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Justitia im Wandel der Jahre – Skizzen und Zeichnungen von Susanne Haun

Ein gesundes Neues Jahr 2021 für alle meine Leserinnen und Leser.

Ich hoffe, ihr seid alle gut und gesund in das Neue Jahr gekommen.

Womit kann man das Jahr besser beginnen als mit der Göttin der Gerechtigkeit? Sicher, da gibt es einiges mehr wie Essen, Bewegung, einem guten Buch, Kommunikation mit guten Freunden und und und. Ich habe mir wiedereinmal eine Liste mit den Dingen erstellt, die mir 2021 wichtig sind und die ich fokusieren möchte.

Knapp gesagt: ich habe die Priorisierung meiner Zeit neu gedacht und neue Schwerpunkte gesetzt.

Die Göttin der Gerechtigkeit

In der römischen Mythologie steht Justitia für die ausgleichende Gerechtigkeit, während sie im christliche Mittelalter und der Neuzeit in Kunst und Literatur für die strafende Gerechtigkeit oder das Rechtswesen steht. Meine Darstellungen der Justitia greifen auf beide Interpretationen zurück.

Die Attribute der Justizia

Die Waage kennzeichnet als erstes Attribut die Justitia, egal in welchem Jahrhundert sie dargestellt wird. Ansonsten wandeln sich die Attribute der Justizia im laufe der Jahrhunderte. In der Antike wurden ein Füllhörn und Olivenzweige der Justizia zur Seite gestellt. Der Olivenzweig wird im christlichen Mittelalter zum Schwert. Die Einäugigkeit, bzw. Augenbinde wird im 15. Jhd. ein Attribut der Justitia, es symbolisiert Unparteilichkeit, also das Richten ohne Ansehen der Person.

Annährung mit Skizzen nach einer Figur

Ich näher mich der Justitia, indem ich eine kleine Figur, die mein Sohn aus Italien mitbrachte, skizziere. Sie ist schwer zu erfassen, denn ich möchte nicht, dass Waage und Figur sich überschneiden.

In den beiden entgültigen Zeichnungen, die aus den Skizzen der Skulptur entstehen, nehem ich Attribute dazu, die mir in Verbindung mit Gerechtigkeit gefallen: Die Eule für die Melancholie und den Vogel für die Freiheit.

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Das eherne Zeitalter von Rodin – Skizzen von Susanne Haun

Das eherne Zeitalter von Rodin steht in der zurzeit geschlossenen Alten Nationalgalerie in Berlin.

Gerne laufe ich in Museum um Skulpturen herum und skizziere. Das ist uns aufgrund der Pandemie verwehrt und so war ich sehr glücklich, das eherne Zeitalter in der 3-D-Ausstellung Nah am Leben der Gipsformerei zu entdecken.

In Kooperation mit dem Studio Jester Blank haben die Staatlichen Museen zu Berlin zum ersten Mal einen 3D-Rundgang durch eine Ausstellung realisiert. Die neuartige, immersive 3D-Ausstellung basiert auf der im März 2020 in der James-Simon-Galerie zu Ende gegangenen Ausstellung „Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“. Die Besucher*innen können sich frei im virtuellen Ausstellungsraum bewegen und die Ausstellung und ihre ungewöhnlichen Objekte so erkunden, als wären sie vor Ort. Zusätzlich lassen sich 20 Exponate in einer besonders hochauflösenden 3D-Ansicht darstellen.“

steht auf der Seite der Gipsformerei zur Ausstellung:
https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/gipsformerei/ueber-uns/virtuelle-rundgaenge/nah-am-leben/ , 19.11.2020, 16:05 Uhr

Wenn ihr dem Link folgt, dann gibt es eine Einführung mit dem Wichtigsten, was diese Figur ausmacht und am besten ist, ihr könnt das 3-D Modell mit der Mouse drehen! Ihr könnt sogar von oben oder von unten auf das Modell schauen. Unglaublich, was die Technik vermag! Ich konnte Skizzen erstellen, die ich nicht mal im Museum erstellen könnte, denn ich könnte nicht von oben auf die Skulptur schauen!

Was sagt ihr zum Titel Das eherne Zeitalter?

Ausstellung · Philosophie · Roddahn · Zeichnung

Was bei der Ausstellungsplanung alles zu beachten ist (3) – Der Titel – Susanne Haun

Der Titel ist mit der Zeichnung der Einladungskarte das Aushängeschild für die Ausstellung.

Ich nehme mir grundsätzlich viel Zeit für den Titel und schreibe Zettel. Ich denke, der Titel sollte knapp auf meine Zeichungen und den Ausstellungsort referieren.

Wittgenstein schreib in seinen philosophischen Untersuchungen §17 in Schriften 1
„Eine Sprache vorstellen heißt, sich eine Lebensform vorstellen.“²

Dieses Zitat ist auf einen der Notizzettel, die ich zum Titel erstellt habe, zu lesen.

Titel - Überlegungen (c) Susanne Haun
Titel – Überlegungen (c) Susanne Haun

 

In der Kirche gibt es viele Zeichen, die wir automatisch deuten. Den meisten von uns ist die christliche Ikonografie bekannt. Wir erkennen Abbildungen von Jesus und wir erkennen, ein Gebäude, wenn wir es sehen, als Kirche. Die Roddahner Kirche offenbart sich erst im Inneren als solche. Ich setze meine Zeichen – Zeichnungen – dazwischen, mitten in den Raum und korrespondiere so mit der schon im Raum befindlichen Ikonografie.

