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Radierung, Zeichnung by Susanne Haun on 11. August 2011

Manche Dinge müssen einfach an bestimmte Orte vollbracht werden. So kann ich zuhause nicht radieren. Da die Anfahrt und Abfahrt zu meinem Atelier im Moment jeweils 1 ½ Stunden dauert, habe ich beschlossen, wenn ich im Atelier bin, und das bin ich nicht täglich, zu radieren.

Immer noch unter dem Einfluss  der Kurfürstin Luise Henriette (siehe hier den Beitrag), habe ich mich für die Strichätzung einer Wildrose aus einem dem Gartenzimmer der Liebe der Kurfürstin ausgesucht. Ich habe von Claudia Jahnke, Sammlerin meiner Bilder, gestern einen großen Bildband „Onder den Oranje Boom“ geliehen bekommen, der mich weiter in diese Richtung inspirieren wird.

Wildrosen karminrot - Radierung von Susanne Haun - 15 x 20 cm - Strichätzung

Wildrosen karminrot - Radierung von Susanne Haun - 15 x 20 cm - Strichätzung

Sehr beeindruckt hat mich heute auch das Interview mit Markus Lüpertz, das ich mir auf youtube anhörte und dabei folgende, für mich prägnante Sätze notiert:

„Wenn man sich darauf einlässt Künstler zu sein, dann betreibt man das mit allen Mitteln – an die Grenze seiner selbst gehend. … Wenn man Seiltänzer ist, sollte man schwindelfrei sein.“

Ich persönlich glaube, dass 85% aller, die den Wunsch haben Künstler zu werden, an diesem Satz scheitern.

Karminrot ist gegenüber dem Zinnoberrot ein kaltes Rot - Foto von Susanne Haun

Karminrot ist gegenüber dem Zinnoberrot ein kaltes Rot - Foto von Susanne Haun

Während des Films wurde auch der Kurator Wolfgang Ullrich interviewt. Er definiert den Künstler an sich als „risikofreudig, kräftig, entschlossen, dynamisch, zukunftsorientiert“, seiner Ansicht nach alles Eigenschaften, die auch ein guter Manager haben sollte. Er bringt die Politiker mit den Künstlern in Verbindung, während Schröder provokant dem gefallenen Adler von Baselitz hinter seinem Schreibtisch zu hängen hatte, schmückt sich Merkel konservativ mit einem Portrait von Adenauer.

Eine von Lüpertz besten Antworten fand ich auf die Frage, was er von seiner Skulptur im Kanzleramt hält: „Es ist eine mir zustehende Anerkennung!“ – Ja, dachte ich, er ist wahrlich ein Malerfürst!

Stahlhof Düsseldorf und Lüpertz Thesen – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Säulenträger, Zeichnung by Susanne Haun on 7. Juli 2011

„Design und Ästehetik haben etwas mit Erziehung, Bildung und Selbstbewusstsein zu tun. Aber den mündigen Bürger, der sich nicht alles vorsetzen lässt, den gibt es nicht. Alle sind von Gier getrieben und haben nur Angst zu kurz zu kommen.“ Markus Lüpertz in der Zeitschrift CUBE 01/11

Ich finde dieses Zitat von Lüpertz sehr ehrlich. Hetzen wir nicht durchs Leben, um vorwärts zu kommen? Und schleicht sich erst einmal die Angst, zu kurz zu kommen in eine Partnerschaft, dann ist fast alles schon zu spät! Schon gibt es kein harmonisches Miteinander mehr, sondern ein Umschleichen, was der andere tut und ob er mehr bekommt als man selber ….

Die Säulenträgerin des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf - Version 1 - Zeichnung von Susanne Haun - 30 x 24 cm - Tusche auf Bütten

Die Säulenträgerin des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf - Version 1 - Zeichnung von Susanne Haun - 30 x 24 cm - Tusche auf Bütten

Ist das Kunstverständnis in Deutschland nicht deshalb nur bei 5% der Bevölkerung ausgeprägt, weil die Kunst schon in der Grundschule nicht ernst genommen wird? Welche Fächer fallen als erstes aus? Kunst und Musik …. ach ja und Sport!

Die Zeitschrift CUBE habe ich von Angelika Blaeser vom Bilder einliefern mitgenommen. Eine Zeitschrift für Lebensart schön anzusehen. In der Bastionstrasse habe ich auch das Verwaltungsgericht Düsseldorf (Stahlhof) entdeckt und bin sofort von der Einzigartigkeit des Gebäudes begeistert gewesen. Mir gefällt besondert der Skulpturenschmuck, der gotisierende Elemente mit Formen des Jugendstils verbindet. Die Figuren strahlen für mich große Kraft aus.

Wie der arme Frauen- (oder Männer-) Kopf das ganze Gebäude zu halten scheint und dann auch noch die „Turnereien“ der zwei Männer und Frau, die am Kopf hängen – Hochachtung!

Fassade des Verwaltungsgerichts Düsseldorf - Foto von Susanne Haun

Fassade des Verwaltungsgerichts Düsseldorf - Foto von Susanne Haun

Ich habe diesen Artikel mit einem Zitat von Lüpertz begonnen und beende ihn auch mit einem Zitat von Lüpertz, über das ich einfach laut und herzhaft lachen mußte! Gesundes Selbstbeußtsein ist eben alles und somit sind wir wieder beim ersten Zitat von L.

Lüpertz: „Nehmen wir Baselitz. Ich habe ihm mal gesagt: Georg, du bist der größte lebende Maler, den ich kenne. Aber das Genie bin ich. Infolgedessen kann ich damit blendend leben. Deswegen kann ich mich auch über jeden Erfolg meiner Kollegen freuen.“

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