Susanne Haun

Sizilien – Parco valle dei templi agrigento und die Scala dei Turchi – Susanne Haun

Posted in Reiseberichte, Sizilien, Zeichnung by Susanne Haun on 18. Oktober 2017

 

Parco valle dei Templi agrgento - Herakles (c) Foto von M.Fanke

Parco valle dei Templi agrgento – Herakles (c) Foto von M.Fanke

 

Viele Ausgrabungsstätten von römischen Städten haben wir in der Vergangenheit besucht, jedoch empfand ich die Parco valle dei templi agrigento auf Sizilien am eindrucksvollsten. Bisher war Volubilis in Marokko mein Favorit (siehe hier). Erstaunlicher Weise liegt Rom (siehe hier) auf meiner Hitliste ziemlich weit unten, ich habe die Stadt voll, regnerisch und schmutzig in Erinnerung.

 

Sizilien, 3.9.2017

Agrigento ist nicht gerade um die Ecke unseres Urlaubsortes Caronia. Wir haben überlegt, ob es intelligenter gewesen wäre, das Quatier in den drei Wochen zu wechseln. Andererseits habe ich keine Lust auf die Unruhe, die daraus entstehen würde. Wir haben uns gut in Caronia eingelebt und so haben wir heute die 2 ½ Stunden lange Fahrt nach Agrigento zum Parco valle dei templi auf uns genommen. Durch die Berge Siziliens benötigt man für die knapp 200 km lange Strecke länger als bei uns.

Am ersten Sonntag im Monat muss man keinen Eintritt (10 Euro) für die Tempelanlage bezahlen. Viele Menschen, besonders auch Sizilianer*innen, nutzen diese Gelegenheit und so bildeten sich lange Schlangen am Security Check. Für genügend Parkplätze ist gesorgt, ein Tagesticket kostet 5 Euro, wir haben für vier Stunden 4 Euro bezahlt.

Ja, vier Stunden waren wir auf dem Tempelgelände des antiken Akragas und ich ärgere mich immer noch ein wenig, dass wir nicht eine längere Pause eingelegt und dann weiter geschaut haben. Die vier Stunden haben nicht gereicht, alles zu sehen. Den hinteren Bereich mit dem Archäologischen Museum, dem kleinen Theater und dem Giardino della Kolymbetra haben wir nicht gesehen, ich war einfach zu kaputt, nicht nur die vielen Eindrücke, sondern auch die Sonne und der starke Wind, der uns den Sand ins Gesicht wehte, waren anstrengend. Ihr müsst euch das Gelände so groß vorstellen, dass kleine Busse in der Querverbindung fahren, allerdings nehmen sie es vom Lebendigen, 3 Euro pro Person für eine Strecke.

 

 

Sehr glücklich bin ich über das Gesehene. Akragas liegt auf einem Höhenzug, der durch seine abfallenden Felsenwände leicht zu verteidigen war und wurde von Kolonisten aus Rhodos und Bewohnern des nahe gelegenen Gelas im 6. Jhd.v.Chr. gegründet und im 5. Jhd.n.Chr. von den Karthagern erobert, geplündert und zerstört. Die Tempelanlage ist zum Teil sehr gut restauriert und so sind an der Flaniermeile die Tempel der Hera, Concordia und des Herakles zu sehen. Die Götternamen sind nicht gesichert, dienen aber heute zur Unterscheidung. Heras Tempel entspricht mit 6 Säulen an der Attikaseite und 13 Säulen an der Längsseite den Proportionen des klassischen Tempelmaß auf dem griechischen Festland. Der Tempel des Zeus ist zerstört zu bewundern. Es ist erstaunlich, welche Steinmassen zur Errichtung der Stadt bewegt wurden. Karthagische Kriegsgefangene errichteten den 57 x 113 Meter großen Tempel mit Säulen von einem Durchmesser von 4 Metern und nur 76 Jahre später wurde der Gebäudekomplex von den Kathagern bei der Eroberung vollständig zerstört. Ein Racheakt?

