Susanne Haun

Vor kurzem in Athen bei Poseidon – Susanne Haun

Posted in Athen, Reiseberichte, Zeichnung by Susanne Haun on 16. Dezember 2017

 

Bevor das Jahr zu Ende 😉 geht, möchte ich vom letzten Tag unseres Kurzurlaubs in Athen berichten. Gerda fuhr mit uns zum Zipfel der Halbinsel Attika zum Tempel des Poseidons.

 

 

Ich schrieb in mein Tagebuch:

Athen, den 27.11.2017

Vier Tage sind keine lange Zeit, um eine so große Stadt wie Athen zu erkunden und so ist es nicht verwunderlich, dass der letzte Tag schneller anbrach als wir uns umdrehen konnten. Sind die ersten Tage mit blauem Himmel und Sonne gefüllt gewesen, regnete es schon am Morgen des vierten Tages in Strömen.

Gerda und ich nutzen die Zeit für ein langes Gespräch in der Küche bei Kaffee und Weihnachtskeksen. Generell waren die Tage von philosophischen und politischen Gesprächen und Diskussion begleitet. Mittags schlug Gerda vor, einen Ausflug zum Kap Sounion zu unternehmen. Kap Sounion ist vom Poseidontempel dominiert, der thronend auf dem Fels der südlichsten Spitze der Attika steht. Gerda fuhr uns souverän zum Ziel.

Dem Wind und Wetter ausgesetzt, ist dieser Ort bestens für Poseidon geeignet! Der Gott des Meeres zeigte sich gnädig, sprach mit Ailos, dem Gott der Winde, der die Regenwolken wegblies. Apollo schenkte uns Sonne und so konnten wir in Ruhe den Ort genießen, zeichnen, fotografieren, die Sonne (Apollo) anbeten sowie Kaffee und Kuchen essen.

Die Lichtverhältnisse der Halbinsel, die auch als attisches Licht bezeichnet werden, sind eindrucksvoll wie auf den Fotos zu erkennen ist. Als wir ins Auto zum Flughafen steigen, beginnt es wieder zu regnen. Ein eng mit Eindrücken gepacktes Wochenende endet.

 

Aussicht vom südlichsten Punkt der Attika (c) Foto von Susanne Haun

Aussicht vom südlichsten Punkt der Attika (c) Foto von Susanne Haun

 

Gerda berichtete schon vor einiger Zeit von unserem Tag bei Poseidon (siehe hier).

Was mir dazu noch einfällt:

Als Gerda meine Zeichnungen im Kaffee betrachtete, da stellte sie sofort fest, dass Architektur zeichnen nicht mein Ding ist. Ich musste lächeln, dass man das meinen Zeichnungen so ansah. Es ist mir einfach langweilig, Säule für Säule gerade und akurat zu zeichnen. Gerda schenkte mir dort aus dem selben Laden, wo ich meinen Hoplit (siehe hier) erstand, ein Skizzenbuch mit Eule und Bleistiften. Ich mag das Buch, ich habe darin den obigen Text festgehalten und einiges an Zitaten, die mir in letzter Zeit begegneten, festgehalten.

 

 

Athen – von der U-Bahnstation Evangelismus zur U-Bahnstation Meyoron Moutis – Susanne Haun

Posted in Athen, Reiseberichte, Zeichnung by Susanne Haun on 13. Dezember 2017

 

Über zwei Wochen ist es her, dass wir in Athen waren und die Wärme und Gerda und Panos Gastfreundschaft genossen. Die Zeit rast und inzwischen erscheint mir manches auf den Fotos schon unwirklich. In Athen war es schon weihnachtlich auf den Straßen geschmückt. Da war mir noch nicht so weihnachtlich wie jetzt beim Betrachten der Fotos.

 

Athen - U-Bahn Meyaron Moutis (c) Foto von M.Fanke

Athen – U-Bahn Meyaron Moutis (c) Foto von M.Fanke

 

Für unseren mittleren Tag habe ich kein Tagebuch geschrieben. Es hat sich einfach nicht ergeben, wir hatten soviel zu erzählen und der Austausch war mit wichtiger als mein Tagebuch. Zum Glück habe ich wenigstens die Orte aufgeschrieben, an denen wir waren.

