Susanne Haun

Meine Gedanken im DiaryFlex – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Mindmap, Sketchnote, Skizzen, Skizzenbuch, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Juni 2016

 

Oft bin ich in den Materialien, die ich benutze, festgefahren. Ich habe mir einen Vorrat von bestimmten Produkten angeschafft und weiss, wie die Materialien zusammenpassen und wie ich sie verarbeiten kann.

 

Sketchnote Vortrag Zeichnung (c) Susanne Haun

Sketchnote Vortrag Zeichnung (c) Susanne Haun

 

Deshalb freue ich mich, wenn ich einen Hinweis auf Neues bekomme und manchmal bin ich so begeistert, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie ich je ohne dieses Material ausgekommen bin.
So geht es mir mit dem DiaryFlex von Hahnemühle (siehe hier). Es ist ein nachfüllbares Notizheft in schwarz rot, mit rotem Lesezeichen und Vorrichtungen für Visiten- und Postkarten. Das DiaryFlex macht was her und rot ist ja so oder so meine Farbe. Ich bin begeistert. Vor allem, weil es drei unterschiedliche Arten des „Refill“ gibt. Ich mag besonders das dotted Refill. Es ist mit kleinen Punkten gefüllt, die nicht wie Linien dominieren und trotzdem das Weiß des Papiers unterbrechen und die Linien und Notizen belebter machen.

Wenn ich mir Gedanken über neue Projekte mache, kann ich diese gut als Sketchnotes im DiaryFlex festhalten. An der Uni oder auch bei dem Seminar in der Remise Steglitz hat es mir Freude gemacht, einfach in dieses Notizheft zu schreiben.

In der hier gezeigten Sketchnote habe ich einen Abendvortrag zum Thema Zeichnung geplant. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Notiz mir eher mit Buntstift eingefärbt oder nur mit Füller geschrieben gefällt. Was meint ihr?

 

Sketchnote Vortrag Zeichnung (c) Susanne Haun

Sketchnote Vortrag Zeichnung (c) Susanne Haun

 

Bei meinem letzten Boesner Workshop schrieb Elke in der Bewertung, ich „sollte bei QVC o.ä. Verkäufe für Boesner tätigen. Sie ist kompetent und kann sehr gut erklären! Prima Kurs!“. Ich musste darüber lächeln, ich bleibe lieber Künstlerin statt Verkäuferin. Als Künstlerin muss ich jedoch die Materialien kennen, denn der Erfolg des Ergebnisses hängt davon ab. Damit meine Schülerinnen und Schüler nicht aufgrund des Materials Enttäuschungen erleben, berichte ich ihnen von meinen Erfahrungen mit dem Material.

 

 

 

Künstlerbücher und Mind Maps – Bericht und Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Berlin, Betrachtungen zur Kunst, Konzeptkunst, Mindmap, Zeichnung by Susanne Haun on 21. März 2013

Vorgestern war ich in einem Buchladen der besonderen Art in Kreuzberg.

Im Motto (siehe hier), Skalitzer Str. 68 im Hinterhof werden Kunst- und Künstlerbücher vertrieben. Zwei Stunden unterhielten wir uns in einer kleinen Gruppe mit dem Besitzer und Barbara, die über den bbk eine kleine Einführung zu Kunst-Buch-Zeitschriften hielt.

Motto Buchhandlung (c) Foto von Susanne Haun

Motto Buchhandlung (c) Foto von Susanne Haun

Natürlich konnte ich nicht widerstehen, einen kleinen Katalog zu kaufen. Es war nicht einfach bei der großen Auswahl aber ich entschied mich für „Secret Language, The Code Breakers“ von Stephen Willats.

Ich mochte gleich den ersten Satz im Katalog von Willats: „Jeden Tag, wenn ich aufwache und aufstehe, begegnet mir die Welt – die zeitgenössische Wirklichkeit, in der ich meinen Tag verbringe; sie hat eine unmittelbare Bedeutung, eine unmittelbare Relevanz.“

Seine Konzepte finde ich sehr interessant und mit diesem ersten Satz erschliesst sich mir auch seine Arbeit.