Vom blauen Himmel und den rötlichen Steinen kann man betrunken werden und so entstanden dutzende von Fotos von der Anlage und es war nicht leicht die vermeintlich Schönste auszuwählen. Übrigens, die Tempel wurden im Gegensatz zu den griechischen Vorbildern nicht mit Marmor, sondern mit einheimischen Kalk- oder Sandstein errichtet und bunt bemalt.

Auf dem Rückweg hielten wir für einen Fototermin an der Scala dei Turchi an, Kreidefelsen bei Capo Rossello, westlich von Agrigento. Für einen Besuch des Strandes an der Scala dei Turchi blieb keine Zeit übrig. Hier sollen der Legende nach die Türken (Sarazenen) an Land gestürmt sein.

Sizilien bietet seinen Besuchern*innen viel Sehenswertes und es ist nicht einfach, sich für etwas zu entscheiden. Ich bin froh, dass wir 3 Wochen vor Ort sind.

 

 

 

Quelle:

Mesina, Caterina, Sizilien, mit ungewöhnlichen Entdeckungstouren, persönlichen Lieblingsorten und separater Reisekarte. Ostfildern 2016.

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Steve Jobs

Posted in Zeichnung by Susanne Haun on 15. Oktober 2017

 

Lassen Sie nicht zu, dass der Lärm fremder Meinungen Ihre eigene innere Stimme übertönt.

Steve Jobs

 

Menschenmenge (c) Zeichnung von Susanne Haun

Menschenmenge (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

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Zitiert nach Zitatkalender aus der Helmut Lingen Verlag Gmbh, 2016 Köln, Kalenderblatt 26. Januar 2017.

 

Lots Frau – Glasobjekt von Susanne Haun

Posted in Glas und Keramik, Objekt, Säulenträger, Zeichnung by Susanne Haun on 13. Oktober 2017

 

Im Juli diesen Jahres zeichnete Gerda Kazakou zur Geschichte von Lots Frau, ich war fasziniert von ihrem Beitrag (siehe hier: Gesteinsausblühung oder: die Geschichte von Lot ) und nahm mir schon gleich beim Lesen vor, mich ebenfalls mit dem Thema zu befassen.

Weiches gegen Hartes, schreibt Gerda. Mein erster Entwurf zum Thema entstand schon im Juli, die harte Säule inkludiert die schreiende Frau Lots, deren Name in der Bibel nicht erwähnt wird, und die zu diesem Zeitpunkt noch lebendig und weich ist.

 

Lot und seine Frau - 1. Entwurf (c) Zeichnung von Susanne Haun

Lot und seine Frau – 1. Entwurf (c) Zeichnung von Susanne HaunLot und seine Frau – 1. Entwurf (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Während ich meine Zeichnung anschaute, kam die Idee, sie in einen Glaskubus einzuschliessen und mit Organischem zu umgeben. Dazu wollte ich jedoch eine längliche Zeichnung verwenden. Erst zeichnete ich emotional mit dem Pinsel an der Skizze orientiert.

 

Lot und seine Frau - 2. Entwurf - 50 x 20 cm - Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

Lot und seine Frau – 2. Entwurf – 50 x 20 cm – Tusche auf Bütten (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Irgendwie war mir die Zeichnung zu spontan, ich wollte sie für den Glaskubus ordnen, außerdem braucht sie auch eine Rückseite, da durch das Glas beide Seiten des Blatts zu sehen sind. Nach dem Erstellen fragte ich mich, ob die spontane Zeichnung nicht mehr dem Thema entspricht. Dann aber fand ich die organischen Beigaben alleine schon so unruhig, dass ich die ruhige kontrolliert zum Thema entstandene Zeichnung wählen wollte.

 

Am Sonntag dann kombinierte ich doch beide Zeichnungen, hinten Lots Frau im Augenblick der Versteinerung, spontan und kraftvoll mit dem Pinsel auf Papier und vorne die Versteinerte Frau Lots. Auch arrangierte ich nur zwei Steine aus Sizilien dazu. Ich fand sie am Strand von Sant’Agata di Militello. Feine weiße Linien ziehen sich durch grauen Stein.

