Susanne Haun

Florenz – Basilica di San Miniato al Monte – Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Disegno, Kunstgeschichte, Toskana, Vinci, Zeichnung by Susanne Haun on 17. Oktober 2014

Das Wintersemester 14/15 hat am Montag an der FU Berlin begonnen.

Ich finde die erste Woche eines Semesters jedes mal wieder erregend. Vorweg kann ich mich bei dem gransiosen Angebot im Vorlesungsverzeichnis schwer entscheiden, welche Seminare und Vorlesungen ich besuchen werde. Die erforderlichen Module für Kunstgeschichte habe ich bis auf das Vertiefungsmodul abgeschlossen. Dieses letzte Modul dient der Vorbereitung für die Bachelor Arbeit. Es liegt natürlich nahe, dass mein Bachelorthema von der Zeichnung bestimmt sein wird und ich belegte deshalb die Seminare „Zeichnung und Musterbuch im Mittelalter“ und „Das graphische Portrait in der Neuzeit“. Die Literaturliste des Musterbuch-Seminars hat mir schon viele Anregungen zum Lesen offenbart.

Ausblick vom Piazzale Michelangelo, Florenz (c) Foto von Susanne Haun

Ausblick vom Piazzale Michelangelo, Florenz (c) Foto von Susanne Haun

So vertiefe ich mich gerade in den Artikel „Wandmalerei und Zeichnung in Italien und ihre monumentale Vorstufen“ von Robert Oertel, erschienen in den Mitteilungen des Kunsthistorischen InstiIch gtutes in Florenz.²

Und hier verzahnt sich mein Toskana Urlaub mit dem Studium.
Wir besuchten in Florenz unter anderem den Piazzale Michelangelo und die Basilica di San Miniato al Monte. Der Piazzale ist ein Aussichtsplatz in Florenz, der von Besuchern überfüllt ist. Irgendwann las ich in einem Geo Special zu Florenz, dass es ein romantischer Platz sei. Wer Autos und Andenkenstände für romantisch befindet, wird seine Erwartungen erfüllt sehen.

Die Basilica di San Miniato al Monte (c) Foto von Susanne Haun

Die Basilica di San Miniato al Monte (c) Foto von Susanne Haun

So strebten wir weg vom Trubel und zogen uns zur oberhalb gelegenden romanischen Basilica di San Miniato al Monte, deren Bau schon um 1018 begann. Besonders fiel mir auf der hinteren rechten Seite des Langhauses eine Entwurszeichnung für ein Fresko auf. Es ist eine Seltenheit, noch den Entwurf zu sehen. Die Entwurszeichnung auf der unteren groben Putzschicht bleibt in der Regel durch die darüber liegenden Malerei nicht mehr sichtbar, wird damit sogar zerstört.

Die Entwurfzeichnung konnte zu einem früheren Zeitpunkt als das tatsächliche Fresko entstehen. Mißlang sie, konnte sie durch übertünchen getilgt und neu gestaltet werden. Sie diente der Komposition.

Entwurfzeichnung neben Teile des fertigen Freskos in der Basilica di San Miniato al Monte (c) Foto von Susanne Haun

Entwurfzeichnung neben Teile des fertigen Freskos in der Basilica di San Miniato al Monte (c) Foto von Susanne Haun

Hier können wir uns fragen, ob es für Fresken ursprünglich überhaupt Vorzeichnungen gab, oder ob die Zeichnungen gleich auf dem Putz entstanden? Gab es vor der Hochrenaissance überhaupt Vorzeichnungen, in denen das Ingenium des Künstlers sichtbar wurde?

Ich werde mich in irgendeiner Art dieser Fragen in meiner Bachelorarbeit nähern und merke mir für heute meine Anfänge zur Fragestellung, die ich sicher noch verändern werde. Eine Frage muß sich entwickeln.

Für mich war diese Entwurfzeichnung spannender als die Krypta, die Fassade, der Friedhof und auch der fantastische Ausblick.

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²Oertel, Robert: Wandmalerei und Zeichnung in Italien; die Anfänge der Entwurfszeichnung und ihre monumentale Vorstufen, in: Mitteilungen des kunstgeschichtlichen Instituts in Florenz, 5/1940, 217-314

Berliner Blätter und „disegno esterno“ und „disegno interno“ – Jürgen Küster und Susanne Haun

Posted in Disegno, Double Bind, Kunstgeschichte, Zeichnung, Zeichnung by Susanne Haun on 7. März 2014

Der italienischer Theoretiker, Federigo Zuccari prägte um 1600 die Begriff „disegno interno” und „disegno esterno”, innere und äußere Zeichnung. Der „disegno interno” liefert die Idee, der „disegno esterno” sorgt für die Ausführung.

