Susanne Haun

Jörg sitzt seit 15 Jahren vor Karstadt – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Ausstellung, Projekt Obdachlos, Querbruch-Obdachlos, Zeichnung by Susanne Haun on 10. September 2018

 

Jörg, 48 Jahre alt, habe ich in den letzten 15 Jahren sicher oft vor Karstadt am Leopoldplatz gesehen aber nicht wahrgenommen.

Er sitzt mit s seiner Hündin Kira immer an der selben Stelle. Er schlafe bei einem Kumpel, berichtete er mir. Er mag das Leben auf der Straße, seinen Besitz hat er um sich gruppiert. Jörg liest gerade Sara von Stephen King. Das Buch hat er von einer Passantin bekommen. Während ich neben ihm auf dem Boden sitze, kommen 2 Frauen vorbei und geben Geld in seinen zerbeulten Plastiktrinkbecher. Als ich schon einige Meter weiter bin, sehe ich, dass er von einer anderen Frau etwas zu essen bekommt.

Jörg hat nichts dagegen, dass ich ihn zeichne und fotografiere. Meinen ersten Eindruck von ihm habe ich in lotusgrüner Tusche festgehalten. Ich werde ihm die Zeichnung zeigen und auch alles, was ich noch aus unerem Gespräch in Kunst umsetze.

 

Jörg - seit 15 Jahren vor Karstadt - 30 x 40 cm - Tusche auf Hahnemühle Auqarellkarton - Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

Jörg – seit 15 Jahren vor Karstadt – 30 x 40 cm – Tusche auf Hahnemühle Auqarellkarton – Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

 

 

Selbstbetrachtung einer Obdachlosen

Posted in Ausstellung, Projekt Obdachlos, Querbruch-Obdachlos, Zeichnung by Susanne Haun on 7. September 2018

 

Seit einigen Tagen spreche ich auf meinen Wegen durch den Wedding Obdachlose an.

So traurig es ist, bei jedem kleinsten Weg finde ich jemand, die / der mir entweder noch nicht aufgefallen ist oder wo ich vor unserem Ausstellungsprojekt „Querbrüche – Obdachlos“ noch nicht geschaut habe. Warum habe ich nicht gesehen? Ich bin Künstlerin und eigentlich ist es doch meine Arbeit, zu sehen und widerzugeben.

 

Obdachlos - Das Paradies kann warten - Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

Obdachlos – Das Paradies kann warten – Zeichnung von Susanne Haun (c) VG Bild Kunst, Bonn 2018

 

Ich habe mit Nina vom Eichhörnchenverlag darüber diskutiert. Empfinden wir eine Scham, das Elend näher zu betrachten? Schauen wir weg? Trauen wir uns nur die leeren Schlafplätze und den Besitz der auf der Straße lebenden zu betrachten? Das sind Fragen, die ich künstlerisch untersuche.

Eigentlich wollte ich von den Gesprächen in chronologischer Reihenfolge berichten. Aber das Gespräch heute hat mich sehr aufgewühlt. Ich habe mit einer Frau gesprochen, die an verschiedenen Ecken um den Leopoldplatz sitzt. Sie besitzt nur noch einen Zahn unten ist schätzungsweise zwischen 25 und 40 Jahre alt, etwas korpulent, sehr schmutzig und ich sehe sie oft mitten auf dem Bürgersteig schlafen. Ich vermutete, dass sie keine Scham kennt und so war das Gespräch, was ich mit ihr führte eine große Überraschung für mich.

Sie wollte mir ihren Namen nicht nennen, sie möchte nicht von mir gezeichnet werden und schon gar kein Foto von sich bei der Ausstellung sehen aber ich darf über sie schreiben.