Das Objekt Lots Frau ist 30 x 30 x 36 cm groß, ich zeige es heute das erste Mal in der Öffentlichkeit anläßlich der Ausstellung Querbrüche und bin sehr gespannt, wie das Publikum auf das Objekt reagiert.

 

 

Heute um 19 Uhr eröffnet die Ausstellung Querbrüche (siehe hier). Wer mein Objekt real sehen möchte ist herzlich eingeladen zum Kunstzentrum Tegel Süd nach Berlin Reinickendorf zu kommen:

Objekte und Zeichnungen von Gabriele D.R. Guenther und Susanne Haun

Musik von Achim Kaufmann und Frank Gratkowski

Filmvorführung von Anna-Maria Weber – AugenZeugeKunst

13. – 15. Oktober 2017

Kunstzentrum Tegel-Süd in den Galerieräumen im 1. Obergeschoss

in der Neheimer Str. 54 – 60 in 13507 Berlin (Reinickendorf)

 Der Eintritt ist frei.

Öffnungszeiten
Fr. 19.00 – 21.00 Uhr, Sa.11.00 – 19.00 Uhr, So. 11.00 – 17.00 Uhr

Sizilien – Abenteuer auf den Straßen des Parco dei Nébrodi – Susanne Haun

Posted in Landschaft, Reiseberichte, Sizilien, Zeichnung by Susanne Haun on 11. Oktober 2017

 

An unserem Sizilen Urlaub mochte ich besonders unsere Ausflüge abseits der im Reiseführer empfohlenen Strecken.

Sie bargen immer wieder Überraschungen. Inzwischen habe ich bei einem der vielen Fotobuch-Anbietern ein Fotobuch A4 quer mit den Fotos unserer Reise zusammengestellt. Leider ist es in den Tiefen des dhl-Postweges verloren gegangen. Wenn es bis Montag nicht ankommt, dürfen wir uns beim Anbieter melden, der dann das Buch nochmals produziert und wieder dhl zu treuen Händen überreicht. Ob es dann klappt?

 

 

 

Sizilien, den 2.9.2017

Was auf der Wanderkarte des Parco dei Nébrodi als gelbe Strade d’importanza regionale eingezeichnet ist und von unserem Navi, dem doppelten Tom, als befestigte Straße gilt, muss in Sizilien noch lange nicht eine „einfach mal so“ befahrbare Straße sein.

 

Rocca Di San Fratello (c) Foto von M.Fanke

Rocca Di San Fratello (c) Foto von M.Fanke

 

Nach einem leckeren Törtchen in Acquedolci wollten wir auf den kürzesten Weg zur Wanderstrecke zum Monto San Fratello, um dort die Aussicht zu genießen. Also bog M. auf die Straße nach Nicetta ein. Im ersten Gang, neben uns der Berg auf der einen und der Abhang auf der anderen Seite, kämpften wir uns 800 Meter den Berg hoch. Trotz des wenigen Platz versuchte M. den vielen tiefen Schlaglöchern der Straße auszuweichen. Ich hatte Angst. Auch M. war froh, als wir wieder auf die gute schon vor einigen Tagen befahrenen rote SS289 – Strade d’importanza nazionale – abbogen. Schade, dass wir die grandiosen Ausblicke nicht genießen konnten.

Neben dem Friedhof von San Fratello benutzen wir einen kleinen Weg den Berg hoch. Italiener wandern nicht, sie benutzen ihre Autos auf allem, was halbwegs wie eine Straße aussieht und so kamen uns hier einige Jeeps entgegen. Ob die Italiener uns Deutschen für verrückt halten? Wir liefen mit voller Montur: Rucksack, Hut und Wanderstöcken und Wasser für die nächsten 24 Stunden im Gepäck, denn schließlich steigt die Temperatur im September auf Sizilien immer noch bis auf Mitte 30 Grad. Unschwer zu sagen, dass wir alleine zu Fuß unterwegs waren. Oben angekommen, schloss uns eine nette Italienerin den Gipfelbereich auf. Dort befinden sich Ausgrabungsgebiete, die Zäune notwendig machen. Leider lässt unser italienisch zu wünschen übrig und hier wird auch nur italienisch gesprochen, kein Englisch und kein Deutsch. Es ist also noch dringender als gedacht notwendig, italienisch zu lernen und ich nehme mir wieder einmal vor, meine Bemühungen zu verstärken und meinen Wortschatz von „Dov’é il gabinetto?“ auf einiges mehr an Wörtern zu erweitern.