Nach dem Besuch im Motto war ich sofort inspiriert, eine Mindmap zu erstellen. An Mindmaps mag ich am liebsten die Pfeile. Ein Pfeil ist ein Element mit enormer Aussagekraft. Genauso viel Aussagekraft hat der Titel eines Werks.

Blatt 3 Die Zeit verfliegt - vergeht und auch nicht (c) Mindmap von Susanne Haun

Blatt 3 Die Zeit verfliegt – vergeht und auch nicht (c) Mindmap von Susanne Haun

Den heutigen Titel habe ich mir aus einer Nachricht an mich geliehen:
„Die Zeit verfliegt und verfliegt auch nicht.“ Ich wollte das Wort „Fliegen“ erst mit dem Wort „Gehen“ austauschen. „Die Zeit vergeht und vergeht auch nicht.“ Aber verfliegen ist einfach ein schöneres Wort als vergehen. Vergehen hat etwas von verblühen, vergehen ist morbide. Das Wort „fliegen“ birgt jedoch viele Menschheitsträume.

Es dauerte 4 Blätter lang bis ich meine Mindmap zum Titel gefunden habe.

Sobald dieser von mir in WordPress eingeplante Artikel erscheint, ist die Zeit verflogen.

For my English-speaking readers:
I borrowed today’s title of work from a message to me:
„Time flies and flies neither.“ I wanted the word „fly“ only with the word „Pass“ exchange. „Time passes and does not pass.“ But simply “fly” is a nicer word than pass. Pass has something wither, fade is morbid. The word „Fly“ carries many human dreams.
It took 4 pages long until I find my mind map to the title.
Soon as you will see this report in WordPress, the time has flown.

Zwei Titelrahmen für den heiligen Antonius – Zeichnungen von Susanne Haun

Es ist nicht einfach, einen Titelrahmen zu gestalten. Die Zeichnungen um den Titel sollen den Inhalt des Buches treffend beschreiben.

Für mich persönlich sind die Buchstaben am schwierigsten zu gestalten. Gelungen finde ich meine Schrift auf dem Titelrahmen der Knabenthaten, ein Kapitel der Tain, der irischen Sage schlechthin. Ihr findet meinen Beitrag dazu hier. Ich habe vorher einige Blätter vollgeschrieben, bis ich mich entschied, wie ich die Buchstaben kalligraphiere. Das ist nun inzwischen auch schon zwei Jahre her.

Titelrahmen der Tain (c) Zeichnung von Susanne Haun 2011

Titelrahmen der Tain (c) Zeichnung von Susanne Haun 2011

Eine Übersicht der Zeichnungen zum Rinderraub seht ihr hier.

Als ich dann einen Titelrahmen für Flauberts heiligen Antonius gestalten wollte, hatte ich vorerst keine Muße, die Buchstaben zu setzen. Das ist ziemlich dumm von mir, denn es geht nun mal beim Titelrahmen um den Titel.

Aber als ich die Beiträge von Dina und Klausbernd zur Dublin’s Fine Library las und die dort abgebildeten Bücher sah, hatte ich einfach den Drang, Titelrahmen zu zeichnen.

So entstanden zwei Blätter, das erste in blau, auf denen ich die Versuchungen zeichnete und dann das zweite in Ocker, auf dem ich eher die Gesamtlage zeige. Ich denke, ich werde noch einen dritten Rahmen zeichnen, die Gesamtlage in blau.

Auch wenn ich finde, zu den Versuchungen des Antonius gehören die Frauen, habe ich sie doch etwas zu direkt in den blauen Rahmen gesetzt: Seele, Teufel und Frauen…. das sind ja auch erst drei der Versuchungen, wenn sollte ich wenigstens alle ins Bild setzen.

Titelrahmen Version 1 Zustand 4 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Titelrahmen Version 1 Zustand 4 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Sobald Ute Schätzmüller, mit der ich zusammen den Antonius erforsche, sich in ihrem neuen Blog eingerichtet hat, werden wir uns das zweite Kapitel vornehmen. Unsere Ergebnisse seht ihr auch Zusammengefasst im Blog „Antonius Versuchungen“.

