Die Versuchung des heiligen Antonius · Illustration · Zeichnung

(…) und der Saum ihrer Kleider fällt mir über die Füße – Flauberts Antonius – Zeichnung von Susanne Haun

„Sie steigen aus, falten ihre ringbeladenen Hände und knien nieder. … Das Verlangen nach einer übermenschlichen Lust peinigt sie; … – und der Saum ihrer Kleider fällt mir über die Füße.“
Gustave Flaubert im heiligen Antonius

Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, wie ich zeichnerisch die Erotik dieser Szene einfangen kann.
Ein Kleid, das über die Füße eines heiligen Eremiten fällt, ist zuerst sehr sachlich. Aber Antonius Versuchung findet in seinem Kopf statt. Seine Fantasie wird die Frauen nackt sehen, die Kleider sind nur das Beiwerk der Anständigkeit.

Blatt 62 Der Saum ihres Kleides (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 62 Der Saum ihres Kleides (c) Zeichnung von Susanne Haun

Um das Buch wirklich zu begreifen muss ich den gesellschaftlichen und historischen Kontext des mittleren 19. Jahrhunderts begreifen. Ich weiß zu wenig darüber. Ich habe mir überlegt, dass im Laufe der Jahre viele Rezessionen von Flauberts heiligem Antonius entstanden sein müssen, die auf genau diesen Kontext eingehen. Und so hat mich Google auf die Universitätsbibliotheken geführt.

Blatt 61 ... einer übermenschlicihen Lust (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 61 … einer übermenschlicihen Lust (c) Zeichnung von Susanne Haun

Auf der Seite der Bibliothek der Universität Toronto habe ich die „Briefe an George Sand, mit einem Essay von Heinrich Mann [Deutsch von Else von Hollander] (1919)“ gefunden. Ich war erstaunt, dass ich das Buch als ebook kostenfrei herunterladen konnte. Ich möchte euch diesen Link nicht vorenthalten, denn es ist ein interessantes Buch.

Bisher habe ich noch kein Tablet oder Kindle Reader, aber die Anzahl der Bücher, die ich als ebook besitze, wird immer größer und sie auf dem PC oder gar meinem Samsung Handy zu lesen ist lästig. Das Handy ist zu klein und der Rechner ist mir nicht Buch genug.
Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob mir ein Reader zum Lesen ausreicht oder ob es ein Tablet sein soll.
Was habt ihr für Erfahrungen?

Die neuste Schrift über Flaubert, die ich fand, ist die von Barbara Vinken von 2009. Gebunden kostet „Flaubert: Durchkreuzte Moderne“ 58 Euro aber als Kindle Edition kann ich es schon für 12,99 erhalten.
Wir leben wahrlich an der Schwelle einer neuen Gesellschaft! Bildung wird tatsächlich preiswerter!

Blatt 60 ...und knien nieder ... (c) Zeichnung von Susanne Haun
Blatt 60 …und knien nieder … (c) Zeichnung von Susanne Haun

For my English-speaking readers:
„You get out, fold their ring-laden hands and kneel. The craving for … a superhuman desire to torment, … – and the hem of her dress reminds me of the feet. “ Gustave Flaubert in St. Anthony
I have long thought about how I can drawing the capture of the erotic of this scene. A dress that falls on the feet of a holy hermit is first very businesslike. But Anthonys Temptation takes place in his head. His fantasy is to see the women naked, the clothes are just the paraphernalia of decency.

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Flaubert, Gustave. 1821-1880; Lossow. Else Hollander von. 1889-. Sand, George, 1804-1876. Potsdam 1919 G. Kiepenheuer
Flaubert, Gustave, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

8 Kommentare zu „(…) und der Saum ihrer Kleider fällt mir über die Füße – Flauberts Antonius – Zeichnung von Susanne Haun

  1. Liebe Susanne, ich habe seit einiger Zeit ein acer iconia tablet a200, mit dem ich u.a. auch bücher lese. Wenn ich unterwegs bin, ist dieses Teil fantastisch. Zuhause mag ich aber immer noch die „echten“ Bücher lieber. Aber vielleicht ist das ja auch einfach nur Gewohnheitssache. Mal sehen.
    LG von Rosie
    P.S. Danke für den Link! Da werde ich gleich mal schauen.

    1. Liebe Rosie,

      ich habe mich sehr gefreut, von dir zu lesen. Ich habe oft an dich gedacht, und habe mich erst jetzt daran erinnert, dass die following Funktion bei deinem Blog irgendwie nicht funtioniert.

      Danke für den Hinweis auf dein tablet, ich habe es mir schon aufgerufen und schaue es mir mal an.

