Susanne Haun

Zitat am Sonntag – Wolfgang Hildesheimer – Collage von Susanne Haun

Posted in Collage, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 4. Februar 2018

 

… das Schreiben zwingt permanent zum Nachdenken über unser Leben, über unsere Vergangenheit, vor allem aber über unsere Zukunft, in der die Rezeption stattfinden soll.

Die Collage dagegen zwingt zum Nachdenken über Farbtöne, Schnittflächen, Papierstärke und ein sehr allmählich entstehendes Gebilde reiner aktiver Phantasie. Das heißt, daß Zeit und reale Welt ausgeschaltet bleiben …

Wolfgang Hildesheimer

 

Blatt 34 - Zum Andenken an Eure Ingeborg - 25 x 25 cm - Collage von Susanne Haun

Blatt 34 – Zum Andenken an Eure Ingeborg – 25 x 25 cm – Collage von Susanne Haun

 

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Hildesheimer, Wolfgang, Hildesheimer in Erwartung der Nacht, Collagen, Mit einer Einführung des Künstlers: Zu meinen neuen Collagen, Frankfurt am Main 1987, S. 2.

 

Von der Intimität einer Damenhandtasche – Susanne Haun

Posted in Stillleben, Zeichnung by Susanne Haun on 21. Dezember 2016

Der erste hefitige Schmerz ist geringer geworden, er hat sich in ein dumpfes Pochen des Vermissens gewandelt. Die Nächte bestehen nicht mehr nur aus stückweisem Schlaf unterbrochen von Trauer und Grübeleien.

Es gibt jedoch immer wieder Tage, da bricht alles wieder an die Oberfläche und zeigt mir, dass der Heilungsprozeß auch nach einem Vierteljahr noch nicht begonnen hat.

Damenhandtasche (c) Zeichnung von Susanne Haun

Damenhandtasche (c) Zeichnung von Susanne Haun

Das erste Mal haben wir 4 Wochen nach Mamas Tod ihre Sachen sortiert, die Mäntel aus der Gardrobe weggehangen, das Strickzeug in den Schrank gelegt und somit die unmittelbare Präzenz einer bis vor kurzem noch Lebenden verborgen. Ich habe dabei unter Tränen Mamas schwarze Alltagshandtasche (groß) – ihre letzte Handtasche – und eine kleine „ich gehe nur mal kurz raus Handtasche“ ausgeräumt. Die kleine Parfümflasche, Coco Chanel, die ich dabei unter anderem auch entdeckte, steht auf meiner Kommode, neben Mamas Foto.

Gestern war Papa nach Aufräumen zumute und wir haben gerade Bücher und Rezepte sortiert als Papa mir eine weiße große Handtasche in den Schoß legte. Mamas weiße Alltagshandtasche, gefüllt mit den Dingen, die Frauen in ihrer Handtasche haben, ihr Lippenstift, ihr Labello, kleine Reissverschlusstaschen mit Taschentücher, Hygieneartikel, Kugelschreibe, Notizheftchen, usw. Die Wunde der Trauer brach sofort wieder auf und die letzte Nacht habe ich kaum geschlafen.

Wenn ich es irgendwann hoffentlich in ferner Zukunft abschätzen kann, dass ich nicht mehr lange zu leben habe, dann werde ich meine Handtaschen leeren, werde persönlich die Stifte und Hefte und Lippenstifte und, und, und entsorgen. Das habe ich mir vorgenommen. Ich hoffe, ich kann dieses Vorhaben durchsetzen. Wie um das Vorhaben zu besiegeln, zeichnete ich meine Taschen in mein Skizzenbuch. Mamas Taschen mit Inhalten zu zeichnen wäre mir pietätlos vorgekommen.

Jürgen und die Nacht – ein neues Projekt – Zeichnung von Susanne Haun und Druckzeichenskizze von Jürgen Küster

Posted in Leinwand, Projekt ohne Namen, Zeichnung by Susanne Haun on 24. November 2016

 

Antriebsarm und Energielos fühle er sich, berichtete Jürgen auf seinem Blog (siehe hier). Das konnte ich auf keinen Fall zulassen und so gab ich Jürgen einen kreativen Tritt in den Hintern, wie er selber es so schön auf seinem Blog (siehe hier) ausdrückt.

Ich sendete ihm den ersten Teil eines Satzes und bat um zeichnerische Vollendung.

„In der Nacht verschwimmen die Gegenstände zu schwarzen verwischten Flächen, deshalb ……“.

Jürgen beantwortete den Satz mit

„… deshalb versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Glühen“.