Titel - Überlegungen (c) Susanne Haun
Titel – Überlegungen (c) Susanne Haun

 

Am Ende meiner Überlegungen lege ich den Titel der Ausstellung fest:

Sprachspiel –> ZEICHnung

Sobald ich mich mit dem Veranstalter, dem Arbeitskreis Offene Kirche Roddahn e.V. auf das Datum der Ausstellungseröffnung geeinigt habe, kann ich die Einladungskarte entwerfen.

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²Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen §17, in Schriften 1, Frankfurt 1969, S. 296

Ojekt · Zeichnung

Ich nenne sie Maggie – Objekt von Susanne Haun

Der Arbeitstitel für mein Objekt ist „Maggie“.

Meine Dinge in meinem zweiten Atelier im Wedding - Foto von Susanne Haun
Die gute alte Maggie in meinem damaligen Atelier in der Martin-Opitz Strasse  – Foto von Susanne Haun

 

Vor einigen Jahren hatte ich eine Schaufenster-Hut-Puppe bei ebay ersteigert. Ich nannte sie Maggie. Bei einen meiner vielen Atelierumzüge verkaufte ich sie wieder bei ebay und habe sie seither jeden Tag vermisst. Ich verkleinerte mich damals räumlich und meinte, keinen Platz mehr für meine Maggie zu haben. Das stimmte auch. Aber trotzdem …. vielleicht hätte ich sie irgendwo zwischenlagern können….

Von den Proportionen sieht meine „neue Maggie“ fast so aus wie die Alte.

 

Entstehung von Maggie - Objekt Zeichnung von Susanne Haun
Entstehung von Maggie – Objekt Zeichnung von Susanne Haun

 

Es ist nicht einfach, den Torso zu bezeichnen. Heute habe ich auf der linken Torsohälfte einen Vogel gezeichnet und war stark am überlegen, wie ich den Kopf gestalten werden. Das Gesicht ist mir zu schön.

Die Schäden bezeichne ich deutlich sichtbar. Sie wirken für sich betrachtet abstrakt. Mehr als eine Abstrakte Vorstellung von unserem Gehirn besitzen wir leider auch nicht.

 

Entstehung von Maggie - Objekt Zeichnung von Susanne Haun
Entstehung von Maggie – Objekt Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung von Maggie - Objekt Zeichnung von Susanne Haun
Entstehung von Maggie – Objekt Zeichnung von Susanne Haun

 

Betrachtungen zur Kunst · Objekt · Zeichnung

Der Schaden ist sichtbar – Zeichnung von Susanne Haun

Kontinuierlich arbeite ich am Torso.

Die Schäden, die meine Schaufensterpuppe genommen hat, sind sichtbar. Wichtig ist es für mich, sie bewusst in mein Werk einfliessen zu lassen. Die Schäden sind vor der Kunst entstanden und bestimmen sie mit und nicht umgekehrt. Sie sind ein wichtiges Element der Arbeit.

Zerstörung Torso mit Kopf - Zeichnung auf Objekt von Susanne Haun
Zerstörung Torso mit Kopf – Zeichnung auf Objekt von Susanne Haun

Ein weiteres Element ist der Titel des Werks.

Sie ist nun keine Schaufensterpuppe mehr, sie wird zu Kunst alleine deshalb, weil ich es sage und weil ich Künstler bin. Ich bräuchte sie im Sinne Duchamps nicht bearbeiten und sie wäre schon Kunst. Aber in dem Fall war mir das alleinige Erheben zur Kunst zu wenig. Das Schwarz des Torsos war so mächtig, dass alle Linien verloren gingen. So war für mich das Weiß ein Muß.

Torso mit Kopf - Zeichnung auf Objekt von Susanne Haun
Torso mit Kopf – Zeichnung auf Objekt von Susanne Haun

Der Kopf auf dem Torso ist zerschmettert. Das Gehirn des Menschen ist sein höchstes Gut, sein Heiligtum. Dort sitzt der Mensch in seiner Ausprägung selber. Im zeitgenössischen Film wird dieses Thema oft ausgeschlachtet, ich denke da an „Source Code“ oder den Klassiker „Die Matrix“. So möchte ich den Titel in diese Richtung denken:

„Das höchste Gut des Menschen“ (Das Wort Gut ist mir philosophisch zu stark anders bewertet)

„Das Heiligtum des inneren Menschen“ (Das Wort Heiligtum ist mir zu religiös.)

Ich bin am Überlegen und Sammeln.

Betrachtungen zur Kunst · Double Bind · Vergänglichkeit · Zeichnung · Zeichnung

In den Titel gesetzt – Zeichnung von Susanne Haun

Der Titel verändert die Wahrnehmung.

Mit der Titulierung führe ich den Betrachter auf andere Fährten als er vielleicht ohne Titel gegangen wäre. Trotzdem ist mir der Titel wichtig. Er soll nicht das Betrachten und Denken der Sehenden ausschalten. Ich höre immer gerne, was der Betrachter sich beim Bild dachte.

Der Verantwortung entflogen (c) Zeichnung von Susanne Haun
Der Verantwortung entflogen (c) Zeichnung von Susanne Haun

In den letzten Tagen habe ich die Vergänglichkeit mit double bind verbunden und habe die Feder mit dem Füller getauscht. Das Papier habe ich von den Berliner Blättern beibehalten.

Es werden in den nächsten Tagen als Gegenpol zu den 18 gemeinsamen Berliner Blätter mit Jürgen 18 Einzelarbeiten von mir entstehen.

Ich zeichne das Thema aus meinem Inneren ohne real zu sehen.