Sehr gut hat mir das Museum of Cycladic Art gefallen. Ich hätte den ganzen Tag dort bleiben können, aber die Zeit war knapp und so haben wir anschliessend die Sonne im Garten des Byzantinischen Museums geblogt. Gerda zeigte Fotos davon (siehe hier).

 

Danach unternahmen wir einen Spaziergang mit den erwähnenswerten Orten: Kolokaki, Akademias, Theatermuseum, Massalias, um zum Schluss den Sonnenuntergang auf dem Lykabettus mit einem spektakulären Blick über Athen zu geniessen. Alle Fotos zeige ich nicht, es würde einfach den Rahmen des Blogs sprengen. Gezeichnet habe ich diesen Tag nur im Museum of Cycladic Art.

Vom ersten Tag in Athen könnt ihr hier (Klick) lesen.

Jetzt plagt mich ein vereiterter Zahn, der gezogen werden muss, während die daraus resultierende Entzündung mit Antibiotika bekämpft wird. Ich hoffe, das das bald aufhört zu pochen.

 

 

 

Wandeln auf Gerda Kazakous Spuren – Collage von Susanne Haun

Posted in Collage, Schnitt- / Legearbeiten, Zeichnung by Susanne Haun on 8. Dezember 2017

 

Als ich das erste Mal Gerdas Collagen (siehe hier) im Netz betrachtete, tat ich mich etwas schwer damit. Erst die konstante Beschäftigung mit ihrer Legekunst und die Gespräche mit ihr im Netz und in Athen brachten mich ihrer Arbeitsweise immer näher.

 

Schnipsel aus der unteren Hälfte von Versunken - Acryl und Tusche auf Aquarellkarton - Originalgröße 70 x 50 cm - 2006 - Foto von Susanne Haun

Schnipsel aus der unteren Hälfte von Versunken – Acryl und Tusche auf Aquarellkarton – Originalgröße 70 x 50 cm – 2006 – Foto von Susanne Haun

 

Es erfordert Mut, die eigenen Arbeiten zu zerschneiden und Neues daraus zu schaffen. Es ist dabei egal, wie alt die Arbeiten sind, das eigene Ich steckt in jedem der zerschnittenen Schnipsel. Gerda legt die Collagen (siehe hier ein Beispiel) aus ihren eigenen Schnipseln, fotografiert und blogt sie und nimmt die Schnipsel wieder zusammen. Das Werk ist nur flüchtig, es vervollständigt sich durch ihre Texte im Internet zur jeweiligen Collage.

Vor einigen Wochen wurde ihr Atelier überschwemmt, das Wasser zerstörte ihre sorgsam aufbewarten Arbeiten und Schnipsel (siehe hier). Ich bin froh, dass Gerda ihre Arbeit so gut im Blog dokumentiert hat.

Während unsere Gespräche fragte ich sie, ob ich ihr von mir Schnipsel senden könne. Sie schaute mich in ihrer eigenen lächelnden Art an und meinte, sie hätte noch nie mit fremden Schnipseln gearbeitet, könne es aber probieren.

So holte ich aus meinem Lager mehrere Arbeiten von 2006. Wie ich zu dieser Auswahl kam? Die Mappe 2006 war einfach die erste, die ich griff, also purer Zufall. Ich stellte fest, dass die Arbeiten, die ich als schlecht ansah auch nichts zum Zerschneiden für Schnipsel waren. Ich zerriss sie und warf sie weg. Fünf weitere Arbeiten empfand ich als gut, sie werden wieder in die Mappe 2006 wandern. Dann gab es eine Zeichnung, da störte mich die untere Hälfte, die Proportionen bereiteten mir ein unangenehmes Gefühl. Jedoch mag ich die Farben und Linien. „Perfekt!“, dachte ich, genau diese Arbeit ist richtig, um Schnipsel zu schneiden.

Das Schneiden war eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich habe festgestellt, dass ich manche Linien nicht zerschneiden konnte, so musste ich mit der Schere mit den Linien gehen. Oft entschied ich auch, innerhalb bestimmter Farbschemen zu schneiden. Die Formen entstanden so aus meiner Zeichnung. Und plötzlich war Schluß. Den oberen Teil der Arbeit konnte und wollte ich nicht mehr zerschneiden. Ich werde ihn ebenso in die Mappe von 2006 zurücklegen. Außerdem habe ich entschieden, zu den fünf weiteren Arbeiten, die ich aus der Mappe geholt habe Zitate zu suchen. Im Gegensatz zu sonst werden erst Bilder und dann Worte folgen. Ich bin gespannt, wie das auf mich wirkt.