 

 

Auch am Vormittag waren wir in diesem Teil der Nebrodi unterwegs. Wir wollten uns die Grotte San Teodora anschauen, dort sind prähistorische Knochen gefunden worden. Der Parkplatz unter der Autobahn war schon interessant, mich faszinierten am meisten die Schweine, die dort an der Straße ihren Stall hatten. Die waren vielleicht zutraulich.

Mit Händen und Füßen verständigten wir uns mit der ebenso freundlichen Italienerin, die uns die 140 Meter über den Meeresspiegel liegende Grotte aufschloss, wieder waren wir die einzigen Touristen weit und breit. Wir trugen uns in ein Besucherbuch ein, aus dem wir ersahen, dass mit uns die durchschnittliche Höchstbesucherzahl für den Tag erreicht war. Immerhin, vor 5 Tagen war schon einmal ein Deutscher dort zu Besuch. Ich glaube verstanden zu haben, dass für weitere Ausgrabungen das Geld fehlt. In einer grünen Hütte werden 4 Kisten mit versteinerten Knochen und Zähnen von Tieren aus den Jahren 12.000 – 8.000 v.Chr. aufbewahrt. Das Prunkstück, ein vollständiges Skelett des „ersten Sizilianers“ wurde nach Palermo ins Museum geschafft. Ich fand das traurig, nach so langen Zeiten verlor der arme Kerl seine Heimat.

Ein interessanter Tag, der zu unserer Unterkunft passt. Ich erinnere mich nicht, dass ich im Urlaub jemals in einem so touristisch unerschlossenem Gebiet war! Es gefällt uns sehr! Wir sind hier im Bergdorf sehr behütet aufgenommen worden, man kümmert sich um uns. Inzwischen wissen wir, aus welchem vorbeifahrenden Auto jeden Morgen Brötchen verkauft werden und hinter welchem Kettenvorhang es Lebensmittel für den täglichen Bedarf gibt. Wenn wir Abends nicht vor dem Dunkel werden zuhause sind, wird gewartet, ob wir auch wohlbehalten ankommen und nicht in den Tiefen des Parco dei Nebrodi verschwinden.

 

 

 

Die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen – Enzian und Kastanien – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Zeichnung by Susanne Haun on 9. Oktober 2017

 

Es ist schon zwei Donnerstage her, da habe ich mit meinem Vater die letzten Sonnenstrahlen im Garten genossen.

 

Enzian im Garten meiner Eltern (c) Foto von Susanne Haun

Enzian im Garten meiner Eltern (c) Foto von Susanne Haun

 

Mein Vater saß auf seinem Gartenstuhl, schaute in die übersichtliche Ferne des Gartens und rauchte eine dicke Zigarre während ich zeichnete. Es ist ein Rhythmus, den wir seit Jahrzehnten kultivieren, früher saß meine Mutter noch bei uns. Die letzte Pflanze, die Mama in den Garten setzte, war der Enzian, der sich von seinem Ausmaß verfünffacht hat.

Die beiden großen Kastanien im Garten meiner Eltern sind leider von der Miniermotte befallen. Trotzdem haben die Bäume viele große Kastanien abgeworfen. Oft kommen Kinder vorbei, die die Kastanien aus dem Garten sammeln, hier brauchen sie keine Angst haben, dass sie von Hundepipi oder ähnlichem verschmutzt sind. Auch ich sammel die Kastanien gerne und dekoriere damit den Tisch.