Titelrahmen Version 2 Zustand 2 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Titelrahmen Version 2 Zustand 2 (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
It is not easy to make a title frame. The drawings for the title should describe the content of the book.
For me personally, the letters are the most difficult to make. I managed to find my writing on the part of the boys‘ title deeds, a chapter of the Tain, the irish saga par excellence. You can find my post about it here. I have previously written several full sheets until I decided I worte the letters. Now this is now already two years ago.
When I wanted to create a title frame for Flaubert’s St. Anthony, I had no leisure for the time being, to use the letters. That’s pretty stupid of me, because it is now time for title frame for the title.

_________________________________
Kinsella, Thomas. Englische Übertragung. „Der Rinderraub”, 1976. Leipzig.

Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

als löse sich der Kern seines Wesens – Flauberts Antonius – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 12. Dezember 2012

„Es ist, als löse sich der Kern seines Wesens; sein Widerstand zerbricht; er stürzt auf die Matte!“
Gustav Flaubert in der Versuchung des heiligen Antonius

Dieser Satz ist unwiderruflich der letzte Satz des Kapitel I in der Versuchung des heiligen Antonius.

Blatt 69 löse sich der Kern (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 69 löse sich der Kern (c) Zeichnung von Susanne Haun

Sicher meint Flaubert hier die Seele, die er als Kern des Wesens beschreibt. Ich habe in diesem Zusammenhang über die Paragone, die Wettstreite der Künste, nachgedacht. In den Paragonen wurde diskutiert, welche Kunst die Edelste ist. Da Vince verglich in einem Traktat sogar die Musik mit der Malerei. Ich muss hier nicht schreiben, dass er zu dem Ergebnis kam, die Malerei ist die edelste aller Künste“

Hatte es Flaubert einfacher, die Seele mit Worten auszudrücken als Ute Schätzmüller und ich in unserem Antoniusprojekt (Hier der Blog zum Projekt) in der mit Malerei?

In der Ikonographie ist die Taube ein Sinnbild für die Seele. Um die Taube als Seele zu erkennen, benötigt der Betrachter jedoch das Wissen darum! So bin ich in den ersten beiden Arbeiten ohne Taube ausgekommen, konnte mich aber nicht beherrschen, wenigstens ein drittes Blatt mit Taube zu zeichnen.

Blatt 68 sein Widerstand zerbricht (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 68 sein Widerstand zerbricht (c) Zeichnung von Susanne Haun

Als Übergang zu Kapitel II habe ich die Farben gewechselt. Ich werde im Kapitel zwei mit den Farben schwarz, ocker und sinna bis carput mortuum arbeiten.

Wenn ihr mehr von meinen Gedanken zu diesem dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier auf meinem Blog.

Blatt 67  löse sich der Kern (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 67 löse sich der Kern (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
„It is as if solving the core of his being, his resistance is broken, he falls to the mat!“
Gustav Flaubert in the Temptation of St. Anthony
This sentence is irrevocable, the last sentence of Chapter I of the Temptation of St. Anthony.
Sure Flaubert is referring to the soul, which he describes as the core of the being. I’ve been in this context about the Paragons, the contests of the Arts. In the Paragons were discussed, which is the noblest art. Since Da Vince compared in a tract even music with painting. I have to write here that he came to the conclusion that the painting is the most noble of all the arts „

_________________________________________________
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Ein Busch voller Schwalben – Flauberts Antonius – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Tiere, Zeichnung by Susanne Haun on 8. Dezember 2012

„Das Gestell mit dem dicken Buche voller schwarzer Buchstaben erscheint ihm wie ein Strauch, auf den sich ein Schwarm schwarzer Schwalben niedergelassen hat.“ Flaubert in den Versuchungen des heiligen Antonius.

Bei Schwalben und alten Büchern muss ich einfach an die Farbe schwarz denken. Deshalb habe ich dieses Zitat ohne die beiden anderen Farben blau und violett des ersten Kapitels gezeichnet.

Blatt 64 Schwarzgeschriebene Seiten Vers. 2 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 64 Schwarzgeschriebene Seiten Vers. 2 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ute und ich haben für die Präsentation unseres heiligen Antonius in 2013 zwei Ausstellungen geplant:

Vom 18. Mai – 30. Juni 2013 stellen wir in Berlin in meinem Atelier, Diakonieweg 7, 13503 Berlin Reinickendorf Antonius Versuchungen vor.
Ab dem 31. August sind die Zeichnungen für 2 Monate in Köln in der Nähe des Doms im Tor28, Machabäerstr.28, 50668 Köln zu sehen.