Als nächstes werde ich mit den Schnipseln eine Collage legen, sie dann verpacken und Gerda senden. Ich bin sehr neugierig, was Gerda aus den Schnipseln legen wird, zu welchen Texten sie sie inspirieren. Erst wenn auch Gerdas Collage fertig ist, werde ich meine Collage zeigen, damit sie frei von meinen Gedanken arbeiten kann.

 

 

Graffiti in Athen – Psiri – Susanne Haun

Posted in Athen, Reiseberichte by Susanne Haun on 1. Dezember 2017

 

Der Stadtteil Psiri in Athen (siehe hier) hat einen morbiden Charme. Man schaut zwischen Verfallenem und bunten Graffitis hin und her. Nach dem Spaziergang durch die Straßen waren wir müde und brauchten einen Kaffee. Das Nachtleben, das im Reiseführer beschrieben ist, haben wir nicht erlebt, wir waren froh, nach einem langen Tag wieder bei Gerda in der Küche zu sitzen.

 

 

Das alte Athen – Susanne Haun

Posted in Athen, Reiseberichte, Zeichnung by Susanne Haun on 29. November 2017

 

Aus meinem Wochenendtagebuch aus Athen:

Athen, der 27. November 2017

Heute ist der Himmel über Athen grau. Nach zwei Sonnentagen holt uns das schlechte Wetter ein.

Vorgestern Abend holte uns Gerda vom Flughafen ab und die Sympathie und Zuneigung, die wir im Netz der Netze schon lange spüren, war auch sofort im „Real Life“ greifbar.

M. und ich haben uns sehr gefreut, dass Gerda uns Athen mit ihrem besonderen Blick zeigt. Fast 40 Jahre lebt sie nun schon in dieser Metropole. Nun liegen schon zwei ereignisreiche Tage hinter uns, ich sitze in Gerda und Panos Küche mit Bleistift und Papier und lasse das erlebte Revue passieren. Gerdas Mann ist schon zur Arbeit gegangen, Gerda und M. schlafen noch und es ist ruhig in der Wohnung. Wir wollen heute später losgehen. Ich genieße die morgendliche Ruhe. Gerda wohnt in einem der vielen Außenbezirke der Stadt, es ist hügelig und grün hier. Der Blick vom Balkon zeigt das mediterrane Flair.

 

 

Am ersten Tag, den Samstag, fuhren wir von hier mit dem Auto zum P+R Parkplatz der U-Bahnstation Poukissis Plakentias und von dort ging es weiter bis zur Station Akropolis. Hier ist die „touristische Hölle“ los. Alle Nationalitäten stürmen zum berühmten Götterfelsen. Wir hatten entschieden, zuerst ins Akropolismusum zu gehen, die Museen haben hier nur bis 16 Uhr auf.

So stelle ich mir moderne Museumsarchitektur vor! Besonders begeistert war ich vom obersten Stockwerk des Museums, dort ist der Fries (siehe hier) der Akropolis ausgestellt. Während der Besatzung der Türken wurde Athens Akropolis geradezu ausgeräubert. Große Teile des Fries‘ wurden abgeschlagen und von den Briten ins British Museum und den Franzosen in den Louvre transportiert. Kleine Teile haben auch den Weg nach Deutschland gefunden. Heute sind Kopien der gestohlenen Friesteile gefertigt und im Museum kann der Besucher um den Fries in Originalgröße herumlaufen und dabei sowohl die Original- wie auch die kopierten Friesteile betrachten. Die kopierten Teile sind gut als Gipsabdrücke erkennbar. Die Geschichte eines jeden Frieselements ist unter dem Fries in Bildschirmanimationen dokumentiert. Durch die Panoramascheiben liegt Athen zu Füßen des Besuchers. Die Akropolis thront stolz auf ihrem Felsen währen ihr Fries das Museum ziert. Das Museum klagt nicht an, es dokumentiert. Ich bin der Meinung, es wäre im Sinne Europas und der Schicklichkeit, die gestohlenen Stücke zurückzuführen. Vielleicht als eine Art Austausch? Die Gipsabdrücke für die Originale?

