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Aus der Sicht meines Bruders und das Vergessen – Selbstportrait von Susanne Haun

Mein Bruder und ich sind Geschwister wie sie im Buche stehen.

Wir können uns bis auf’s Messer streiten und im nächsten Augenblick liegen wir uns in den Armen. Das hat sich in den 45 Jahren unseres Geschwisterseins nicht geändert. Wir konnten das mit 5, 12, 20, 30 und auch jetzt noch mit über 40 Jahren.

Durch meines Bruders Augen - Version 2 - Zeichnung von Susanne Haun - 35 x 35 cm - Tusche auf Bütten

Bei meiner Weihnachtsöffnung fotografierte mein Bruder in meinem Atelier und ich benutze die Fotos für die heutigen beiden Selbstportraits. Es ist schwer, sich selber aus der Sicht eines anderen zu zeichnen. Es fällt mir sehr viel einfacher, mich in den Spiegel betrachtend zu zeichnen. Nie im Leben würde ich mich mit offenen Mund, die Zähne sichtbar darstellen und von oben kann ich so oder so nicht in den Spiegel schauen.

Siri Hustvedt berichtet in ihrem Buch „Was ich liebte“ unter anderem von dem Künstler Bill, der sich selber als Schatten malt. Sie schreibt in dem Buch auch über das Vergessen: „Aber wenn wir vergessen haben, (…) erinnern wir uns nicht immer daran, dass wir vergessen haben; das heißt, sich daran zu erinnern, dass wir vergessen haben, ist eigentlich nicht Vergessen, oder?“

Dieses Erinnern, einmal etwas gewußt zu haben, was ich jetzt nicht mehr weis ist für mich ein sehr schmerzhaftes Gefühl. Es hat sehr viel von Verlust an sich.

Durch meines Bruders Augen - Zeichnung von Susanne Haun - 35 x 35 cm - Tusche auf Bütten
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