Zu den Ausstellungen wird ein Katalog erscheinen.

Blatt 65 Busch voller Schwalben Vers. 1 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 65 Busch voller Schwalben Vers. 1 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ute hat mit der Projektbeschreibung begonnen und ich habe ein klein wenig hinzugefügt.

„Antonius Versuchung“
Projekt von Susanne Haun und Ute Schätzmüller

Die Künstlerinnen Susanne Haun aus Berlin Reinickendorf und Ute Schätzmüller aus Essen verbinden im abwechselnden Dialog die zeichnerische Sprache mit der der Literatur.

“Die Versuchung des Heiligen Antonius” von Gustave Flaubert 1872 vollendet, ist eine bildgewaltige Schrift über den Menschen, seinen Geist, seine Vernunft, sein Begehren und seinen Willen sich selbst zu erkennen. All diese verschiedenen Gestalten, Ansichten, Mythen, Tiere, Bestien, Götter und Häretiker erscheinen, werden flüchtig bildhaft und verblassen wieder um letztlich in der Frage nach dem Dasein, dem Sinn der Existenz und der Entstehung des Lebens zu gründen.

“Diese Bilder kommen unvermittelt, ruckweise. Sie treten aus der Nacht wie Purpurzeichnungen auf Ebenholz. Sie bewegen sich geschwinder. Wirbelnd tanzen sie dahin. Dann wieder bleiben sie stehen, verblassen langsam und vergehn; oder sie flattern davon. Und blitzschnell tauchen andere auf. Antonius schließt seine Augenlieder.” (Antonius, Kapitel I)

Im abwechselnden Austausch senden sich die beiden Künstlerinnen mit der Post oder per Email Zitate aus dem Buch und zeichnen ihre Gedanken zu diesen.
Sie haben dieses Werk als Ausgangspunkt einer gemeinsamen Bilderserie gewählt, da es in seiner bildhaften Sprache und vielschichtiger Wortwahl Inspirationsquelle zahlloser Bilder sein kann. Als Material für die Bilder haben sie Silberburg Büttenpapier im Buchformat (Din A5) gewählt.

Im Wechsel wählen sie Zitate aus dem Buch, schreiben diese mit Tusche auf das Papier und versenden das, mit ihrer Auswahl und ihrer Schrift begonnene Bild. Die Bearbeitung des eigenen Zitates geht meist leicht von der Hand, wählen sie doch die Zitate nach ihren persönlichen künstlerischen Vorlieben. Gespannt warten sie auf die Sätze der jeweils anderen Künstlerin, denn diese Stellen mitunter eine Herausforderung an ihre zeichnerische Routine dar. So setzen sie sich zeichnerisch nicht nur mit dem Heiligen Antonius, sondern auch mit ihrer Künstlerkollegin und sich selbst auseinander.

Dieses Briefprojekt wird letztlich zu ihrer gemeinsamen, persönlichen, aus den Zitaten und Bildern bestehenden Version der “Versuchungen” führen, welche die Grundlage bilden wird, für einen Künstleraustausch, gemeinsam größere Arbeiten zu schaffen, Künstlerbücher zu erstellen und Ausstellungen in Essen und Berlin zu organisieren.

Blatt 66 Buch mit den schwarzgeschriebenen Seiten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 66 Buch mit den schwarzgeschriebenen Seiten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ute Schätzmüller und ich haben einen gemeinsamen Blog als erste Präsentation für unsere Arbeiten angelegt (siehe hier).

Wenn ihr mehr von meinen Gedanken zu diesem dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier auf meinem Blog.

For my English-speaking readers:
„The frame with the thick book filled with black letters appears to him like a shrub, to have a swarm of black swallows settled.“ Flaubert in the temptations of St. Anthony.
In Swallows and old books I have to think of the color black. Therefore I have drawn this quote of the first chapter without the other two colors blue and purple.
Ute and I have planned for the launch of our St. Anthony in 2013, two exhibitions:
Of 18 May – 30 June 2013 we are in Berlin, in my studio, Diakonieweg 7, 13503 Berlin Reinickendorf Anthony from temptations.
From 31 August are the drawings for 2 months in Cologne near the cathedral in Tor28, Machabäerstr.28, 50668 Cologne to see.