 

Athen Akropolis Museum (c) Foto von M.Fanke

Athen Akropolis Museum (c) Foto von M.Fanke

 

Nach dem Museum führt uns Gerda nach Filopappou, um uns die herrliche Aussicht über Athen in Richtung Akropolis zu zeigen. Durch Thisio folgen wir dem Akropolisrundweg, dabei unternehmen wir Abstecher in die Altstadt, sehen florierende neben wegen der Krise geschlossene Geschäfte, wir trinken in einem atmosphärischen Kaffee Kakao und Americanos, essen süße Teilchen, schauen uns den Platz oberhalb der U-Bahnstation Monastiráki an und in Psirri wird auf dem Flohmarkt dieses und jenes präsentiert, eben das wohlbekannte und inspirierende Durcheinander eines jeden Marktes.

Langsam wird es dunkel draußen und wir stehen am Turm der Winde. Zum Abschluss dieses ersten Tages besuchen wir Anafiótika, die Insel in der Stadt. Die blaue Stunde schenkt uns auf diesem Wege einige schöne Fotos. Das Viertel ist Straßenlos, die Häuser liegen an schmalen Stufengassen aus dem 19. Jahrhundert.

Den ersten Tag haben wir ausgefüllt verbracht, schade, dass jeder Tag nur 24 Stunden besitzt!

 

Athen Auf dem Filopappou (c) Foto von M.Fanke

Athen Auf dem Filopappou (c) Foto von M.Fanke

 

Am ersten Tag haben M. 322 und ich 250 Fotos auf unseren SD-Karten gespeichert. Davon haben für den Blog 41 ausgesucht. Das war nicht einfach. Ein wenig geschummelt haben wir – es gibt in den nächsten Tagen noch einen Blogbeitrag vom ersten Tag von den Graffitis Athens.

 

Eulen nach Athen tragen – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Zeichnung, Tiere by Susanne Haun on 27. November 2017

Die Redensart Eulen nach Athen tragen (γλαῦκας εἰς Ἀθήνας κομίζειν oder γλαῦκ᾿ Ἀθήναζε ἄγειν) steht für eine überflüssige Tätigkeit. Eulen gelten als Symbol der Schutzgöttin Athena und stehen für Klugheit.²

Eulen nach Athen tragen - 24 x 18 cm - Tusche auf Aquarellkarton (c) Zeichnung von Susanne Haun

Eulen nach Athen tragen – 24 x 18 cm – Tusche auf Aquarellkarton (c) Zeichnung von Susanne Haun

Vergangenes Wochenende haben wir in Athen zu Gast bei Gerda Kazakou  verbracht und es war alles andere als überflüssig. Als Einstimmung für den kurzen Aufenthalt habe ich mich mit dem Thema Eule beschäftigt und es sind einige interessante Blätter entstanden. Ich bin zufrieden.

Im Oktober gibt es im Britzer Garten immer eine Flugshow mit Greifvögeln. Ich bin immer wieder beeindruckt, was für große stolze Tiere dabei vorgeführt werden. Letztes Jahr wollte die Eule nicht fliegen. Stolz saß sie auf ihrem Baumstamm, schaute sich um und ich meinte in ihrem Gesicht zu lesen, wir könnten sie alle mal gerne haben. Sie ließ sich dann doch noch herab, eine kleine Runde zu drehen, aus dem Mund hing noch die halbe Maus, die ihr als Bestechung von der Falknerin in den Mund geschoben wurde.

Gerda hat auf ihrem Blog schon die ersten Fotos von unseren Gesprächen gezeigt, es waren sehr inspirierende Tage und wir hatten uns sehr viel zu erzählen .

Ich werde in den nächsten Tagen berichten.

 

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https://de.wikipedia.org/wiki/Eulen_nach_Athen_tragen , 27.11.2017, 8:00 Uhr

Wenn die Historikerin mit der Künstlerin streitet – ein Seelenbericht von Susanne Haun

Posted in Kunstgeschichte, Was ich gerade lese by Susanne Haun on 13. November 2017

 

Gerade habe ich meine Hausarbeit „Bedeutungsaspekte in Géricaults Gemälde Das Floß der Medusa“ abgeschlossen und vor allem auch abgegeben.

