Berühmt · Betrachtungen zur Kunst · Portraitmalerei · Zeichnung

Der Futurist Umberto Boccioni – Zeichnung von Susanne Haun

Heute habe ich meinen Vortrag über den Begriff des Raumes, der Geschwindigkeit und der Zeit nach Umberto Boccioni gehalten.

Je tiefer ich in die Kunst Boccionis einstieg, desto mehr faszinierte er mich und desto mehr habe ich seine Thesen in der heutigen Kunst gefunden.

Was ist heute eine moderne Lebensauffassung, wie stelle ich sie persönlich in der Kunst dar? Haben wir heute noch Manifeste? Alles interessante Fragen, die mich beschäftigen.

Portrait Boccioni 34 x 21 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Portrait Boccioni 34 x 21 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Natürlich reizte es mich auch, Boccioni darzustellen. Was er gar nicht mochte, waren klassische Portraits. Ich denke, meine Portraits sind  von unserem heutigen Standpunkt aus betrachtet klassisch zu nennen und Boccioni hätte es sie heute  in den Grundfesten zerrissen. Aber was heute klassisch ist, kann damals als sehr modern gelten.

Bei den sehr häufig stattfindenden Seraten (italienisch für Soiree), hält Marinetti, der Mitbegründer des Futurismus, eine Ansprache und dann tragen die Futuristen in verschiedenen Rollen ihr Manifest vor. Häufig werden die künstlerischen Punkte mit den politischen vermischt und es endet meistens in Tumulten.

Silhouette Gelb Boccioni (c) Zeichnung von Susanne Haun
Silhouette Gelb Boccioni (c) Zeichnung von Susanne Haun

Wir müssen bedenken, dass zur Zeit der Serate selbst Stummfilmkino eine absolute Attraktion war und es durchaus üblich war in Serate zu gehen und die Serate so ein breites nicht nur speziell kunstinteressiertes Publikum hatte . Es gab noch kein Fernseher und kein Kino. Die Serates waren als Massenunterhaltung gedacht.

Der Futurist Umberto Boccioni – Zeichnung von Susanne Haun

Betrachtungen zur Kunst · Blumen und Pflanzen · Zeichnung

Orange Balkonblumen – Zeichnungen von Susanne Haun

Balkonblumen zu pflanzen ist ein großer Spaß auch wenn es schmutzige Hände gibt. Wobei ich die schmutzigen Hände vom Radieren und Zeichnen gewöhnt bin.

Es ist eine Arbeit, bei der man die Gedanken gleiten lassen kann.

Auf dem Balkon Blumen pflanzen (c) Susanne Haun
Auf dem Balkon Blumen pflanzen (c) Susanne Haun

Ich beschäftige mich immer noch mit dem Futurismus; ich habe viel darüber gelesen und muss ersteinmal sortieren und für mich interpretieren was das Gelesene bedeutet. Der Futurismus setzt sich mit der zur damaligen Zeit neuen Geschwindigkeit und Bewegung auseinander. Umberto Boccioni schreibt, dass sie der Lyrische Ausdruck der mordernen Lebensauffassung ist. Er will den Begriff des Raumes mit dem der Zeit vereinen. Und er will das auch in seinen Skulpturen und Bildern darstellen.

Orange Blüte 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun
Orange Blüte 17 x 22 cm Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Was ist unsere heutige moderne Lebensauffassung? Die mediale Welt? Sie birgt auch Geschwindigkeit, schnelle Schnitte, schnelle Informationen. Wie kann ich unsere heutige Lebensauffassung, wenn ich sie dann charakterisiert habe, in meinen Zeichnungen zeigen?

Orange Balkonblumen – Zeichnungen von Susanne Haun

Betrachtungen zur Kunst · Skizzen · Skizzenbuch · Zeichnung

Linien müssen den Betrachter einhüllen – Zeichnungen von Susanne Haun

„Linien müssen den Betrachter einhüllen und mit sich reißen, so daß er gezwungen wird, ebenfalls mit den Gestalten des Bildes zu kämpfen.“ Umberto Boccioni

Dieses Zitat ist dem Vorwort zum Katalog der 1.Ausstellung futuristischer Malerei, Paris, 1912 entnommen. Ich bin erstaunt, dass ich mich zum Lesen der Thesen des Futurismus zwingen mußte, je länger ich lese, um so eingängiger wird mir der Futurismus und um so mehr verstehe und mag ich ihn.