________________________________________________
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

(…) und der Saum ihrer Kleider fällt mir über die Füße – Flauberts Antonius – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 3. Dezember 2012

„Sie steigen aus, falten ihre ringbeladenen Hände und knien nieder. … Das Verlangen nach einer übermenschlichen Lust peinigt sie; … – und der Saum ihrer Kleider fällt mir über die Füße.“
Gustave Flaubert im heiligen Antonius

Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, wie ich zeichnerisch die Erotik dieser Szene einfangen kann.
Ein Kleid, das über die Füße eines heiligen Eremiten fällt, ist zuerst sehr sachlich. Aber Antonius Versuchung findet in seinem Kopf statt. Seine Fantasie wird die Frauen nackt sehen, die Kleider sind nur das Beiwerk der Anständigkeit.

Blatt 62 Der Saum ihres Kleides (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 62 Der Saum ihres Kleides (c) Zeichnung von Susanne Haun

Um das Buch wirklich zu begreifen muss ich den gesellschaftlichen und historischen Kontext des mittleren 19. Jahrhunderts begreifen. Ich weiß zu wenig darüber. Ich habe mir überlegt, dass im Laufe der Jahre viele Rezessionen von Flauberts heiligem Antonius entstanden sein müssen, die auf genau diesen Kontext eingehen. Und so hat mich Google auf die Universitätsbibliotheken geführt.

Blatt 61 ... einer übermenschlicihen Lust (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 61 … einer übermenschlicihen Lust (c) Zeichnung von Susanne Haun

Auf der Seite der Bibliothek der Universität Toronto habe ich die „Briefe an George Sand, mit einem Essay von Heinrich Mann [Deutsch von Else von Hollander] (1919)“ gefunden. Ich war erstaunt, dass ich das Buch als ebook kostenfrei herunterladen konnte. Ich möchte euch diesen Link nicht vorenthalten, denn es ist ein interessantes Buch.

Bisher habe ich noch kein Tablet oder Kindle Reader, aber die Anzahl der Bücher, die ich als ebook besitze, wird immer größer und sie auf dem PC oder gar meinem Samsung Handy zu lesen ist lästig. Das Handy ist zu klein und der Rechner ist mir nicht Buch genug.
Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob mir ein Reader zum Lesen ausreicht oder ob es ein Tablet sein soll.
Was habt ihr für Erfahrungen?

Die neuste Schrift über Flaubert, die ich fand, ist die von Barbara Vinken von 2009. Gebunden kostet „Flaubert: Durchkreuzte Moderne“ 58 Euro aber als Kindle Edition kann ich es schon für 12,99 erhalten.
Wir leben wahrlich an der Schwelle einer neuen Gesellschaft! Bildung wird tatsächlich preiswerter!

Blatt 60 ...und knien nieder ... (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 60 …und knien nieder … (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
„You get out, fold their ring-laden hands and kneel. The craving for … a superhuman desire to torment, … – and the hem of her dress reminds me of the feet. “ Gustave Flaubert in St. Anthony
I have long thought about how I can drawing the capture of the erotic of this scene. A dress that falls on the feet of a holy hermit is first very businesslike. But Anthonys Temptation takes place in his head. His fantasy is to see the women naked, the clothes are just the paraphernalia of decency.

___________________________________________________________________________
Flaubert, Gustave. 1821-1880; Lossow. Else Hollander von. 1889-. Sand, George, 1804-1876. Potsdam 1919 G. Kiepenheuer
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Mönche, mit Büßerhemden – Antonius Versuchung – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 22. November 2012

„Auf meine Anordnung hin hat man die vielen Einsiedeleien gegründet, in denen Mönche, mit Büßerhemden unter den Ziegenfellen, so zahlreich wohnen, …“ Flaubert in der Versuchung des heiligen Antonius 

Die Arbeit  an den Zitaten  der Versuchung des heiligen Antonius von Flaubert fordern mich. Es ist gut, an einem Projekt zu arbeiten, an dem man sich reibt. So sieht man neue Aspekte und muss Nachdenken, als wenn man sich immer aussucht, was man machen möchte.