Als Historikerin sollte jeder meiner Gedanken belegt und neue Gedanken logisch konstruiert sein. Mein künstlerisches Selbst tritt in den Hintergrund. Wie sehr ich in der Lage bin meine beiden Selbst – die Künstlerin und die Historikerin – zu trennen, hat mich selber überrascht.  Birgit von Sätze & Schätze schrieb eine Rezension über die literarische Adaption des Floßes der Medusa von Franzobel (siehe hier). In meinem Historikerinnen-Dasein versponnen, habe ich nicht begriffen, wozu dieses Buch dient. Es gibt doch schließlich einen Bericht der Leidensfahrt der Medusa von zwei Schiffbrüchigen des Floßes, also von Augenzeugen, dem Wundarzt Savigny und dem Geologe Corréard (siehe hier)!

Ich fragte also Birgit, wozu dieses Buch von Franzobel notwendig sei und was es aus dem Pool der Historienromane so heraushebe und bekam eine wirklich gute Antwort von ihr, die mich auflachen lies und mich für meine weitere Arbeit an meiner Hausarbeit lockerte. Natürlich kann ich auch als Historikerin kreativ sein! Mir fehlt beim Schreiben nur noch die Lockerheit, die ich beim Skizzieren habe, ein Thema mit einer Linie so einfach wie möglich darzustellen.

Hier also Birgits Antwort auf meine Frage nach dem warum:

Birgit Böllinger:
„Liebe Susanne, ich finde Deine Fragen nicht ketzerisch – aber es wundert mich ein wenig, dass Du als Künstlerin sie stellst: Wozu braucht es Kunst? Natürlich kann man auch andere Texte über diesen Schiffbruch lesen, natürlich kann man auch historische Bücher lesen. Aber die Frage, ob es nun genau dieses Buch braucht, die stellt sich mir eigentlich nicht: Ein Schriftsteller hat es geschaffen so wie ein Maler ein Bild schafft – aus einer eigenen inneren Notwendigkeit oder Lust heraus. Nun ist es in der Welt: Nach der Brauchbarkeit könnte man bei jedem Buch fragen – dann wäre aber die Literatur an sich obsolet. Frei nach Schiller: „Der Nutzen ist das große Idol der Zeit, dem alle Kräfte fronen und alle Talente huldigen sollen.“ Viel Spaß mit Deiner Hausarbeit – und ich bin gespannt auf deinen Blogbeitrag, liebe Grüße Birgit“

Und hier meine ersten beiden Absätze der Hausarbeit:

Man denke sich fünfzehn Unglückliche fast ohne alle Bekleidung, am ganzen Leibe und im Gesicht von der Sonne fürchterlich verbrannt; zehn davon konnten sich kaum rühren; die Haut von allen unseren Gliedern abgeschunden; alle unsere Züge zum Entsetzen verzerrt! Unsere hohlen und fast wilden Augen, unsere langen Bärte gaben uns ein noch scheußlicheres Ansehen; wir waren nur noch Schatten von Menschen.“[1]

Mit diesen Worten schilderte der Geologe und Augenzeuge Alexandre Corréards die Situation auf dem Floß der Medusa (Abb. 1), das der Maler Théodore Géricault zum Hauptthema seines 4,91 x 7,16 Meter großen Gemäldes wählte. Géricault schloss 1819 die letzten Arbeiten an dem in Öl im Stil des Realismus[2] erstellten Bild ab, es wurde noch im gleichen Jahr im Pariser Salon gezeigt. Heute ist das Gemälde als eines der Hauptwerke der französischen Romantik[3] im Louvre zu besichtigen.[4]

Auch nach einer Diskussion mit Birgt entstand meine neue Beitrag Rubrik „Was lese ich gerade“ (siehe hier).  Deshalb habe ich meine Literaturliste am Ende des Beitrags gesetzt. So bekommt ihr eine Vorstellung, warum ich neben meinem Studium höchsten noch Hörbücher zum Einschlafen höre.

Gerda (siehe hier) regte mich dazu an, mein Kunsthistorikerin Dasein mehr im Blog zu postulieren. Bisher habe ich das kaum gemacht aber ich werde mal schauen, ob ich öfter solche einen Beitrag wie heute einstreue. Es ist einer der wenigen Beiträge, wo ich keine Zeichnung von mir zeige. Ich zeige aus lizenzrechtlichen Gründen auch kein Foto von Géricaults Floß der Medusa. Ihr könnte es hier sehen.

