Susanne Haun

Wirklich keinen Stolz? Wohnungslos oder Berber?

Posted in Projekt Obdachlos, Querbruch-Obdachlos, Zeichnung by Susanne Haun on 28. September 2018

 

Im Zelt - Obdachlos - 30 x 40 cm - Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

Im Zelt – Obdachlos – 30 x 40 cm – Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

 

Als erstes kaufte ich mir einige Bücher, um mich über das Thema Obdachlosigkeit zu informieren.

Beim Googeln fand ich zuerst das Buch von Richard Brox, Kein Dach über dem Leben. Richard Brox ist durch sein Buch und seinen Blog http://ohnewohnung-wasnun.blospot.com/ in Deutschland bekannt geworden.

Sein Buch habe ich mit Interesse gelesen und einiges über die Obdachlosigkeit erfahren. Ich habe großen Respekt und Hochachtung vor seiner Leistung, die er innerhalb seiner Möglichkeiten erbrachte.

 

Ich denke besonders über Richard Brox Umgang mit Frauen, der im Buch durchklingt, nach. Ich kann mir gut vorstellen, wie gut es tut, eine Weile seßhaft zu sein und bei einer Frau zu wohnen. Ich vermute, jede der Frauen, bei denen Richard Brox lebte, hatte die Hoffnung, er würde bleiben. Ich glaube auch, dass Herr Brox nicht verschwiegen hat, wer er ist und das er nicht bleiben wird. Aber Frauen (und auch Männer) denken oft, sie könnten die Männer (die Frauen) ändern … Ein Mensch kann sich jedoch nur selber ändern und nur, wenn er/sie es für richtig hält. Diesen Änderungswille beobachte ich auch immer wieder bei mir selber. Ich denke genau darüber nach, was ich ändern will und was nicht. Änderungen sind immer mit großen Kraftanstrengungen verbunden und diese Kraft muss erstmal gesammelt werden.

Es ist natürlich auch umgekehrt eine gängige Praxis, dass gerade alleinerziehende Mütter wie eine Nomadin von Mann zu Mann ziehen, um der Armut und Obdachlosigkeit zu entkommen und nur so lange bleiben, wie es ihre Schmerzgrenze zulässt und dann weiterwandern.

Ich möchte mich nicht in Allgemeinplätze verlieren. Ich spreche Situationen an, in die keiner geraten möchte, in die jedoch (versteckt) viel mehr Menschen stecken als wir glauben.

 

 

Eigentlich wollte ich auf etwas anderes heraus. Richard Brox bezeichnet sich als Berber und merkt an, dass weder Obdachlose noch Berber das Gefühl Stolz kennen (Seite 103). Das fand ich traurig. Die Bedeutung von Berbern innerhalb der Obdachlosen-Szene möchte ich noch näher erkunden. So ein wenig glaube ich, dass die Berber doch stolz auf ihr leben sind.

Wer Richard Brox life bei Anne Will erleben möchte, kann folgenden youtube Link klicken.

Die Zeichnungen für die Ausstellung „Querbrüche – Obdachlos“ (siehe hier) entstehen aus dem, was ich auf den Straßen sehe und aus der Visualisierung der Fragen, die ich mir zum Thema immer wieder stelle. Ich kann nicht verheimlichen, dass das Thema mich sehr beschäftigt.

 

161 Arbeiten von Künstler und nur 6 von Künstlerinnen sind in der Sammlung Würth in Berlin zu sehen

Posted in Ausstellungstip, Betrachtungen zur Kunst by Susanne Haun on 29. Oktober 2015

Es ist schon ein wenig her, da habe ich die Sammlung Würth im Martin Gropius Bau (siehe hier) besucht.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Sammlung ist eindrucksvoll und besonders die Kunst- und Wunderkammer hat mir sehr gut gefallen.

Nachdem ich jedoch die Hälfte der Ausstellung betrachtet hatte, fiel mir auf, dass kaum Arbeiten von Künstlerinnen zu sehen sind. Insgesamt werden die Arbeiten von 161 Künstlern und 6 Frauen gezeigt.

