Susanne Haun

Eine gute Hausfrau – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Keltische Eindrücke, Zeichnung by Susanne Haun on 21. September 2009

Am Wochenende habe ich in einem Katalog über keltische Fundgegenstände geblättert. Besonders beeindruckt hat mich eine 1000 Liter Mischgefäß im Grab der „Dame von Vix“. Sie gehörte einer Fürstin oder Prinzessin und sie galt als gute Gastgeberin, weil sie besonders viele Gäste mit Wein versorgen konnte. Könnt ihr euch vorstellen, wie groß ein 1000 Liter Gefäß ist? Ich passe da locker stehend hinein!
Was versteht man heute unter einer guten Hausfrau oder Gastgeberin? Das ist eine schwierige Frage. Als ich umgezogen bin, trennte ich mich von meinen gesammelten Tellern und Tassen und kaufte mir bei ebay ein Kaffeeservice aus blauer Keramik. Mir gefiel das blau und ich freute mich, einmal einheitlich einen Tisch decken zu können. Als dann eine Freundinn kam und meinen Schrank öffnete, sagte sie „Oh, du hast ja Friesland blue!!!!“. Ich war etwas verwirrt. Noch nie war jemand in Verzückungsrufe ausgebrochen, wenn ich meinen Küchenschrank öffnete. Ich wurde dann auch tatsächlich noch öfter auf mein Geschirr angesprochen.
Gelte ich jetzt deshalb als gute Hausfrau und Gastgeberin? 😉

Ich bin im Atelier und im Atelier habe ich die guten Ikea Kaffeetöpfe im Schrank. Nun habe ich einen der Töpfe in die Hand genommen und mit dem zeichnen begonnen. Meine Mutter findet, eine gute Hausfrau erkennt man an ihren Wischlappen. Der sollte immer so sauber sein als ob er gerade hingelegt wurde. Dann habe ich mich über mich selber so amüsiert, dass einfach mein Bild von „der guten Hausfrau“ auf dem Papier erschien 😉

3 Responses

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  1. andermichl said, on 21. September 2009 at 21:39

    Das Mischgefäß im Grab der Dame von Vix hatte mit hausfraulichen Tugenden wenig zu tun. Ursprünglich aus Griechenland stammend war das Gefäß ein Krater, zum Mischen von Wein und Wasser für die Bewirtung von offiziellen Gästen, fast schon ein kleiner privater Staatsakt. Je später der Abend, je netter die Gesellschaft, desto weniger Wasser wurde dem Wein zugesetzt.
    Die Kelten haben dieses griechische Kulturgut übernommen und bei ihren Gelagen als absolutes Statusobjekt eingesetzt – ein Gast aus dem Mittelmeerraum hat sich dann auch einmal in einem Reisebericht beschwert, die „barbarischen“ Kelten würden den Wein – how shocking – nur unverdünnt trinken.
    Die Dame von Vix hat wohl nie auch nur eine Hand an das Mischgefäß gelegt, das war die Arbeit der Sklaven, und angeschafft hat das Objekt höchstwahrscheinlich ihr Mann, um damit seine politische Macht und Stellung zu zeigen. Ein „Maybach“ fürs Wohnzimmer.

  2. susannehaun said, on 22. September 2009 at 06:21

    Das ist mir klar, andermichl, ich habe ja auch den Text dazu gelesen 😉
    Ich habe meine Gedanken und Inspirationen dazu geschrieben und gezeichnet.
    Als mein Sohn noch klein war, da hat er mir Abends drei Wörter gegeben und ich habe ihm eine Geschichte aus den Wörtern erzählt.
    Gruß Susanne

  3. andermichl said, on 22. September 2009 at 18:47

    Danke für die Replik. Als alter Keltologe sehe ich das immer unter dem fachlichen Aspekt, und als Südbayer ist man automatisch Kelte.

    Gruß Andermichl


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