Ach ja, hier die Rezension vom Tagesspiegel von Franzobels Roman.

Aus diesem ganzen Dilemma heraus ist die Zeichnung von Freitag „Die Bedrohung durch das Meer“ entstanden (siehe hier).

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[1] Savigny, Jean-Baptiste Henri, Corréard, Alexandre, Berlin 2005, Seite 72 – 73.

[2] Zimmermann, Anja, Stuttgart/Weimar 2011, S. 370-373. Der Realismus im historischen Sinn entstand im 19. Jhd. als neue Richtung in der Literatur, Malerei und Grafik, deren Ziel eine sachliche und nüchterne Darstellungsweise war. Schon während der Entstehungszeit konnte sich auf Grund der komplexen und heterogenen Form und des kontroversen Verständnisses der dem Realismus zugeordneten Kunst keine allgemein gültige Begriffsdefinition durchsetzen.

[3] Wolf, Norbert, Stuttgart 2002, S. 29 – 31. Die Romantik ist eine gesamteuropäische Erscheinung am Ende des 18. Jahrhunderts und im Übergang zur Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts. In ihr sollte das menschliche Subjekt emanzipiert werden und einen Sinn in einer Gegenwart finden, die von politischen und industriellen Neuerungen geartet war. Sie ist geprägt vom Optimismus einer Aufbruchsstimmung, die in Religion, Philosophie, Politik, Kunst, Psychologie und auch im Einzelschicksal Ausdruck fand. Die Romantiker suchten Anleihen in früheren Epochen, kamen jedoch zu anderen geistigen Ergebnissen.

[4] Wedekind, Gregor, Frankfurt am Main, S. 73.

 

Quellenverzeichnis

SAVIGNY, JEAN-BAPTISTE HENRI, CORRÉARD, ALEXANDRE. Der Schiffbruch der Fregatte Medusa, Berlin 2005.

VAHLAND, KIA. Vom Schrecken des Schiffsbruchs, in: Süddeutsche Zeitung, München 2015.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/gericaults-floss-der-medusa-vom-schrecken-des-schiffbruchs-1.2439606#redirectedFromLandingpage, 25.10.2017, 9:40 Uhr.

KOSMALLA, MARINA. Forschung zu Meer und Seefahrt, Schiffbruch aus dem Fernsehsessel betrachtet, in: Tagesspiegel, Berlin 2016.

http://www.tagesspiegel.de/themen/freie-universitaet-berlin/forschung-zu-meer-und-seefahrt-schiffbruch-aus-dem-fernsehsessel-betrachtet/12963920.html, 29.10.2017, 14:24 Uhr.

Literaturverzeichnis

ALHADEFF, ALBERT. The Raft of the Medusa, Géricault, art and race, Munich 2002.

ALHADEFF, ALBERT. Julian Barnes and the „Raft of the Medusa“, in: The French Review, Band 82, Nr. 2, Marion, Illinois 2008, S. 276-291.

BUCH, ASTA VON. „Quel spectacle hideux! mais quel beau tableau!“, die Ästhetik des Erhabenen in Géricaults „Floß der Medusa“, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Band 69, München/Berlin 2006, S. 342 – 357.

CHENIQUE, BRUNO. Ein kannibalisches Kaiserreich, politische Symbole in Thédore Géricaults „Floß der Medusa“, in: Idea, Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle, Bremen/Hamburg 2009, S. 61 – 77.

CORBIN, ALAIN. Meereslust, Das Abendland und die Entdeckung der Küste, Frankfurt am Main 1999.

EITNER, LORENZ E.A. Géricault’s Raft of the Medusa, London 1972.

HEINRICH, KLAUS. Das Floß der Medusa, in: Schlesiger, Renate (Hrsg.), Faszination des Mythos, Basel und Frankfurt am Main 1991, S. 335 – 398.

LESSING, GOTTHOLD EPHRAIM. Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie. Mit beiläufigen Erläuterungen verschiedener Punkte der alten Kunstgeschichte, Stuttgart 1987.

MERTENS, SABINE. Seesturm und Schiffbruch. Eine motivgeschichtliche Studie, Hamburg 1987.

MICHEL, RÉGIS. Le Radeau de la Medusa, in Laveissière, Sylvain (Hrsg.). Géricault: Galeries Nationales du Grand Palais, Paris, 10 octobre 1991 – 6 janvier 1992, Paris 1991, S. 136 – 171.