      Ich wünsche dir einen schönen Abend, Susanne

  2. Hallo Susanne, Bildung war schon immer preiswert, es gibt Bibliotheken! Die eignen sich hervorragend zum Recherchieren, Stöbern und Vertiefen. Und wenn wir sie alle fleißig benutzen, gibt es sie auch morgen noch 🙂
    Viele Grüße, Stefan.

    1. Hallo Stefan,
      grundsätzlich hast du recht, ich bin seit ich lesen kann regelmäßig in der Bibliothek.

      Ich gebe jedoch zu bedenken, dass Fachbücher nicht in der Anzahl (oder gar nicht) in den Bibliotheken vorhanden sind, wie sie benötigt werden.
      Gehen wir mal von 240 1.Semester Studenten einer Fachrichtung aus. Diese bekommen von einer Woche zur anderen eine Hausarbeit auf, wo sie ein bestimmtes Buch aus der Bücherei brauchen. Natürlich schaffen das von der reinen Logistik nicht alle Studenten. Das gewünschte Buch ist nicht häufig genug vorhanden und muss von einigen Studenten gekauft werden. Da finde ich die gescannte digitale Lösung perfekt.

      Ich geben ebenfalls zu bedenken, dass in der Zwischenzeit auch die Bücherei nicht mehr kostenlos ist. Jedenfalls in Berlin. Der Benutzer muss im Jahr eine Gebühr entrichten und bei der Ausleihung von Neuanschaffungen müssen wir 2 Euro bezahlen und dürfen die Bücher dann auch nur 14 Tage ausleihen. Ich bin regelmäßig in der Bücherei und ich habe es noch nicht geschafft, ohne wenigstens 2 Euro zu bezahlen nach Hause zu gehen. Natürlich ist das immer noch preiswert als kaufen.

      Und natürlich geht es auch nicht, dass alle Bücher aus dem Internet kostenlos gelesen werden können. Denn auch die Verlage und Autoren müssen leben. Gestern habe ich gesehen, dass ein bestimmtes Fachbuch, was ich haben möchte, 59 Euro gedruckt und 11 Euro als Kindle Version kostet. Da ist der Nutzen natürlich groß. Natürlich werde ich es vermissen, mit einem halb leeren Textmacker in den Büchern zu kritzeln. Aber ich werde mich aus kostengründen bestimmt daran gewöhnen, die Kindle Markierfunktion zu benutzen. Und in den Bücherei Büchern kann man eh nicht markieren.

      Aber ich greife meinem Beitrag von morgen voraus. Ich war heute Vormittag in der Bücherei und hatte vor, morgen darüber einen Beitrag zu schreiben.

      Grüße aus Berlin von Susanne

      1. Ich gebe dir Recht. Allerdings arbeiten die Studenten in Seminaren heute ohnehin mit digitalen Kopien, die der Dozent bereitstellt. In Berlin bist du bibliothekarisch bestens versorgt. Stöber mal im Online-Katalog der Staatsbibliothek nach Kunstliteratur bzw. geisteswissenschaftlich-belletristischer Literatur generell. Da fällst du um, was die alles haben. Kostet nur eine einmalige Gebühr im Jahr. Und solltest du ein Buch dort nicht findet, wird es für dich angeschafft, ohne Kosten!
        Gruß Stefan

        1. Ja, da hast du recht, Stefan. Ich bin auch immer wieder begeistert……
          Als Berlinerin habe ich viele Möglichkeiten…
          Selbst in unserer Außenbezirk Reinickendorf Bibliothek habe ich heute wieder zwei Fachbücher bekommen, die ich dringend brauche ….
          Die Online Kataloge mag ich auch sehr. Beim Recherchieren stoße ich dann öfter auf die kostenlosen Bücher zum downloaden.
          Ich glaube, nach 75 Jahren erlischt der Urheberschutz?
          Grüße von Susanne

  3. Hallo Susanne,
    Ich finde deine Gedanken, die Du vor der Umsetzung machst, sehr interessant. Deine Interpretationen sind Dir sehr schön und sinnlich gelungen. Chapeau. Grüsse nach Berlin. Ernst

    1. Danke, Ernst.

      Die Zitate habe ich, bevor ich die Feder in die Hand nehme, lange im Kopf, um zu überlegen wie ich sie darstelle.

      Im Moment drehe ich die letzten beiden Zitate zum Kapitel 1 gedanklich von links nach rechts in meinem Kopf herum!

      Die Bilder entstehen zuerst dort in meinem Kopf.

      Grüße von Susanne

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