Susanne Haun

Nietzsches Begriff von „frei sein“ und ein Orchester – Linoldrucke von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Linolschnitt, Marketing, Was es sonst so gibt!, Zeichnung by Susanne Haun on 25. Mai 2011

Orchestermusik fasziniert mich immer wieder – besonders der Dirigent, der es schafft so viele Musiker zu koordinieren.

Wloka, der Aquarellmaler, zitierte Henry Matisse in seinem Blog:

1999 - Saxophonist - Linoldruck von Susanne Haun - 30 x 20 cm auf einer Kunstzeitung

1999 - Saxophonist - Linoldruck von Susanne Haun - 30 x 20 cm auf einer Kunstzeitung

„Heutzutage ist alles teuer für den Maler – Farben, Material, das Leben überhaupt. Wenn ich ein junger Maler wäre, würde ich eine bezahlte Arbeit annehmen, dann wäre ich unabhängig und könnte frei malen. Meine Kunst würde nicht darunter leiden. Wenn ich mich mit kitschiger Malerei befassen würde, wenn ich Weihnachtsgebäck verzierte, dann würde das meine Kunst beeinträchtigen, aber eine Arbeit als Bankangestellter oder das Beladen von Güterzügen würde mir nicht schaden.
Nietzsche sagte: „;Alle Künstler sollten einen Beruf lernen, um frei zu sein.“;
Man braucht nur drei oder vier Stunden täglich zu arbeiten. Dann kann man ehrlich malen und braucht sich nicht um den Geschmack der anderen zu kümmern.“;
Henri Matisse

1999 - Dirigent - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 15 cm

1999 - Dirigent - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 15 cm

Ich kann Matisse Worten nicht folgen. Ich habe von 1999 – 2004 nebenbruflich 23 Stunden die Woche bei einem Zusammenschluss mehrerer ARD Anstalten gearbeitet und hatte dort die Aufgabe in den Redaktionen von den Redakteuren zu erfahren, was sie für ein bestimmtes Projekt von einem Computerprogramm erwarten, diese Informationen mußte ich dann bündeln und zu einem Gesamtprogramm zusammenstellen.
Ich war einfach kaputt, wenn ich aus den Redaktionen kam – ich mußte von Berlin nach Leipzig, Dresden, Chemnitz, Magdeburg und mehr und konnte in der Zeit keine Kunst machen, denn ich mußte meine Arbeit machen. Ich bin um 4 Uhr früh aufgestanden, um Zeit für meine Kunst zu haben, aber die Gedanken sind gebunden an den Job und ich möchte meine Gedanken an die Kunstprojekte binden.

In einem Beruf auch wenn er nur 4 Stunden täglich ist, ist man nicht frei für die Kunst! Nietzsche täuscht sich. Wenn ich 5 Stunden am Tag „Kohlen schaufel“ zittert meine Hand so, dass ich keine Linie zeichnen kann, ich bin müde und mein Kopf ist leer.

1999 Trompeter mehrfache gedruckt 30 x 60 cm - Linoldruck von Susanne Haun

1999 Trompeter mehrfache gedruckt 30 x 60 cm - Linoldruck von Susanne Haun

Ich habe 2004 meinen Job gekündigt, um mich ganz auf die Kunst zu konzentrieren. Entgegen allen Ratschlägen. Ich habe diesen Entschluss NIE bereut. Sicher, ich möchte nicht verheimlichen, dass ich finanziell lange nicht so gut dastehe wie vorher.

Bei Wloka schrieb ich folgendes als Antwort im Blog – das war natürlich die pure Provokation aber es stimmt schon zum Teil:
„1 Stunde aus dem Branchenbuch vermeindliche Kunden für deine Kunst abtelefonieren, 1 Stunde am Rechner PDF Flyer für deine Kunst fürs Internet erstellen, 1 Stunde im Internet Galerien heraussuchen und anschreiben, 1 Stunde Pressearbeit am Rechner = 4 Stunden an 5 Tagen –> da hast du dann auch einen Erfolg daraus — das Problem ist, nicht den Mut zu verlieren bei der 1.001 Absage und auch wirklich diese 4 Stunden am Tag darin investieren…… auch die Kunst ist einfach eine Selbständige Arbeit “

1999 - Gitarrist - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 30 cm

1999 - Gitarrist - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 30 cm

Natürlich nehme ich mir nicht jeden Tag das Branchenbuch vor …. ich gehe da schon etwas differenzierter vor, aber ich telefoniere täglich mit Interessierten, Galeristen und Malschülern über Kunst. Suche nach neuen Kunstprojekten und schaue mir die Kunstzeitungen im Internet an, lese Kunstbücher etc. Meine Leser können das ganz gut hier im Blog verfolgen, was ich so mache!

Man kann halt auch den Tag nicht so nach Stunden aufteilen – gestern waren wir den ganzen Tag in Saalfeld bei Maren, der Galeristin, und morgen sind wir in Rostock zum Künstlertreff mit Frank Koebsch. Was würde das für Probleme geben, wenn wir jeden Tag 4 Stunden arbeiten müßten – und glaubt mir, ich weiss, wovon ich rede.

Ich bin ohne eine Arbeit außerhalb der Kunst frei. Ich möchte nicht verheimlichen, dass ich mit meinem Sohn in einer 40 qm 1 Zimmer Wohnung lebe – ich habe ja hier die Kosten der Kunst dargelegt, es ist immer die Frage, was man bereit ist, für seine Freiheit zu zahlen. Mein 17jähriger Sohn hat beschlossen, dass er, egal was er studiert, später eine Festanstellung haben möchte. Eine Anstellung, wo am Monatsende das Geld auf dem Konto kommt.

Alles hat seinen Preis im Leben – es ist nur die Frage, ob man bereit ist, ihn zu zahlen. Freudig zu zahlen!

Aber das, was für mich richtig ist, muss für andere noch lange nicht der richtige Weg sein. Es ist nur mein Weg. Ich weiss, ich klinge manchmal sehr absolut. Aber ich möchte meinen Weg nicht als Gottesurteil verstanden wissen!

Nun bin ich dieses mal sehr persönlich geworden. Das war nicht mein Ziel aber zur Beantwortung mancher Fragen scheint es sich nicht vermeiden zu lassen.

1999 - Geigerin - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 30 cm

1999 - Geigerin - Linoldruck von Susanne Haun - 20 x 30 cm

Jedenfalls, als ich die 1999 die mdr Redaktion Klangkörper nach Ihren Wünschen befragte, entstand ein Linoldruckzyklus mit Orchestermusikern.

Warum ich damals Linoldrucke erstellte? Ich hatte nicht nur den Job, ich hatte auch einen 5jährigen Sohn zuhause und beim Linoldruck konnte ich alles stehen und liegen lassen es hat der Linie keinen Abbruch getan, wann ich sie weiter in das Gummi ritze. So habe ich jede 5 Minuten frei genutzt, an meinen Platten zu arbeiten. Um um 4 Uhr Morgens, wenn alle schliefen habe ich gedruckt!

Ist Malerei ein Auslaufmodell? fragt Anna und was denkt Herr Richter? – Susanne Haun zeichnet

Posted in Berühmt, Betrachtungen zur Kunst, Marketing, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Mai 2011

Heute beginnt die 6. Blogparade. Ist Malerei ein Auslaufmodell? fragt Anna Schüler auf ihrem Blog

In einem Artikel der Zeit online über Klara Lidén, fand Sie den Satz
„…Lediglich um das Zeichnen und Malen scheint sie einen Bogen zu machen, und sie tut gut daran. Denn das klassische Arbeiten auf Papier und Leinwand gilt allgemein als ausgereizt, ja altmodisch.“
Ist die Malerei tatsächlich altmodisch, ein abgelaufenes Kunstmodell, ausgereizt?
Mittlerweile malt fast jeder. In Kursen kann man seine eigene Kunstwerke erstellen, die sich dann gut im Wohnzimmer machen. Leinwände und Farben gibt es bei Aldi oder Lidl zu Billigpreisen und tausende Freizeitkünstler drängen auf den Markt.
Täten wir also alle gut daran, nach neuen Ausdrucksformen zu suchen….?
Die Antworten schreibt bitte zur Diskussion ins Annas Blog.