 

 

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Dieter Richter

Posted in Landschaft, Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 8. Oktober 2017

 

(…) die wandelbarste aller Landschaften ist das Meer. (…) das stumpfe Taubenblau hochsommerlich heißer Mittagsstunden, das düstere Aschengrau aufziehender Gewitter, das Violett südlicher Sonnenuntergänge, die blitzend konturierte Schwärze der Nacht. Und das helle Türkis am Saum der schönsten Insel.

Dieter Richter, Germanist und Autor

 

Die Welle entsteht und kommt auf mich zu (c) Zeichnung von Susanne Haun

Die Welle entsteht und kommt auf mich zu (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

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Richter, Dieter, Das Meer, Geschichte der ältesten Landschaft, Berlin 2014, S. 10.

Siziliens nördliche Küste von Caronia nach Patti – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Reiseberichte, Sizilien, Zeichnung by Susanne Haun on 6. Oktober 2017

Sizilien, 1.9.2017:

Ein ruhiger Tag sollte es heute werden. Ein Tag zum Erholen. Es wurde jedoch wieder ein sehr aufregender und vor allem langer Tag. Die Strecke entlang der Küstenstraße von Caronia nach Patti ist abwechslungsreich, 78 km lang und laut Navi in 1 Stunde und 56 Minuten zu befahren. Wir ließen uns treiben, hielten an, wo es uns gefiel und brauchten 7 Stunden und 30 Minuten.

Als erste Station hielten wir am Steinbruch Torrenova, der an einem vollkommen trocknen Flussbett liegt. Es hat etwas trauriges, Boote auf dem Trocknen zu sehen. Es war schon 13 Uhr herum und um die 30 Grad. Die Hitze verstärkt das deprimierende aber doch faszinierende Bild.

 

 

Capo d’Orlando ist ein Küstenstädtchen mit einem langen Strand inklusive der gleichnamigen Promenade. Wieder fragten wir uns, warum die Menschen so dichtgedrängt in Cefalú liegen, während es hier einen kilometerlangen Sandstrand, nette Cafés und Bars gibt und jeder Platz zum Atmen hat. Das Ende der Promenade krönt ein kleiner roter Leuchtturm. Ich bin kein Strandmensch und mir reichten die 1 ½ Stunden Aufenthalt dort. Wir beobachteten einige Touristen beim Schnorcheln zwischen den Steinen und ich aß ein leckeres italienisches Eis. Für uns sind die sizilianischen Preise sehr erschwinglich, Espresso um 1 €, Cappucino um 1,50 €, frisch zubereitetes Panini um 3 €. Für eine riesige Tüte Eis mit zwei Sorten zahlte ich um die 2 Euro. Unnötig zu erwähnen, dass in Cefalú alles doppelt bis dreifach so teuer ist.

 

 

Richtig gut hat mir das Örtchen Gioiosa Marea gefallen. Es hat einen leicht morbiden südländischen Charme. Ein wenig stelle ich mir so Nizza vor, das ich noch nie besucht habe, von dem ich aber eben genau diese Vorstellung habe. Die Balkons sind grün schmiedeeisern, die Straßen werden von Palmen gesäumt. In den Bars drehen sich die Deckenventilatoren und die Servietten stecken in Martinihaltern. An den Plätzen plätschern Brunnen.

 

 

Weiter geht es nach Patti. Dort wollte ich vor allem wegen den Ausgrabungen einer griechischen Stadt aus dem 3.Jhd. hin. An einem riesigen Parkplatz ist Endstation. Wir wundern uns über die Vielzahl an Menschen und die touristische Aufmachung. Und das alles wegen einer Ausgrabungsstätte? Vom Parkplatz werden wir mit dem Bus zum Santuario della Madonna Nera gefahren. Ihr könnt euch den dort herrschenden Rummel nicht vorstellen! Überall Buden mit Heiligenbildern, Nüssen, Gummibärchen und Magneten für den Kühlschrank, sprich Tinnef! Es ist der Marienmonat September und die Kirche ist das Ziel zahlreicher Pilger. Fast hätten wir die Ausgrabungsstätte Tyndaris aus den Augen verloren, aber ein kleiner Pfeil mit dem Ikonogramm für Ausgrabungsstätten wies uns den Weg und wir kamen kurz vor Toresschluss dort an. Welch eine Ruhe hier im Gegensatz zum Marien-Pilger- Getümmel herrschte, mit nur noch wenigen anderen schauten wir uns das interessante Gelände an. Für mich neben Gioiosa das Highlight des Tages. Nach den Griechen haben die Römer die Stadt ausgebaut fiel sie schon im 1.Jhd. n.C. einem Erdrutsch zum Opfer und wurde im 9.Jhd. von den Arabern vollständig zerstört. Egal, wer dort zu welcher Zeit wohnte, der Ausblick ist grandios.