Blatt 55 Das schwarze Kind (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 55 Das schwarze Kind (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ute Schätzmüller und ich haben einen gemeinsamen Blog als erste Präsentation für unsere Arbeiten angelegt (siehe hier).

Nach Abschluss des  ersten Kapitels wollen wir mit dem zweiten  Kapitel eine neue Art der Kommunikation über den Antonius Blog schaffen. So können wir schneller agieren. Wir werden immer noch abwechselnd Zitate aus dem Buch für unsere Zeichnungen vorgeben. Wir werden aber gleichzeitig daran arbeiten. Das Zitat werden wir in unser Blog schreiben – zuerst ohne Zeichnung und sobald wir beide fertig sind, werden die Zeichnungen dazu eingestellt.

Das heutige Zitat habe ich selber vorgegeben; mir gefielen die Ziegenfelle. Aber wie sah im Mittelalter ein Büßerhemd aus? Die  Mönche tragen die  Ziegenfelle und Büßerhemden unter ihrer Kutte. Auch bei der Frontalansicht des Antonius selber habe ich nur Stacheln für die Buße angedeutet.

Ganz außer Acht gelassen habe ich bisher die Heiligkeit des Antonius, die ich heute mit einem Nimbus (Heiligenschein) darstelle. Nimbus ist lateinisch und bedeutet  Glorienschein, Gloriole, Strahlenschein, Aureole. In der Kunst wird er für die Darstellung der Heiligkeit verwendet.

Blatt 58 Auf meine Anordnung hin (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 58 Auf meine Anordnung hin (c) Zeichnung von Susanne Haun

Zum letzten Zitat habe ich zusätzlich das schwarze Kind mitten in der Wüste gezeichnet (siehe hier).

Wenn ihr mehr von meinen Gedanken zu diesem dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier auf meinem Blog.

Blatt 59 Auf meine Anordnung hin (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 59 Auf meine Anordnung hin (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
„On my orders to get established the many hermitages where monks live, with penance shirts among the goatskins, so numerous …“ Flaubert in the Temptation of St. Anthony
Working with the quotes to the temptation of Saint Anthony by Flaubert ask me.
Until today I have been disregarded the sanctity of Anthony, I represent Antonius today with a nimbus. In art it is used for the representation of holiness.


_________________________________________________________________________________
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Dem Kentauren, der mich auf den Rücken nehmen wollte – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 16. November 2012

Von einem Kentauren geht in meiner Vorstellung eine unerhörte Kraft aus, aber warum beschreibt ihn Flaubert als eine Versuchung des Antonius?

In der griechischen Mythologie ist ein Kentaur (Zentaur) ein Wesen mit dem Rumpf, Kopf und Armen eines Mannes und einem Pferdekörper. Von der griechischen Mythologie aus fanden die Zentauren Einlass in vielen Geschichten.
In unserer Zeit sind wohl die Chroniken von Narnja oder Harry Potter die berühmtesten davon mit Zentauren als Akteuren. Hier bestehen die Zentauren „nur“ noch als Märchenwesen, losgelöst von ihrer ursprünglichen Mythologie.

Blatt 54 Den Zentauren, der mich auf den Rücken nehmen wollte

Blatt 54 Den Zentauren, der mich auf den Rücken nehmen wollte

Märchen werden oft als vereinfachte Mythen angesehen. Die Schreiber der Mythen haben ihr Weltbild damit ausgedrückt und das Verhältnis von Mensch und Gott geklärt. Rätsel der Natur und Menschheit, Stammabfolgen von Herrschergeschlechtern und Religion wurde in den Myhen besprochen. Jedes Volk hat seine eingenen Mythen.

“Ich habe den unheimlichen Einsiedler zurückgestoßen, den Kentauren, und jenes schwarze Kind das mitten im Wüstensand erschien, das so schön war und das gesagt hat, es wäre der Geist .” Flaubert

So hat Flaubert den Zentauren, dessen Volk als unbeherrschtes und lüsternes Volk bezeichnet wird, aus der griechischen Mythologie herausgelöst und Antonius als Versuchung gesendet.