 

deshalb-versucht-der-abfalleimer-ein-verzweifeltes-gluehen-c-holzschnitt-und-zeichnung-von-hans-juergen-kuester

Deshalb versucht der Abfalleimer ein verzweifeltes Gluehen (c) DruckzeichenSkizze von Hans-Jürgen Küster

 

Ich bekam auch einen Satzanfang, der mir ausgesprochen gut gefällt.

„Heute ist heute, morgen wird übermorgen und  …“

und beantwortete ihn mit

„… gestern ist nicht gewesen sondern wird Erinnerung.“

Für diesen Satz habe ich die Leinwand (80 x 60 cm)  „Hat meine Gedanken gelöscht“ aus dem Lager geholt. Sie steht für das Gestern und die Erinnerung.  Aus dieser Leinwand entsteht in vielen Schritten, die ich folgend fotografisch dokumentiert habe, der obige Satz:

 

 

Von der Materialität könnten die beiden Medien nicht unterschiedlicher sein. Jürgen nimmt seine „alten“ Holzschnitte und formt sie zu etwas Neuem und ich übermale meine „alten“ Leinwände und forme sie zu etwas neuem.
Ich bin begeistert. Bei aller Gegensätzlichkeit sind das wieder viele Gemeinsamkeiten und ich denke, es steuert auf eine sehr interessanten Austausch hin.

Und so kam mir folgenden Satzanfang in den Sinn:

„Es ist schwer vorstellbar, dass der hoch in den Himmel aufragende Turm …..“

Susanne Haun Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 160 – Oscar Wilde

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 11. September 2016

 

Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen,
bevor sie offensichtlich werden.²
Oscar Wilde

 

Erkenntniskraft (c) Zeichnung von Susanne Haun

Erkenntniskraft (c) Zeichnung von Susanne Haun

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² Zitat aus einem Artikel vom Kulturgipfel über Kulturtourismus, http://www.kulturgipfel.de/kulturtourismus-neu-denken/ , 6.9.16, 8:07 Uhr

 

Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 100 – Golo Mann

Posted in Zeichnung, Zitat am Sonntag by Susanne Haun on 12. Juli 2015

„Der Analytiker weiß alles. Aber er weiß es nur nachher – eine billige Überlegenheit über die Toten. Wenn er doch ein klein wenig Gesichertes auch über unsere eigene Zukunft wüßte, wenn seine Analysen auch darüber etwas Gesichertes aussagen könnten, dann würde ich noch mehr Respekt für ihn haben, als ich habe“.²
Golo Mann

Vanitas Stilleben Totenkopf Frontal (c) Zeichnung von Susanne Haun

Vanitas Stilleben Totenkopf Frontal (c) Zeichnung von Susanne Haun

 

 

 

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² Mann, Golo: Plädoyer für die historische Erzählung, in: Kocka Jürgen, Nipperdes, Thomas (Hrsg.), Theorie und Erzählung in der Geschichte, Beiträge zu Historik, Band 3, München 1979, S. 51.

Schiller, Stöcke und Tulpen – Zeichnung von Susanne Haun

Posted in Blumen und Pflanzen, Zeichnung by Susanne Haun on 11. März 2014

Das Schiller Projekt hat mir vor fast einer Woche einen Stock mit drei Fragen zugeworfen.

Die Zeit rast und ich werde den Stock endlich auffangen.

 Entstehung einer Tulpe auf 80 x 60 cm  (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung einer Tulpe auf 80 x 60 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

1. Ist Berlin der inspirierende Standort schlechthin oder könntest Du auch genauso kreativ in anderen Städten arbeiten?

Kurz gesagt, Berlin ist meine Heimat! Ich bin im Bezirk Wedding geboren, habe dort 30 Jahre gelebt, mein Kind im Bezirk Reinickendorf groß gezogen und lebe und arbeite nun wieder hier. Ich habe mir Berlin nicht wegen der Kunst ausgesucht. Berlin hat mich „ausgespuckt“ und geprägt. Das ich Künstlerin bin und die Stadt ein Eldorado der Künstler ist Zufall! Ein Zufall, den ich sehr zu schätzen weiß und der mir bei meiner Arbeit hilft.

2. Gibt es für Dich Künstler, die Du als Vorbilder siehst?

Ich mag besonders Zeichner … da sind Dürer, Michelangelo, Jansen, Merian und mehr zu nennen.
Das Rad muß ich nicht zweimal erfinden aber ich mag es, neue Räder erfinden….
Es ist eine große Erleichterung für mich, dass ich schon sehr lange meine eigene, wiedererkennbare Handschrift gefunden habe.

