Susanne Haun

Manche Themen brauchen einen zweiten Tag – Zeichnungen zum Purpur des Antonius von Susanne Haun

Posted in Die Versuchung des heiligen Antonius, Illustration, Stillleben, Zeichnung by Susanne Haun on 29. September 2012

Manche Dinge brauchen einen zweiten Tag, um vollständig verarbeitet zu werden. Ich konnte heute Utes erstes Zitat aus dem Antonius noch nicht wieder zur Seite legen.

Ute sendete mir auf einer Karte die Worte: „Gegen Norden hat der Himmel perlgraue Färbung, während vom Scheitelpunkt aus, wie die Strähne einer ungekämmten Mähne, purpurne Wolken das blaue Gewölbe durchkräuseln .“  Flaubert

Gestern hat Ute in ihrem Blog ihre Arbeiten zu dem Satz gezeigt (siehe hier) und ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlch wir interpretiert haben. Ute beschreibt auf ihrer Seite auch sehr schön unser Projekt.

Die Rolle ist ein Meter hoch (c) Foto von Susanne Haun

Die Rolle ist ein Meter hoch (c) Foto von Susanne Haun

Das Stilleben und die große weiße Rolle lagen auf meinem Ateliertisch. Wie der Name „Still“ schon sagt, meine Gegenstände können sich nicht auf und davon machen. Ich setze mich an den Tisch und betrachte alles und bringe  es nicht über das Herz, es  wegzuräumen.

Das blaue Gewölbe sehe ich in der Kopfform des Schädels, den ich auf der weißen Rolle festhalte. Mit dunklem Grau ziehe ich eine Felsfand in Richtung Norden und benutze das Blau, um den Himmel zu zeichnen. Zu schnell bin ich wieder an einem Punkt, wo alles trocknen muss und wie eine Bessene nehme ich mir einen 30 x 40 cm großen Aquarellblock vor und beginne ein neues Stillleben.

Als Model für den Felsen auf dem Papier dient mir ein zerknülltes Stück Packpapier. Die Linien sind genauso prägnant wie die der Felswände in der Natur. Ich möchte kein Grau mehr benutzen, ich mag starke Kontraste und verwende das pure Schwarz, ohne es zum grau zu verwässern. Durch die Tage, die ich schon mit dem Stilleben und der Rolle arbeite, ist mir alles vertraut und ich kann mich auf den Ausdruck konzentrieren.

Stilleben blaues Gewölbe 30 x 40 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Stilleben blaues Gewölbe 30 x 40 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Nach dem dunklen Stilleben ist immer noch nicht alles aus mir heraus; also nehme ich noch den blühenden Grashalm, den ich für das Stillleben kaufte, und zeichne ihn.

Nach solche einem „Arbeits-Excess“ bin ich ausgelaugt, als ob jemand eine Spannplatte auf mir legte und darauf tanzte, fühle ich mich. Zitat und Stillleben geben nun Ruhe und ich kann mich neuer Arbeit zuwenden.

For my english reader:
The first sentence from the book “The temptation of Saint Anthony” from Flaubert was in my brain and I can’t get him out of them. In my studio stand the still life on my table, sure, it cannot move therefore named still life.
So I drawed on the second white role all my emotions to the sentence. As the color had to dry on the role, I took a sheet of watercolor paper and draw, I took a second paper and draw …. now, I feel tired but lucky.

Wenn ihr mehr von dem Projekt lesen wollt, dann könnt ihr das hier.

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Gustav Flaubert, “Die Versuchung des heiligen Antonius, aus dem Französischen von Barbara und Robert Picht,insel Taschenbuch 1868, Erste Auflage 1996

Cuba Soli Spezial und Vanitas Stillleben – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Stillleben, Zeichnung by Susanne Haun on 1. Mai 2012

10 Stunden waren wir gestern in unseren Ausstellungsräumen der Cuba Soli Spezial.

Eingang zur Cuba Soli Spezial (c) Foto von Susanne Haun

Eingang zur Cuba Soli Spezial (c) Foto von Susanne Haun

Wir führten dabei nicht nur interessante Gespräche mit unseren Besuchern sondern natürlich auch untereinander.

Ich hatte zum Zeichnen und als Inspiration meine  Ruthi Totenschädel (siehe hier) und einzelne Blüten mitgenommen, um diese zu Vanitas Stilleben zu komponieren. In „meinem Raum“ hatte mir Katrin Günther ihren Arbeitstisch geschoben und so habe ich auch ein wenig gearbeitet. Katrin berichtete von ihrem Traum, ein Froschskelett zu besitzen.

Ich hatte mich immer gefragt, warum bei meiner Ruthi der Unterkiefer nicht fest am Oberkiefer sitzt. Nun weiss ich es: ein zur Seite geschobener Unterkiefer ist ein Zeichen der Auflösung der Person. Interessant ist auch, dass viele Totenkopfdarstellungen auf den Rückseiten von Bildnissen gemalt wurden. Mir geht da schon eine Bildidee durch den Kopf…

Stilleben II 40 x 30 cm Tusche und Aquarell auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne

Stilleben II 40 x 30 cm Tusche und Aquarell auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne

Gelohnt hat sich die Aktion auch, danke an alle, die Arbeiten von uns mit nach Hause genommen haben.

