
Ende Oktober erreichte mich eine Mail von Henning Ohms, Student an der Uni Bonn. Er absolvierte dieses Semester eine Übung zu Kunst in der Plattformökonomie und hielt letzten Donnerstag ein Referat über Singulart. Dazu stellte er mir einige Fragen zu Singulart. Mich erreichen immer wieder Anrufe und Mails zu Singulart in denen mehr oder weniger ähnliche Fragen gestellt werden. So habe ich beschlossen, die Fragen und Antworten zu veröffentlichen.
Meine Singulart-Präsentation:
https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/susanne-haun-2317?ref=ts
Ein Interview von Singulart mit mir:
https://www.singulart.com/blog/de/2020/10/23/5-minuten-mit-susanne-haun/?srsltid=AYCX9vLuiIttzdUa2S8-TlUbyL0l2s9pnBcpnUjuf_ffORusSaZRFAvw
Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass ich seit 2023 nicht mehr über die Plattform Singulart verkaufe. Änderungen in den Präsentations- und Verkaufsabläufen von 2023 bis heute kann ich nicht dokumentieren. Mein Wissensstand ist von 2023.
Wie stellte sich die Preiszusammensetzung zusammen, also was haben Sie am Ende für ein verkauftes Kunstwerk erhalten?
Seit 2023 können ohne monatliches Abo bei Singulart abzuschließen, keine Kunstwerke mehr verkauft werden:
Silver 25€ /Monat 299€ /Jahr 10 Kunstwerke
Gold 58€ /Monat 699€ /Jahr unbegrenzt Kunstwerke
Premium 125€ /Monat 1.499€/Jahr unbegrenzt Kunstwerke
Die Leistungen, die die Abos ansonsten beinhalten entnehmen Sie bitte dem angehangenen Bildschirmausdrucks (zuletzt abgerufen: 25.10.2026). Ich habe die Abo-Bedingungen nur einsehen können, weil Singulart ein Interesse daran hat, mich wieder als Kundin der Plattform zu gewinnen. Ohne weiteres ist die Preisgestaltung für Künstler*innen nicht auf der Webseite ersichtlich.

Hier die Aufschlüsselung der Abrechnung für verkaufte Kunstwerke am Beispiel „Rollte ein Schafskopf auf die Erde (gerahmt)“
https://www.singulart.com/de/kunstwerke/susanne-haun-rollte-ein-schafskopf-auf-die-erde-gerahmt–105445
Verkaufspreis 2.100 € / Versandkosten 340 €
-> Verkaufspreis auf der Webseite = 2440 €
Brutto Gewinn: 50 % des Verkaufspreises 1.050 Euro
Mehrwertsteuer fällt wie folgt an
2100 Euro Verkaufspreis – 20 % Französische MWST = 1.680 € / 2 = 840 Euro
Wenn Künstlerin oder Künstler MWSTpflichtig ist gehen davon 19 %
Auszahlung 705,88 Euro
19% deshalb, weil Singulart vom Finanzamt als Handelsplattform und nicht als Galerie mit verminderten Mehrwertsteuersatz gesehen wird.
Wichtig zu Bedenken: 30 Tage können Kund*innen die Kunst zurücksenden
Ich habe insgesamt 3 Kunstwerke verkauft, davon wurde eines innerhalb der ersten Woche zurückgesendet. Grund: passte doch nicht so gut über das Sofa.
Welche Mitsprache hatten Sie bei der Präsentation Ihrer Kunst auf der Plattform?
Die Plattform funktioniert wie ein Baukasten:
Biographie, Fotos und die einzelnen Kunstwerke müssen von den Künstler*innen aufwendig selbst hochgeladen werden. Es ist zeitintensiv, die Verkaufsseite mit Leben zu füllen und zu bewerben. Singulart stellt nur die Infrastruktur zur Verfügung. Alles andere wird selbstständig von den Künstler*innen entschieden.
Wie läuft ein Verkauf aus der Sicht eines Künstlers ab?
Der erste Kontakt zu Kund*innen findet über Singulart statt. Die für die Künstler*innen zuständige Mitarbeiterin bei Singulart nimmt nach Verkauf Kontakt mit den Künstler*innen auf, fragt, ob das Kunstwerk noch zur Verfügung steht und verhandelt gegebenenfalls um einen Preisnachlass, den die Kund*innen wünschen.
Die Künstler*innen müssen die Kunst selbst verpacken und versenden und über die Kosten Singulart eine Rechnung stellen.
Danach läuft alles seinen kaufmännischen Gang. Alles ist transparent dokumentiert und abgerechnet. Der Auszahlungsbetrag ist innerhalb von 14 Tagen aus dem Konto der Künstler*innen.
Sie verkaufen, wenn ich es richtig gesehen habe, keine Kunst mehr über Singulart. Welche Gründe hatten Sie für die Abwendung von der Plattform und weshalb existiert dennoch ein Profil von Ihnen und weshalb kann man Ihre Kunst noch anschauen, aber nicht erwerben?
Ich war mit der Werbung, Abrechnung und Kommunikation von Singulart sehr zufrieden.
Ich verkaufe dort aus ökonomischen Gründen nicht mehr. Schon ohne Abo zahlen die Künstler*innen eine beträchtliche Provision an Singulart. Das finde ich jedoch akzeptabel für die Arbeit, die das Team leistet. Das Abo ist unabhängig vom Verkauf. Es ist vergleichbar mit der Wand, die in einer realen Galerie gemietet werden kann. Und auch da fällt oft trotz der Miete noch Provision für den Verkauf der Bilder an. Dieses Konzept lehne ich ab. Die Künstler*innen müssen in Vorleistung gehen. Um die Arbeitszeit und die Abokosten neben den Kosten für die Kunstwerk-Erstellung einzuspielen und auch Gewinn zu machen, müssten im Monat mindestens zwei eher drei hochpreisige Arbeiten verkauft werden.
Ich habe mein Account bei singulart nicht gelöscht. Ich mag die Präsentation. Wenn jemand meine Kunst kaufen möchte, kann ich über Suchmaschinen gefunden und es kann Kontakt mit mir aufgenommen werden.
Würden Sie anderen Künstler*innen heutzutage empfehlen auf Singulart zu verkaufen?
Die Plattform ist gut konzipiert und es wird verhältnismäßig viel Werbung für die Künstler*innen geschaltet. Die Verkäufer*innen von Singulart sind motiviert. Die zuständigen Mitarbeiter*innen für die Künstler*innen waren immer ansprechbar. Es gibt regelmäßige Webinare und eine nette Gemeinschaft unter den Künstler*innen. Wichtig ist, selbst Engagement zu zeigen und Arbeit für die eigene Präsenz innerhalb der Plattform zu investieren.
Nichtsdestotrotz ist – mindestens bis 2023 – die Zielgruppe weniger Kunstsammler*innen als Kunstinteressierte, die Bilder für ihr zuhause suchen. Entsprechend ist auch die angebotene Kunst zu sehen. Auch hier, wie in der guten alten klassischen Galerie, sollte die Frage gestellt werden, ob ich mit meiner Kunst auf dieser Plattform passe.
Singulart wirbt, dass sie mit dem Abo nun auch Kontakte zu Galerien vermitteln. Ob das gut funktioniert, kann ich nicht einschätzen.
Wer die Plattform ausprobieren möchte, kann mit einem Silver-Abo und 10 Kunstwerken beginnen und schauen, ob gut verkauft wird. Läuft es, kann erweitert werden, läuft es nicht, dann hat man es wenigstens mal probiert und kann kündigen.
