
Stress
Es ist nicht zu ergründen, wann ich das erste Mal Streß empfunden habe, zu schreiben. War es in der Oberstufe, als wir Erörterungen in Deutschklausuren schreiben mussten oder war es während des B.A. Studiums bei der ersten Hausarbeit?
Ich besuchte ein Schreibseminar und diskutierte ausführlich mit meiner Kommilitonin und Freundin Cristina Wiedebusch das für und wider eines solchen Seminars. Cris war der Meinung, sie brauche diese Seminare nicht. Unsere Abschlussarbeiten sind im Stil so unterschiedlich wie Tag und Nacht.
Mein größter Anspruch an meinen Texten liegt bei der Verständlichkeit. Ich möchte, dass die Texte von meinen Malschülerinnen in den praktischen Workshops genauso verstanden werden wie von den Künstlerinnen, die meine verschiedenen Seminare zur Präsentation im Netzwerk und meinen Professorinnen und Kommilitoninnen, die meinen Vorträgen zu meiner Dissertation lauschen.
Geheimvokabular
Während ich Fachbegriffe, die ich verwende, versuche, elegant im Text zu erläutern, benutzt Cris am liebsten viele Fachwörter, um zu zeigen was sie kann und was sie gelesen hat. Ihre Texte klingen akademisch, aber manchmal sind sie auch für mich als Künstlerin und Kunsthistorikerin schwer verständlich. Die langen Sätze, gespickt mit Fachwörtern muss ich mehrere Male lesen, um zu begreifen, was mir die Autorin sagen will und da Cris in einem anderen Bereich der Kunstgeschichte tätig ist, muss ich die Fachwörter zum Teil nachschlagen.
Cris hat ihr Studium mit der Abschlussnote 1,1 beendet. Hier nochmals herzlichen Glückwunsch dazu.
Schon in meinen ersten Hausarbeiten haben ich in den Beurteilungen zu hören bekommen, dass „ich zu deskriptiv sei“, so auch in meiner Masterarbeit. Ich bin stur, manchmal nehme ich einen Ratschlag nicht an. Wenn ich von etwas überzeugt bin, lasse ich mich schwer umstimmen. Das ist nicht immer gut.
Ich habe mein Studium mit der Note 1,5 abgeschlossen und bin sehr zufrieden mit meinem Abschluss.
Die Kunst des professionellen Schreibens
Irgendjemand empfahl mir das Buch „Die Kunst des professionellen Schreibens“ von Howard S. Becker. Becker diskutiert im zweiten Kapitel „Selbstpräsentation und Autorität“ mit einer Studentin, die Cris Standort einnimmt. Die Studentin möchte sich durch das sog. Geheimvokabular den Weg in die Akademiker Elite erschließen. Becker deutet diese in der akademischen Welt weit verbreitete Schreibweise als den Wunsch als eine bestimmte Person wahrgenommen und anerkannt zu werden.
Quelle: Becker, Howard S., Die Kunst des professionellen Schreibens, Frankfurt am Main, 2000, S. 46 – 53.
Übersprung Handlung
Nun sitze ich vor meinem ersten Kapitel der Dissertation und überlege, wie ich einen interessanten Erzählstil für die wissenschaftlichen Fakten finden kann. Auf 26 Seiten lege ich zur Zeit meine Argumente dar. Ich möchte kürzen und eigenes besser zum Ausdruck bringen und ich möchte verständlich bleiben.
Mit einem Wort: ich bin schreib-gestresst.
Blumen Zeichnen
Als Ablenkung zeichne ich Blumen, ich zeichne, was ich sehe.
Wie durch Zauberhand
Kann ich nicht auch schreiben, was ich im Kopf habe, frei runter? Ich habe begonnen, meine Gedanken in Word zu diktieren. Das macht mich frei, ich quatsche, was ich denke und wie durch Zauberhand erscheinen die Buchstaben und Wörter in meinem Dokument.
Unfertig!
Aber als Basis fantastisch.

