Susanne Haun

Moses mit Hörnern und Petrus‘ Ketten in Rom

Posted in Kunstgeschichte, Reiseberichte, Rom, Vergänglichkeit, Zeichnung by Susanne Haun on 21. Mai 2015

„Als Michelangelo den Moses vollendet hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob antik oder modern, das daneben bestehen konnte.
schrieb Vasari in seinen Künstlerbiografie Anfang des 16. Jahrhunderts.

Moses mit Hörner (c) Zeichnung von Susanne Haun

Moses mit Hörner (c) Zeichnung von Susanne Haun

Die Hörner auf Moses Kopf gehen auf einen Übersetzungsfehler zurück: Im hebräischen Urtext, der keine Vokale kennt, steht das Wort „krn“. Als man später den Text mit Vokalen versah, wurden zwei „e“ eingesetzt, so werden aus „krn“ -> „keren“ sprich „gehörnt“. Der Fehler wird in die lateinische Bibelübersetzung übernommen. Michelangelo nahm diese Beschreibung Moses in der Vulgata als Vorbild für seine Skulptur. Moses wird in dem Moment dargestellt, da er mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai im Anblick des Tanzes um das Goldene Kalb zurückkehrt.

 Michelangelos Kenotaph für Papst Julius II. (c) Foto von M.Fanke

Michelangelos Kenotaph für Papst Julius II. (c) Foto von M.Fanke

Michelangelo schuf in der Kirche San Pietro in Vincoli ein Kenotaph für Papast Julius den II, das auch den gehörnten Moses beinhaltet. Wer von den beiden Frauenfiguren, die ich fotografiert habe Lea und wer Rachel ist, habe ich leider nicht mehr im Kopf. Michelangelo vollendete das Grabmal 1542 – 45.  Vor dem Kenothap steht ein Automat, füttert ein Besucher ihn mit 1 € geht ein Licht an, was das Kenothap völlig überstrahlt. Das fotografieren im dunkeln ergab eindrucksvollere Fotos.

Die Ketten Petrus' - Reliquie in San Pietro in Vincoli (c) Foto von Susanne Haun

Die Ketten Petrus‘ – Reliquie in San Pietro in Vincoli (c) Foto von Susanne Haun

Ich mochte die weniger besuchten Grabmähler im linken Seitenschiff der Kirche. Die Sklette schauten lustig in die Runde.

Ihren Namen „Petrus in Ketten“ erhielt die Kirche nach der Reliquie der Ketten des Petrus, mit denen er angeblich nach Rom gebracht wurde.

 

Berliner Blätter und „disegno esterno“ und „disegno interno“ – Jürgen Küster und Susanne Haun

Posted in Disegno, Double Bind, Kunstgeschichte, Zeichnung, Zeichnung by Susanne Haun on 7. März 2014

Der italienischer Theoretiker, Federigo Zuccari prägte um 1600 die Begriff „disegno interno” und „disegno esterno”, innere und äußere Zeichnung. Der „disegno interno” liefert die Idee, der „disegno esterno” sorgt für die Ausführung.

Berliner Blätter 02 2014 - 2  (c) Zeichnungen von J.Küster und 0004

Berliner Blätter 02 2014 – 2 (c) Zeichnungen von J.Küster und 0004

Nun können Jürgen Küster und ich uns überlegen, welches disegno von wem in welchen Blättern steckt!

