Susanne Haun

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 200 – Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg)

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 16. Juli 2017

 

„Wer unglücklich in der jetzigen Welt ist,

wer nicht findet, was er sucht –

der gehe in die Bücher- und Künstlerwelt –

in die Natur – diese ewige Antike

und Moderne zugleich …“

Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg), Fragmente und Studien IX 890

 

Trauminsel – 70 x 100 cm – Tusche auf Büttenpapier (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

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Zitiert nach: Heilmann, Christoph (Hrsg.), „In uns selbst liegt Italien“, Die Kunst der Deutsch-Römer, München 1987, S.11.

Gedanken und zeichnerische Notizen zur Langeweile – Susanne Haun

Posted in Kunstgeschichte, Langeweile, Philosophie, Zeichnung by Susanne Haun on 11. Juli 2016

An der Uni habe ich den Text Boredom and Art: Passions Of The Will To Boredom von Julian Jason Haladyn² kennengelernt.

Detail Leinwand Hat meine Gedanken gelöscht (c) Susanne Haun

Detail Leinwand Hat meine Gedanken gelöscht (c) Susanne Haun

Schon die Einleitung hat mich zum Nachdenken angeregt.

Nach Lektüre des Texts, habe ich mich als erstes gefragt, welche Vorstellung Julian Jason Haladyn von Langeweile hat und ob diese sich mit meiner Vorstellung von Langeweile deckt.

Unter Langeweile verstehe ich ein Subjekt, dass nicht weiß, wie es seine Zeit verbringen soll. Ich verstehe unter Langeweile nicht das körperliche Nichtstun und Denken, was sehr anregend sein kann.

Langeweile wird im Duden als unangenehm, lästig empfundenes Gefühl des Nicht-ausgefüllt-Seins, der Eintönigkeit, Ödheit, das aus Mangel an Abwechslung, Anregung, Unterhaltung, an interessanter, reizvoller Beschäftigung entsteht, beschrieben.

Auf diese Definition greift Halady gleich am Anfang seines Texts zurück.

Halady beschreibt Langeweile als elitär. Er zitiert Benjamin, der die Langeweile als spezifisch modernes Phänomen beschreibt.

Langeweile befällt alle Klassen und die Langeweile einer Hausfrau, eines Fabrikarbeiters ist nicht weniger bedeutsam als die eines Politikers oder Philosophen. Das Leiden kann an individuellen Attributen oder sozialen Problemen innerhalb der Gesellschaft liegen. Langeweile entsteht aus der Beziehung zwischen dem Subjekt und der Welt. Halady stellt eine Verbindung zwischen der Industrialisierung und der Langeweile der konsumierenden Kultur her. Scheinbar wird die Langeweile mit der Erfüllung unserer Konsumwünsche bekämpft. Ich finde die Erkenntnis Haladys, dass die Langeweile eine Herausforderung der gelebten Sinnlosigkeit der Existenz ist, sehr interessant und nachdenkenswert. Ich verstehe nicht, was Halady damit meint, dass die Langeweile aktiv verwendet werden soll, um das Interesse der Menschen in Frage zu stellen.

Die Vorstellung von Langeweile soll als positive Erfahrung gesehen werden, als bewusster oder unbewusster und wissentlicher oder unwissentlicher ästhetischer Zustand der Moderne.

Leider ist mir aus der zur Verfügung gestellten Einleitung des Buchs nicht klargeworden, wie ich das  Kunstwerk in Zusammenhang mit der Langeweile zu betrachten habe.  Soll das Werk die Langeweile hervorrufen, die das Subjekt bewusst in Zeiten der Reizüberflutung zur Erholung benötigt?

Ich bin gespannt auf die Sitzung am Mittwoch.

Meine Überlegungen, wie ich eine Zeichnung zum Thema Langeweile gestalte, sind noch im Entwicklungsstadium. Gut passen meine Zeichnungen zum Thema Dämonen zur Langeweile.

 

 

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Haladyn, Julian Jason. Boredom and Art: Passions Of The Will To Boredom, Winchester u. Washington 2015, S. 1 – 5.

Bericht vom 2. KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun – Thema: Ichfindung und Identitätsbildung

Posted in Salon by Susanne Haun on 14. Mai 2014

Gestern fand mein 2. KunstSalon am Dienstag zum Thema „Ichfindung und Identitätsbildung – Das Ich im Laufe der Moderne und Postmoderne“ statt.

Katja und Laura vom Blog aboutsomething führten uns durch das Thema. Herzlichen Dank an beide für ihre sehr guten Ausführungen, die uns zur Diskussion anregten.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Katja stellte die Grundfragen der Identität und Individualisierung aus Sicht der Soziologie vor:

Ihre Quelle war dabei:
Heinz Abels, Identität – Lehrbuch, 2. üb. erw. Aufl. 2010, Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden

„Grundfragen der Soziologie im Hinblick auf das Individuum im Verhältnis zu sich:

• Wie ist die Vorstellung des Menschen, ein Individuum zu sein, entstanden?
• Welcher Anspruch hat sich aus dieser Vorstellung ergeben?
• Wie sehen die gesellschaftlichen Bedingungen in der fortgeschrittenen Moderne aus?
• Was ist Identität? – Wie bin ich geworden, was ich bin (Entwicklung des Selbst)? Wer will ich sein (Ich – Es)? Was tue ich (Handlungen)?
Wie sehen mich die Anderen (Ich –  Gesellschaft, der Spiegel)?“

Identität – Individualität – Das Ich – Das Selbst

Wir haben viel diskutiert und ich möchte euch einige „Schlagwörter“ aus der Diskussion benennen.

Inszenieren wir unser Ich? Lassen wir die unliebsamen Elemente unseres Ich weg?
Stellen wir uns die Fragen in Bezug auf unsere Blogs, ist uns allen wichtig, authentisch in unseren Berichten zu sein. Je nach Thema fliesst dort unser ich mehr oder weniger ein. Aber alle lassen wir im Blog teile unseres Lebens außen vor. Wir gewähren dem Leser oder Rezipienten immer nur Einblick auf einen Teil unseres Ichs.

Je nachdem, in welchen Kreisen wir uns befinden, sind wir eine andere Persönlichkeit, angemessen an unseren Gegenüber.
Ist das Ehrlichkeit? Was ist Ehrlichkeit in Bezug auf unserem Blog auf unserem Leben? Ist Weglassen schon Lüge?
Gibt es ein Ich? Als wieviel empfindet man sich von dem, wie andere in einen selber sehen? Wer bin ich in der Gesellschaft? Gibt es noch die Klassen-Gesellschaft?

Wir haben überlegt, ob es zum Mensch sein dazu gehört, sich darzustellen, ob das das ist, was wir Kommunikation nennen! Ist die Identität ein Aspekt der Sprache? Wie können wir eine Identität zeigen, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen? Kommen wir dann zur Performance?

Und gibt es das Andersartige? Ist das Andersartige nicht im Normalen zu finden?

In wie weit gehört die Erinnerung zu unserem ich und in wie weit ist unsere Erinnerung stimmig oder ändert sich im laufe der Zeit. Hier spielt auch die Wahrnehmung eine Rolle. Jeder nimmt uns anders wahr und wir nehmen uns auch nicht immer so wahr, wie die anderen uns sehen. Auf dem Markt wird Biografiearbeit angeboten, hier erfährt der „Kunde“, in wie weit seine Erinnerungen real sind.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Susanne Haun

Laura hat uns im zweiten Teil des Abends Künstler-Selbstportraits gezeigt: Dürer, Munch, Shermann, Ulrichs …
In Zusammenhang mit Banksy sprachen für über den Künstlermythos. Bansky inszeniert seine eigene Identität. Wer ist Cindy Sherman, sie löst sich in ihren dargestellten Rollen auf!

Sind die Selbstbildnisse der Künstler Ausdruck ihres Ichs oder ihrer Ich – Findung bzw. Suche? Ist es nur das preiswerte Modell, was uns Künstler dazu bewegt, Selbstbildnisse zu gestalten? Ich werde in einem gesonderten Beitrag auf diese Fragen eingehen.

Wir stellen fest, dass wir die Identität leider nicht aus biologischer Sicht beleuchtet haben, wir haben uns geisteswissenschaftlich mit dem Ich auseinandergesetzt.

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Laura

Salon zum Thema Ichfindung (c) Foto von Laura

Als Abschluss diskutierten wir gemeinsam einen Ausschnitt aus dem Film „Being John Malkovich“ und fragten uns, in welchen Filmen noch die Identität ein Thema ist.

Die Frage der Menschheit nach dem Selbst ist eine der großen Fragen, die auf der gesamten Welt diskutiert wird.

So habe ich euch in Kürze einen Abriß unseres gestrigen Abends gegeben und möchte mit einem Zitat, dass uns Katja aus dem Buch von Heinz Abels herausgesucht hat, schliessen:

„Individualität meint einerseits das Bewusstsein des Menschen von seiner Besonderheit und das Bedürfnis, diese Einzigartigkeit auch zum Ausdruck zu bringen, und andererseits die von ihm selbst und den Anderen objektiv festgestellte Besonderheit und Einzigartigkeit.“

Hier auf diesen Link findet ihr alle Artikel zum Thema „KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun“.
Der Abend findet in lockerer Atmosphäre statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 16 Leute begrenzt. Gerne sende ich euch Einladungen zu den Abenden zu. Sendet mir einfach auf info@susannehaun.de eine Mail mit Betreff „Salon“.

Der nächste Salon findet am 2. September statt. Geplant ist das Thema „Kränkung“.

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