Der Zentaur ist viel schwieriger zu zeichnen, als ich mir vorgestellt habe. Die Pferde aus dem Stall gerade über meines Ateliers konnte ich mir gut für die Zeichnungen anschauen. Ich brauchte ein paar Blätter und einige Linien zur Klärung, wie die Zusammensetzung von Pferd und Mann harmonisch aussieht. Dann sollte der Zentauer auch Verlockung für Antonius ausstrahlen. Ich zeige die gesamte Entstehungsgeschichte in den einzelnen Blättern, zu dem Zentauer, den ich letzendlich für das Zitat auswählen werde. Jedes der Blätter führte zu dem Letzten!

Ute Schätzmüller und ich haben einen gemeinsamen Blog als erstes Ergebenis unserer Arbeit zum heiligen Antonius angelegt. Ihr könnt hier auf ihm stöbern und unsere Arbeiten zum Zitat gemeinsam betrachten.

Blatt 49 Den Zentauren, der mich auf den Rücken nehmen wollte (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 49 Den Zentauren, der mich auf den Rücken nehmen wollte (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wenn ihr mehr von meinen Gedanken zu diesem dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier auf meinem Blog.

For my English-speaking readers:
In my imagination have a centaur an unprecedented force. Maybe Flaubert describes it therefore in the temptation of St. Anthony.
In Greek mythology, a centaur is a creature with the torso, head and arms of a man and a horse’s body. From Greek mythology found the centaurs intake in many stories, most likely the Chronicles of Narnja or Harry Potter. At any rate they are the most famous stories with Zetauren as actors, today.

_________________________________________________________________________________
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Ein scheußlicher Anachoret – Antonius Versuchung – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Ausstellung, Betrachtungen zur Kunst, Die Versuchung des heiligen Antonius, Zeichnung by Susanne Haun on 9. November 2012

„Ich habe den unheimlichen Einsiedler (scheußlichen Anachoreten, der mir lachend kleine heiße Brote anbot), zurückgestoßen, den Kentauren, (der mich auf den Rücken nehmen wollte) – und jenes schwarze Kind das mitten im Wüstensand erschien, das so schön war und das gesagt hat, es wäre der Geist (der Hurerei) .“
Zitat aus dem heiligen Antonius von Flaubert

Meine Arbeiten bisher zur Versuchung Antonius (c) Foto von Susanne Haun

Meine Arbeiten bisher zur Versuchung Antonius (c) Foto von Susanne Haun

Ute hat als nächste in unserem Projekt dieses wortgewaltige und Bild gewaltige  Zitat ausgewählt. Hierzu entstehen natürlich sofort Bilder in meinem Kopf.
Die Übersetzungen sind wieder unterschiedlich, in meinem Insel Exemplar wird das schöne Wort Anachoret für Einsiedler benutzt. Die Unterschiedlichkeit der Übersetzungen habe ich in Klammern und kursiv dargestellt.

scheußlicher Anachoret = unheimlicher Einsiedler

Blatt 47 Die Einsiedeleien (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 47 Die Einsiedeleien (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ehrlich gesagt gefällt mir der Anachoret vom sprachlichen Ausdruck her besser. Er fordert den Leser mehr als der unheimliche Einsiedler. Ihr merkt schon, ich mag das Wort: Anachoret.
Habt ihr das auch manchmal, dass euch der Klang und Rhythmus eines Wortes gefällt?

Post von Ute (c) Foto von Susanne Haun

Post von Ute (c) Foto von Susanne Haun

In dem Satz sind auch gleich drei Versuchungen für Antonius zu bewältigen.
1. Das frische Brot —> statt zu fasten
2. Der Ritt auf dem Zentauren —> statt zu laufen
3. Das schöne schwarze Kind —> Sexualität vielleicht auch Homosexualität

Unser Projekt Blog, Antonius Versuchung, wächst. Ihr könnt ihn euch hier anschauen. Ute hat unter diesem Link sehr anschaulich von unserer Motivation berichtet.

Um den Überblick über meine Zeichnungen zu Antonius Versuchung zu behalten, habe ich sie mit Dekonadeln an meine Atelier Projektwand gepinnt. Ute und ich haben auch schon den ersten Termin für die Ausstellung unserer beiden Werke festgelegt.

Wir werden vom 18. Mai bis 30. Juni 2013 die Antonius Werke in meinem Atelier in Berlin zeigen.
Die Ausstellungseröffnung wird direkt am 18. Mai 2013 sein.