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich während meines Studiums besonders gerne von der Geschichte der Zeichnung höre und lese.
Das folgende Zitat von Vasari gefällt mir sehr gut:

„Die Zeichnung, der Vater unserer drei Künste, Architektur, Bildhauerei und Malerei, geht aus dem Intellekt hervor und schöpft aus vielen Dingen ein allgemeines Urteil, gleich einer Form oder Idee aller Dinge der Natur, die in ihren Maßen überaus regelmäßig ist. So kommt es, dass die Zeichnung nicht nur in den menschlichen und tierischen Körpern, sondern auch in den Pflanzen, Gebäuden, Skulpturen und Gemälden das Maßverhältnis der Teile untereinander und zum Ganzen erkennt. Und da aus dieser Erkenntnis eine bestimmte Vorstellung entspringt, und ein Urteil, das im Geiste die später mit der Hand gestaltete und dann Zeichnung genannte Sache formt, so darf man schließen, dass diese Zeichnung nichts anderes sei als eine anschauliche Gestaltung und Klarlegung der Vorstellung, die man im Sinne hat, und von dem, was ein anderer sich im Geiste vorgestellt und in der Idee hervorgebracht hat.“

Ich möchte dieses mal auch nicht vergessen, euch auf unseren Projektblog double bind aufmerksam zu machen. Dort findet ihr kompimiert unser Projekt.

Von Generation zu Generation – Künstlerviten – Bericht von Susanne Haun

Posted in Kunstgeschichte, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Oktober 2013

Heute habe ich einen kleinen Überblick über Künstlerviten vor Vasari erhalten. Vasari gilt als einer der ersten Kunsthistoriker und lebte 1511 – 1574 vorwiegend in Florenz.

Als Einstieg lasen wir in Auszügen die erste Künstlervita von Vasari und erfuhren auch, dass alles in dieser Vita von Vasari erdacht war und nicht der Wahrheit entspricht.

Wie sieht das heute im Zeitalter des Internets aus? Kann ein Künstler es sich überhaupt erlauben, eine Vita zu erdenken? Ist nicht alles nachvollziehbar, recherchierbar?

Bögen (c) Zeichnung von Günter Zeidler

Bögen (c) Zeichnung von Günter Zeidler

Ein sehr interessantes Thema!

Gestern war ich bei meinen Eltern und erzählte von den Westfassaden der Gotischen Kathedralen, die ich gerade in einem anderen Seminar kennenlerne.

Ich war erstaunt, mein Vater schien fast darauf gewartet zu haben und überreichte mir zwei Blätter, auf denen er sich 1952 in seiner Ausbildung zum Kunstglaser mit Bögen und Epochen auseinandergesetzt hat.

Eochen (c) Zeichnung von Günter Zeidler

Eochen (c) Zeichnung von Günter Zeidler

Hier komme ich zu meiner Vita (siehe hier) zurück – die Information, dass ich einer alten traditionellen Glaserfamilie entspringe, ist also tatsächlich wahr 🙂 🙂 🙂 . Mein Bruder führt die Glaserei weiter. Ach ja, das fehlt nur noch die Information, dass ich eine geborene Zeidler bin.

Dem Disegno auf der Spur und mein Selbstportrait-Tagebuch – Susanne Haun

Der Begriff Disegno hat mich noch nicht wieder losgelassen (siehe hier).

Ich habe mir aus der Zentral- und Landesbibliothek den „Kemp-Reader“ bestellt, da immer wieder auf einen Aufsatz des Kunsthistoriker Wolfgang Kemp verwiesen wird, wenn die Sprache auf Disegno kommt.

Selbstportrait Tagebuch 25. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 25. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Kemp betrachtet die Geschichte des Begriff Disegno von 1547 bis 1607. Ich habe beim Lesen Notizen von den Aussagen geschrieben, die mir wichtig erschienen. Schon damals waren sich die Gelehrten nicht einig, wie der Begriff zu definieren ist.

Vasari (Florenz): Disegno stellt sich erst nach der Schöpfung des Weltalls ein.

Doni (Venedig): Disegno ist der göttliche Urplan der Entstehung der Welt. Das verbindende gemeinsame aller Künste ist in der geistigen Herkunft.

Vasari: Wenn er die Erfindung, die Idee, aus dem Urteilsvermögen gewonnen hat, ist er auch darauf angewiesen, durch jahrzehntelange Übung (sein Handwerk) das gedachte auszudrücken.

