Susanne Haun

Ist Malerei ein Auslaufmodell? fragt Anna und was denkt Herr Richter? – Susanne Haun zeichnet

Posted in Berühmt, Betrachtungen zur Kunst, Marketing, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Mai 2011

Heute beginnt die 6. Blogparade. Ist Malerei ein Auslaufmodell? fragt Anna Schüler auf ihrem Blog

In einem Artikel der Zeit online über Klara Lidén, fand Sie den Satz
„…Lediglich um das Zeichnen und Malen scheint sie einen Bogen zu machen, und sie tut gut daran. Denn das klassische Arbeiten auf Papier und Leinwand gilt allgemein als ausgereizt, ja altmodisch.“
Ist die Malerei tatsächlich altmodisch, ein abgelaufenes Kunstmodell, ausgereizt?
Mittlerweile malt fast jeder. In Kursen kann man seine eigene Kunstwerke erstellen, die sich dann gut im Wohnzimmer machen. Leinwände und Farben gibt es bei Aldi oder Lidl zu Billigpreisen und tausende Freizeitkünstler drängen auf den Markt.
Täten wir also alle gut daran, nach neuen Ausdrucksformen zu suchen….?
Die Antworten schreibt bitte zur Diskussion ins Annas Blog.

Aus allen Beteiligten an der Diskussion ermittelt Anna zwei Gewinner, einmal für ihre Zeichnung und für ein Hahnemühle Überraschungspaket.

Die Frage gefällt mir ausgesprochen gut! Und es ist auch gut, dass ich gerade das Buch von Gerhard Richter in der Mangel habe. Hier nocheinmal die genauen Daten des Buches, ich kann es wirklich jedem empfehlen. Gerhard Richter, Text, ISBN 3-458-16560-6. Ich weiß, es ist vergriffen, ich habe mich auch durchgerungen, es zu kaufen. Hier der mein Beitrag zum Buchkauf.

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Aber das, was mich am meisten bewegte heute war das Resümé zu meiner Blogparade.

Heute hatten Andreas und ich den ersten „normalen Tag“ in unserem Atelier. Drei Wochen war Andreas auf Malkurse unterwegs und wir hatte keine Möglichkeit zur Diskussion und zum Gespräch.

Wie sehr uns dieser Austausch gefehlt hat!

Unsere Themen waren die vergangene Blogparade, mein Blog an sich, die Subkultur, Facebook und unser aller Zeit beliebtes Thema „Wer sind wir und warum?“.

Als erstes habe ich in zwei meiner Kommentare Kritik von Andreas erhalten, die ich auch gerne annehme. Ich nehme Kritik an, wenn ich sie berechtigt finde und wenn ich denke, ich hätte etwas besser machen können.
Mein Kommentar zu Zerocools Statement „Künstler sind die Huren des Kapitals…„ war ziemlich bescheuert. In dem Satz steckt so viel Zündstoff, und ich schreibe nichts anderes als, schön dich zu sehen, Zero. Das stimmt auch, denn es war das erste Mal, dass Zero sich in meinem Blog zu Wort meldete. Trotzdem werde ich auf den Kommentar in den nächsten Tagen näher eingehen und nicht jetzt.

Zum zweiten geht es um meinen Kommentar zu einem Artikel in Wlokas Blog, wo Andreas meinte, ich brauche auch nicht zu allem etwas schreiben…. ja, ja, gleich gesagte Worte sind etwas anderes als gleichgeschriebene Worte…… Auch zu diesem Kommentar gehe ich in einem der nächsten Tage näher ein.

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Herr Richter schaut uns an - Entstehung Zeichnung von Susanne Haun

Als ich vor zwei Jahren mit dem bloggen begann, wusste ich noch nicht, wie sehr es mir in Fleisch und Blut übergehen und wie sehr es ein Teil von mir werden würde. Andreas und ich sind hier unterschiedlicher Auffassung. Der Blog ist über die Jahre ein Teil meiner Kunst geworden, meine Plattform für meine Gedanken, für meine Zeichnungen und auch für meine zum Teil philosophischen Überlegungen bezüglich meines Seins. Der Blog ist mein Gedächtnis und mein Werkverzeichnis; er ist mein persönliches Medium. Und da ich ihn für mich persönlich führe, benutze ich auch das Wort „ICH“ darin sehr häufig

Ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mich über Kommentare freue, dass ich Diskussionen mag. Und ich müsste auch lügen, wenn ich nicht sagen würde, ich freue mich, wenn eine Zeichnung über mein Blog verkauft wird. Aber ginge es mir um den alleinigen Verkauf, müsste ich keine Texte dazu schreiben — – ich bräuchte bloß jeden Tag meine Zeichnung bloggen. Aber die Worte und die Kommunikation haben mich in ihren Bann gezogen – das nachlesen und wieder vorkramen alter Gedanken und Zeichnungen, das wiederaufnehmen und weiterentwickeln, das neu ordnen und wieder neue Aspekte finden….
Andreas sagte im Laufe der Diskussion, er brauche seinen Blog nicht, um professioneller zu wirken. Aber dazu brauche ich meinen Blog auch nicht. Ich brauche meinen Blog, weil er ein Teil von mir geworden ist. Andreas meint ebenfalls, Galeristen würde ein Blog abschrecken, auch das kann ich nicht ändern, dann können diese Galeristen, die Blögge nicht mögen und ich nicht zusammenarbeiten oder die Galeristen respektieren einfach meinen Blog. Das ist eine einfache Lösung. Und zum Schluss meinte Andreas, Gerhard Richter würde meine Zeichnungen mit meinem Blog wahrscheinlich nicht ernst nehmen. Mag sein, dass können aber weder ich noch Andreas beurteilen, denn wir stecken ja nicht in Herrn Richters Kopf. Und liebe Leser, auch das kann ich nicht ändern.

Aber ich kann Andreas Meinung respektieren. Dass wir unterschiedlicher Meinung sind heißt nicht, dass wir nicht gut zusammen arbeiten können, denn so lernen wir immer wieder die Dinge zu hinterfragen.

Nun kommen wir zur Subkultur, über die im Kunstportal Artcafe so fleißig diskutiert wird.
Ist mein Blog bloß ein Medium für mich, in dem ich mir und der Welt erzähle, wie toll ich bin?
Eine harte Frage, Leone aus dem Artcafe! Wie gerne würde ich sie mit dir und allen anderen persönlich diskutieren! Ich habe immer z.B. das Tacheles als Subkultur gesehen – daran gemessen, ist es doch toll, wenn der Blog eine Subkultur ist.

Was ist an meinem Blog anders als an einer Ausstellung? Einmal ist es natürlich sehr einfach, einen Blog zu eröffnen und seine geistigen Ergüsse zu veröffentlichen. Keiner hindert mich daran zu schreiben was ich will und wann ich will und wie lange ich will. Keiner hindert mich daran, die kleinste bis zur größten Zeichnung zu veröffentlichen.
Um eine gute Ausstellung zu erhalten, gilt es schon bestimmten Qualitätsanforderungen zu genügen!
Aber vielleicht können wir die Blögge mit den Ausstellungen vergleichen — es gibt Ausstellungen in der Zahnarztpraxis und in der Nationalgalerie und so gibt es gute und schlechte Blögge.

Über Facebook habe ich jetzt keine Lust mehr zu schreiben.

Und ich bin ich und meine Zeichnungen und mein Blog 🙂 🙂 :-).
Und ich bin mit Leib und Seele Zeichnerin, daraus resultiert -> kein Tag ohne Linie!
Ich zeichne, weil ich mir ein Leben ohne Zeichnung nicht vorstellen kann. Sie ist wie ein weiteres Sinnesorgan von mir und sie ist mein Ausdruck und meine Sprache mit der Umwelt!

Und ich kann auf meiner WII Fit eine halbe Stunde hintereinander Muskeltraining machen, Herr Richter — von wegen Expander — die sind aus der Mode gekommen!

Herr Richter schaut uns an - Zeichnung von Susanne Haun - 36 x 48 cm - Tusche auf Bütten

Herr Richter schaut uns an - Zeichnung von Susanne Haun - 36 x 48 cm - Tusche auf Bütten

Möchtet ihr weiter mit uns diskutieren, dann könnt ihr euch auf folgende Termine freuen:

30.05.2011: Frank Hess
06.06.2011: Helen Königs
13.06.2011: Roswitha Geisler
20.06.2011: Frank Koebsch

Vielleicht habt ihr auch Lust, die vergangenen Diskussionen nachzulesen:

Andreas Mattern
Ist es in der Kunst notwendig, seriell zu arbeiten
Julia Tepasse
Ist es in der Kunst wichtig, konzeptionell zu arbeiten?
Oliver Kohls
Braucht Kunst eine handwerkliche Grundlage?
Conny Niehoff
Sollte Kunst bezahlbar sein ?
Susanne Haun
„Wer oder was ist ein Künstler und warum?“

13 Antworten

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  1. andreas mattern said, on 23. Mai 2011 at 17:21

    liebe susanne,

    guter text:-) nur das mit herrn richter meinte ich so, dass ich mir die frage stelle ob seine arbeiten noch ernst genommen werden oder genauso ernst und „wichtig“, wenn herr richter einen blog hätte?

    lg, andreas

    • susannehaun said, on 23. Mai 2011 at 19:41

      Ach, Andreas, du meintest nicht, dass Herr Richter jeden Tag meinen Blog liest 🙂 (Spaß!!!!)

      Ich denke, wenn es Blögge zu Richters Zeiten gegeben hätte – er hätte sie sicher genutzt!
      Aber das ist die pure Spekulation, die ich auf seine Bücher gründe ……….. aber wer weiß schon, was in den Köpfen der anderen vor sich geht!