 

Ich habe ein Video auf youtube gefunden, dass die Ausstellung gelungen präsentiert:

 

Wie anders schaut es da beim me Collectors Room (siehe hier) aus!
Dort läuft gerade eine Retrospektive zu Cindy Sherman. In der Zeitkunst habe ich den Artikel „Meisterin der Verwandlung“ zur Ausstellung gelesen. Die Kollektion von Thomas Olbricht, der seit 1980 Kunst sammelt, besteht fast zur Hälft aus Kunst von Frauen!² Ich gehe gerne in den me Collectors Room und habe schon einiges darüber berichtet (siehe hier). Ich freue mich schon darauf, die Retrospektive zu Cindy Sherman zu besuchen, ich bin dazu schon fest im November verabredet und werde berichten.

Hier ist ein guter Beitrag zur Ausstellung auf meinem Lieblingssender radio 1 (siehe hier) zu hören.

Und hier findet ihr das Dartellungsvideo vom me collectors room:

 

Frauen und Männer, was meint ihr dazu?

 

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²Leitzke, Ankelika, Meisterin der Verwandlung, In: Zeitkunst 09:2015, Neu-Isenburg, September 2015, S. 3.

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Wer sind wir? – Portrait Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Berühmt, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 6. März 2013

Am letzen Samstag stand dazu ein sehr gelungener Artikel von Adelheid Müller-Lissner im Berliner Tagesspiegel. Laut Frau M.-L. befinden wir uns in der „vierten Welle“ des Feminismus und diese beinhaltet, dass die Lebensentwürfe anderer Frauen zu respektieren sind.
Das gefällt mir sehr, denn mein Lebensentwurf wurde in der Vergangenheit mehr von Frauen als von Männern kritisiert.

Blatt 1 -  Mein Sinnbild von  Alice Schwarzer - Tusche auf Bütten - 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 1 – Mein Sinnbild von Alice Schwarzer – Tusche auf Bütten – 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ich arbeite gerade an meinem Sinnbild von Alice Schwarzer für den Kalender „Die wilden 13“ für 2014 mit dem Thema „Starke Frauen“ und so hat es mich zum Thema Emanzipation verschlagen.

Beim ersten Sinnbild von Alice Schwarzer dachte ich nicht nach und wählte ein Querformat. Als ich mich zufrieden, noch die Feder in der Hand, zurücklehnte, wurde mir klar, das Kalender mit Portraits Hochkant gestaltet werden.
Aber aller guten Dinge sind zwei und so hörte ich mir das Interview von Alice Schwarzer in der Mediathek von Phoenix an und zeichnete Sinnbild Nr. 2.

Blatt 2 - Mein Sinnbild von Alice Schwarzer - Tusche auf Bütten - 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 2 – Mein Sinnbild von Alice Schwarzer – Tusche auf Bütten – 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Emanzipation? Was ist das heute?

For my English-speaking readers:
Emancipation? What is it today?
Last Saturday I read a very successful report by Adelheid Müller-Lissner in the newspaper „Berliner Tagesspiegel“. According to Ms. M.-L. we are in the „fourth wave“ of feminism and this implies that the ways of life of other women are to be respected.
I really like it, because my life has been criticized in the past more by women than by men.

Frauen am Frankfurter Tor – Bericht von Susanne Haun

Posted in Ausstellung, Berlin, Foto, Was es sonst so gibt! by Susanne Haun on 12. Januar 2013

Letzte Woche las ich bei Frau Blau im Cafeweltenall den Beitrag Frauenschicksale mit einem Hoch auf unsere Großmütter!

Gleichzeitig flatterte mir eine Einladung der Berliner „Galerie im Turm“ ins Haus mit dem schönen Titel: „Frauen, Die Sammlung Hansen“.

Beeindruckende Ausstellung (c) Foto von Susanne Haun

Beeindruckende Ausstellung (c) Foto von Susanne Haun

„Die Sammlung Hansen besteht aus ca. 35.000 Privatfotografien aus sieben Jahrzehnten. Auf den Bildern sind ausschließlich Frauen zu sehen. Sie entstammen Fotoalben, deren eigentliche Geschichten unbekannt sind. Und doch kennt man sie; sie sind überall, weil sie Teil unseres Lebens sind.“ Verlag der Buchhandlung Walther König.

