Susanne Haun

Niccolò Pisano – Bildhauer und Architekt in Siena und Pisa – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Foto, Kunstgeschichte, Toskana, Vinci, Zeichnung by Susanne Haun on 31. Oktober 2014

Ich mag es, wenn sich Kreise schließen.

Als wir den Dom in Pisa und den in Siena besuchten, fielen uns besonders die figurenlastigen Kanzeln auf. Ich skizzierte einen der Löwen und einige Figuren der Kanzel in Siena.

 

Kanzel von Pisano (c) Zeichnung von Susanne Haun

Kanzel von Pisano (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Letzten Mittwoch sprachen wir in der Vorlesung „Skulpturen im Mittelalter“ genau über diese beiden Kanzeln. Inzwischen habe ich mir ein kleines 10“ notebook gekauft, das ich mit zur Uni nehme und schreibe nicht mehr wie herkömlich meine Mitschriften mit Füller auf Papier sondern tippe sehr schnell das gesagte mit! Darüber freue ich mich sehr, denn nun habe ich endlich wohl strukturierte Mitschriften – jedenfalls so strukturiert wie der jeweilige DozentIn redet.

 

 

Niccolò Pisano – Bildhauer und Architekt in Siena und Pisa

Pisa Kanzel:
oktonale Form – Mitte des 13. Jahrhunderts, 100 Jahre nachdem der Bau begonnen wurde, fertiggestellt.
Vollendungsdatum im Brüstungsrelief: 1259
Der gelehrter Künstler / Doktor
Weißer Carara Marmor
Ästhetik des Materials – verschiedene Marmorarten
Partiell Vergoldet – Glas in den Reliefs

 

Kanzel im Dom von Siena von Nicola Pisano (c) Foto von M.Fanke

Kanzel im Dom von Siena von Nicola Pisano (c) Foto von M.Fanke

 

Aufgabe der Kanzel
– seit frühchristliche, islamische Zeit
– Lesungen wurden von den Kanzeln (keine Predigten) gesprochen
– Waren zuerst mobile Holzkanzeln (in der Hagia Sofia stand auch eine Kanzel)
– Ambo in Rom
– Kanzeln hatten zuerst einen rechteckigen Grundriss
– In Zisterzienserklöster haben Kanzeln von der Art Pisanis keine Rolle gespielt
– Pistoia Kanzel ist vorab nennenswert
– Bei der Findung von Teilen von Kanzeln ist es schwierig eine Zuordnung zu machen, da die Teile auch zu Sarkophagen gehören könnten
– Sechseckiger Grundriss: Warum polygonal? Frage ob Pisani es dem Raum und dem achteckigen Taufbecken von Guido Bigareli da Como (1246) angepasst hat.
– Es gibt keine leere Flächen
– Elemente: Säulen, Deckplatten, Löwen – symbolische Bedeutung ist noch nicht deutlich geworden.
– Johannes ist der Adler, (aus dem Wort wart Fleisch) “Im Anfang war das Wort …. ”
– In den Zwickeln der Bögen sitzen Propheten auch König David (Attribut Krone)
– Eckstatuetten Erzengel Michael …
– Fides – Tugenden in den Ecke ….
– Fortitudo: Antike spielt eine große Rolle . Ausgearbeiteter Körper, das ist ein Bruch mit der Formensprache von Antelami, hier bricht Pisani mit der Formentradition – großes Minenspiel
– Reliefs (Beispiele): Verkündigung, Geburt Christie, Waschung , Anbetung der Könige, Darbietung der Geschenke der Könige, Kreuzigung, Christus als Weltenrichter, das Jüngste Gericht — Bei den Figuren des jüngsten Gerichts konnten die damaligen Künstler ihre Fantasie zeigen, das Böse hatte keine traditionelle Formensprache – Pisani stellt die Hölle schon um 1250 dar…..
– Pisano legt einen enormen Wert auf die Gesichter (Teil der neuen Formsprache)
– Es wurde nach Anzahl der Figuren bezahlt … also ist Pisa eine besonders reiche Stiftung
– Der Salamander im Jüngsten Gericht Relief: Wie kommt ein Salamander in die Hölle? Es ist ein Untier lt. Aristoteles, der in die Hölle kommt, die Eidechse ist wie ein Wurm oder eine Schlange ….
– Physiologus für die Tiere schauen (Sonneneidechse)

 

Dom von Siena (c) Foto von M.Fanke

Dom von Siena (c) Foto von M.Fanke

 

Der Composanto auf dem Campo dei Miracoli von Pisa – Susanne Haun

Posted in Christliche Ikonographie, Foto, Kunstgeschichte, Toskana, Vinci by Susanne Haun on 9. Oktober 2014

Auf dem Camposanto (Friedhof) von Pisa verirren sich nur sehr wenige Touristen, so dass uns dort eine wohltuende Ruhe umschließt.

im Inneren des Camposanto auf dem Campo dei Miracoli (c) Foto von Susanne Haun

im Inneren des Camposanto auf dem Campo dei Miracoli (c) Foto von Susanne Haun

Die monumentalen Freskenzyklen, die einstmals die Wandelgänge geschmückt haben, sind leider der Bombardierung der Amerikaner zum Ende des 2. Weltkrieges zum Opfer gefallen. Nur der von Buffalmacco gemalte „Triumph des Todes“ überstand das Bombardement so, dass er zu großen Teilen restauriert werden konnte. Buffalmaccos Fresken entstanden unter dem Eindruck der Pest von 1348.

