Susanne Haun

Wie verstehe ich die Ästhetik von Hegel? – Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Hegel, Philosophie, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Oktober 2015

Heute haben wir im Seminar zu Hegels Vorlesungen über Ästhetik über die Begrifflichkeiten in Hegels Text diskutiert.

Dabei dienten uns die Kapitel I. und II. der Einleitung als Grundlage für die Diskussion.

Ich fand die Diskussion schwierig und ich frage mich, ob sie mir geholfen hat, Hegels Begrifflichkeiten von Ästethik/ Kunst, dem Naturschönen / der Natur, der Wissenschaft und dem Geist klarer zu sehen.

Mir fehlten in der Diskussion die Begriffe Schein und Täuschung, das Denken selber und die Kunstgeschichte (Betrachtungen zur vorhandenen Kunst).

Florales (c) Zeichnung von Susanne Haun

Florales (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

Aber das liegt auch an mir selber: ich habe erst einmal zugehört und versucht, die Regeln der Diskussion zu verstehen. Was ich auch schwierig fand. Alles drehte sich im Kreis und es wurde viel zitiert. Aber ich habe mich heute nicht eingebracht!

Die Dozenten sagten am Ende, wir müssten eine Ökonomie der Diskussion finden. Nun ist eine Woche Zeit, darüber nachzudenken.

Ich habe auch noch die Frage, nach der zweckfreien Kunst mit nach hause genommen. Ist sie zweckfrei, wenn sie in der Rangordnung vor der Gesellschaft steht und diese erst ermöglicht? Entsteht tatsächlich aus Kunst die Gesellschaft? Hegel benutzt nicht den Begriff „Gesellschaft“.

„Die Notwendigkeit über Kunst zu reden zeigt, dass die Kunst vorbei ist und die Reflexion begonnen hat.“ sagte unser Kunstgeschichte Dozent Herr Geimer.

„Bestimmte Fragen sind mit der Kunst nicht zu beantworten.“ stellte der Philosophie Dozent Herr Bertram fest.

„Ist das so? Kann die Kunst nicht alle Fragen beantworten?“ frage ich mich!

Provokant stelle ich diesen Fragen zwei Blumenzeichnungen von mir entgegen.

Kunst sollte zwecklos und autonom sein. Sind diese Zeichnungen zwecklos und autonom? Die Linien sind es – sicher!

Florales (c) Zeichnung von Susanne Haun

Florales (c) Zeichnung von Susanne Haun

6 Antworten

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  1. gkazakou said, on 23. Oktober 2015 at 17:51

    Vergiss nicht, dass Hegel kein Künstler war. Und der Dozent, ist er einer? Wie stehts mit den klugen Diskutanten? Wissen sie etwas von dem, was einen Künstler umtreibt, wie er vorgeht, was ihn antreibt, wo er Halt macht? Von seiner zitternden Freude, seinem Kampf und Krampf, seiner Verzweiflung? Wissen sie, wie er auf sein eigenes Bild starrt und es zu beurteilen versucht?
    Deine Blumenbilder zeigen, wie das Lebendige über den Kasten im Kopf hinauswächst. Das erste tut es mit erheblicher Anstrengung, man fühlt den Kampf, das zweite ist fast gleichgültig gegenüber dem Kasten, ähnelt ihm mehr.