Disegno bestimmt den künstlerischen Prozess.

Das führte mich zu der Frage, wie das Disegno zur Konzeptkunst steht, denn dort findet eine Trennung zwischen Idee und Ausführung statt.

Vasari: Disegno übernimmt die aktive Vermittlerrolle zwischen der Natur und dem Kunstwerk.

Vasari stellte sich damit gegen die neuplatonische Strömung seiner Zeit, in der die Idee das Gegebene war und nicht nur ein Abkömmling der Naturwirklichkeit.

Selbstportrait Tagebuch 23. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 23. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Was hat Disegno mit meiner Kunst zu tun?

Die jahrzehntelange Übung in der Zeichnung kann ich mein Eigen nennen.
Die Idee?
Ich habe viele Ideen, leider habe ich für 90% meiner Ideen keine Zeit, sie zu verwirklichen.
Bei manchen Ideen, wie bei der Rolle (siehe hier), brauche ich Hilfe bei der Ausführung – nicht bei der Zeichnung aber beim Bau der Kästen. Und ich brauche Geld, um die Kästen bauen zu lassen.

Ich arbeite zur Zeit an der dritten Rolle. Die erste ist in einem Prototyp von Glaskasten, an dem es noch einiges zu verbessern gibt. Ich denke über einen neuen Kasten nach, der an der Wand hängen soll. Da ist viel zu bedenken:
Die Aufhängung, das Gewicht, das Rollsystem und vieles mehr…..

Und bei all dem reflektiere ich mich selber in meinem Selbstportrait Tagebuch. Es hilft mir. Die Idee ist nicht neu aber es ist Kontinuität erforderlich. Ich freue mich schon, wenn wieder drei Tage herum sind und ich den Blick auf mich selber werfen kann.

Selbstportrait Tagebuch 24. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

Selbstportrait Tagebuch 24. Woche (c) Zeichnungen von Susanne Haun

For my english reader:
I try to understand the consept „disegno“ and read a book from the art historian Wolfgang Kemp. Vasari and Doni had different persecptions about this term. Vasari thought, the best execution is important and the execution follows the given nature. Doni thought, the idea is more important and was before the building of the universe.
I ask me what means this term in my art?
I think my execution is excellent and whats about my ideas? I will think about it the next time.
If I have time… most of my ideas are lost on reason on less time.
Solong – I reflect myself in my Selfportrait notebook.

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Kemp, Wolfgang. „Kemp-Reader“. Berlin 2006.

Vasaris Disegno-Konzeption: der Intellekt des Künstlers – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Betrachtungen zur Kunst, Disegno, Kunstgeschichte, Leinwand, Zeichnung by Susanne Haun on 6. Mai 2013

Entscheidend wurde die Bedeutung des Disegno von Vasari geprägt.

7 Die Zöpfeflechterin - 50 x 50 cm - Tusche auf Leinwand (c) Susanne Haun

7 Die Zöpfeflechterin – 50 x 50 cm – Tusche auf Leinwand (c) Susanne Haun

Valeska von Rosen beschreibt in Metzlers Lexikon, das Vasari die ambitionierte Theorie entwickelte, in der er den Disegno zu einem allen Gattungen übergeordneten Prinzip erklärte, das er weitgehen mit den im Intellekt des Künstlers eingeschriebenen Vorstellungen parallelisierte, diese gehe der Werkausführung und damit der eigentlichen Künstlerischen Arbeit voraus.

An dieser Stelle geht die Kunst aus dem Handwerk hervor, sie wird geadelt!

Neben dem disegno habe ich mich mit meiner Leinwand von gestern beschäftigt. Mir hat die blaue Zeichnung von der Komposition nicht gefallen und auch der Kontrast hat mir gefehlt. Nach der Änderung bin ich zufrieden. Ich mag vor allem die Spuren, die vom blau erhalten geblieben sind und die Zeichnung beleben.

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