Susanne Haun

Ein politischer Tag

Posted in Kunst und Politik, Portraitmalerei, Zeichnung by Susanne Haun on 23. Mai 2009

Heute ist ein politischer Tag.

Das Grundgesetz ist 60 Jahre alt geworden und der Bundespräsident wurde für die nächsten 5 Jahre gewählt. Ich finde es schade, dass Gesine Schwan es wieder nicht geschafft hat. Nun schon zum zweiten Mal!

Ich habe begonnen, den Baader Meinhof Film auf DVD zu schauen. Ich dachte, dass paßt zu diesem politischen Tag. Ich habe mich schon oft gefragt, wie aus Ulrike Meinhoff, Ulrike Meinhoff wurde. Zu diesem Thema habe ich schon vor mehreren Jahren das Buch „Lieber wütend als traurig“ von Alois Prinz gelesen. Es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich habe mir den Bildband von Gerhard Richter mit den Bildern der Toten des Baader Meinhoff Komplexes gekauft. Es ist in den U.S.A. verlegt. In Deutschland ist es noch ein Tabuthema zum Herausgabedatum gewesen.
Der Film ist ab 12 Jahre freigegeben. Ich bezweifle allerdings, dass mein 15jähriger Sohn versteht, um was es dort eigentlich geht.
Auch ich begreife es zum Teil nicht. Ich begreife ihren Idealismus und ihren Wunsch, die Welt zu ändern, zu verbessern. Aber ich begreife nicht, warum sie dazu übergegangen ist, Menschen zu töten. Sicher, in ihren Schriften liest man, wie sie sich von dem Individuum Mensch entfernte und nur noch die jeweiligen Idiologien sah und die Personen versachlichte.
Vielleicht war es auch ihre Intelligenz und Begabung zum Schreiben vermischt mit der Gewaltbereitschaft von Andreas Baader. Wir werden es wohl nie erfahren, was in ihren Köpfen vorgegangen ist.
Ich versuche, sie zu begreifen, indem ich sie zeichne. Ich habe sie auch schon 2005 gemalt.
Aber sie gibt ihr Geheimnis nicht preis.
Ich frage meine Eltern, wie sie diese Zeit empfunden haben, was sie dachten. Aber sie hatten in den 60ziger und 70ziger noch zu sehr zu kämpfen, ihre Familie – also meinen Bruder und mich – über die Runden zu bringen. Ich habe überlegt, ob Revolution wie in diesem Fall nur etwas für die Kinder der gehobenen Mittelschicht ist. Die Mittelschicht hat mehr Zeit und Geld zu revolutionieren. Muss es der Arbeiterschicht erst einmal so schlecht gehen, dass sie befürchten muß zu verhungern, ehe sie auf die Straße geht? Warum ist Deutschland heute so unpolitisch? Liegt das am von Kohl eingeführten Privatfernsehen? Brot und Spiele?

Das sind für mich Fragen über Fragen.

Ich werde wohl noch zwei Bücher zum Thema lesen. Die Biographie von Ulrike Meinhoff geschrieben von Jutta Ditfurth und das Buch der Tochter von Ulrike Meinhoff, Bettina Röhl.

One Response

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  1. Wanja Zerwel said, on 24. Mai 2009 at 10:42

    Vielleicht hängt Radikalität mit einem Hang zum Dogma, dem Besitz des alleinigen Heilsweg, zusammen?
    Manchmal verbunden mit persönlicher Verzweiflung?
    Jedenfalls empfinde ich für Ulrike Meinhof Bedauern.
    Liebe Grüße Wanja


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