Detail aus Buffalmaccos gemalter -Triumph des Todes- (c) Foto von Susanne Haun

Detail aus Buffalmaccos gemalter -Triumph des Todes- (c) Foto von Susanne Haun

Ich finde die Darstellung sehr faszinierend, die Seelen werden wie Menschen dargestellt, die aus den Mündern der Toten kommen. Auf der einen Seite werden die Seelen von Engeln abgeholt und kommen sie in den Himmel und auf der anderen Seite ist der Teufel in Form eines Wesens mit Busen und Hörnern dargestellt, der die Seelen in die Hölle holt.

Die alten Grabplatten und Sarkophage sind reich mit Engeln und Totenköpfen verziert. Manche davon habe ich so oft in Büchern gesehen, dass sie mich wie alte Bekannte begrüßen. Den Mathematiker Fibonacchi kennen viele von Dan Browns Roman Sakrileg.

Camposanto - Pisa (c) Zeichnung von Susanne Haun

Camposanto – Pisa (c) Zeichnung von Susanne Haun

Die Stadtmauer spart hinter dem Composanto für die toten Juden ein kleines Viereck aus – den Cimitero Ebraico, auf dem die Juden ihre Toten bestatten konnten. Man wollte die Juden nicht in der Stadt begraben konnte sie aber auch nicht vom Friedhof ausschließen.

Der schiefe Turm von Pisa – Susanne Haun

Posted in Christliche Ikonographie, Engel, Foto, Kunstgeschichte, Toskana, Vinci, Zeichnung by Susanne Haun on 8. Oktober 2014

Die Mehrzahl der Touristen scheint nur nach Pisa zu reisen, um dort ein Foto von sich und dem schiefen Turm zu fotografieren.

Detail des schiefen Turms von Pisa (c) Foto von Susanne Haun

Detail des schiefen Turms von Pisa (c) Foto von Susanne Haun

Pisa besitzt auch eindrucksvolle Wassertürme (c) Foto von Susanne Haun

Pisa besitzt auch eindrucksvolle Wassertürme (c) Foto von Susanne Haun

Ein Gewirr aus Menschen belagert den Turm und auch ich kann nicht widerstehen und lasse mich in Schräglage vor dem Turm fotografieren.

Vor mehr als 400 Jahren erkundete Galilei die Gesetze vom freien Fall von der Plattform des schiefen Turms.

Die Besteigung des Turms sparen wir uns schon aufgrund der langen Wartezeit und des Eintrittspreises von 18 Euro pro Person. Mich reizt vielmehr der Camposanto (Friedhof), das Battistero (Taufkirche) und der Duomo Santa Maria Assunta (romanische Kathedrale) auf dem Campo die Miracoli.

Früher durften nur Getaufte ein christliches Gotteshaus betreten. So gab es vor jedem Dom einen Battistero, damit die Ungläubigen getauft werden konnten. Im inneren des Duomo Santa Maria Assunta befindet sich eine Kanzel von Nicola Pisanos, es ist die erste von vier Kanzeln, die er schuf und die in verschiedenen Domen in der Toskana zu sehen sind. Die Reliefs sind sehr beeindruckend und ich nehme mir einmal mehr vor, „Bibelfester“ zu werden, damit ich das Figurenprogramm der Kirchen verstehe.

Battistero des Duome Santa Maria Assunta in Pisa (c) Foto von Susanne Haun

Battistero des Duome Santa Maria Assunta in Pisa (c) Foto von Susanne Haun

Es sind Kleinigkeiten, die damals die Besucher der Gotteshäuser wussten, wie z.B. dass Petrus den Schlüssel für den Himmel von Jesus erhält und dass Petrus deshalb oft an dem Schlüssel zu erkennen ist.

Mir fallen am Dom einige Figuren auf. So auch der Adler, der rechts an der unteren Seite des oberen Giebels sitzt. Durch mein 250 mm Teleobjektiv kann ich die Figuren des Doms in aller Ruhe betrachten. So ist mein neues Objektiv vom Fotoapparat auch zugleich Fernglas.

Duomo Santa Maria Assunta (c) Zeichnung von Susanne Haun

Duomo Santa Maria Assunta (c) Zeichnung von Susanne Haun

Im Band 1 des Lexikons der christlichen Ikonographie finde ich sogar die Bedeutung des Adlers am Campanile in Pisa, der hier nicht mein Motiv war.² Leider steht zum Adler am Dom selber keine Deutung im Buch.

Der Adler wird in der Bibel in vielen Bildern erwähnt und hat viele Bedeutungen:
1. Als Symbol Christi
2. Symbol der Auferstehungshoffnung des Christen
3. Symbol des Gläubigen
4. Symbol des Teufels
5. Symbol von Tugend und Laster
6. Illustrationen zum Physiologus und zu Bibelstellen

Da der Adler einen Heiligenschein besitzt, vermute ich, dass er in diesem Fall als Symbol Chrisi gesehen werden kann. Es ist also selbst mit Lexikon nicht einfach, das Figurenprogramm des Duomos zu ergründen.

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²Kirschbaum, Engelbert (Hrsg), Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg im Breisgau 1968, S.70 – 76, Allgemeine Ikonographie A – Ezechiel, Erster Band

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