Betrachtungen zur Kunst · Blumen und Pflanzen · Zeichnung

Überzeugungen, Luise Henriette und eine runde Malplatte für florale Zeichnungen von Susanne Haun

Je mehr ich über Kunstgeschichte lese und lerne, je mehr Ausstellungen ich sehe, je mehr Diskussionen ich verfolge, desto mehr finde ich zu mir und meinem eigenen Werk.

caption id=“attachment_9723″ align=“aligncenter“ width=“720″ caption=“Ausschnitt Stockrose – Zeichnung von Susanne Haun auf Malplatte 40 cm Durchmesser“]Ausschnitt Stockrose - Zeichnung von Susanne Haun auf Malplatte 40 cm Durchmesser[/caption]

Ich habe den Drang meine Linien immer wieder auf andere Formate zu setzen, sie in Kontexte zu bringen und sie zu „Dreidimensionalisieren“. Wichtig ist mir dabei, dass es meine Linien bleiben. So habe ich bei meinem letzten Boesner Besuch nicht widerstehen können, eine 40cm im Durchmesser mit Leinwand bespannte Malplatte zu kaufen. Ich fand das runde Weiß einfach schön. „Was hast du denn da für eine Satelittenschüssel?“ fragte mein Sohn. Auf diese Satelittenschüssel habe ich heute eine magentafarbende Stockrose gezeichnet.

Trotz Regen kann ich gut auf meinem Balkon zeichnen - Foto von Susanne Haun
Trotz Regen kann ich gut auf meinem Balkon zeichnen - Foto von Susanne Haun

Die Tusche hat auf der Leinwand einen anderen Verlauf und es ist schwierig, die Linie zu modellieren – also eine echte Herausforderung! Ein weiterer großer Unterschied zum Papier ist, dass die Tusche nicht einzieht, sie bleibt oben auf dem Gewebe und trocknet nach langer Zeit.

Heute Morgen kam auch das von mir bestellte Buch „Luise Henriette von Nassau-Oranien“ von Hans Biereigel. Nun weiss ich mehr über den Background der Kurfürstin aber nicht vom Garten und von den Briefen, die sie ihrem Gemahl schrieb. Auch bestätigte sich nach der Lektüre nicht die Aussage meiner Nachbarin, die mit mir bei der Kurfürstin war und berichtete, dass Luise Henriette grausame Erlasse herausbrachte. So bleiben große Teile ihres Lebens für mich weiterhin Spekulation und werden meine Fantasie anregen.

So wie meine Fantasie auch durch diesen Brief von ihr an ihren Gemahl angeregt wird. Dieser Brief diente als Vorlage für den Aufbau des Schlossgarten Oranienburgs, von dem ich gestern berichtete.

„Gnädigster Kurfürst, heute Nacht hatte ich einen gar wundersamen Traum. Ich
wandelte durch einen weiten Park, theils von wildem Gehölz bestanden, theils
fein gestaltet von Gärtners Hand. ein Schmetterling flatterte wie närrisch
vorbei, aber dann umflog er mich und wies mir den Weg auf lange Gräben hin, die
mich erinnerten an die Grachten meiner theuren Heimat. An ihren Ufern standen
prachtvolle Gartenzimmer, darin die Blumen mit Nymphen und Kobolden spielten und
gar seltsame Dinge mich ergötzten: Eine klingende Sanduhr etwa und ein riesig
Bett, darauf manch Kinder spielten. Alsbald führte mich der Weg hin zu einem
Hafen, wo ein Schiff die Segel blähte und Orangen auf dem Wasse schwammen und
später sah ich Fontänen aufspritzen und stand vor grünen Hecken, sah Rosen
blühen in Vollkommenheit.
Und dann sah ich Dich, mein Gemahl, der die Arme
öffnete, um mich zu umfangen“.

2 Kommentare zu „Überzeugungen, Luise Henriette und eine runde Malplatte für florale Zeichnungen von Susanne Haun

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