Zurück haben wir die Strecke auf der Autobahn zurückgelegt. Die verläuft gerade einige Etagen höher an der Küste entweder auf sehr hohen Brücken oder durch den Fels entlang, so dass sich die Rückreisezeit auf eine gute Stunde verkürzte.

Die Temperatur in Sizilien ist nicht einfach. Die Saison endet Mitte September, die Sehenswürdigkeiten haben dann entweder geschlossen oder stark verkürzte Öffnungszeiten. Der sommerlichen Hitze von ca. 30 Grad ist somit nicht wirklich auszuweichen. Gut sind die Nachmittagsstunden von 16 bis ca. 19 Uhr für Besichtigungen. Danach wird es schon dunkel.

 

 

 

Vier Generationen – kein leichtes Thema – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Leinwand, Projekt Dialog, Zeichnung by Susanne Haun on 2. Oktober 2017

 

Vor zwei Wochen hatte meine Mutter 1jährigen Sterbetag. Der erste große Schmerz ist vorbei, das konstante Vermissen hat begonnen.

Peter Mück hat in Zusammenarbeit mit der Galerie Hartung in Köln bei crossart die Ausstellung Dialoge ausgeschrieben. Bis zum 15.10. läuft die zweite Bewerbungsphase für Maler und Fotografen, deren Arbeiten mit einer der jurierten bildhauerischen Arbeit in Dialog treten solletn. Ich habe mir zwei Arbeiten für den Dialog ausgesucht. Die erste Arbeit ist von Bettina Ballendat (siehe hier) und hört auf den klingenden Namen little grandma.

 

Little Grandma Skulptur von www.bettina-ballendat.com (c) Bettina Ballendat

Little Grandma Skulptur von http://www.bettina-ballendat.com (c) Bettina Ballendat

 

Diese beiden Ereignisse ließen mich an das Viergenerationen-Foto aus meinem Babyalbum denken. Vier Generationen: Uroma, Oma, Mama und ich. Von den vier Generationen lebe nur noch ich.

 

Vier Generation - Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

Vier Generation – Aus dem Fotoalbum von Susanne Haun

 

Das Foto von uns vier Frauen ist sehr massiv, es ist eine geschlossene quadratische Komposition, die ich nicht aufgeben möchte, sie symbolisiert Zusammenhalt. Die Skulptur von Little grandma von Bettina kommt mir wie ein Schutzengel vor, den ich den vier Generationen zur Seite stellen möchte.

Zuerst habe ich mich in Skizzen mit der Komposition auseinandergesetzt und mich mit der Haltung der Figuren vertraut gemacht. Das funktionierte sehr gut.

 

 

Ich wollte jedoch eine große Arbeit abliefern und grundierte zwei Leinwände der Größe 60 x 80 cm. Zeichnungen in mein Skizzenbuch hinzuwerfen ist etwas anderes als die Zeichnung dann auf die Leinwand zu zeichnen. Ich habe mich für den Pinsel statt für die Feder entschlossen. Eine Leinwand braucht viel mehr Material als eine kleine Zeichnung. Schnell sieht eine Leinwand, die nur Tuschelinien enthält unfertig aus.

Mit einem kurzen Satz: ich habe mich gequält.

60 x 80 cm sind dann für eine Pinselzeichnung wie ich sie im Kopf habe auch viel zu klein aber größer darf die Arbeit laut Ausschreibung nicht sein und natürlich wollte ich wieder auf beiden Seiten zeichnen. Ich habe den Arbeitsprozeß hier in Fotos festgehalten und werde selber noch mal in mich gehen, wie ich mit beiden Seiten der Leinwand weiter verfahre.