Berliner Blätter 02 2014 - 2  (c) Zeichnungen von J.Küster und 0004

Berliner Blätter 02 2014 – 2 (c) Zeichnungen von J.Küster und 0004

Nun können Jürgen Küster und ich uns überlegen, welches disegno von wem in welchen Blättern steckt!

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich während meines Studiums besonders gerne von der Geschichte der Zeichnung höre und lese.
Das folgende Zitat von Vasari gefällt mir sehr gut:

„Die Zeichnung, der Vater unserer drei Künste, Architektur, Bildhauerei und Malerei, geht aus dem Intellekt hervor und schöpft aus vielen Dingen ein allgemeines Urteil, gleich einer Form oder Idee aller Dinge der Natur, die in ihren Maßen überaus regelmäßig ist. So kommt es, dass die Zeichnung nicht nur in den menschlichen und tierischen Körpern, sondern auch in den Pflanzen, Gebäuden, Skulpturen und Gemälden das Maßverhältnis der Teile untereinander und zum Ganzen erkennt. Und da aus dieser Erkenntnis eine bestimmte Vorstellung entspringt, und ein Urteil, das im Geiste die später mit der Hand gestaltete und dann Zeichnung genannte Sache formt, so darf man schließen, dass diese Zeichnung nichts anderes sei als eine anschauliche Gestaltung und Klarlegung der Vorstellung, die man im Sinne hat, und von dem, was ein anderer sich im Geiste vorgestellt und in der Idee hervorgebracht hat.“

Ich möchte dieses mal auch nicht vergessen, euch auf unseren Projektblog double bind aufmerksam zu machen. Dort findet ihr kompimiert unser Projekt.

Disegno – das künstlerisches Schaffen und der Tod – Susanne Haun

Wann wurde aus dem „Handwerk Kunst“ die Kunst?

Am Freitag berichtete ich schon von der Geschichte des Begriffs Disegno (siehe hier). Inzwischen habe ich mich weiter mit dem Begriff auseinandergesetzt und gelesen, dass Cellini vom „Disegno primo, der im Bereich der Phantasie gestaltend wirkt und vom disegno secondo, der die Erfüllung des ersteren in der Gestaltung von Linien bedeutet“².

Unter meinem Arbeitsplatz (c) Rolle von Susanne Haun

Unter meinem Arbeitsplatz (c) Rolle von Susanne Haun

Im 20. Jahrhundert beschäftigte sich Panofsky, einer der bedeutesten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts, mit dem Begriff disegno. Er formuliert, dass die Legitimation des künstlerischen Schaffens und seine Intellektualisierung eine vom Künstler selbst vorgenommene Aufwertung seiner gesellschaftlichen Position ist. Es ist die Loslösung vom alten Zunft- und Handwerksdenken.

Ich frage mich dabei, welche gesellschaftliche Postion hat der Künstler heute in unserer Zeit?

Gerne möchte ich die Frage mit euch diskutieren, denn ich finde sie nicht einfach zu beantworten.

Bildlich zeige ich euch meine neusten Ergebnisse der Illustration von Ferdinand Lassalle. Lassalle starb bei einem Duell um Helene von Dönniges.
Ich zeichne selten (nie) das gesamte Universum und so griff ich mir die tödliche Hand und den Tod in Form eines Skeletts heraus, um diese Szene darzustellen. Da fast jeder Betrachter eine Vorstellung von einem Duell hat, möchte ich hier mit den einzelnen Teilen der Szene
die Fantasie der Betrachter aktivieren.

Der Tod greift nach Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Der Tod greift nach Lassalle (c) Zeichnung von Susanne Haun

Auch der Tod fand einen Platz auf meiner 10 Meter langen Büttenrolle. Ich zeichne sie zuhause an meinem Arbeitsplatz und die Enden hängen an beiden Seiten herunter.

For my english reader:
I ask me which social occassion has the artist? Do you meanwhile think about it? I want to discuss this question with you.

Dem Disegno auf der Spur und mein Selbstportrait-Tagebuch – Susanne Haun

Der Begriff Disegno hat mich noch nicht wieder losgelassen (siehe hier).

Ich habe mir aus der Zentral- und Landesbibliothek den „Kemp-Reader“ bestellt, da immer wieder auf einen Aufsatz des Kunsthistoriker Wolfgang Kemp verwiesen wird, wenn die Sprache auf Disegno kommt.