Blatt 45 Der mir lachend kleine heiße Brote anbot (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 45 Der mir lachend kleine heiße Brote anbot (c) Zeichnung von Susanne Haun

Das heutige Zitat teile ich auf; die Zentauren reizen mich sehr zum zeichnen, sind aber nicht einfach. Da brauche ich etwas mehr Zeit!

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

Blatt 46 Den scheußlichen Anachoreten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 46 Den scheußlichen Anachoreten (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
„I have pushed back the bread of an eremite (hideous anchorites, who offered me laughing small hot breads), the Centaurs (who wanted to take me on the back) – and that black kid the middle of the desert sand appeared, it was so beautiful and the has said that it was the spirit (of fornication). “   Quote from St. Anthony of Flaubert
In our project Ute has selected as the next this eloquent and powerful image quote. This, of course, immediately arise pictures in my head.   The translations of our books are different again, in my copy island is the beautiful word anchorite for eremite used. The diversity of the translations I have shown in parentheses and italics.


_________________________________________________________________________________
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Durch das lange Haar – Flauberts Antonius – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Zeichnung by Susanne Haun on 7. November 2012

„… durch das lange Haar, das ihr Gesicht verdeckte, vermeinte ich Ammonaria zu erkennen.“
Flaubert in der Versuchung des heiligen Antonius

Dieses Zitat, so einfach es klingt, war eine echte Herausforderung für mich.

Schon beim Lesen habe ich keine Verbindung zu den Worten, die Ute Schätzmüller für unser Projekt auswählte, erhalten.
Ich empfinde Das Zitat so abgegriffen; die langen Haare einer Frau

Blatt 43 Ammonaria in der Säulenhalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 43 Ammonaria in der Säulenhalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Ich schreibe euch den Satz vor dem ausgewählten Zitat auf:
„Mitten in einer Säulenhalle war in praller Sonne eine nackte Frau an eine Säule gefesselt; zwei Soldaten peitschten sie; …“

Da es ja hier um die Versuchungen des heiligen Antonius geht, darf natürlich die Versuchung der körperlichen Liebe nicht fehlen. Und dafür sind die langen Haare ein vergleichsweise harmloses Symbol. Harmlos und wenn man nicht aufpaßt auch ein wenig kitschig.

Zuerst blieb ich bei meiner Darstellung vom rennenden Kind (vom 4. Zitat, was Ute auswählte) und hielt die selbe rennende Situation im Blatt 41 fest. Aber das, erkannte ich schnell, stellt keine Versuchung dar.

Blatt 42 ist dann die Versuchung deutlich zu sehen, aber sie ist mir zu gerade und offen ohne Rafinesse dargestellt.

Blatt 44 Ammonaria in der Säulenhalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Blatt 44 Ammonaria in der Säulenhalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

In Blatt 43 wollte ich den Tempel zeigen, ich dachte dabei wieder an meine Ägypten Reise und den Tempel von Karnak. Der beeindruckte mich mit seiner Widderallee besonders. Auch der Doppeltempel von Kom Ombo ist wegen seiner noch erhaltenen Decke in meine Erinnerung. Die Säulen, die ich hier darstellte, sehen eher aus wie die Gitterstäbe eines Gefängnisses. Bei diesem Ergebnisse hätte ich es belassen, wenn ich nicht vergessen hätte, das Blatt zu benutzen, auf dem Ute das Zitat schrieb.

So entstand in Blatt 44 die Widderallee, der Tempel und ganz klein Ammonaria.

Ute und ich haben einen Projekt Blog „Antonius Versuchung“ angelegt. Dort präsentieren wir immer aktuell die Ergebnisse unsere Arbeit an dem Antonius Projekt. Wir freuen uns über eure Statements und über Diskussionen.

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

For my English-speaking readers:
„… through the long hair that covered her face, I supposed seeing Ammonaria.“
Flaubert in the Temptation of St. Anthony
This quote, as simple as it sounds, was a real challenge for me. While reading, I can not connect to the words, Ute Schätzmüller chosing for our project. The quote sounds so hackneyed, same as the long hair of a woman …

_________________________________________________________________________________

Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

%d Bloggern gefällt das: