„Den Schein und die Täuschung dieser schlechten, vergänglichen Welt nimmt die Kunst von jenem wahrhaften Gehalt der Erscheinungen fort und gibt ihnen eine höhere, geistgeborene Wirklichkeit.“² Hegel
Das ist wahrhaftig kein leichter Satz, den Hegel in seiner Vorlesung über die Ästhetik schreibt. Was möchte er damit ausdrücken?
Hegel vergleicht Schein und Täuschung mit der Geschichte, die ebenso durch das unmittelbar Sinnliche verunreinigt ist.
Ich verstehe es so, dass 20 Augenzeugen die Geschichte in 20 unterschiedlichen Fassungen erzählen, sie somit das unmittelbare Sinnliche verunreinigen. Um diese Verunreinigungen möglichst gering zu halten, wird die Geschichte heute mit unterschiedlichen Methoden betrachtet, es gibt Kongresse, in denen die Ergebnisse besprochen werden. Die Geschichte hängt nicht mehr an die Erzählweise eines einzelnen, damit sollte der Schein und die Täuschung geringer gehalten werden. Ob das tatsächlich der Fall ist – das kann ich nicht beurteilen, ich kann es nur hoffen.
Ich verstehe Hegel so, dass die Kunst den Schein und die Täuschung fort nimmt und den Erscheinungen eine Wirklichkeit gibt.
Was sagt ihr dazu?
Ist es möglich, dass die Kunst ungefiltert, rein und ohne Täuschung etwas zeigen kann? Ich kann mir das schwer vorstellen. Wie muß die Kunst aussehen? Und von welcher Art ist der Charakter des Künstlers, der diese Kunst erstellt?
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²Hegel, G.W.F., Werke in 20 Bänden, Band 13, Vorlesung über die Ästhetik I, Frankfurt a.M., 1970, Seite 35.
