Anfang der Woche war ich in Schwerin und besuchte unter anderem die Galerie Alte und Neue Meister in Schwerin. Der Eingang ist unspektakulär und versteckt.
Ich bin erstaunt über die Schlichtheit des Eingangs, birgt das Muesum doch die deutschlandweit größte Sammlung von Werken Marcel Duchamps.
Schon einige Male habe ich mich hier in meinem Blog mit Duchamp auseinandergesetzt. So zum Beispiel im März 2012 (siehe hier) wo ich mir die Frage stellte, bei welchen Wörtern der Sinngehalt größer ist als das was im Wörterbuch als Erläuterung steht?
Wenn der Name Duchamp fällt, dann ist sofort dass Pisseoir, ein Ready-made, in meinem Kopf. Objet trouvés oder Ready-mades sind Kunstwerke, die aus vorgefundenen Alltagsgegenstände ohne große Veränderung zum Kunstwerk erhoben werden. Das berühmteste ist vielleicht Duchamps Pisseoir besser “Fountain”. Auf mich üben Ready-mades eine große Anziehungskraft aus (siehe meinen Artikel vom Juni 2012 dazu.)
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Exponat „Trébuchet / Stolperfalle / Trap“ von Duchamp im Schweriner Museum.
Was erhebt das Gardrobenbrett zum Kunstwerk?
Die große Unterschrift von Duchamp?
Der Titel?
Die Geschichte dazu?
Oder das alles, was in einem Künstleratelier ist auch Kunst ist (siehe dazu meinen Artikel vom Juni 2012 zu Bruce Naumann hier)
Die Arbeit ist die erste sockellose Bodenplastik des 20. Jahrhunderts. Mehrer von Duchamps Atelierbesucher und er selber ebenso stolperten über das Gardrobenbrett bevor er es zum Kunstwerk erhob. Daraus folgt der Titel.
Sehr interessant finde ich auch, dass andere Künstler nach Zeichnungen von Marcel Duchamps arbeiten und somit einen Prototyp seines Werkes schaffen. Beim Flaschentrockner nach Duchamps Zeichnung wird als „Künstlername“ Pierre Granoux angegeben. Ich verstehe nicht, wie hier die Urheberschafft zu sehen ist.
Neben den Neuen Meistern hängen auch die Alten Meister im Museum. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie der Kunstbegriff sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert hat.
Bei den alten Meistern gefiel mir besonders das sehr große Nashorn.
Ob es wohl dasselbe Nashorn war, das auch Dürer inspirierte? Siehe dazu meinen Artikel von letzter Woche hier.
