Ausstellung · Betrachtungen zur Kunst

Anthony McCall im Hamburger Bahnhof – Bericht und Fotos von Susanne Haun

Ankündigung von Anthony McCall am Hamburger Bahnhof (c) Foto von Susanne Haun
Ankündigung von Anthony McCall am Hamburger Bahnhof (c) Foto von Susanne Haun

Heute habe ich die Ausstellung „Five Minutes of Pure Skulpture“ von Anthony McCall im Hamburger Bahnhof gesehen.

Ich war dort mit dem Seminar „Skulptur, Raum, „expanded field“, dass ich im Rahmen meines Gastsemesters bei der FU Berlin besuchte.

Als ich in den großen Raum des Hamburger Bahnhofs eintrat, war ich in einer anderen Welt. Ich war schon öfter dort zu Ausstellungen, die Verwandlung ist allerdings dieses Mal kolossal. Der Besucher betritt einen halbdunklen Raum, indem sich die Lichtskulturen vor ihm ausbreiten. Ich spürte dasselbe, was ich damals in Abu Simbel in Agypten spürte, eine große Ergriffenheit vor den Monumentalen Figuren.

Hamburger Bahnhof Berlin (c) Foto von Susanne Haun
Hamburger Bahnhof Berlin (c) Foto von Susanne Haun

Die Skulpturen von McCall sind geometrischer natur und begehbar, der Besucher wird Teil der skulpturalen Licht Projektionen. Die Skulpturen scheinen alle physikalischen Gesetze zu sprengen. Sie entstehen durch bewegte, programmierte Videoprojektionen, die weiße Linien darstellen, die sich innerhalb eines bestimmten Zyklus verändern. Um die Lichtkegel zu sehen, wird mit Dunstmaschinen leichter Nebel in den Raum gegeben. Steht der Besucher in einem Lichtkegel kann er die sich verändernden Formen und Linien beobachten, die durch den Zyklus entstehen.

Nach Betrachten der Ausstellung konnten wir eine Stunde lang mit der Kuratorin der Ausstellung, Henriette Huldisch, diskutieren. So haben wir erfahren, was McCall wichtig ist und was nicht und wie die Ausstellung kuriert wurde.

McCall hat zwischen seiner ersten und zweiten Schaffensphase ca. 20 Jahre pausiert, da einmal die Technick für seine Ideen noch nicht so weit war und er auch nicht das nötige Geld zur Fortsetzung seiner künstlerischen Karriere hatte. Er hatte seine neuen Arbeiten aber schon länger im Kopf. Er sieht sich als Zeichner, Filmkünstler und Bildhauer und ich finde, dass er auch genau das ist, alles in einem.

In dieser Ausstellungen werden seine Skulpturen bewußt ohne die Zeichnungen und Skizzen gezeigt, die McCall zu den Figuren gebracht haben. Mir persönlich gefällt das sehr, denn so ist die Auseinandersetzung des Besuchers mit der Projektion viel größer. McCall allerdings möchte den Besuchern gerne seine Zeichnungen und Skizzen zeigen, denn er sieht auch das konzeptionelle dabei. Die einzelnen Zeichnungen haben aber keinen eigenen Werkcharakter.

Interessant fand ich auch die Anekdote, dass die Lichtskulpturen seiner 1.Schaffensperiode ohne Dunst- oder Nebelmaschine funktionierten, weil in den New Yorker Lofts, wi diese gezeigt wurden, so viel Staub lag und geraucht wurde.

Ich wußte auch nicht, dass ein Filmprojektor ein tieferes, schöneres Schwarz als die Videoprojektoren machen und so der Kontrast zum Weiß intensiver wird. Im Hamburger Bahnhof werden Videoprojektoren verwandt. Für die senkrechten Skulpturen können auch keine Filmprojektoren verwandt werden. Das ist technisch nicht möglich.

McCall programiert die Bewegung der Linien nicht selber, aber in seinem Katalog sind die Bewegungsmuster zu sehen, die er dem Programmierer vorgibt.

Es wurden übrigens ca. 2.000 Fenster der Haupthalle des Hamburger Bahnhofs verdunkelt.

In der Ausstellung selber habe ich nicht fotografiert. Das gesehene muss erlebt werden, kein Foto kann es darstellen. Im Katalog sind wenige Fotos der Ausstellung, die nicht ansatzweise wiedergeben, was zu sehen ist.

Nach der Ausstellung habe ich auf der Spreebrücke noch interessantes Berliner Gelb gefunden (siehe meine Beiträge über Gelb hier)

Anthony McCall im Hamburger Bahnhof – Bericht und Fotos von Susanne Haun

6 Kommentare zu „Anthony McCall im Hamburger Bahnhof – Bericht und Fotos von Susanne Haun

  1. Liebe Susanne, ohne Fotos der Ausstellung machst du mich wirklich neidisch… ich denke ich werde gleich mal bei Google suchen 😉

    Schön finde ich vor allem auch den Tippfehler „Lichtskulturen“, da er zum einen die „Kultur“ in sich trägt, und zum anderen hat er mich an fluoreszierende Bakterien-„Kulturen“ erinnert, in anbetracht der Beschreibung der Ausstellung mit ihren sich bewegenden Leuchterscheinungen als begehbaren geometrischen Räumen eine interessante und belebende Assoziation.

    Liebe Grüße Ute

  2. „Gegen Ende der 1970er zog er sich als praktizierender Künstler zurück …“

    Mich würde ja mal interessieren, was Herr McCall in seinem mehr als zwanzigjährigen Sabbatical so getrieben hat …

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