Aus allen Beteiligten an der Diskussion ermittelt Anna zwei Gewinner, einmal für ihre Zeichnung und für ein Hahnemühle Überraschungspaket.

Die Frage gefällt mir ausgesprochen gut! Und es ist auch gut, dass ich gerade das Buch von Gerhard Richter in der Mangel habe. Hier nocheinmal die genauen Daten des Buches, ich kann es wirklich jedem empfehlen. Gerhard Richter, Text, ISBN 3-458-16560-6. Ich weiß, es ist vergriffen, ich habe mich auch durchgerungen, es zu kaufen. Hier der mein Beitrag zum Buchkauf.

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Aber das, was mich am meisten bewegte heute war das Resümé zu meiner Blogparade.

Heute hatten Andreas und ich den ersten „normalen Tag“ in unserem Atelier. Drei Wochen war Andreas auf Malkurse unterwegs und wir hatte keine Möglichkeit zur Diskussion und zum Gespräch.

Wie sehr uns dieser Austausch gefehlt hat!

Unsere Themen waren die vergangene Blogparade, mein Blog an sich, die Subkultur, Facebook und unser aller Zeit beliebtes Thema „Wer sind wir und warum?“.

Als erstes habe ich in zwei meiner Kommentare Kritik von Andreas erhalten, die ich auch gerne annehme. Ich nehme Kritik an, wenn ich sie berechtigt finde und wenn ich denke, ich hätte etwas besser machen können.
Mein Kommentar zu Zerocools Statement „Künstler sind die Huren des Kapitals…„ war ziemlich bescheuert. In dem Satz steckt so viel Zündstoff, und ich schreibe nichts anderes als, schön dich zu sehen, Zero. Das stimmt auch, denn es war das erste Mal, dass Zero sich in meinem Blog zu Wort meldete. Trotzdem werde ich auf den Kommentar in den nächsten Tagen näher eingehen und nicht jetzt.

Zum zweiten geht es um meinen Kommentar zu einem Artikel in Wlokas Blog, wo Andreas meinte, ich brauche auch nicht zu allem etwas schreiben…. ja, ja, gleich gesagte Worte sind etwas anderes als gleichgeschriebene Worte…… Auch zu diesem Kommentar gehe ich in einem der nächsten Tage näher ein.

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Als ich vor zwei Jahren mit dem bloggen begann, wusste ich noch nicht, wie sehr es mir in Fleisch und Blut übergehen und wie sehr es ein Teil von mir werden würde. Andreas und ich sind hier unterschiedlicher Auffassung. Der Blog ist über die Jahre ein Teil meiner Kunst geworden, meine Plattform für meine Gedanken, für meine Zeichnungen und auch für meine zum Teil philosophischen Überlegungen bezüglich meines Seins. Der Blog ist mein Gedächtnis und mein Werkverzeichnis; er ist mein persönliches Medium. Und da ich ihn für mich persönlich führe, benutze ich auch das Wort „ICH“ darin sehr häufig

Ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mich über Kommentare freue, dass ich Diskussionen mag. Und ich müsste auch lügen, wenn ich nicht sagen würde, ich freue mich, wenn eine Zeichnung über mein Blog verkauft wird. Aber ginge es mir um den alleinigen Verkauf, müsste ich keine Texte dazu schreiben — – ich bräuchte bloß jeden Tag meine Zeichnung bloggen. Aber die Worte und die Kommunikation haben mich in ihren Bann gezogen – das nachlesen und wieder vorkramen alter Gedanken und Zeichnungen, das wiederaufnehmen und weiterentwickeln, das neu ordnen und wieder neue Aspekte finden….
Andreas sagte im Laufe der Diskussion, er brauche seinen Blog nicht, um professioneller zu wirken. Aber dazu brauche ich meinen Blog auch nicht. Ich brauche meinen Blog, weil er ein Teil von mir geworden ist. Andreas meint ebenfalls, Galeristen würde ein Blog abschrecken, auch das kann ich nicht ändern, dann können diese Galeristen, die Blögge nicht mögen und ich nicht zusammenarbeiten oder die Galeristen respektieren einfach meinen Blog. Das ist eine einfache Lösung. Und zum Schluss meinte Andreas, Gerhard Richter würde meine Zeichnungen mit meinem Blog wahrscheinlich nicht ernst nehmen. Mag sein, dass können aber weder ich noch Andreas beurteilen, denn wir stecken ja nicht in Herrn Richters Kopf. Und liebe Leser, auch das kann ich nicht ändern.

Aber ich kann Andreas Meinung respektieren. Dass wir unterschiedlicher Meinung sind heißt nicht, dass wir nicht gut zusammen arbeiten können, denn so lernen wir immer wieder die Dinge zu hinterfragen.

Nun kommen wir zur Subkultur, über die im Kunstportal Artcafe so fleißig diskutiert wird.
Ist mein Blog bloß ein Medium für mich, in dem ich mir und der Welt erzähle, wie toll ich bin?
Eine harte Frage, Leone aus dem Artcafe! Wie gerne würde ich sie mit dir und allen anderen persönlich diskutieren! Ich habe immer z.B. das Tacheles als Subkultur gesehen – daran gemessen, ist es doch toll, wenn der Blog eine Subkultur ist.

Was ist an meinem Blog anders als an einer Ausstellung? Einmal ist es natürlich sehr einfach, einen Blog zu eröffnen und seine geistigen Ergüsse zu veröffentlichen. Keiner hindert mich daran zu schreiben was ich will und wann ich will und wie lange ich will. Keiner hindert mich daran, die kleinste bis zur größten Zeichnung zu veröffentlichen.
Um eine gute Ausstellung zu erhalten, gilt es schon bestimmten Qualitätsanforderungen zu genügen!
Aber vielleicht können wir die Blögge mit den Ausstellungen vergleichen — es gibt Ausstellungen in der Zahnarztpraxis und in der Nationalgalerie und so gibt es gute und schlechte Blögge.

Über Facebook habe ich jetzt keine Lust mehr zu schreiben.

Und ich bin ich und meine Zeichnungen und mein Blog 🙂 🙂 :-).
Und ich bin mit Leib und Seele Zeichnerin, daraus resultiert -> kein Tag ohne Linie!
Ich zeichne, weil ich mir ein Leben ohne Zeichnung nicht vorstellen kann. Sie ist wie ein weiteres Sinnesorgan von mir und sie ist mein Ausdruck und meine Sprache mit der Umwelt!

Und ich kann auf meiner WII Fit eine halbe Stunde hintereinander Muskeltraining machen, Herr Richter — von wegen Expander — die sind aus der Mode gekommen!

Herr Richter schaut uns an - Zeichnung von Susanne Haun - 36 x 48 cm - Tusche auf Bütten

Herr Richter schaut uns an - Zeichnung von Susanne Haun - 36 x 48 cm - Tusche auf Bütten

Möchtet ihr weiter mit uns diskutieren, dann könnt ihr euch auf folgende Termine freuen:

30.05.2011: Frank Hess
06.06.2011: Helen Königs
13.06.2011: Roswitha Geisler
20.06.2011: Frank Koebsch

Vielleicht habt ihr auch Lust, die vergangenen Diskussionen nachzulesen:

Andreas Mattern
Ist es in der Kunst notwendig, seriell zu arbeiten
Julia Tepasse
Ist es in der Kunst wichtig, konzeptionell zu arbeiten?
Oliver Kohls
Braucht Kunst eine handwerkliche Grundlage?
Conny Niehoff
Sollte Kunst bezahlbar sein ?
Susanne Haun
„Wer oder was ist ein Künstler und warum?“

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