Susanne Haun

Die Küchenuhr von Borchert – Illustrationen von Susanne Haun

Posted in Borchert - Die Küchenuhr, Zeichnung by Susanne Haun on 20. März 2017

 

Im Januar bewarb ich mich für den Otto-Dietscher-Preis 2017 für Illustration.

 

1 Die Kuechenuhr - innerlich ist sie kaputt (c) Zeichnung von Susanne Haun

1 Die Kuechenuhr – innerlich ist sie kaputt (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Es waren drei Texte vorgegeben, aus denen einer ausgewählt und zwischen 3 bis 5 Illustrationen angefertigt werden sollten. Die Zeichnungen durften nicht signiert, nur mit einer Nummer gekennzeichnet sein, damit „der Künstlername“ keine Rolle spielte.

Leider ist meine Illustration nicht ausgewählt worden. Hier findet ihr die Preisträger.

Die Generation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 2. Weltkriegs stirbt, nur noch wenige Augenzeugen leben. Ich gehöre zur Generation der Kriegsenkelkinder. Meine Oma berichtete mir, wie es war, ausgebombt zu werden, sie erzählte anschaulich, wie ganze Straßenzüge brannten und das Feuer mit seinem Licht die Nacht zum Tag und mit seiner Wärme den Winter zum Sommer machte. In Berlin, meiner Heimatstadt, waren in den 70iger Jahren, in denen ich aufwuchs, noch die Kriegsschäden zu sehen. Inzwischen sind sie fast ganz verschwunden.

In der Schule gehörte die Küchenuhr von Borchert zur Pflichtlektüre. Schon als ich sie mit 15 Jahren zum ersten Mal las, knüpfte ich Verbindungen von der Uhr zu den Erlebnissen meiner Oma.

 

2 Die Kuechenuhr - er kam nach Hause ins Paradies (c) Zeichnung von Susanne Haun

2 Die Kuechenuhr – er kam nach Hause ins Paradies (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Borchert verwendet sehr einfache, stilistische Mittel. In knappen Sätzen verwendet er die Sprache der armen, einfachen Menschen, von denen die Geschichte handelt. Aufgrund dessen entschloss ich mich, Marker und Layoutpapier für die Illustration der Geschichte zu verwenden. Die Linien der Marker können nicht durch Druck modelliert werden, ein Mischen der Farben ist nicht möglich. So einfach wie Borchert seine Geschichte erzählt, so einfach habe ich die Illustration gestaltet. Die Linien sollen die Intention des Autors aufnehmen und vermitteln. Wichtig war für mich beim Illustrieren die Semantik der um halb drei stehen gebliebenen Küchenuhr, weswegen sie in allen drei Blättern aufgenommen wird. Die Farbe Blau symbolisiert die Zeit des Paradieses vor dem Krieg, die Zeit nach dem Krieg wird in zwei Grautönen dargestellt.

In den drei Blättern sind die Kernaussagen Borcherts „Trümmerliteratur“ festgehalten:

Blatt 1: Susanne Haun, Die Kuechenuhr – innerlich ist sie kaputt, 30 x 40 cm, 2017, Zeichnung, Marker auf Layoutpapier
Blatt 2: Susanne Haun, Die Kuechenuhr – er kam nach Hause ins Paradies, 30 x 40 cm, 2017, Zeichnung, Marker auf Layoutpapier
Blatt 3: Susanne Haun, Die Kuechenuhr – sie sahen ihn nicht an, 30 x 40 cm, 2017, Zeichnung, Marker auf Layoutpapier

Borchert möchte den Leser zum Nachdenken über den Krieg anregen, die Küchenuhr ist in der Vorderansicht das Symbol für das verlorene Paradies vor dem Krieg und in der Hinteransicht zeigt sie die Zerstörung der Seele des Mannes. Der Mann ist seelisch überfordert mit der Situation. Die Zuhörer sind gleichgültig, der Mann hat keine Familie mehr, der er seine Not anvertrauen kann, er vertraut sich Fremden an. Borschert löst mit seiner Erzählung starke Gefühle aus, die auf den Illustrationen bildlich dargestellt sind.

 

3 Die Kuechenuhr - sie sahen ihn nicht an (c) Zeichnung von Susanne Haun

3 Die Kuechenuhr – sie sahen ihn nicht an (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

 

Susanne Haun Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 156 – Günter Grass

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 14. August 2016

 

„Gott ist – laut Nietzsche – verstorben,

doch als Mehrzweckwaffe immer noch tauglich und weltweit im Handel,

weil urheberrechtlich nicht geschützt.“

Günter Grass

 

Der Sohn Gottes und der Fürst der Finsternis - 50 x 40 cm - Zeichnung von Susanne Haun

Der Sohn Gottes und der Fürst der Finsternis – 50 x 40 cm – Zeichnung von Susanne Haun

 

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Ich habe in einer Umzugskiste aus meinem Keller ein Notizheft mit von mir gesammelten Zitaten gefunden. Das Heft stinkt nach Keller und enthält unter vielen anderen auch Zitate von Grass. Ich weiss nicht, welches Buch ich gelesen habe und woher die Zitate stammen aber ich konnte nicht wiederstehen passend zur Zeit dieses hier zu zeigen.

 

Blatt 44 – Wer sind die Söhne, die gehen? (c) Collage von Susanne Haun

Posted in Collage, Zeichnung by Susanne Haun on 3. Oktober 2014

Diese beiden Collagen sind von den stetigen Berichten über den Krieg geprägt.

Die Soldaten aus dem 2. Weltkrieg werden den Frauen in Kostümen der Musketiere gegenübergestellt. Mütter und Väter und immer der Verlust, den der Krieg automatisch mit sich bringt. Über den beiden Gruppen schwebt der Geier. In der Münzabteilung des Bodemuseum sah ich die Münze zum Gedenken an den 100jährigen Jahrestag des Beginns des 1. Weltkrieges. Dort war ein zerrupfter Adler eingeprägt. Nicht so, wie ich ihn gezeichnet habe, denn die Knochen, die kommen von den Menschen und nicht vom Vogel.

Blatt 46 - Ideologie des Krieges - 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

Blatt 46 – Ideologie des Krieges – 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

In der unteren Collage habe ich Kopien von Fotos von jungen Soldaten gezogen und diese Kopien geknickt. Ich weiß nicht, welche der Soldaten auf den Fotos den Weg wieder nach Hause gefunden haben und welche im Krieg geblieben sind. Selbst wenn sie wiederkamen, welche seelischen Schäden haben sie davongetragen?

Blatt 44 - Wer sind die Söhne, die gehen - 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

Blatt 44 – Wer sind die Söhne, die gehen – 25 x 25 cm (c) Collage von Susanne Haun

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