 

 

Während ich beim Nachdenken war,  viel mein Blick auf eine ältere Arbeit, die ich sehr mag. Vielleicht sollte ich die vier Generationen mehr in diese Richtung denken.

 

 

 

 

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Neue Züricher Zeitung

Posted in Vergänglichkeit, Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 1. Oktober 2017

 

Alt werden hat in unserer Gesellschaft einen schlechten Beigeschmack.
Mit wohlwollender Zustimmung altern dürfen bei uns nur noch Wein und Käse.

 

Das Alter - Zeichnung von Susanne Haun - 20 x 30 cm - Tusche auf Bütten

Das Alter – Zeichnung von Susanne Haun – 20 x 30 cm – Tusche auf Bütten

 

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Neue Züricher Zeitung, zit. nach Schneider, Wolf, Deutsch für junge Profis, Hamburg 2013, S. 19.

Sizilien – Parco dei Nèbrodi – Susanne Haun

Posted in Reiseberichte, Sizilien, Zeichnung by Susanne Haun on 29. September 2017

 

Gesammelte Eindrücke hinterlassen weniger Spuren als ich gedacht hätte.

Anscheinend verarbeitet mein Gehirn eher Bilder und Emotionen statt Worte und Tatsachen und so ist es gut, dass ich mein Sizilien-Tagebuch geführt habe.

 

Parco dei Nébrodi - Largo Maulazzo (c) Foto von M.Fanke

Parco dei Nébrodi – Largo Maulazzo (c) Foto von M.Fanke

 

 

Sizilien, 31.8.2017:

Der Parco dei Nèbrodi ist einer der Naturparks auf Sizilien. Er beginnt gleich hinter unserem Appartement in Caronia. Der Park gehörte zu den Gründe, warum ich als Urlaubsort das Bergdorf Caronia wählte. Auf der Karte sieht Sizilien beschaulich klein aus, gut von einem Ort aus zu erkunden. Die Berge machen dem Urlauber jedoch einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Alleine um von unserem Bergdorf an die Küste zu gelangen, benötigen wir mit dem Auto 10 Minuten. Angst vor Serpentinen und steil abfallenden Hängen sollte man beim Fahren nicht haben.

Zur Orientierung beim Wandern kaufte ich schon in Berlin einen Wanderführer von Peter Amann aus dem MM-Verlag. Wir sind sehr zufrieden mit dem Buch, es gibt viele Hinweise, wie man sich das Wandern auf Sizilien erleichtern kann, so auch für den Parco dei Nèbrodi. Am Piazza Duome in S.Agata di Militello liegt das Besucherzentrum des Parks, wo wir uns eine kostenlose Wanderkarte geben ließen. Dort erfuhren wir auch, von zwei Seen, die gut erreichbar zu erwandern sind.

Dazu mussten wir jedoch erst eine von der Anzahl der Kilometer kurze jedoch zeitlich lange Strecke mit dem Auto auf 1.600 Höhenmeter zurücklegen. Die Ausblicke waren atemberaubend, erst auf der Rücktour hielten wir in kleinen Parkbuchten zum Fotografieren. Mit der Wanderkarte und dem gps Tracker aus dem Wanderführer fanden wir dann auch den Einstieg der Tour zum Largo Maulazzo. Am See wehte ein kühler Wind und mir war das erste Mal auf Sizilien etwas kalt. Die Italiener fahren die Tour mit ihren meist vierradangetriebenen Autos. Eine interessante Art des Wanderns! Im Wanderführer wird die Tour vom Largo Biviere zum Monto Soro beschrieben. Leider reicht meine Kondition nicht für die zweimal knapp 700 Höhenmeter. Wir kehren nach der Hälfte der Strecke zwischen den beiden Seen um.

Zuerst ärgerte ich mich sehr, dass ich nicht mehr solange laufen kann, jedoch besser ein wenig als gar nicht.

 

 

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