Ausstellung · Betrachtungen zur Kunst · Kunstgeschichte

Der Kontrast zwischen Alten und Neuen Meistern in Schwerin – Bericht von Susanne Haun

Anfang der Woche war ich in Schwerin und besuchte unter anderem die Galerie Alte und Neue Meister in Schwerin. Der Eingang ist unspektakulär und versteckt.

Der Eingang der Galerie Alte und Neue Meister in Schwerin ist unspekatkulär (c) Foto von Susanne Haun
Der Eingang der Galerie Alte und Neue Meister in Schwerin ist unspekatkulär (c) Foto von Susanne Haun

Ich bin erstaunt über die Schlichtheit des Eingangs, birgt das Muesum doch die deutschlandweit größte Sammlung von Werken Marcel Duchamps.

Schon einige Male habe ich mich hier in meinem Blog mit Duchamp auseinandergesetzt. So zum Beispiel im März 2012 (siehe hier) wo ich mir die Frage stellte, bei welchen Wörtern der Sinngehalt größer ist als das was im Wörterbuch als Erläuterung steht?

Wenn der Name Duchamp fällt, dann ist sofort dass Pisseoir, ein Ready-made, in meinem Kopf. Objet trouvés oder Ready-mades sind Kunstwerke, die aus vorgefundenen Alltagsgegenstände ohne große Veränderung zum Kunstwerk erhoben werden. Das berühmteste ist vielleicht Duchamps Pisseoir besser “Fountain”. Auf mich üben Ready-mades eine große Anziehungskraft aus (siehe meinen Artikel vom Juni 2012 dazu.)

Das Ready-made Stolperfalle von Duchamps
Das Ready-made Stolperfalle von Duchamps

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Exponat „Trébuchet / Stolperfalle / Trap“ von Duchamp im Schweriner Museum.

Was erhebt das Gardrobenbrett zum Kunstwerk?

Die große Unterschrift von Duchamp?

Der Titel?

Die Geschichte dazu?

Oder das alles, was in einem Künstleratelier ist auch Kunst ist (siehe dazu meinen Artikel vom Juni 2012 zu Bruce Naumann hier)

Die Arbeit ist die erste sockellose Bodenplastik des 20. Jahrhunderts. Mehrer von Duchamps Atelierbesucher und er selber ebenso stolperten über das Gardrobenbrett bevor er es zum Kunstwerk erhob. Daraus folgt der Titel.

Flaschentrockner (Ausschnitt) von Pierre Granoux nach Zeichnung von Duchamps
Flaschentrockner (Ausschnitt) von Pierre Granoux nach Zeichnung von Duchamps

Sehr interessant finde ich auch, dass andere Künstler nach Zeichnungen von Marcel Duchamps arbeiten und somit einen Prototyp seines Werkes schaffen. Beim Flaschentrockner nach Duchamps Zeichnung wird als „Künstlername“ Pierre Granoux angegeben. Ich verstehe nicht, wie hier die Urheberschafft zu sehen ist.

Neben den Neuen Meistern hängen auch die Alten Meister im Museum. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie der Kunstbegriff sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder geändert hat.

Bei den alten Meistern gefiel mir besonders das sehr große Nashorn.

Blick in eine andere Halle
Blick in eine andere Halle

Ob es wohl dasselbe Nashorn war, das auch Dürer inspirierte? Siehe dazu meinen Artikel von letzter Woche hier.

11 Kommentare zu „Der Kontrast zwischen Alten und Neuen Meistern in Schwerin – Bericht von Susanne Haun

  1. Da habe ich ja einen schönen Grund nochmal nach Schwerin zu fahren und dort eine Pause zu machen.

    Danke, mick.

      1. Das Schweriner Schloß kommt natürlich als erstes dran. Ich war schon dreimal dort, immer auf dem Weg zur Ostsee. Beim nächsten Mal mache ich aber länger dort einen Besuch.
        Ein gutes Wochenende, mick

  2. Liebe Susanne, kennst du den Film „Midnight in Paris“? Seit ich ihn sah, muss ich immer, wenn ich etwas über Nashörner lese, an Adrian Brody denken, der in dem Film den leicht durchgeknallten Dali spielt und bedeutungsschwer und mit frz. Akzent immer wieder „Rhinoceros“ sagt : )

    1. Nein, liebe Petra, den habe ich nicht gesehen. Aber ich setze ihn gleich auf meine Wunschliste bei Amazon….. 🙂 Einen schönen Freitag im Urlaub sendet dir Susanne

  3. Guten Morgen, Susanne, der Kontrast zwischen alten und neuen Meistern klingt sehr spannend. Es ist schon interessant, wie sich der Kunstbegriff im Laufe der Zeit weiterentwickelt und Kuenstler wie Duchamps die Grenzen austesten, wie dehnbar der Begriff Kunst ist. Sonnige Gruesse aus Greenwich, Peggy

    1. Ja, Peggy, das finde ich auch. Es macht Spaß sich immer tiefer darin zu verlieren. Deshalb besuche ich die Seminare und Vorlesungen für Kunstgeschichte an der Uni. Sonnige Grüße zurück aus Berlin sendet Susanne

  4. Hallo Susanne,
    ja so spielt das Leben. Ein schöner Bericht über den Kontrast der Alten und Neuen Meister 😉 Du hast ja schon gelesen, ich werde dort in der Kreativwerkstatt und der Ausstellung einen Portraitkurs geben. Eine klasse Gelegenheit immer mal wieder zu schauen, wie die Alten Meister es gemacht haben. Einen Platz von 14 habe ich noch zu vergeben.
    Frank
    P.S. Ich freue mich auch Deine Ausstellung in Schwerin

    1. Hallo Frank,
      ich drücke dir die Daumen, dass auch der letzte Platz noch besetzt wird.
      Die Galerie ist auf jeden Fall ein sehr schöner Ort zum Unterrichten.
      Viel Freude dabei….
      Einen schönen Samstag, Grüße aus dem sonnigen Berlin von Susanne

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