Gerne hätte ich auch das Buch „Frauen“ gekauft, aber mein Ankaufetat für Bücher für Januar habe ich schon wieder locker überschritten.

Es findet eine Buchpräsentation und Sammlergespräch mit Christian Hansen und Bazon Brock am Dienstag, den 22. Januar 2013 um 19 Uhr statt. Zu dieser Veranstaltung möchte ich gerne gehen.

Eingang der Galerie (c) Foto von Susanne Haun

Eingang der Galerie (c) Foto von Susanne Haun

Für Frau Blau suchte ich Fotos meiner Großmütter heraus.

Ich mag dabei das Vier-Generationenfoto: Ich als ca. 2 jährige, hinter mir meine Oma mit Mitte 50, daneben meine Mutter um die 30 Jahre alt, schwanger mit meinem Bruder und meine Urgroßmutter, ca. 90 Jahre alt. Das Foto wurde in meiner Omas Wohnung in Berlin Wedding aufgenommen.

Vier Generation - Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

Vier Generation – Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

Leider habe ich von meines Vaters Familie nicht so ein schönes Foto. Die Mutter meines Vaters und seine Schwester sind im 2. Weltkrieg bei Halbe gefallen. Deshalb halte ich dieses Foto, was meine Großmutter mit meinem Großvater mit beiden Kindern zeigt, sehr in Ehre. Mein Vater sitzt vorne im Kinderwagen und meine Tante zwischen ihren Eltern. Es entstand im Urlaub im Spreewald aus glücklichen Zeiten.

Eine glückliche Familie - Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

Eine glückliche Familie – Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

Die Schicksale beider Familien würden Bücher füllen. Ich möchte wenigstens einige Zitate, die ich nie vergessen werde, niederschreiben.

„Ganz Charlottenburg brannte, es war taghell obwohl es Nacht war. Wir hofften im Keller des Gerichts Schutz zu finden.“

„Wenn die Russen kamen, stellten wir Kinder uns um Mutter, um sie zu schützen. Meine älteste Schwester, deine Tante Friedel, versteckte sich auf dem Dachboden.“

„Mein Mann war dem Staat nicht genehm, ich sollte mich scheiden lassen, er wurde an die Front geschickt und kam nie wieder.“ – Meine Oma trug bis zu ihrem Tod mit 90 Jahren den Namen ihres Mannes!

„Es war so dunkel in Halbe, ich verlor Mutter und Schwester in der Dunkelheit. Ich bin den weiten Weg in den Spreewald zu meiner Großmutter gelaufen. Dort sprach ich tagelang nicht.“

„Mein Vater wurde ohne Uniform erwischt. Er hasste die Uniform und zog sie aus, wann immer er es konnte.“

Der andere Turm (c) Foto von Susanne Haun

Der andere Turm (c) Foto von Susanne Haun

Ich weiß nicht, wie ich damit umgegangen wäre, wenn meine Familie dem Nazi-Regime angehangen hätte. Ich weiß auf jeden Fall, dass es mich ein Leben lang belastet hätte. Selbst mein Sohn hätte damit noch ein Problem gehabt. Er war genauso erleichtert wie ich.
Ich bin froh und stolz, dass sich meine Familie in ihrem Rahmen aufgelehnt hat.

For my English-speaking readers:
Last week I read in Woman in Blues Blog Cafeweltenall the report about women’s lives with a high on our grandmothers!
At the same time I get an invitation for an exibition of the Berlin „Galerie im Turm“ with the wonderful title: „Women, The Hansen Collection.“
I was looking out photos of my grandmothers for Mrs. Blue.
I like the showed four-generation photo: me as about 2 years behind me with my grandma mid 50 beside it, my mother around 30 years old, pregnant with my brother and my great-grandmother, about 90 years old. The photo was taken at my grandma’s apartment in Berlin Wedding.
Unfortunately, I have my father’s family is not such a nice photo. My father’s mother and sister were killed in Halbe, near Berlin in the 2nd. World War. I therefore think this photo, which shows my grandmother with my grandfather with their two children, in very honor. My father sits in front in the stroller and my aunt between her parents. There was a holiday in the Spreewald of happy times.

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Feldmann, Hans-Peter. Hersg. Hansen, Christian. Frauen. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2012

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