RICHTER, DIETER. Das Meer, Geschichte der ältesten Landschaft, Berlin 2014.

TOURNIER, MICHEL. Das Floß der Medusa, in: Savigny, Jean-Baptiste Henri, Corréard, Alexandre. Der Schiffbruch der Fregatte Medusa, Berlin 2005, S. 5 – 9.

TREMPLER, JÖRG. Der Stil des Augenblicks, Das Bild zum Bericht, in: Savigny, Jean-Baptiste Henri, Corréard, Alexandre. Der Schiffbruch der Fregatte Medusa, Berlin 2005, S. 191 – 238.

TREMPLER, JÖRG. Katastrophen, Ihre Entstehung aus dem Bild, Berlin 2013.

WEDEKIND, GREGOR. Körper, in: Wedekind, Gregor, Hollein, Max, (Hrgs). Gericault. Bilder auf Leben und Tod. Frankfurt am Main 2013, S. 51 – 94.

WOLF, NORBERT. Théodore Géricault, Das Floß der Medusa, in: Kunstepochen, Band 9, Klassizismus und Romantik, Stuttgart 2002, S. 161 – 164.

Nachschlagewerk

THEODORE, JEAN LOIS. Géricault, In: Bazin, Germain (Hrsg.), Kindlers Malerei Lexikon, Band 4 FR – GY, München 1982, S. 1449 – 1455.

PLETICHA, HEINRICH (Hrsg.). Geschichtslexikon, Art: Französische Revolution, S. 117 – 120.

ZIMMERMANN, ANJA. Realismus, in: Pfisterer, Ulrich (Hrsg.) Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen, Methoden, Begriffe, Stuttgart/Weimar 2011, S. 370-373.

 

 

 

 

Monatsfoto: Mein Atelier am 30. Juli 2017 – Susanne Haun

Posted in Atelier, Foto by Susanne Haun on 7. August 2017

 

Zeilenende lud im Februar ein, an jedem letzten Sonntag des Monats ein Motiv zu fotografieren, um festzuhalten, was sich ändert und was gleich bleibt, las ich auf Gerdas Blog (siehe hier). Dazu zeigte Gerda Fotos von ihrem Atelier. Ich fand das spannend und beschloss mich Zeilenendes Aufruf anzuschliessen.

Hier also meine Atelierfotos, die sehr konträr zu Gerdas sind, was ich wiederum ebenso spannend finde. Aufgrund der starken Hitze sind die Vorhänge zugezogen. Mal schauen, wie das in einem Monat aussieht!

 

 

 

Winterlinge – Hahnenfußgewächs – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Zeichnung by Susanne Haun on 8. März 2017

 

„Der Winterling (Eranthis hyemalis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Winterlinge (Eranthis) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).“ schreibt Wikipedia.

 

Winterlinge - 17 x 22 cm - Tusche auf Aquarellkarton - Version 1 (c) Zeichnung von Susanne Haun

Winterlinge – 17 x 22 cm – Tusche auf Aquarellkarton – Version 1 (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Gerda (siehe hier) bloggte letzte Woche Anemonen und ich  dachte, die Winterlinge gehörten zur Gattung der Anemonen. Da habe ich mich geirrt aber ich mag sie trotzdem sehr.

 

Winterlinge im Garten meines Vaters (c) Foto von Susanne Haun

Winterlinge im Garten meines Vaters (c) Foto von Susanne Haun

 

Mit der Farbe habe ich mich etwas schwer getan. Es ist ungewöhnlich für mich, mit mehr als einem Farbton zu arbeiten. Ich mag das liniare Knappe auf das Wesentliche beschränkte.

 

 

Der Weg der weißen Schlange von Gerda zu mir – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Tiere, Zeichnung by Susanne Haun on 24. Oktober 2016

 

Letzte Woche, Dienstag Nacht, zeichnete Gerda eine weiße Schlange (siehe hier) und zeigte sie uns mit der Aufforderung, sie im Geiste weiter zu denken.

Ich habe zeichnerisch die Schlange weiter gedacht.

 

5 Weisse Schlange - Tusche auf Bütten - 70 x 50 cm - Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

Weisse Schlange – Tusche auf Bütten – 70 x 50 cm – Susanne Haun (c) Foto von M.Fanke

 

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