      LG Susanne!

  2. Helga Berger said, on 23. Mai 2011 at 17:31

    Liebe Susanne Haun mache weiter so es ist Dein Weg Kritik ist zwar immer gut ,aber folge Deinen Gefühlen .Zeichnen ist das ehrlichste es kommt von innen Deine Hände führen nur aus .Gerhard Richter ist in einer anderen Zeit groß geworden ,er wundert sich selbst darüber wenn seine Bilder so horende Summen erreichen.Ich habe drei Bücher von ihm
    er ist gut aber unser Herbert Brandl genau so.Ich lese sehr gerne in Deinem Blog und freue mich immer wenn auch ich einige Worte schreiben darf .Liebe Grüße aus Österreich
    Helga.

    • susannehaun said, on 23. Mai 2011 at 19:33

      Liebe Helga Berger, ja, das ist es auch, die Bilder von uns, ob von Richter, Brandl oder auch von mir können nur in der jeweiligen Zeit entstehen in der wir auch leben….
      das ist ja die Authentizität von der wir reden und das ist die „andere Zeit“ von der du redest, Helga!
      Schön, dass du gerne in meinem Blog liest! Das freut mich!
      Liebe Grüße aus Berlin sendet dir Susanne

  3. Reiner Zufall said, on 24. Mai 2011 at 07:13

    Herr Richter kann tun und lassen was immer er will.

    Siehe:

    Das verbotene Interview

    • susannehaun said, on 24. Mai 2011 at 07:30

      Ohne das Interview gelesen zu haben, Reiner, spontan geantwortet, jeder Mensch kann tun und lassen was er will, solange es den ethischen Grundsätzen der Menschen entspricht! Gruß Susanne

    • susannehaun said, on 24. Mai 2011 at 07:40

      Ein toller Link, Reiner, danke, ich kannte das Interview in teilen schon ….. aber auf dem link gibt es ja von so vielen interviews…… da habe ich noch lange zu lesen …….

  4. Reiner Zufall said, on 24. Mai 2011 at 10:09

    Ich meinte, Herr Richter kann tun, was immer erwill, seine Arbeiten werden wohl immer ernst genommen – Blog oder nicht Blog, spielt in dieser Region alles keine Rolle.

    Außerdem gilt die Regel, dass es keine Regeln gibt.

    „Everything goes!“

    Freut mich, dass dir der Link gefällt. Ich fand die Seite auch ganz irre!

  5. Jürgen Küster said, on 24. Mai 2011 at 16:15

    Hallo Susanne!

    Ich benötigte einen Tag zum Nachdenken über das, was Du geschrieben hast.
    In Deinem post beziehst Du Stellung und versuchst – wahrscheinlich zum x-tenmale – selbstkritische Deine Postion zu hinterfragen und zu beschreiben. Und mit dem Ergebnis stabilisierst Du Dich selbst, Deine künstlerische Position ist Dir klar geworden. Dieses Vorgehen finde ich sehr gut und es bringt Dich auch weiter – glaube ich. Dies alles verlangst sehr viel innerer Sicherheit – die hast Du.Toll!
    Ich glaube, es gibt nur die Ganzheitlichkeit von Werk und Person. Bei Dir kann ich sie erkennen.

    Gruß Jürgen

    • susannehaun said, on 24. Mai 2011 at 18:37

      Ja, Jürgen, genauso ist es. Ich kann mich schriftlich sehr gut ordnen.
      Danke für deine Komplimente, Gruß Susanne

  6. phil leicht said, on 25. Mai 2011 at 11:59

    Ein Kunstwerk lebt von Informationen!
    Gut, diese Meinung ist meine ureigene – so habe ich früher Bilder gekauft, Künstler ausgewählt mit denen ich zusammen gearbeitet habe und pflege es auch in meine eigene Kunst ein!
    Des Weiteren bin ich der Meinung, dass wenn man sich öffnet besser verstanden wird! In diesem Sinne empfinde ich Deinen Blog und die damit verbundene Aktivitäten gut! Wichtig ist dabei, dass man es zum einem für sich macht und es nicht erzwungen ist! Ich glaube, dies trifft auf deinen Blog zu und dies macht ihn aus! Kurz gesagt, lass dich nicht beirren

    • susannehaun said, on 25. Mai 2011 at 19:08

      Danke, Phil. Ja, der Blog bin auf jeden Fall ich und natürlich schreibe ich gerne und ich denke auch, dass man besser verstanden wird, wenn man unverblümt seine Gedanken frei gibt. Das mache ich ja schon mit den Zeichnungen. Und ich ordne mich selber. Durch die Fragen der Blogparade gibt es soviel zu ordnen,dass ich gar nicht hinterher komme. Ich hänge noch bei den ersten Fragen, da kommt schon die nächste. Eine Woche reicht mir gar nicht, um alles zu bedenken und nachzulesen und und und …. lg Susanne


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