    • Susanne Haun said, on 24. Oktober 2015 at 08:25

      Ich weiß nicht, ob noch mehr Künstler unter den Diskutierenden sind, Gerda. Jedoch werde ich am Mittwoch meine Hand gleich als erstes hochnehmen und meine Gedanken zur Diskussion und zu Hegel „in die Runde schmeißen“.
      Ich habe zu den ersten 40 Seiten von Hegels Ästethik ein Exzerpt erstellt, dass eher auf die Begriffsdefinitionen Hegels eingeht. Diese Definitionen von Kunst, Geist, Wissenschaft, Täuschungund Kunstgeschichte finde ich sehr anregend, jedoch wurden sie in der Diskussion nicht erwähnt. Ich fühlte mich auch als Künstlerin von den ersten 40 Seiten Hegels angesprochen und finde, dass Hegel eine sehr moderne Definition von Kunst liefert. Zum Beispiel schreibt er, dass die Idee selber in der Kunst sichtbar wird. Beim Naturschönen sei das nicht der Fall. Dies finde ich beachtlich, denn basiert darauf nicht die Konzeptkunst. Ich habe sofort an Kosuth und auch an Platons Vorstellung von Idee gedacht.
      Der Kunstgeschichte Dozent sagte einmal in einem anderen Seminar, dass der Künstler nicht über sich selber schreiben oder kann, weil er im Geschehen steht und so eher subjektiv oder heute aus werbezwecken sich selber darstellt. Er warnte die angehenden Kunsthistoriker, sich der Gedanken des „statement of the artist“ zu bedienen. Wo aber findet der Kunsthistoriker Antworten auf die Fragen, die du gestellt hast? Diese Fragen, die für den Künstler die tägliche Ausseinandersetzung mit der Kunst und der Welt bedeutet. Ist die Welt hier die Gesellschaft?
      Danke, dass du meine Blumenbilder als Allegorie für den Geist dargestellt hast. Ich zeichne weiter Blumen und werde sie mit Hegel in Verbindung bringen.

  2. entdeckeengland said, on 24. Oktober 2015 at 16:58

    Liebe Susanne, ich habe mich noch nie mit Hegel beschäftigt, verzeih daher meine naive Sichtweise. Ich finde es befremdlich, von Kunst als zweckfrei zu sprechen. Denn ich glaube, das der Künstler immer einen Zweck mit seiner Arbeit verfolgt, egal, ob er eine Auftragsarbeit übernimmt oder ob er wie die Dadaisten protestiert und eine Art Antikunst schafft. Die Gesellschaft mag den Zweck anders bewerten als der Künstler, aber der Künstler gehört auf der anderen Seite auch zur Gesellschaft. Liebe Grüße, Peggy

    • Susanne Haun said, on 25. Oktober 2015 at 12:17

      Liebe Peggy, danke für deine Gedanken!
      Ich bin mir nicht sicher, ob Hegel Auftragswerke als Kunst klassifizieren würde. Obwohl gerade bis zum Ende des Mittelalters die Kunst in der Regel Auftragswerke waren.
      Ich hoffe, dass im Laufe des Seminars viele der offenen Punkte besprochen werden.
      Wenn du jedoch einen Nagel oder eine Schüssel betrachtest, so hat diese anders als ein Kunstwerk eine Funktion, sei es nun Dinge zu halten oder etwas aufzubewahren. Das ist bei der Kunst schwieriger. Welchen Zweck erfüllt die Auftragskunst? Die Eitelkeit des Besitzers zu befriedigen? Das sind gute Fragen, oder?
      Ich werde sie auf jeden Fall in die Diskussion geben.
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Susanne

  3. gkazakou said, on 24. Oktober 2015 at 17:13

    Heute las ich beim Blogger Blütensthaub ein Interview (Deutsche Welle) mit Wolfgang Laib, der den diesjährigen japanischen Premiumaward erhielt Seine Aussagen passen gut in diese Diskussion. Kunst will Gesellschaft verändern – und tut es auch.

    • Susanne Haun said, on 25. Oktober 2015 at 12:26

      Ja, Gerda, das tut Kunst auf jeden Fall. Kannst du mir ein Link zu dem Interview senden?
      Ich habe hier in den Tagesthemen https://www.tagesschau.de/kultur/laib-101.html ein kleines Interview von ihm gesehen.
      Ich weiss nicht, ob du den Link in Griechenland aufrufen kannst? Ich habe festgestellt, dass ich ab und an Schwierigkeiten mit Links habe, die nicht aus dem Land kommen, in dem ich mich befinde. Also Lizenzrechliche Schwierigkeiten.
      Liebe Grüße und einen schönen Sonntag von Susanne


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