Sie sei nicht obdachlos, erzählte sie mir. Ihre Freizeit sei stark beschränkt, sie würde Putzaufgaben haben, die Landwirdschaft machen und sei in ihrer Arbeit integriert. Sie hätte soviel Häuser, Burgen und Schlösser zu putzen. Sie wohne im Himmelsland im Sicherheitsland der Kirche. Sie wäre zufrieden und liest kirchenbezogene Schriften oder jahreszeiten bezogene Literatur. Sie findet nicht, dass sie in die Obdachlosenszene hereinpasst, sie sei in zwangsmäßiger Not in Bezug auf ihre Arbeit.

Sie meinte das ganz ernst. Ist es Verdrängung der eigenen Situation? Ist sie krank? Kann man ihr helfen? Ich bin überfordert. Als ich im gehen bin, bekommt sie ein warmes Brötchen von einer Passantin. Sie schaut das Brötchen gerührt an.

Wenn ich mit den Betroffenen spreche, dann setzte ich mich zu ihnen auf den Boden der Straße. Eine Familie kam während des Gesprächs vorbei und der Mann sagte abfällig, dass nun schon zwei Frauen da säßen. Mit der zweiten Frau meinte er mich. Ich weiss immer noch nicht, wie ich das emotional bei mir und generell in mein Denken einordnen soll.

Die Zeichnungen sind nicht im Zusammenhang mit dem Interview entstanden, sondern es sind Beobachtungen der letzten Wochen in Berlin, Wedding.

 

 

 

Termine für die Ausstellung Querbrüche – Obdachlos – Zeichnungen und Objekte von Susanne Haun und Gabriele D.R.Guenther

Posted in Ausstellung, Projekt Obdachlos, Querbruch-Obdachlos, Zeichnung by Susanne Haun on 31. August 2018

 

Obdachlos - Zwei Tüten halten besser als eine - Tusche auf Aquarellkarton - 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

Obdachlos – Zwei Tüten halten besser als eine – Tusche auf Aquarellkarton – 30 x 40 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Es war nicht einfach, Räumlichkeiten für unsere vom Gebietsfond 2018 geförderte Ausstellung Querbrüche – Obdachlos zu finden. Gabriele D.R. Guenther und ich gaben unser Bestes aber keiner wollte uns einen der zahlreichen leerstehenden Läden rund um die Müllerstraße für unsere Ausstellung vermieten. Wir waren und sind immer noch fassungslos deshalb. Um die Förderung nicht zurückgeben zu müssen, haben wir eine andere etwas abgespeckte Lösung gefunden. An dieser Stelle gilt unser Dank nochmals Winfried Pichieri von der Planergemeinschaft, der uns bei unserer Suche so tatkräftig unterstützt hat.

 

Förderer:

 

Ausstellungsorte und -zeiträume:

 

Café Motte

Öffnungszeiten: Mo – So 12.00 – 00.00 Uhr

Ausstellungszeitraum: 2. – 11. November 2018

Vernissage der Ausstellung: Freitag, den 2.11. ab 19 Uhr

Veranstaltung (die noch genauer geplant wird) Mittwoch, den 7.11. ab 19 Uhr

Vom Café Motte könnt ihr mehr auf der Seite des Weddingweisers „Kunst und Gemütlichkeit bei Café Motte“ (siehe hier) lesen.

 

Schiller-Bibliothek

Öffnungszeiten: Mo – Fr von 10 bis 19:30 Uhr und Samstags von 10 bis 14 Uhr

05.11. – 28.12.2018 in der Galerie im 1. OG

 

Das Thema ist nicht einfach in der Kunst darzustellen und ich habe mich entschlossen, dass gesehene um den Leopoldplatz in Zeichnungen und Interviews umzusetzen. So gehe ich sehenden Auges durch den Wedding und halte Situationen fest und die Serie „Obdachlos, das Paradies kann warten“.

Als erste Stichpunkte habe ich mir den „Besitz“ vorgenommen. Was besitzt eine Obdachlose, ein Obdachloser und wie verfahrt sie / er seinen Besitz auf?

 

 

 

 

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