Einhüllende Linien am Neptunbrunnen (c) Zeichnungen von Susanne Haun
Einhüllende Linien am Neptunbrunnen (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Ich habe heute am Neptunbrunnen gesessen und das Treiben dort beobachtet. Alle Passanten sind so sehr mit sich selber beschäftigt, dass sie keine Zeit finden, sich von mir beobachtet zu fühlen. Noch dazu stellen sich immer wieder Besucher des Brunnens für ein Foto auf. Diese Sekunden nutze ich, um zu skizzieren.

Heute habe ich es nicht als Dogma genommen, die Linie in einem Fluß zu zeichnen, aber ich habe es nicht vergessen und den Stift nur dort abgesetzt, wo es wirklich notwendig war.

Einhüllende Linien am Neptunbrunnen (c) Zeichnungen von Susanne Haun
Einhüllende Linien am Neptunbrunnen (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Besonders gefallen hat mir die Schulklasse, die sich in den Brunnen hängte. Wie ungewöhnlich zu zeichnen. Ich habe mit dem Brunnen angefangen zu skizzieren und habe mich dann immer mehr auf das zeichnerische, schnelle Sehen eingespielt. Der Brunnen wurde mit jeder Skizze uninteressanter und bewegungsloser.

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Über die Abschaffung der endlichen Linie – Zeichnungen von Susanne Haun

Bisher hatte ich wenig Zeit und ehrlich gesagt auch wenig Interesse und Lust, mich mit dem Futurismus zu beschäftigen.

Ich dachte immer, alles was Kunst ist, interessiert mich. Aber ich stelle fest, dass ich mich durch die Biografie des Boccioni und durch den Futurismus quälen muss.

Erinnert ihr euch noch? Seht hier meinen Artikel dazu. Ich wollte ein Referat über „Zeit als plastisches Konzept im Futurismus: Umberto Boccioni“ schreiben.

Die unendliche Linie im Stiefmütterchen (c) Skizze von Susanne Haun
Die unendliche Linie im Stiefmütterchen (c) Skizze von Susanne Haun

Mir gefällt, dass Boccioni eine Zeit lang in Forlí wohnte. Das liegt in der Emilia-Romagna und genau dort werde ich dieses Jahr zwei Wochen verbringen. Die Emilia Romagna liegt unter der Toskana und geht bis zur Adria.

Umberto Boccioni schrieb 1912 in Mailand sein „Technisches Manifest der futuristischen Plastik„.

Ich mag folgende Forderung daraus und überlege, was ich daraus für meine Arbeiten ziehe:

„Werfen wir also alles über den Haufen und proklamieren wir die absolute und vollständige  Abschaffung der endlichen Linie und der in sich geschlossenen Statue. Reissen wir die Figur auf und schliessen wir die Umgebung in sie ein.“ U.Boccioni

Die unendliche Linie im Stiefmütterchen (c) Skizze von Susanne Haun
Die unendliche Linie im Stiefmütterchen (c) Skizze von Susanne Haun

So habe ich mir heute die Aufgabe gestellt, die Stiefmütterchen auf meinem Balkon in einer Linie, ohne abzusetzen zu zeichnen. Ein kleines Blatt der Größe 10 x 10 cm ist gut in einer Linie zu füllen. Es ist anstengend, weil das gewohnte Denken durchbrochen wird. Aber wenn „der Groschen gefallen ist“ funktioniert es gut. Also habe ich ein 20 x 50 cm großes Blatt genommen und die Stiefmütterchen ohne den Stift abzusetzen in Reihe gezeichnet. Das war schon schwieriger aber es geht auch.

Mir gefallen die lebendigen, unendlichen Stiefmütterchen!

Über die Abschaffung der endlichen Linie – Zeichnungen von Susanne Haun