Am Ende der Veranstaltung habe ich, um die Ausstellung ausklingen zu lassen, die Linie losgelassen und Flächen mit Aquarellfarbe aneinandergesetzt. Erst ganz am Ende des Malprozeßes habe ich meine Feder zur Hand genommen. Natürlich passt da meine Caput Mortuum Tusche besonders zum Thema. Caput Mortuum bedeutet, das Rot der Tusche ist wie das Rot des Blutes, was beim giutiniren aus den Köpfen läuft.

Cuba Soli Spezial und Vanitas  Stillleben – Bericht und Zeichnung von Susanne Haun

Die große Kunst oder Kitsch, ein Weihnachtsstern und der König von Dänemark – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Blumen und Pflanzen, Zeichnung by Susanne Haun on 19. Dezember 2010

Was ist Kunst?
Picasso sagte dazu „Wenn ich wüßte was Kunst ist, würde ich es keinem verraten.“

In regelmäßigen Abständen kommt diese Dikussion zwischen Künstlern, Sammlern, Kunstliebhabern und Interessierten zum Vorschein.

Ich habe mir heute den Weihnachtsstern von meinem Fensterbrett und ein archäologisches Foto mit den Überresten eines Männerkopfes aus einem Grab in Deal bei Kent (2. Jh. v. Chr.) vorgenommen.

Weihnachtsstern - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Weihnachtsstern - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Für beide Motive nahm ich dasselbe Papier, dieselben Tuschen, dieselben Federn.
Ist das eine Kunst und das andere Kitsch? Nur aufgrund des Motives?

Hamlet - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Hamlet - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 20 cm - Tusche auf Bütten

Im Facebook sagte Lothar Pues: „Früher hat man geglaubt, dass grosse Kunst allein aus Traumata und Depression entsteht. In der aktuellen Phase des Kapitalismus erkennt man in der erotischen und sozialen Frustration die einzig verbliebene ökonomische Kraft.“

Ich stelle mir dazu die Frage „Ist es wichtig, einen Grund für die Entstehung der grossen Kunst zu finden? Entsteht sie nicht aus dem Künstler heraus und könnte auch grosse Kunst nicht einfach aus purer Freude entstehen?“

Lothar Pues meinte daraufhin, das das vielleicht auch irgendwie kitschig klingt, kitsch als etwas dass sich über etwas legt.

Ich denke immer wieder über diese Fragen nach – seid Jahren schon. Ich finde immer wieder Puzzleteile zur Lösung aber ich habe die Lösung noch nicht.

Wie geht es euch? Wißt ihr was Kunst und was Kitsch ist?

Hamlet? Ein Druide? Ein Totenkopf – Fortsetzung der Rolle von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Portraitmalerei, Rolle, Rolle des Lebens, Zeichnung by Susanne Haun on 5. Dezember 2010

Heute habe ich weiter an der Rolle gearbeitet und mit dem Ende begonnen. Ein guter Meter fehlte noch.

Gertrude Stein, fragte einmal Matisse, ob er eine Tomate, die er esse mit den Augen des Malers betrachte. Seine Antwort:“Nein. Wenn ich eine Tomate essen will, sehe ich sie so, wie jeder andere auch. Will ich sie aber malen, sehe ich sie anders.“

Bei mir ist es wie ein Schalter im Kopf. Ich merke, wenn ich mit dem Auge der Künstlerin schaue. Ich sehe dann die Linien, ich sehe hell dunkel und ich sehe, die Entfernungen der Dinge – die Proportionen. Es ist ein viel anstrengendes sehen, ein sehr konzentriertes sehen. Es ist eine Arbeit und ich kann das gesehene beim Zeichnen abrufen. Anders wenn ich nur etwas betrachte. Dann lasse ich dazu meine Gedanken gleiten. sehe vielleicht Farben, kann aber nichts wiedergeben. Es ist ein entspanntes, erholsames betrachten.

Die Füße ballancieren auf dem SChädel - Zeichnung von Susanne Haun

Die Füße ballancieren auf dem SChädel - Zeichnung von Susanne Haun

So ist es auch heute mit der Rolle gewesen. Der Abschluss bildet ein Skelettkopf. Auf diesem Kopf balancieren die Füße des Engels. Skelette betrachte ich in Museen, Anatomiebücher oder wie in diesem Fall in einem Buch über Kelten. Der Totenschädel soll aus dem 2. Jahundert vor Christus sein und wurde in Kent gefunden. Ob es sich bei der Kopfbedeckung um eine Druidenkrone oder einen Helm handelt ist unklar.

Die Hälfte des Schädels oben fehlt auf Grund des Alters - Zeichnung von Susanne Haun

Die Hälfte des Schädels oben fehlt auf Grund des Alters - Zeichnung von Susanne Haun

Für mich symbolisiert er den Beginn oder, wenn der Betrachter es so sehen will, das Ende der Rolle. Die Kopfbedeckung regt meine Phantasie an – ich sehe auch Hamlet. Der Engel steht auf dem Kopf – hier habe ich übrigens meine Füße als Modell zur Hilfe genommen. Der Engel ballanciert auf dem Tod.

Worauf steht der Totenschädel? 10 cm von den 1000 cm sind noch frei. Diese 10 cm müssen reichen, um den Totenkopf halt zu geben. Morgen werde ich die Rolle schliessen.

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