Selbstportrait Tagebuch 25. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 25. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Kemp betrachtet die Geschichte des Begriff Disegno von 1547 bis 1607. Ich habe beim Lesen Notizen von den Aussagen geschrieben, die mir wichtig erschienen. Schon damals waren sich die Gelehrten nicht einig, wie der Begriff zu definieren ist.

Vasari (Florenz): Disegno stellt sich erst nach der Schöpfung des Weltalls ein.

Doni (Venedig): Disegno ist der göttliche Urplan der Entstehung der Welt. Das verbindende gemeinsame aller Künste ist in der geistigen Herkunft.

Vasari: Wenn er die Erfindung, die Idee, aus dem Urteilsvermögen gewonnen hat, ist er auch darauf angewiesen, durch jahrzehntelange Übung (sein Handwerk) das gedachte auszudrücken.

Disegno bestimmt den künstlerischen Prozess.

Das führte mich zu der Frage, wie das Disegno zur Konzeptkunst steht, denn dort findet eine Trennung zwischen Idee und Ausführung statt.

Vasari: Disegno übernimmt die aktive Vermittlerrolle zwischen der Natur und dem Kunstwerk.

Vasari stellte sich damit gegen die neuplatonische Strömung seiner Zeit, in der die Idee das Gegebene war und nicht nur ein Abkömmling der Naturwirklichkeit.

Selbstportrait Tagebuch 23. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 23. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Was hat Disegno mit meiner Kunst zu tun?

Die jahrzehntelange Übung in der Zeichnung kann ich mein Eigen nennen.
Die Idee?
Ich habe viele Ideen, leider habe ich für 90% meiner Ideen keine Zeit, sie zu verwirklichen.
Bei manchen Ideen, wie bei der Rolle (siehe hier), brauche ich Hilfe bei der Ausführung – nicht bei der Zeichnung aber beim Bau der Kästen. Und ich brauche Geld, um die Kästen bauen zu lassen.

Ich arbeite zur Zeit an der dritten Rolle. Die erste ist in einem Prototyp von Glaskasten, an dem es noch einiges zu verbessern gibt. Ich denke über einen neuen Kasten nach, der an der Wand hängen soll. Da ist viel zu bedenken:
Die Aufhängung, das Gewicht, das Rollsystem und vieles mehr…..

Und bei all dem reflektiere ich mich selber in meinem Selbstportrait Tagebuch. Es hilft mir. Die Idee ist nicht neu aber es ist Kontinuität erforderlich. Ich freue mich schon, wenn wieder drei Tage herum sind und ich den Blick auf mich selber werfen kann.

Selbstportrait Tagebuch 24. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 24. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

For my english reader:
I try to understand the consept „disegno“ and read a book from the art historian Wolfgang Kemp. Vasari and Doni had different persecptions about this term. Vasari thought, the best execution is important and the execution follows the given nature. Doni thought, the idea is more important and was before the building of the universe.
I ask me what means this term in my art?
I think my execution is excellent and whats about my ideas? I will think about it the next time.
If I have time… most of my ideas are lost on reason on less time.
Solong – I reflect myself in my Selfportrait notebook.

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Kemp, Wolfgang. „Kemp-Reader“. Berlin 2006.

Vasaris Disegno-Konzeption: der Intellekt des Künstlers – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Disegno, Kunstgeschichte, Leinwand, Zeichnung by Susanne Haun on 6. Mai 2013

Entscheidend wurde die Bedeutung des Disegno von Vasari geprägt.

7 Die Zöpfeflechterin - 50 x 50 cm - Tusche auf Leinwand (c) Susanne Haun

7 Die Zöpfeflechterin – 50 x 50 cm – Tusche auf Leinwand (c) Susanne Haun

Valeska von Rosen beschreibt in Metzlers Lexikon, das Vasari die ambitionierte Theorie entwickelte, in der er den Disegno zu einem allen Gattungen übergeordneten Prinzip erklärte, das er weitgehen mit den im Intellekt des Künstlers eingeschriebenen Vorstellungen parallelisierte, diese gehe der Werkausführung und damit der eigentlichen Künstlerischen Arbeit voraus.

An dieser Stelle geht die Kunst aus dem Handwerk hervor, sie wird geadelt!

Neben dem disegno habe ich mich mit meiner Leinwand von gestern beschäftigt. Mir hat die blaue Zeichnung von der Komposition nicht gefallen und auch der Kontrast hat mir gefehlt. Nach der Änderung bin ich zufrieden. Ich mag vor allem die Spuren, die vom blau erhalten geblieben sind und die Zeichnung beleben.

