Susanne Haun

Ein Kinderportrait – Kunsthistorisch und in Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 2. Februar 2018

 

 

Anfang Januar musste ich schmunzeln.

Ich bekam einen Auftrag für ein Kinderportrait und arbeite gleichzeitig seit Semesterbeginn kunsthistorischen am Gemälde  „Knabe mit Kinderzeichnung“ von Giovanni Francesco Caroto.

Ein Portrait-Auftrag birgt immer ein großes Streßpotential, die Vorstellungen von Auftraggeber*in, vom Porträtierten und von der Künstlerin sollten zusammenfinden. Keine leichte Aufgabe.

Ich erstelle in der Regel 4 Portraits und die Auftraggeber*in kann frei wählen. Der Knackpunkt bei diesem Auftrag war, dass ich nur eine Woche Zeit hatte, das Portrait sollte zum Geburtstag der Mutter des Kindes verschenkt werden.

Grund für die Auftragerteilung war der Katalog „Kunst trifft Gesundheit 2017“ zur Ausstellungsserie der AOK Nordost des vergangenen Jahres. Ich war mit 12 Leinwänden vertreten. Online könnt ihr den Katalog hier (klick) sehen. Der Auftraggeberin ging das Portrait der Zopfflechterin (S. 43) nicht aus dem Kopf und sie wollte ihre Enkelin gerne ebenso bewegt von mir dargestellt wissen.

Das von der Auftraggeberin gewählte Portrait zeige ich hier nicht, meine Auftraggeberin bat darum, es nicht zu zeigen und auch die restlichen, bei mir verbleibenden Portraits nicht mit dem Namen des Kindes zu veröffentlichen.

Zum Abschluss noch ein Zitat von Jennifer Fletcher aus dem Katalog  Renaissance faces: Van Eyck to Titian.

„Die Hauptfunktion von Kinderbildnissen in der Frühen Neuzeit war, über Gesundheit, Größe und Ähnlichkeit des Kindes andere weit entfernten Verwandte zu informieren. Die Porträtisten wussten, dass das Kinder in ihrer Bewegung und Rastlosigkeit eine besondere Herausforderung waren, aber ein gelungenes Kinderporträt sich auch positiv auf ihre Laufbahn auswirkte.“¹

 

Was ist wohl heute die Funktion einer Portraitzeichnung? Und wirkt sie sich auch heute noch postiv auf meine Laufbahn aus 😉 ?

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¹Fletcher, Jennifer, The Renaissance Portrait: Functions, Uses, Display, in: Campbell, Lorne (Hrsg.), Renaissance faces: Van Eyck to Titian, London 2008, S. 50 – 51.

 

Portraitauftrag Volker – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 6. August 2015

Vor einiger Zeit schon beauftragte mich Volker aus Kiel ein Portrait von ihm zu zeichnen.

Volker Bild 1, 34 x 24 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Volker Bild 1, 34 x 24 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Ich zeichne Portraits von Angesicht zu Angesicht. Ich sitze auf der einen Seite des Tischs mit meiner Tusche, Feder und dem Büttenpapier und der Portraitkunde auf der anderen Seite.

Um den Streß aus dem Auftrag zu nehmen, erstelle ich in der ganztätigen Sitzung 3 bis 4 Zeichnungen. Die Portraitkundin / der -kunde sucht mindestens 1 Zeichnung aus, natürlich kann sie / er auch mehrere Zeichnungen kaufen. Die restlichen Zeichnungen, die die Kundin / der Kunde nicht kauft, kann ich ausstellen und auch verkaufen ganz wie es mir beliebt.

Bei den ersten beiden Zeichnungen habe ich Volker gezeichnet, wie ich ihn sehe. Dabei muß er nicht still sitzen. Mir ist es wichtig, dass er sich bewegt, mir etwas erzählt und sich so wie immer verhält. Denn ein Portrait fängt nicht nur das Äußere sondern auch das Innere ein. Das Innere erhalte ich von keinem Foto! Da brauche ich die Lebendigkeit.

 

 Volker Bild 1, 40 x 30 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Volker Bild 1, 40 x 30 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Vor dem dritten und viertem Portrait hat Volker mir erzählt, wie er sich sieht und ich bat ihn, in bestimmten Haltungen, die er immer wieder einnahm, einzufrieren. Das heisst, 20 Minuten still zu sitzen. Das fand Volker wiederum sehr anstrengend aber es hat sich gelohnt.

Volker hat alle vier Portraits des Tages gekauft.

 

Volker und seine Portraits (c) Foto von Susanne Haun

Volker und seine Portraits (c) Foto von Susanne Haun

 

Ich mag diese Art der Arbeit. Ich kenne viele Künstler, die grundsätzlich keine Auftragsarbeiten annehmen. Ich empfinde jeden Auftrag als Herausforderung und nicht als Zwang. Die Aufträge inspirieren mich und ich lerne meine Gegenüber bei der Arbeit kennen und ich mag es, Charakterzüge darzustellen.

 

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