 Entstehung einer Tulpe auf 80 x 60 cm  (c) Zeichnung von Susanne Haun

Entstehung einer Tulpe auf 80 x 60 cm (c) Zeichnung von Susanne Haun

3. Welches Projekt möchtest Du auf jeden Fall in naher Zukunft noch umsetzen?

Als erstes würde ich das „NOCH“ streichen. Meine Arbeit ist ein ständiger Prozeß und kein Wettlauf mit der Zeit. Ich arbeite kontinuierlich jeden Tag. Zeichnung und Blogbeitrag reihen sich aneinander, ich erkenne ein Vorwärtskommen. Mein Blog ist ein Teil meines Werkes, es wird mein Vorwärtskommen und das vergehen der Zeit dokumentiert.
In naher Zukunft stelle ich in Grimma bei Leipzig aus (siehe hier) , dort werde ich eine 4,50 x 2,40 cm große Leinwand mit einer Zeichnung von mir zeigen. Grimma liegt bei Leipzig, vielleicht ist das ja auch eine gute Gelgenheit, das Schillerprojekt persönlich kennenzulernen.

Die Fragen garniere ich mit einer großen Arbeit, auf der Tulpen abgebildet sind. Ich habe die Zeichnung am Freitag erstellt.

Zurück in die Vergangenheit zum heute – Zeichnungen von Susanne Haun

Posted in Animation, Betrachtungen zur Kunst, Blumen und Pflanzen, Konzeptkunst, Skizzen, Skizzenbuch, Zeichnung by Susanne Haun on 14. September 2012

Bei meiner Suche nach Texten von Robert Smithson (siehe hier meine Beitrag dazu) habe ich einen Beitrag von ihm im Kunstforum Bd. 81, 4/85 entdeckt.

1985 ist erst knapp 30 Jahre her, aber wenn ich das Kunstforum durchblättere, dann ist mir, als ob Welten zwischen dieser Vergangenheit und dem heute liegen. Keine Homepages, 4stellige Postleitzahlen, seitengroße Anzeigen von Galerien und irgendwie strömt mir der vergangene Zeitgeist aus dem Heft entgegen.

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Mich fasziniert an Smithsons Text, dass er so sehr im Einklang mit seinem Werk steht. Zum Beispiel schreibt Smithson: „Kunstausstellungen, die einen Anfang und ein Ende haben, beschränken sich auf unnütze Darstellungsformen, seien diese nun „abstrakt“ oder „realistisch“.“

Liest man diesen Satz, dann muss man doch erst einmal denken, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als Kunst in genau solchen Ausstellungen zu zeigen. Aber Smitsons Spiral Jetty beweist uns das Gegenteil.

Smithson schreibt auch, dass die meisten Parkanlagen Rekonstruktionen des verlorenen Paradieses oder des Garten Edens sind und keine dialektischen Orte der Gegenwart.
Ich nehme an, dass Smithson die philosophische Deutung des Begriff „Dialektik“ meint, die Lehre der Gegensätze der Dinge, die Auseinandersetzung damit und die Aufhebung derselben.
Das würde die Orte, an denen er seine Werke plaziert, erklären. Es sind nie schöne Orte sondern immer Orte Abseits der Menschen so wie Baugruben, Halden oder verunreinigte Gebiete.

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Schaut man nun in die Gegenwart und  Zukunft, dann sind dort die digitalen Bilder. Sie sind weltweit zu sehen, werden also auch nicht von einem Anfang oder Ende begrenzt.

Während Teile der Natur vergänglich sind, wie meine Blumenblätter von vorgestern (siehe hier meinen Beitrag). Sie sind nun verwelkt. Den Eindruck, den ich im vergangenen Beitrag erreicht habe, den kann ich nun nicht mehr erreichen.

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Blumenblatt 15 x 15 cm Zeichnungen von (c) Susanne Haun

Ich arbeite gerade an der Animation der Blütenblätter (die ich euch später zeige), ebenso habe ich die verwelkten Blätter gezeichnet. Dazu habe ich „vergängliche“ Tusche und Skizzenpapier benutzt. Tusche, die keine Hinweise zur Farbechtheit enthält und Skizzenpapier, was sicher vergilbt. Es entspricht dem gewählten Motiv und die Zeichnungen sind auch nicht das Endprodukt von dem, was ich bezwecke.

For my english reader:
I bought in a Antiquariat the magazine „Kunstforum“ from 1985. There are only about 30 years from the past to now but I have the feeling there are a lot of more time passing by. In this magazine Robert Smithson wrote, that all gardens and parcs are reconstructions about the garden eden and that art exibitions having begin and end are useless forms of representation, whatever they are abstract or real.
It is a lot to think about it. My flower leaves arewithed today and so I make a new animation about them and drawed them with ink and paper that never lightfast. But that drawings are not the end of the work.

Zurück in die Vergangenheit zum heute – Zeichnungen von Susanne Haun

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