Der mentale Habitus des Disegno – Zeichnung von Susanne Haun

Es ist sehr spannend, einem Begriff wie „Disegno“ auf der Spur zu sein.

Ist es nicht so, dass ein gutes Lexikon alle Unklarheiten beseitigen kann?
Ich habe im Regal Metzlers Lexikon der Kunstwissenschaft zu stehen und arbeite mich langsam, Satz für Satz an der Definition vorwärts.

Das Auge (c) Zeichnung von Susanne Haun

Das Auge (c) Zeichnung von Susanne Haun

Gestern begann ich, mich mit der Bedeutung von Disegno auseinanderzusetzen (siehe hier).

Im Lexikon steht, dass Disegno in der Grundbedeutung Form/Zeichnung/Komposition heisst aber durch Vasari mit einem „mentalen Habitus“ (Kemp 1974, 225) unterlegt wurde und daher eine umfassendere Semantik (Bedeutung) erhielt. Der Habitus hat, je nach Anwendung auf eine bestimmte Wissenschaft, unterschiedliche Bedeutungen. Stur übersetzt bedeutet das Wort „Stellung oder Verhalten“.

Ateliereingang Susanne Haun (c) Foto von Susanne Haun

Ateliereingang Susanne Haun (c) Foto von Susanne Haun

Ihr lest also – es ist nicht so einfach, einen Satz aus dem Lexikon auch zu verstehen. Dieser Satz will bedacht sein. Da ich immer wieder beim Studium auf Wolfgang Kemp treffe, habe ich mir bei der Zentralbibliothek Berlin ein Sammelwerk von Kemp bestellt. Ich schätze den Service der Bibliotheken sehr, ich kann online in jedem Bestand recherchieren und mir dann die gewählten Bücher gegen eine Gebühr von 2 Euro in meine Heimatbücherei senden lassen. Ein sehr guter Service.

Irgendwie finde ich, dass hier auch der Link zur Lyrikzeitung passt: 10. Nicht jeden Tag.
Es geht darum, was jeden Tag in unseren Elternhäusern gelesen wurde…. 🙂

An die Zeichnung auf der Leinwand, die ich euch jetzt zeige, gewöhnt euch nicht zu sehr.
Ich habe sie gestern so begonnen und heute wieder übermalt. Alles was ich hier zeige ist also nicht mehr existent. Wie die Leinwand nun aussieht, werde ich euch morgen zeigen.

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Pfisterer, Ulrich (HG), Metzlers Lexikon Kunstwissenschaft, Stuttgart 2003, 2011²

Disegno braucht eine schnelle Hand – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Disegno, Kunstgeschichte, Skizzen, Skizzenbuch, Zeichnung by Susanne Haun on 4. Mai 2013

„Disegno braucht eine schnelle Hand und den Intellekt für die Konzepte“, erläuterte uns die Dozentin bei der letzten Vorlesung zur Linie.

Von der reinen Übersetzung kommt das italienische Disegno vom lateinischen designare, was bezeichnen, zeichnen und im Umriss darstellen, heisst.

In der S-Bahn Vers.4 (c) Zeichung von Susanne Haun

In der S-Bahn Vers.4 (c) Zeichung von Susanne Haun

Den Begriff des Disegno zu erfassen, ist nicht einfach, ich gehe fast soweit, zu behaupten, dass es fast so schwer ist, wie die Kunst selber zu erläutern. Ich mag das Gefühl, einen Begriff nicht wirklich fassen zu können, nicht, es ist unangenehm. So werde ich mich in der nächsten Zeit immer wieder dem Disegno zuwenden.

Im Wikipedia steht, dass Disegno Zeichnung bedeutet, sowohl als künstlerische Idee, Entwurf und als geistiges Konzept in einem religiösen Sinne.

Vasari, einer der ersten Kunsthistoriker, spricht von den drei Künsten des disegnos: Malerei, Bildhauerei und Architektur.

Heute Morgen habe ich wieder einmal in der S-Bahn gezeichnet, und zeige euch meine mit „schneller Hand“ gefertigten Arbeiten.

In der S-Bahn Vers.2 (c) Zeichung von Susanne Haun

In der S-Bahn Vers.2 (c) Zeichung von Susanne Haun

For my english speaking readers:

In the morning I’am drawing people in the train. I draw with „fast hand“. In the last lecture our dozent talk about designo. She said, that it is drawing with fast hand and to have intellect for the concepts.
I have to think about it!

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